Beiträge von buno

    Aufmerksamen Lesenden wird nicht entgangen sein, dass meine künstliche Echauffage auf einer Diskussion aus dem Jahr 2019 basiert, in der ich ähnlich angegangen wurde.

    Allerdings kann ich den Begriff in offiziellen Dokumenten aus Baden-Württemberg nicht finden ...

    Ich erhalte regelmäßig Informationen von der RP, in denen die Prüfungen des Nachtermins als Nachprüfungen bezeichnet werden. Das ist die gängige Bezeichnung, hat aber nichts mit den mündlichen Zusatzprüfungen zu tun.

    Nachprüfungen gibt es, zumindest bei uns, auch: Wenn jemand den Haupttermin krankheitsbedingt verpasst, dann kommt zur Nachtermin, umgangssprachlich auch Nachprüfung genannt.

    Ich ging aber auch von Zusatzprüfungen (gesetzt oder freiwillig) aus, bei denen die SuS noch die Note verbessern müssen, um zu bestehen, oder verbessern möchten.

    Ich hatte die EDV-Betreuung für eine Ermäßigungsstunde erledigt und wöchentlich sicher mehr investiert.

    Ja, da ist es ein riesen Unterschied zwischen allgemeinbildenden und beruflichen Schulen in BW und das finde ich schade. An den allgemeinbildenden Schulen ist man angewiesen auf besonders engagierte LK, die für ganz wenig Stunden einen größeren Schulnetzt rocken sollen. Es ist eine Glückssache, ob das funktioniert, nicht alle Schulen haben einen Wolfgang Autenrieth. Auf Systemebene kann das nur scheitern. Ich habe (mehrere Jahre auch alleine) unser Schulnetzwerk verwaltet, aber für viel mehr Anrechnungsstunden. Klar, auch ein größeres Netzwerk, aber das Verhältnis ist sehr unfair!

    Ich habe viele jahre als Klassenlehrer an der HS die Klassen 8/9 unterrichtet und auf die Abschlussprüfungen vorbereitet sowie Berufspraktika organisiert. Die von mir betreuten Schüler haben ALLE den Abschluss geschafft. Ohne Noten zu "verschenken" - denn nicht nur in Ba-Wü werden die Aufgaben für die Abschlussprüfung zentral gestellt.

    Herzlichen Glückwunsch, das ist schön zu hören! So sollte es Standard sein, aber leider klappt es nicht immer.

    Ja. Ich habe die Verantwortung für den weiteren Lebensweg der mir anvertrauten Schüler ernst genommen. Gemeinsam mit Eltern, Schulbegleitern, Schulsozialarbeit und KuK.
    Die Verantwortung wird der Lehrkraft nicht aufgebürdet. Aber man kann sie wahrnehmen.

    Genau das meine ich auch: Man kann und soll die SuS unterstützen, aber das schafft man nicht allein. Hinter einem erfolgreichen Weg stecken immer verschiedene Personen: verschiedene Lehrkräfte, manchmal auch Nachhilfe, AL/SL, Sozialarbeiter:innen, Beratungslehrkräfte, Familien, Peergruppen und nicht zuletzt die Schüler:innen. Ich habe viele SuS als Fachlehrkraft, Klassenlehrer oder auch als AL zum Abitur geführt, aber nie als alleinige Verantwortung betrachtet. Das zeigt sich auch daran, dass relativ problemlos auch sehr engagierte KuK während einer langen Abwesenheit ersetzt werden können, wenn das entsprechende Personal vorhanden ist.

    Sicherlich nicht für 20-30. Aber wie viele Kinder haben die eine Lehrkraft erlebt, die für ihr Leben eine große Rolle gespielt hat?

    ja, das ist natürlich das Schönste an unserem Job. Ich erlebe auch immer wieder, dass junge Frauen, die angeblich technisch gar nicht interessiert sind, anschließend doch Informatik, Maschinenbau usw. studieren und daran soll ich „Schuld” sein...

    Das ist auch ein Grund, warum ich den Lehrerberuf nicht eins zu eins mit Industrieberufen oder Positionen vergleichen möchte (siehe oben).

