Beiträge von Jule13

    Wir nehmen nur eine bestimmte Zahl von Förderkindern und nach einem festen Verteilungsschlüssel der Förderschwerpunkte auf. Wenn mehr Anmeldungen vorliegen, als Plätze vorhanden sind, müssen wir die Überzähligen leider ablehnen.

    Das ist es, was bei der Diskussion immer hinten runter fällt: Das Kindeswohl.
    Ein Teil der Förderkinder profitiert enorm von Inklusion, einige aber eben auch nicht. (Wobei das sicherlich auch von der jeweiligen Qualität von Inklusion abhängt.)
    Wo und wie ein Förderkind beschult wird, sollte nicht von Ideologen bestimmt werden, sondern vom Bedürfnis des Kindes.


    Abgesehen davon: Trotz all dem Stress, durch den man musste, gab es auch schöne Momente, nette Schüler, Ausbilder, Kollegen und Mitreferendare!


    Genau so habe ich das auch empfunden. Ich hatte sogar großenteils gute Fachleiter. Den Umgang der Seminarverwaltung mit uns habe ich z.T. als herabwürdigend empfunden und die zeitlichen Vorgaben waren Irrsinn.
    Aber meine Schule war großartig, ich hatte tolle Ausbildungslehrer und habe sehr viel gelernt.

    Aus dem Bauch heraus würde ich dem Titel zustimmen.
    Wie man das allerdings belegbar herausgefunden haben will, ist mir schleierhaft. Es gibt so viele verschiedene Behinderungen in unendlich vielen Ausprägungen. Wie will man da etwas vergleichen? Man müsste schon eine große Menge an Einzelfällen genau und jahrelang beobachten und dokumentieren, wie sie sich nach einem Schulwechsel (FÖS->Regelschule, Regelschule->FÖS) entwickeln und dann auch noch den Unsicherheitsfaktor berücksichtigen, dass Entwicklung nicht geradlinig verläuft.
    Dann gibt es auch noch verschiedene Inklusionsmodelle in unterschiedlicher Qualität ...
    Ich fürchte, die Ergebnisse sind zwangsläufig jeweils ideologisch interpretierbar.

    Welche Konsequenzen werden denn nun aus der Feststellung des Förderbedarfs ESE gezogen? Dann muss doch nun ein Förderschulkollege zumindest beratend mit ins Boot.
    Was unternimmt denn Deine Schulleitung? Deren Aufgabe ist es nun, den "Förderbedarf" zu decken.


    Wenn das Kind eine Gefahr für andere Menschen ist, kann man es vom Unterricht ausschließen. Diese Ordnungsmaßnahme sollte die Schulleitung nun verhängen. Dringend. Und schön dokumentieren. Bei Gefährdung anderer und/oder Selbstgefährdung kann die Bewilligung des Förderschwerpunkts nämlich nicht so einfach verweigert werden.

    Ehrlich gesagt habe ich auch nicht das Gefühl, dass die Gesellschaft reif ist für offene Rollenverteilung.
    Als ich bei meiner erste Stelle auf die Frage, wie viele Stunden ich denn unterrichten möchte, "Vollzeit" antwortete, guckte der SL ganz verwirrt auf meinen Lebenslauf (2 Kinder im Kita-Alter) und fragte mich, wie ich das denn schaffen wolle. Das hätte er einen Mann mit zwei Kindern sicherlich nicht gefragt. Bei meiner zweiten Stelle rief die stellvertr. Schulleiterin dem Schulleiter auf die Frage, in welchem Umfang ich denn arbeiten würde, zu, dass das Teilzeit sein würde. Dabei hatte sie mich noch gar nicht gefragt! (Ich wollte Vollzeit.)
    Als mein Sohn im Kindergarten einmal groben Unfug angestellt hatte, wurde mir von der Leiterin mitgeteilt, dass ihr und den Erzieherinnen mein Mann (Teilzeit, Kinderbetreuung) ja soo leid täte, weil er mit der Doppelbelastung doch solchen Stress habe.

    Kommt auf das Fach an. Lass mal eine Physik- oder Technikfrau ausfallen. Vor einiger Zeit war auch Latein ein großes Problem. Inzwischen dürfte der Markt in NRW allerdings derartig gesättigt sein, dass man vermutlich für jedes Fach eine geeignete Vertretung findet, außer vielleicht für Informatik, was ja aber (Klischeealarm!) eher weniger Frauen unterrichten.

    Als Schulleiter schießt man sich ja immer irgendwie ins Knie, wenn man eine junge Frau einstellt, weil sie mit einiger Wahrscheinlichkeit nach der Verbeamtung über den richtigen Zeitpunkt einer Schwangerschaft nachdenkt. Und die Elternzeit nimmt ja doch noch immer größtenteils die Frau und nicht der Mann. Daher würde ich nicht davon ausgehen, dass eine Sekundarstufen-Schule unbedingt eine Frau einstellen möchte, wenn auch ein geeigneter männlicher Bewerber im Rennen ist. Wobei man beachten sollte, dass die Gleichstellungsbeauftragte der Schule da genau hinsehen wird.


