Beiträge von Maylin85

    Das bezweifelt doch niemand und findet vermutlich jeder richtig so. Ich persönlich finde unzureichende Leistungsselekion sehr hinderlich und meine, stärkere Selektion führt zu besserer Förderung auf allen Niveaustufen, aber auch Leistungsheterogenität ist noch händelbar, wenn die Kinder ein angemessenes Sozial- und Arbeitsverhalten aufweisen. Problematisch sind die verhaltensauffälligen Störer, die das Arbeiten aller massiv beeinträchtigen und von einigen hier anscheinend bewusst neben lernwiligen Kindern platziert werden. Das war der Ausgangspunkt. Hier erfolgt eine Ausrichtung des Unterrichtssettings auf diese Gruppierung und der Rest hat die Beeinträchtigungen bitteschön hinzunehmen.

    Du kannst doch Kinder rauswerfen, wenn ihr einen Trainingsraum habt umso besser. Man kann aber nicht jeden, der stört, an eine andere Schulart überweisen. Das können die anderen Schularten auch nicht.

    Warum eigentlich nicht? Ernst gemeint.. für Kinder, die wiederholt so massiv stören, dass sie nicht im Raum verbleiben können, müsste es gesonderte Einrichtungen geben, in denen sie erstmal schulkompatibel gemacht werden, lernen, sich mal zurückzunehmen, ihre Impulsivität zu händeln, etc. Wenn das klappt, können sie ja wieder im Regelsystem einsteigen.

    Genau dieses "wird man nicht los" führt dazu, dass Fehlverhalten nur mit wenig beeindruckenden Maßnahmen sanktioniert werden kann (oder gleich gar nicht) und Schüler das alles überhaupt nicht ernst nehmen. Eine drohende Überweisung an die Erziehungseinrichtung wäre vielleicht mal wirkungsvoll?


    Meines Wissens aber in erster Linie Kompetenzen und nicht Inhalte, oder ist das bei euch anders?

    Und wie lernt er dadurch, sich auch im Klassensetting zu konzentrieren?

    Whatever. Nennen wir es halt "Fachliches".

    Offen gestanden interessiert mich nicht, ob er das da lernt. In erster Linie kann der Störer mal in reizarmer Umgebung an Fachlichem arbeiten und der Rest der Gruppe hat ebenfalls bessere Lernbedingungen. Win win.

    ich habe das Gefühl, dass der Beruf einfach so einen (für mich, die würden mich andersherum genauso sehen) komischen Menschenschlag anzieht.

    Ist so.

    Wenn jemand sich im Klassensetting nicht konzentrieren kann, fördere ich dann eben mit Verschicken in Einzelarbeit im Trainingsraum, wo er ohne ablenkende Impulse von Mitschülern lernen darf.

    Ernsthaft, dass man überhaupt diskutieren muss, wieso Störer des Raumes verwiesen gehören, ist doch absurd. Der ganze Rest der Klasse kann bei tolerierten Verhaltensauffälligkeiten sicher ganz toll individuell lernen...

    @frosch Mich würde kein Zuschlag der Welt dazu bewegen in gewissen Ecken zu arbeiten, insofern halte ich das Problem für hochtheoretisch 😄

    Fair wäre als Sofortmaßnahme z.B. schonmal, sämtlichen Abordnungskräften eine Tagespauschale als Ausgleich für die abordnungsbedingten Mehrbelastungen zu zahlen. Vielleicht gäbe es dann auch ein paar Freiwillige.


    Ich hab vor einer Weile mal interessenshalber bei der Gesamtschule hier im Stadtteil angefragt, da ich mich ja nochmal umorientieren muss. Kein Brennpunkt, okayisher Ruhrgebietsstadtteil. Dort sind laut Schulleiter 17 (!) Vollzeitstellen unbesetzt - damit war das Thema für mich sofort erledigt, denn das ist direkt mal Mehrarbeit mit Ansage. Wer will da bitte arbeiten ohne irgendwelche Incentives...

    Ich glaube, die Irritation hier im Forum kommt daher, weil jede Lehrkraft auch die Erziehung als Aufgabe hat. Und da passt es eben nicht, Schüler direkt in den Trainingsraum zu schicken.

    Ich verstehe das Problem schon von beiden Seiten, aber sind nicht alle, die in der Pubertät sind, ein bißchen aufmüpfig? Welche Fälle meint ihr denn, dass die unbedingt separiert werden müssen?

    Anders gefragt: Was macht man mit einem Schüler, der in der Grundschule astrein mitgearbeitet hat, den aber die Hormonflut an andere Dinge als an Schule denken lässt und der deswegen den Unterricht stört? Sofort abschulen? Und dann arbeitet er an der Realschule direkt sauber mit? Oder verschiebt man das Problem nur und er kommt ggf. auch noch in ungünstige Gesellschaft?

