Beiträge von Firelilly

    Wollsocken:
    Wir haben alles das, was Du beschrieben hast nicht. Trotzdem erwartet man, dass wir mit vollem Arbeitseinsatz arbeiten. Fühle mich in dem Beruf sowas von verarscht. Wie gesagt, ich habe keine Probleme mit Schülern oder dem Unterrichten (habe mich hier im Forum auch noch nie darüber beschwert!), aber die Arbeitsbedingungen und Arbeitsmenge finde ich sowas von unerträglich.
    Bei euch scheint es ja wenigstens so zu sein, dass ihr euch besser auf das Unterrichten konzentrieren könnt und nicht noch unbezahlt Überstunden machen müsst um RGs zu spülen, PCs zu warten usw.
    Aber das ist in der Forschung in Deutschland auch katastrophal, deshalb gehen so viele Spitzenforscher nach Amerika usw. (wäre auch ein Angebot für mich gewesen, aber ich wollte nicht nach Amerika).
    Deutschland schafft sich ab.

    Ich habe ja keine Ahnung, wie das bei euch konkret läuft. Aber ganz pauschal: Das größte Problem, das wir an der Schule haben, ist neben der Einstellung "Das mache ich für die Kinder irgendwie möglich" die Angst davor, deutlich zu formulieren, welche Konsequenzen in gewissen Situationen haben werden. Da werden unmögliche Dienstanweisungen umgesetzt, und um das möglich zu machen, verbiegen sich die Kollegen auch noch, damit keiner sieht, wo sie dafür weniger leisten. Ich kommuniziere das inzwischen sehr offensiv:
    "Wenn ich die Klasse von Kollegen X als Mehrarbeit übernehmen muss, muss Ihnen klar sein, dass der Unterricht dort keine hohe Qualität haben kann. Das wird eher eine Form der Beschäftigung, denn ich arbeite am Limit."
    "Wenn ich die Aufgabe XY übernehmen muss, wird das nur auf Kosten der Abiturvorbereitung der Kurses Z gehen, denn ich habe aktuell keine weiteren Ressourcen."
    "Wenn ich die Aufgabe ABC übernehmen soll, kann ich leider die Aufgabe DEF nicht erfüllen. Dann gibt es dieses Jahr eben kein DEF."

    In Frappers Fall könnte das heißen, dass er klar kommuniziert, dass er nicht mehr alle Inklusionskinder betreuen kann, oder dass er eben entsprechend weniger Zeit pro Kind zur Verfügung hat, oder dass er eben gewisse Übungen mangels Material nicht durchführen kann oder oder oder. Wie gesagt, ich kenne euer System nicht, aber einfach stillschweigend das Beste aus der Situation zu machen, wird nicht zu Veränderungen führen.
    Übrigens kommuniziere ich meine Statements oben im Zweifelsfall durchaus auch Eltern und Schüler: "Ich kann dieses Jahr keine Übungsklausur fürs Abi korrigieren, weil ich von der Schulleitung angewiesen wurde, XY zu machen und deshalb keine zeitlichen Ressourcen habe."

    Finde ich ganz toll. Wenn man das allerdings bei uns machen würde, dann würde man kräftig angeraunzt werden.
    Und wenn man Eltern und Schülern gegenüber Äußerungen macht (letzter Absatz bei Dir), dann würde man cholerisch zusammengebrüllt werden wie unprofessionell man sei so etwas gegenüber Eltern und Schülern zu äußern.
    Naja, man kann nur hoffen, dass die Schulleitung bei uns nicht mehr so lange macht (sind aber noch einige Jahre) oder die cholerische Persönlichkeitsstörung mit kardiovaskulären Folgen vor der Pension zuschlägt.
    Aber wirklich Hut ab, dass du den Mut hast etwas mal nicht zu machen bzw. so offensiv zu kommunizieren. Wenn mehr Kollegen so wären, dann wären die Arbeitsbedingungen vielleicht endlich tragbar. Dann würde der Job auch Spaß machen, denn das Unterrichten, Umgang mit SuS usw. ist ja in Ordnung. Aber der Rahmen ist halt grauenvoll.