    Ich habe das gerade wieder. Der Schüler hat in den Abschlussprüfungen bei den Kollegen überall die Noten 1 bis 4 eingeheimst und bei mir steht er durchgehend 6 (sowohl Vornote als auch Abschlussprüfung). Die eine Note, ich bin nicht einmal der Klassenlehrer, entscheidet.

    Böse, böse. :)

    Ironie Ende.


    In diesem Einzelfall war das hoffentlich nicht deine Entscheidung. Deine Entscheidung wäre es gewesen, wenn der Schüler beispielsweise die Hälfte der Aufgaben richtig gelöst hätte und du ihm die Note 6 gegeben hättest. Du hast aber nur deine Arbeit gemacht und die (nicht vorhandene) Leistung korrekt bewertet.

    Da sind wir uns nicht einig. Hoch qualifizierte Fachkräfte in der Industrie müssen keinen Meistertitel besitzen, damit sie spezialisierte, mehrere Millionen €uro teure Maschinen bedienen können. Und jede Fachkraft mit Meistertitel ist gleichzeitig auch Führungskraft und für die Ausbildung zuständig. Ich würde mich mindestens mit Personen der Abteilungsleitung vergleichen, die Verantwortung für einen größeren (Personen-) Bereich besitzt.

    Hochqualifizierte Fachkräfte sind z. B. studierte Informatiker, Ingenieure, Naturwissenschaftler, aber auch Sprachwissenschaftler usw. ohne Führungsverantwortung. Und in diesen Positionen arbeiten die meisten mit Studium.

    Als Lehrer hatte ich Verantwortung für die Schicksale und den weiteren Lebensweg von mindestens 20-30 jungen Menschen - pro Jahr.
    Da hat manche "Führungskraft" eine geringere Verantwortung.

    Ernst gemeinte Frage: Hat man das? In der Grundschule vielleicht, aber in der weiterführenden Schule? Als einzelne Lehrkraft?

    Naja, wie streng man die Benotung auslegt, ist einer jeden Lehrkraft selber überlassen. Durch die Medien geistert ja immer das Stichwort "Noteninflation". In den Schulvorschriften steht ja nicht umsonst, dass der einzelne Lehrer die Benotung ermittelt, er von der Schulleitung zwar beraten werden darf, die Sl die Noten aber nicht ändern darf. Von Deiner Notengebung sind also die Lebenschancen aller deiner Schüler abhängig, denn machen wir uns nichts vor, unsere Noten haben schon eine Selektionsfunktion bzgl. zukünftiger Chancen der Schüler. Wer darf auf eine Universität? Welcher Schüler wird zum Vorstellungsgespräch für eine Lehre überhaupt eingeladen und nicht gleich aussortiert, ...

    Ein wenig Spielraum bei der Notengebung hat man schon. Wenn es zu üppig ist, fällt es spätestens bei den zentralen Prüfungen auf. Das würde ich aber eher Ermessen als Entscheidung nennen.

    Du schriebst, dass Manager mehr Verantwortung haben und deswegen mehr verdienen. Ich entgegnete darauf, dass Politiker eine wesentlich höhere Verantwortung tragen und trotzdem keine Millionen einstreichen.

    Vergleiche sind halt nicht so einfach.

    Das mit den Millionen betrifft ganz wenige Vorstände. Die meisten Vorstände (auch von mittelständischen Unternehmen) verdienen netto nicht mehr als Bundestagsabgeordnete und haben sicherlich nicht weniger Verantwortung.

    Verstehe ich nicht. Dir gefällt die Arbeit des Bundestages vielleicht nicht, deswegen haben sie doch trotzdem eine große Verantwortung. Du ziehst ausgerechnet einen Multimilliardär als Vergleich ran, vielleicht tuts auch ein normaler Geschäftsführer?

    Vergleiche zum Beispiel VW-Vorstand und Bundesminister von Verantwortung und Verdienst.

    Nein, ich will gar nicht die Spitzen vergleichen, das macht keinen Sinn. Es ging um unsere Arbeit und das Pendant in der Industrie.

    Ich sehe auch so, dass unsere Arbeit mit anderen Maßstäben gemessen sein soll: Wie viel sind wir für die Gesellschaft wert, wie viel ist die Gesellschaft bereit, für das Schulsystem/Besoldung der Lehrkräfte zu investieren. Deswegen ist der Vergleich mit anderen Ländern realistischer.

