und das waren hirnotote Patienten??
Die Hirntoddiagnostik in Deutschland verläuft über 3 Schritte, die jeweils von 2 Ärzten unabhängig voneinander durchgeführt werden müssen. Schritt 1 ist dabei der Nachweis, dass a) eine der Ursachen des Hirntods vorliegt (z.B. Druckanstieg in der Hirnschädelhöhle durch eine Schwellung des Gehirns) und b) zugleich alternative Ursachen wie eine starke Unterkühlung oder medikamentöse Nebenwirkungen, die die Hirnaktivität verschleiern können, ausgeschlossen werden. -> Nur wenn beide Ärzte Schritt 1 von 3 versauen, können also Fälle wie die von Annie genannten auftreten, in denen jemand, der unter Narkose steht, für hirntot erklärt wird. Schritte 2 und 3 sind dann übrigens der Nachweis der klinischen Symptome des Ausfalls der Hirnfunktion (Bewusstlosigkeit, das Fehlen verschiedener Reflexe sowie der Ausfall der Spontanatmung) und der Nachweis der Irreversibilität der Symptome. Dass die Diagnose Hirntod fälschlicherweise gestellt wird, ist möglich, aber unwahrscheinlich. Dasselbe gilt für die Diagnose Herz-Kreislauf-Tod (ihr habt vermutlich den Fall der zu Unrecht für tot erklärten alten Dame mitbekommen, der vor etwa 2 Wochen durch die Presse ging: Die Dame wachte im Kühlraum des Leichenschauhauses wieder auf).
Ob der Hirntod der Tod des Menschen ist, ist eine hochphilosophische Frage: Wann ist ein Mensch tot? Gar nicht so leicht zu sagen. Fakt ist: Hirntote können nicht mehr sprechen, urteilen, denken, sensorische Empfindungen verarbeiten, haben kein Bewusstsein, keine Erinnerungen, keine Persönlichkeit mehr. Aber ihr Herz schlägt noch und ihre Atmung wird von Maschinen künstlich weitergeführt. Mir persönlich reicht das, ich sehe den Hirntod ganz sicher als Tod der Person (wenn auch [glücklicherweise] nicht: jedes einzelnen Organs) an. Andere Leute sehen den Menschen erst als tot an, wenn alle seine Organe ihre Funktion eingestellt haben (wobei einzelne Prozesse noch Wochen nach der Beerdigung weiterlaufen). Es ist quasi eine Glaubensfrage.
Ja, Siobhan, das ist meines Wissens nach der Grund für die Vollnarkose bei Organentnahmen. (Manche?) Reflexe brauchen kein funktionales Gehirn, um (noch) zu funktionieren. Aber ohne Gehirn gibt es eben keine bewusste Wahrnehmung der reflexauslösenden Reize mehr. Daher habe ich persönlich vor letzteren auch keine Angst. Mag sein, dass mein "Restkörper" noch Schmerzsignale oder ähnliches sendet, aber ICH bin nicht mehr da um sie zu empfangen, wenn mein Gehirn schon abgestorben ist. So sehe jedenfalls ich das (da wären wir wieder bei der Frage: Was ist der Mensch, in welchem Verhältnis zueinander stehen Körper und Geist/Seele/Persönlichkeit/Ich? Wie gesagt, ein durchaus hochphilosophisches Thema
).