    Der Steuerzahler zahlt meinen Lohn. Nicht mehr nicht weniger. Geld für eine Feier hat aber nicht mit meinem Lohn zu tun sondern ist ein Extra, das ich als Steuerzahler nicht bereit bin zu bezahlen.
    Vor allem weil ich genug Kollegen kenne, die eben eine solche „Belohnung“ in kleinster Weise verdient haben.

    Ganz widerlich, Kapa. Da willst du den Kollegen keine Weihnachtsfeier gönnen, weil sie in deinen Augen nicht gut arbeiten. Es mag vereinzelt Lehrer geben, die den Job gnadenlos ausnutzen und sich auf die faule Haut legen. In meinem Kollegium ist das Gegenteil der Fall, da wird extrem sorgfältig und gewissenhaft gearbeitet. Selbst ich, die wenig Zusatzaufgaben freiwillig übernommen hat, ist dafür sehr gewissenhaft im Kerngeschäft (Unterricht). Allein das verschlingt schon meine Arbeitszeit bzw. geht darüber hinaus, in Abiturzeit sogar extrem darüber hinaus. Ein Großteil der Kolleginnen und Kollegen ist darüber hinaus auch durch vielfältiges Zusatzengagement aktiv.
    Und selbst wenn es (wovon es eigentlich mehr geben müsste, das wäre eigentlich gesünder!!!) ein paar Kolleginnen und Kollegen gibt, die nur das Mindeste machen, glaubst du, dass in jedem Unternehmen nur Maximalleister sind?
    Ein Lehrerkollegium ist ein Querschnitt durch die Gesellschaft, wobei ich ziemlich fest behaupten würde, dass unter den Lehrern prozentual sogar mehr engagierte Leute sind, als es in einem durchschnittlichen, wirtschaftlichen Unternehmen den Fall ist. Einfach, weil ganz viele diese Verantwortung gegenüber den Kindern spüren, dass man eben mal nicht die Klausur larifari korrigiert. Wie oft habe ich aber in Unternehmen Sachbearbeiter (oder Kundenservice...), die sich nicht so verpflichtet fühlen gewissenhaft und sorgfältig zu arbeiten.
    Aber auch die bekommen eine Weihnachtsfeier.
    Nein, ganz ehrlich Kapa, ganz ekelhafte Einstellung.
    Im Übrigen bin ich als Steuerzahlerin auch bei so manchen Dingen nicht bereit diese zu bezahlen, aber Weihnachtsfeiern als Wertschätzung von Arbeit allemal.

    Insofern ist der Staat schon dumm, selbst bei der letzten Kleinigkeit zur Verbesserung des Betriebsklimas geizig zu sein.
    Die Folgen der schlechten Arbeitsbedingungen sieht man in einigen Fächern ja auch deutlich.

    Eigentlich müsste man das noch deutlicher zeigen.

    Mikael und was kann der Steuerzahler jetzt dafür, dass dein Dienstherr dir die Sahnestücken weggenommen hat in der Vergangenheit?

    Sahnestückchen? Lustig, eine bezahlte Weihnachtsfeier ist eher Standard als Sahnestückchen.
    Im übrigen, der Steuerzahler möchte, dass seine Kinder mit mehr als Dienst nach Vorschrift unterrichten und gewertschätzt werden, aber er gönnt dem Lehrer dann keine Weihnachtsfeier?! Was ist das für ein perfides Denken.
    Ich gönne jedem (!) Mitarbeiter im öffentlichen Dienst genauso eine finanzierte Weihnachtsfeier, wie es auch in der Wirtschaft üblich ist.
    Warum sollte im öffentlichen Dienst keine Wertschätzung dieser Form erfolgen?

    Im Übrigen, die Wegfall des Weihnachtsgelds in SLH ist ein riesiger Skandal. Das sollte auch nur vorübergehend sein.
    Ich empfinde es ganz klar als Diebstahl!

    Das schreibt jemand, dem Beziehungsarbeit wichtig ist und diese als wichtige Arbeitentlastung begreift.


    Pausenaufsichten haben extrem wenig mit Beziehungsarbeit zutun und diesen marginalen Anteil dann auch noch als Arbeitsentlastung zu begreifen empfinde ich fast als krank. Pausenaufsichten führen dazu, dass ich mich metnal und praktisch nicht auf den kommenden Unterricht vorbereiten kann, erhöhen mein Streßlevel und sind einfach nur als BE- statt entlastend zu sehen.
    Man kann solche "Pausen" nicht mal nutzen um Dinge für den Chemieunterricht auf- oder abzubauen (denn dafür haben wir kein Personal). Echte Pausen hat man als Lehrer eh nicht. Wenn ich das mit anderen Berufen vergleiche, wo eine Pause tasächlich eine Pause ist. Arbeit ist das. Und wenn man Aufsicht hat, dann sogar noch eine, die die Unterrichtsqualität negativ beeinflusst.