    Wenn Du aber sicher gehen möchtest, dass Du mit offenen Armen empfangen wirst, bewirb Dich an einer Grundschule oder in einer Kita. Dort sind Männer wirklich Mangelware und werden ausdrücklich gewünscht.
    An den Gymnasien und Gesamtschulen würde ich schätzen, dass die Quoten halbwegs ausgeglichen sind.


    Insgesamt kannst Du davon ausgehen, dass Du auf dieser Welt nicht unterdrückt wirst. ;)

    Mir erscheint die Regelung tatsächlich weniger übel, als wir das erwartet haben. Aber 50% Doppelbesetzung bei nur 2 Förderkindern? Utopisch. 100% haben wir auch bei 6 Förderkindern in der I-Klasse nicht.
    Der genannte Stellenschlüssel ist sehr schwammig ausgedrückt und unsere zuständigen Stellen drücken sich um konkrete Aussagen, so dass die Doppelbesetzung die eigentliche Wundertüte in dem Konzept ist und wir de facto nicht wissen, was für Bedingungen im nächsten Schuljahr auf uns zukommen.

    Im Grunde genau das, was wir schon seit langem machen. Die alles bestimmende Stellschraube ist der Personalschlüssel. Mit annähernd kompletter Doppelbesetzung in den I-Klassen ist das mit guten Konzepten sehr gut machbar.
    Bloß frage ich mich, wie die Gymnasien verfahren wollen. Die können doch nicht ernsthaft auf ihrer Auslese bestehen und sich fünf ESE-Kinder in einer Klasse antun wollen. :staun:

    Tja, die einzige logische Konsequenz: Wenn die Inklusion flächendeckend umgesetzt werden soll und die Förderschulen geschlossen werden, spricht das gleichzeitig für die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems. Die Aussagen der Mutter bei Stern-TV kann man so interpretieren. Gymnasien, die nicht inkludieren (weil sie Differenzierung "nicht gewohnt" sind), haben keine Daseinsberechtigung mehr...


    Meine Rede. Aber ich bezweifle auch, dass wir das je erleben werden.

    Hier geht es zum Beitrag
    (ab min 10 bis ca min 32)


    Wenn ich das aber nun richtig verstanden habe, vergleichen sie in dem Beitrag Äpfel mit Birnen. Weil Inklusion an einer Sekundarschule funktioniert, muss sie auch an einem Gymnasium funktionieren. Das sind aber zwei Systeme, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Sekundarschulen wie auch Gesamtschulen selektieren ja eben gar nicht. Alle Schulabschlüsse sind möglich, alle Niveaus sind in einer Klasse vereint und jeder arbeitet auf seinem Niveau. Am Gymnasium ist Differenzierung sehr viel weniger ausgeprägt. Die Lehrkräfte sind Differenzierung in diesem Umfang nicht gewohnt und die Klassen auch nicht. Da steht der geistig behinderte Schüler viel stärker am Rande. Zumal ja zur Inklusion auch - ich wiederhole mich vermutlich jetzt - ein KONZEPT braucht. Auch die Mitschüler brauchen eine Schulung und ständiges Coaching, um mit der Situation umzugehen. Hinter den interviewten Schülern in Thüringen verbirgt sich jahrelange pädagogische Arbeit. So selbstverständlich wie im Film gezeigt arbeiten sie nicht von selbst mit einem behinderten Mitschüler zusammen.
    Ich wiederhole mich noch einmal: Der arme Junge! Wenn die Eltern es schaffen, ihn am Wunschgymnasium unterzubringen, und er dort auf Lehrer trifft, die damit nicht umgehen können und wollen, und auf Mitschüler, denen niemand (weder Lehrer, die es nicht können, noch Eltern, die es vielleicht nicht wollen) beibringt, sich dem beeinträchtigten Mitschüler gegenüber angemessen zu verhalten, wird er untergehen.


    Hier ein schönes Beispiel: http://halbtagsblog.de/2013/09…lltagsprobleme/#more-5119

    Auch auf die Gefahr hin, dass ich jetzt verbale Prügel beziehe: Den Artikel "Wo hat Marie nur ihre Socken" finde ich schon ziemlich grenzwertig. Da hat der junge Kollge den Lehrerberuf mit reiner Wissensvermittlung verwechselt und ist nun aufgewacht.

    Es kommt auf viele Faktoren an. Schulform, Ganz- oder Halbtag, Fächerkombination, Kollegium, Organisation der Schule, Klassenlehrer oder nicht, Eltern, Pensum an außerunterrichtlichen Tätigkeiten, eigene Organisationsfähigkeit, Berufsanfänger oder alter Hase usw.


    Insgesamt wird sich hier über mangelnde zeitliche und psychische Herausforderung niemand beklagen können.

    Zitat

    Deswegen meine Frage - ich kann mir das aber eigentlich nicht so richtig vorstellen, denn die Sache spielt für mich in einem ähnlichen Spielfeld wie die Unterscheidung zwischen "scheinbar" und "anscheinend".


    Den Unterschied beachtet doch anscheinend generell niemand mehr. (Oder doch nur scheinbar? :P )

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