    Meine Primäraufgabe ist aber die Vermittlung von Fachinhalten. Wenn jemand trotz 2-3 Ermahnungen nicht in der Lage ist, sich angemessen leise zu verhalten, muss er den Raum verlassen. Welche Palette von Erziehungsmaßnahmen soll man denn da abspulen? Ich kommuniziere klar eine Erwartung an ein angemessenes Verhalten; wenn der Schüler dem nicht entsprechen kann oder will, hat er seinen Anspruch auf Teilnahme des Klassenunterrichts für diese Stunde verwirkt und muss eben alleine im Trainingsraum arbeiten. Wir nehmen meines Erachtens viel zu viel Rücksicht auf Störer und verplempern viel zu viel Unterrichtszeit für den Umgang mit Unterrichtsstörungen.

    Was mich stört: es hat ja Gründe, warum bestimmte Regionen oder Stadtteile so massiv unterbesetzt sind. Man kann das natürlich über Zwangsverschiebungen lösen und unwillige Lehrkräfte hinschicken, von denen ein Teil sich ganz sicher über Krankheit/DU enziehen wird. Nachhaltiger wäre aber sicherlich, mal Anreize zu schaffen, um für diese Regionen langfristig Lehrkräfte zu gewinnen. Dass sich Ruhrpott-Brennpunkt vs. Kleinstadt im Münsterland nicht in unterschiedlichen Deputatstundenverpflichtungen spiegelt, ist angesichts der zeitlichen und nervlichen Mehrbelastungen im Brennpunkt grotesk. Auch könnte man in unterversorgten Regionen durchaus mal an den Gehältern schrauben und ordentliche Zulagen zahlen. Investitionen, um in diesen eh schon schwierigen Millieus saubere, attraktive, moderne Lernumgebungen zu schaffen, wären auch nett - ich hab nirgends abgeranztere Schulgebäude als im Ruhrgebiet gesehen und natürlich hat das Einfluss auf das Arbeits- und Lernklima. Die Bereitschaft, sich überdurchschnittlich schlechten Arbeitsbedingungen auszusetzen, muss von Arbeitgeberseite irgendwie kompensiert werden, wenn man das Problem langfristig lösen möchte.

    Die Haltung "Du kannst nicht jeden retten" kann man sich womöglich bei älteren Schüler:innen erlauben, in Klasse 1 ist das einfach fehl am Platz, in der Brennpunktschule einmal mehr. Da kann man sich ja nicht einfach den wenigen Lernbereiten widmen und die anderen sich selbst überlassen.

    Es ist doch kein "sich selbst überlassen", wenn man innerhalb eines Raumes räumliche Distanz zwischen Störern und Nichtstörern schafft. Die sitzen trotzdem im gleichen Raum und erhalten das gleiche Unterrichtsangebot.

    Ich finde die Orientierung am unteren Spektrum durchaus auch problematisch. Die Unauffälligen lernen direkt, dass ihre Wünsche und Bedürfnisse nachranging sind und Kinder mit Verhaltensauffälligkeit die Dynamik dominieren. Das ist einfach nicht


    Gerne würde ich die einfach z.B. in einen Trainingsraum schicken können, wenn die mal die anderen stören und so weiter. Stattdessen verwendet man viiiele Minuten des Unterrichts um mit den Störenfrieden umzugehen.

    Wir hatten am Gymnasium mal kurz einen Trainingsraum. Ich fand das Konzept gut, wenn es nicht dadurch untergraben worden wäre, dass man sich rechtfertigen musste, wenn man vermeintlich "zu häufig" und "zu viele" Schüler dort hingeschickt hat. Eigentlich hätte man direkt 3 Trainingsräume einrichten und das einfach mal konsequent durchziehen müssen.


    Ich verstehe auch gar nicht, wieso "Elitenförderung" so verpöhnt ist. An meiner alten Schule wurde die Biliklasse mit dem Argument soziale Selektion/Eliteklasse aufgelöst und der Bili-Bildungsgang ins Kurssystem ausgelagert, nachdem man in einigen Jahrgängen sehr sauber arbeitende Biliklassen und klassische Chaotenklassen hatte. Jetzt ist das Chaos eben in durchweg allen Klassen, was man so hört. Ganz toll für diejenigen, die in rund laufenden Klassen viel besser hätten arbeiten können.

    Das ist doch ein völlig anderes Thema, als wer neben wem sitzen muss? Wenn eine Lernbegleitung dabei ist, müssen Kind + Lernbegleitung halt irgendwo sitzen, aber auch hier -> im Idealfall da, wo es andere möglichst wenig stört.