    Wie immer kommst du vom Hölzchen auf's (auf DEIN) Stöckchen. Ich möchte z. B. nicht, dass von meinen Steuergeldern irgendwelche Weihnachtsfeiern bezahlt werden. Nicht im Finanzamt, nicht im Bauamt und nicht in Schulen.

    Ich hingegen finde, dass es zur Wertschätzung von Mitarbeitern gehört. Und auch im Finanzamt und Bauamt fände ich es eine angemessene Sache, wenn auch diese Mitarbeiter Wertschätzung erführen. Da gibts viel mehr rausgeschmissenes Geld als ordentlich arbeitenden Menschen eine, wie in der wirtschaft übliche, Anerkennung zukommen zu lassen.


    Ich sehe übrigens nicht, was Pausenaufsichten zur "niederen Tätigkeit" machen würde.

    Das kann aber auch nur jemand schreiben, der komplett im Mikrokosmos Schule lebt. Natürlich ist das eine niedere Tätigkeit und in keinster Weise eine, für die man jetzt durch Lehrer durchführen lassen müsste.
    Es ist einfach nur traurig. Ich stelle mir ein großes Unternehmen vor mit unter anderem rund 80 beschäftigten Akademikern.
    Da jemand natürlich den Einlass kontrollieren muss ins Gebäude gibt es in jedem Unternehmen entsprechendes Personal. Genauso natürlich auch in der Nacht, ich glaube die nennt man Nachtwächter.
    Jetzt stelle man sich vor, dass die Unternehmensleitung sagen würde: Das ist keine niedere Tätigkeit, das muss jeder mal machen! Und so werden die Akademiker im Reihumverfahren (so wie bei unseren Pausenaufsichten) eingeteilt diese Dieste ab und an zu unternehmen.

    Ich sage Dir, ein Grund, warum Lehrer so einen schlechten Ruf haben und nicht als Akademiker (sondern eher als Erzieher, Kindermädchen etc.) wahrgenommen werden ist, dass wir genau so etwas alles machen.
    Da ist doch völlig klar, dass man nicht als Akademiker wahrgenommen wird.

    Heute verweigerte meine Seiteneinsteigerin die Pausenaufsichten. So etwas niederes möchte sie nicht machen .

    Klingt, wenn man durchs Referendariat so erzogen ist, natürlich total komisch, dass jemand Pausenaufsichten in Frage stellen könnte.
    Ich muss ganz ehrlich sagen: Pausenaufsichten, Eintrag und Kontrolle von Entschuldigungen, Eintreiben von Geld für Wandertage, Organisation (und Durchfürung) einer Klassenfahrt, Etikettieren von Chemikalien, Spülen von Laborgeräten und tausend andere Aufgaben könnte man durchaus durch anderes Personal (je nach Tätigkeit durch günstige, relativ unqualifizierte Kräfte) durchführen lassen.
    Kaum ein Unternehmen würde es sich leisten derartige Aufgaben durch Akademiker durchführen zu lassen.
    Wenn ein Arzt im Krankenhaus die Schwester beauftragt das Erbrochene wegzumachen, dann ist das normal, wenn ich als Lehrer auch nur auf die Idee komme irgendeine kleine Tätigkeit anderen (Hausmeister, Sekretärin) zu übertragen, dann ist Alarm.
    Für Lehrer ist es auch normal eine Weihnachstfeier so zu organisieren, dass jeder selber Sachen auf eigene Kosten mitbringt und danach auch noch der Raum selber gewischt wird, denn das kann man ja auch niemandem zumuten, dass Putzkräfte auch noch unsere Weihnachtsfeier aufräumen.
    Lehrer werden darauf gepolt "niedere Tätigkeiten", wie deine Seiteneinsteigerin sie nennt, zu verrichten.