    Im Thread werden aber die ganze Zeit die Besoldungen mit der Industrie (= Firmen) verglichen. Wenn Vergleich, dann richtig und auch die Verantwortung einbeziehen. In der Industrie haben die Führungspersonen Personal-, Budget- und strategische Verantwortung. Was für eine Verantwortung haben wir?

    Hm, ich denke eher, der Hauptunterschied liegt darin, dass wir nicht für eine Firma arbeiten, die Gewinne erzielt.

    Bundestagsabgeordnete tragen eine sehr große Verantwortung, trotzdem verdienen sie verhältnismäßig wenig.

    Ob Bundestagsabgeordnete verhältnismäßig viel oder wenig verdienen (kann man schnell nachlesen), lasse ich offen. Das Verdienst liegt aber mit Sicherheit in den oberen 1 %, egal was man in den Rechner von IW Köln eingibt.
    Die Verantwortung der Abgeordneten ist groß, aber wenn ich die letzten Jahre anschaue...

    Die Wertigkeit – und somit auch die Vergütung – einer Tätigkeit allein mit der Länge, dem Anspruch usw. der Ausbildung zu begründen, ist sehr einseitig. Viel wichtiger ist die Frage: Wie viel Verantwortung trägt man? Bill Gates hat beispielsweise nur kurz die Universität besucht, anschließend jedoch Entscheidungen (sowohl personell, budgetär als auch strategisch) getroffen, von denen viele Tausende Jobs abhängig waren.

    Als Lehrkraft oder auch auf SL-Ebene hat man ganz wenig Spielraum: Lehrpläne, Anzahl der Arbeiten, Klassengröße, Besoldung usw. – alles ist festgelegt. Nur sehr wenig kann man den Personalstand und eventuell nach viel Lobbyarbeit (die Entscheidung treffen andere) die angebotenen Schularten oder die Anzahl der Klassen beeinflussen. Im Prinzip bewegen wir uns schon auf der Ebene der „Sachbearbeiter“: Es ist vorgegeben, was mit welchen Ressourcen bis wann zu erledigen ist. Oder sehe ich das falsch? Welche Management- oder Führungsaufgaben und Entscheidungen sind bei euch möglich?

    Hab ich eben auch mal unter der Prämisse mit A14 durchgespielt. Ergebnis: 53% sind ärmer und 47% sind reicher. Also in den Top 20% bin ich da bei weitem nicht geschweige denn in den Top 10%. Aber ich habe mich auch so ehrlich gemacht und mein "Netto nach Krankenkasse" genommen, weil bei der "normalen Bevölkerung" beim Netto ja die Krankenkassenbeiträge schon vorher abgezogen wurden.

    In diesem Rechner geht es um das Haushaltseinkommen. Wenn ich nur unsere beiden Gehälter zusammenrechne (ich bin Hauptverdiener mit Abstand), dann gehören wir knapp nicht zu den Top 10 % der Hochschulabsolventen. Wir sind aber mittlerweile nur noch ein Zwei-Personen-Haushalt (die Kinder sind nicht mehr da), was einen riesigen Unterschied macht. Bei euch machen die Kinder wahrscheinlich einen großen Unterschied.

    Huch, also auch wenn BWL vielleicht nicht mit Chemie als Studienfach im Anspruch mithalten kann, so hat er zumindest (mag ja auch andere geben) immerhin Betriebswirtschafslehre mit Diplom abgeschlossen. Und verdient ein Heidengeld.

    Warum sollte ich mich mit Lehrern in Polen oder Ecuador vergleichen? Das ergibt doch absolut keinen Sinn. Werde ich in Deutschland angemessen bezahlt, weil eine arme Lehrerin in Ecuador mit viel weniger leben muss? Oder was ist da der Gedanke hinter?

    Lehrer im europäischen Ausland mit vergleichbarem Einkommensniveau verdienen, pi mal Daumen, 30 % weniger als in Deutschland.

    Hier zwei Beispiele, obwohl ich dem Spiegel nicht richtig trauen kann: Die deutschen Gehälter kennt man, die Schweizer Lehrergehälter kenne ich auch etwa und das kann so nicht stimmen!

    https://de.euronews.com/next/2022/12/1…pa-im-vergleich

    https://www.spiegel.de/panorama/bildu…77-cd72ce3c0862

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