    Wenn keine dabei ist, gilt das, was ich vorher geschrieben habe. Ich würde die Störer von den anderen trennen, um wenigstens letzteren ein möglichst störungsfreies Arbeiten zu ermöglichen. Das hindert mich als Lehrkraft doch nicht daran, diese Schüler bei Bedarf enger zu begleiten. Ohne Lernbegleitung bleibt diese Aufgabe doch ohnehin an der Lehrkraft hängen.

    es gibt im leben aber viel wichtigere bildung, als "gut" und strebsam in mathe, deutsch etc. zu sein (z.b.klassismus zu erkennen und ihm entgegenzuwirken und die welt etwas gerechter zu machen. wenn klassismus weg ist, lösen sich auch viele andere -ismen auf. aber solange zeynep und maddox nicht neben anton und luise sitzen sollen, weil die dann vielleicht ein paar pünktchen weniger scheffeln und menschen jenseits ihrer blase kennenlernen, wird das nichts!).

    und was, wenn man 15 "brennpunktkinder" und 7 "elitekinder" hat? gibts dann einen elitetisch in sicherer entfernung?

    Es geht gar nicht um ein paar Pünktchen, sondern darum, dass jedes Kind - meiner Meinung nach - ein Anrecht darauf hat, in der Schule möglichst ruhig und störungsfrei lernen zu können. Wenn es das aufgrund des Fehlverhaltens anderer nicht kann, was ja eh schon Alltag ist, ist das schlecht. Noch schlechter wird es, wenn es die Chaoten auch noch in unmittelbarer Nähe aushalten muss. Schule ist der einzige Mikrokosmos, in dem Menschen zugemutet wird, jede x-beliebige soziale Umgebung aushalten zu müssen - ohne Möglichkeit, sich eigenständig aktiv zu entziehen. Ich finde es sehr fragwürdig, wenn diese institutionelle Macht zum Nachteil des nicht-verhaltensauffälligen Kindes missbraucht wird. Der Ansatz, das Maximum für die Problemfälle herauszuholen, ist ja furchtbar nett, geht aber eben oftmals auf Kosten der anderen.

    Was genau soll das mit „normal tickend“ zu tun haben?

    Aus der eigenen Erfahrung als „Pufferkind“: Das war nicht immer spaßig, hat aber niemals mein Lernen behindert. Das muss also nicht zwangsläufig miteinander einhergehen, selbst wenn es vielleicht für dich so war.

    Echt, kann man das? Was ist, wenn in einer Klasse von 24 SuS 8 Chaoten sind, die streng genommen alle allein sitzen müssten mit weitem Abstand, Kopfhörern gegen Störgeräusche und einer Einzelbetreuung, sowie weitere 10 SuS nur mitzuarbeiten schaffen, wenn sie neben einem/ einer der mitwirkungsfähigeren/ -willigeren restlichen 8 sitzen (Regelklasse, SEK. 1, Hauptschulzugklasse, kein Brennpunkt)? Wer bekommt einen der Plätze in der 1. Reihe? Wer muss neben wem sitzen, damit überhaupt Unterricht möglich wird?

    Spoiler anzeigen

    Die acht Verhaltenskreativen finden jede Reihe dazu geeignet den Unterrichte komplett aufzumischen, in Reihe 1 drehen die sich dann einfach ungeniert konstant um oder lärmen halt gemeinsam in Reihe 1 (hat ein Kollege mal getestet, die Acht alle in Reihe 1 zu setzen, das Experiment war nach zwei Schultagen beendet).

    Ganz ehrlich, in solchen Settings würde ich keinen Tag arbeiten und mein Kind sofort von dort abmelden und an der nächsten Privatschule anmelden, wenn es zu den Mitwirkungsfähigen gehört. Dass es dort nicht bestmöglich gefördert, sondern von der Umgebung ausgebremst wird, ist ja offensichtlich. Aus Lehrersicht würde ich ich mich auf diese 8 Mitwirkungsfähigen konzentrieren und sie ggf. mit den 10 weiteren mischen, in der Hoffnung, dass diese Gruppierungen einen guten Lernfortschritt miteinander erzielen können. Die 8 "Chaoten" würde ich vermutlich gebündelt vor meine Nase setzen und hab das in der Vergangenheit auch so gemacht. Ging mir selbst tierisch auf den Keks, denn dann bekommt man notgedrungen ja auch mehr Verhaltensauffälligkeiten mit, als wenn man sie weiter hinten wegsortiert, aber finde ich immer noch besser, als wenn Mitschüler das ertragen müssen.

    "Normal ticken" für mich diejenigen, die ein angemessenes Unterrichtsverhalten zeigen. Wer das tut, braucht von mir nicht irgendwo hingesetzt werden, sondern kann seinen Sitzplatz und seine Sitznachbarn natürlich auch selbst frei wählen.