    Sie werden so indoktriniert, dass sie aufschreien, wenn jemand, der etwas anderes als den Mikrokosmus Schule (und dessen niederen Tätigkeiten) kennengelernt hat, solche Tätigkeiten in Frage stellt.
    Mir ist klar, dass man Pausenaufsichten und andere niedere Tätigkeiten nicht abtreten kann aus schulorganisatorischen Gründen, aber es wäre längst an der Zeit das mal zu hinterfragen.


    Wer soll das ihres Erachtens machen, wenn nicht Lehrer?

    Irgendein Personal, das man für so etwas einstellt? Macht doch jedes Unternehmen. Personal für "höhere" und für "niedere" Tätigkeiten einstellen.
    Wenn es keine Putzkräfte geben würde, wärst Du gleich so jemand, der sagen würde: "Natürlich putzen wir die Schule, nachdem die Schüler nach hause gegangen sind. Wer soll das denn sonst machen, wenn nicht Lehrer?"

    vor wenigen Monaten den Berufseinstieg in Unternehmen geschafft (guter Arbeitgeber, ordentliche Bezahlung, Job macht soweit Spaß)

    Bleib in dem Beruf!

    1. Ruiniere ich mir die Möglichkeiten in die Wirtschaft nach dem Ref wieder einzusteigen dadurch, dass ich direkt nach dem Studium (8 Monate Job zwischendrin) für das Ref an die Schule gehe (nach Ref dann 30/31. Jahre alt, gute Praktika, bisschen Berufserfahrung, sehr guter Masterschnitt)?

    Lehrer sind bei Personalern generell nicht gerne gesehen. Könnte mir vorstellen, dass das Ref, auch wenn es nicht soooo viel verlorene Zeit ist, ein klein bisschen negativ ankommt.


    2. Gibt es eurer Meinung nach einen "idealen" oder "idealere" Zeitpunkt(e) das Ref zu absolvieren? Z.B. könnte ich mir vorstellen, dass ein Ref mit Mitte/Ende 30 deutlich anstrengender wird als jetzt mit Ende 20. Sowohl was die Belastbarkeit angeht als auch das "sich etwas sagen lassen"-Gefühl.

    Ich glaube das Referendariat baut so ein bisschen darauf, dass die Lehramtsstudenten noch nicht in der Wirtschaft waren vorher:
    Man hat es als frisch gebackener Akademiker, der noch kein Geld verdient hat und keinen Vergleich hat, deutlich leichter das schlecht bezahlte und psychisch belastende Ref zu überstehen. Jemand, der gewohnt ist nicht für einen Appel und ein Ei zu arbeiten und wohlmöglich noch Wert darauf legt als fertig studierter Mensch zumindest nicht wie ein Lehrling behandelt zu werden, der könnte in der Tat mehr dran zu knabbern haben.


    Bereut ihr die Entscheidung gewechselt zu haben? (Hier muss ich noch mal betonen, dass ich wirklich Bock auf den Lehrberuf habe und den Quereinstieg nicht irgendwie als Notlösung oder Ähnliches sehe. Ich hadere sogar sehr damit einen Job aufzugeben, der mir aktuell wirklich Spaß macht, mir halt nur langfristig nicht die Perspektive gibt mit Menschen intensiv zusammenzuarbeiten).

    Auch an dieser Stelle. Hör auf dein Hadern! "Mit Menschen intensiv zusammenarbeiten" ist mit Sicherheit kein Grund die besseren Bedingungen, die dein jetziger Beruf bietet, aufzugeben.
    Lehrer kannst Du über Seiteinstieg usw. immer noch werden, aber zurück in die Wirtschaft gehen, nachdem Du Lehrer warst? Das geht nicht oder kaum. Da denken die Unternehmen einfach viel zu sehr, warum einen ehemaligen Lehrer nehmen, wenn man (!!!) auch jemanden nehmen kann, der etwas kann! Denn wirklich geschätzt wird in der Wirtschaft nicht, dass man gelernt hat mit pubertierenden Jugendlichen klarzukommen oder, dass man Skills hat wie "Krankmeldungen der Schüler akribisch ins Klassenbuch einzutragen" oder "Klassenreisen in Jugendherbergen mit schrecklichen Zimmern zu organisieren".
    Die wollen in der Wirtschaft leider richtige skills. Und als Lehrer ist man halt in einem Paralleluniversum, fernab jeglicher moderner Methoden und Vorgänge. Je länger man im Paralleluniversum Schule verbringt, desto unrelevanter werden die fachlichen Qualitäten.
    Ich selber habe mein Diplom mit summa cum laude abgeschlossen, aber ob ich heute noch Chancen hätte? Auch, wenn ich fachlich mich bestimmt sehr gut einarbeiten könnte, warum sollten sie jemanden nehmen, die schon X-Jahre nichts anderes gemacht hat als "Kinder zu hüten" (so denken die meisten in der Wirtschaft und so falsch liegen sie ja nicht), wenn sie auch jemanden bekommen können, der in derselben Zeit bereits in einem Unternehmen tätig war und dort mit modernsten Techniken und Erkenntnissen umgehen musste.