    Mein Lernen ist schon "behindert", wenn ich neben jemandem sitzen muss, der laut und zappelig ist und mir damit permanent über die vielen vielen Stunden eines Schultages latent auf die Nerven geht. Ich erinnere mich an ständig umfallende Getränke, Lautstärke, Angerempeltwerden, weil der Sitznachbar seinen Bewegungsdrang nicht unter Kontrolle hatte, nicht mit seiner Seite des Tisches auskam, ständig aufsprang usw. usw.

    Man setzt das Pufferkind durch die ungewollte Nähe zu nervigen Mitschülern einem Dauerstress aus, der nicht sein muss und den es sicher nicht als angenehm empfindet.

    die angepassten haben aber doch schon das privileg, dass sie in der schule meist gut durchkommen und ein normales und nicht armutsgefährdetes leben führen werden, selbst wenn sie oft neben schwierigeren kindern sitzen. wo sollen die "chaoten" sonst lernen, wie man es richtig macht? man kann doch nicht die eine hälfte des klassenzimmers zum ghetto machen.

    Ernsthaft?! Es ist doch nicht Aufgabe der normal tickenden Kinder, für die anderen zurückzustecken und sie durchzuziehen.

    Ich war auch so ein Pufferkind und das ist einfach zum Kotzen und eine Zumutung, denn dadurch wird das eigene Lernen nunmal auch behindert und das sollte niemand dulden müssen. Ich selbst habe nie Sitzordungen vorgegeben und Kinder als Puffer missbraucht. Die Chaoten kann man sich geschlossen frontal vors Pult holen, damit muss man keine anderen Kinder belästigen.

    Ich persönlich empfinde so eine Hohlstunde zwischendurch mal eher als entlastend. In der Zeit trinke ich in Ruhe, mache Unterrichtsvorbereitungen oder Korrekturen, beantworte Mails oder sogar mal einen kurzen Spaziergang an der frischen Luft, um den Kopf frei zu bekommen. Ich weiß aber, dass viele das völlig anders sehen, die aus diversen Gründen lieber null Hohlstunden hätten.

    Ich mag das auch, bei uns gibt es aber auch keinen Vertretungsunterricht und die Stunden sind zuverlässig tatsächlich frei. Unter der Prämisse finde ich 1 Hohlstunde am Tag sogar positiv und nehme pro Woche auch 5.

    Muss man befürchten, dass man in den Stunden zur Vertretung herangzogen wird, finde ich 2-3 pro Woche bei Vollzeitdeputat okay.

    Ich hab die Zeit der Studiengebühren voll erwischt und noch jahrelang den Kredit dafür abgestottert.

    Richtig blöd ist, wenn man zu denen gehört, die kein Bafög bekommen, deren Eltern aber trotzdem "situativ" begrenzte Mittel haben (bei meinen Eltern lief gerade die Scheidung, mein Vater hat die Wohnung behalten und musste meine Mutter ausbezahlen/neuen Kredit bedienen, meine Mutter hatte bei schon damals arg geringem Angebot an vernünftigem Wohnraum eine irre teure neue Mietwohnung, wollte aber nicht weiter wegziehen, weil meine Schwester dort noch zur Schule ging usw.). Ich hab notgedrungen eine pendelbare Uni genommen, in den ersten Jahren noch zu Hause gewohnt, hab dann viel gearbeitet, hatte ein Darlehn für die Studiengebühren und hinterher noch eins für Studienabschlussförderung. Ganz so cool war das alles nicht, ging aber irgendwie. Ich wollte allerdings auch kein Wg Zimmer oder Wohnheimzimmer, als ich dann nach ein paar Semestern ausgezogen bin, sondern eine 2-Zimmer-Wohnung war mir schon wichtig.

    Ich war froh, dass meine Eltern sich dann später so weit sortiert hatten, dass sie im Ref was zuschießen konnten. Da wäre ich mit dem Gehalt never ever ausgekommen und hab im Studium mit Nebenjob deutlich mehr gehabt. Auch die 3 Umzüge fürs Ref, die anschließende Vertretungsstelle und dann die Planstelle hätte ich alleine finanziell nicht stemmen können.

    Bei den heutigen Lebenshaltungskosten ist es für Studenten und Referendare nicht leichter geworden, fürchte ich.

    Ist es überhaupt möglich, in einem Verein einfach einen einzelnen Kurs zu buchen? Ich hab Schwimmen damals bei der DLRG gelernt, aber dafür wurde ich halt auch im Verein angemeldet. Meine Freundinnen auch. Und wir sind dann auch mindestens über die Grundschulzeit alle regelmäßig 1-2x wöchentlich schwimmen gewesen. Wenn Vereine zu reinen "Einmaldienstleistern" verkommen, ist das ja irgendwie auch schade.

    Meine Eltern sind übrigens grandios daran gescheitert, mir das Schwimmen selbst beizubringen. Es ist schon sinnvoll, manches auszulagern.

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