    Was hat das Gehalt jetzt mit der Frage zu tun?

    Ich möchte damit zum Ausdruck bringen, dass ich es für rausgeschmissenes Geld halte, wenn jemand mit der Gehaltsklasse an der Heizung lehnt.
    Dass Schulbegleiter oftmals nicht wirklich Sinnvolles beitragen kann ich noch halbwegs ertragen, die bekommen für ihr "neben dem Schüler Zeit absitzen" (ja, ist bei manchen tatsächlich kaum mehr!) eben auch nicht viel Geld.
    Aber wenn jemand mit A13 an der Heizung lehnt fühle ich mich verarscht.

    Ich stehe dann meistens seitlich an der Heizung

    Das deckt sich mit dem, was Sonderpädagogen und insbesondere auch Schulbegleitungen bei uns "leisten". Eine Hilfe ist das nicht, im Gegenteil, eher stören die Person noch.
    Leicht verdientes Geld, Hut ab.
    Ich würde von einem studierten Sonderpädagogen erwarten, dass die Person zu meinem Unterricht binnendifferenziertes Material erstellt. Selbstständig. Klar muss ich sagen worum es thematisch geht, aber dann.... bitte ran an den Speck, ich habe nicht noch Zeit mir Gedanken zu machen, wie ich den A13 bezahlten Sonderpädagogen einbauen kann. Das ist dann nämlich für mich Zusatzarbeit und keine Entlastung.

    Wenn Lehrer ihr Tätigkeiten auch nur annähernd so abrechnen könnten wie Kieferorthopäden würde das gesamte System zusammenbrechen.
    Dann gäbe es aber ganz ganz schnell nichtakademische Hilfskräfte, die Klassenfahrten organisieren und durchführen würden, Entschuldigungen mit Fehlzeiten im Klassenbuch abgleichen würden usw.
    Das würde kein Dienstherr bezahlen können und wollen. Das System Lehrer zu allem heranzuziehen funktioniert nur durch die pauschale Alimentierung.

    Mehrheit der SuS wünschte sich sehnsuchtsvoll den Hund im Klassenraum, zwei SuS waren aus religiösen/kulturellen Gründen komplett dagegen, also war und ist der Einsatz des Hundes natürlich in dieser Klasse komplett ausgeschlossen.

    Was ist das denn für ein Quatsch. Dass man den Hund bei vorhandenen Allergien nicht einsetzt okay, aber aus religiösen Gründen?
    Soll ich aus religiösen Gründen auch auf den Evolutionsunterricht verzichten, wenn sich da welche gestört fühlen?


    Da vielen Muslimen diese religiösen Regeln nicht detailliert bekannt sind, ist daraus eine weniger religiös begründbare als damit kulturell tradierte Zurückhaltung im Umgang mit Hunden entstanden, die viele Muslime die ihren Glauben praktizieren (die religiösen Vorschriften aber eben nicht exakt kennen) zeigen. Da werden Hunde dann einfach pauschal als "haram" angesehen. Religion ist dann der offizielle Grund, tatsächlich dürften Muslime aber auch ihrer Religion nach Hunde streicheln, müssten sich eben nur zu Gebetszeiten umziehen.

    Das wird ja noch viel lustiger, die verstehen ihren Koran falsch und vermeiden deshalb den Kontakt zu den Hunden?
    Und dann wird in der Schule auch noch zum Schaden der Mehrheit Rücksicht genommen auf etwas, das eigentlich nur durch Fehlinterpretation ihrer Religion begründet ist?
    Da wird mir richtig schlecht.

    Mit dem, was Du hier schreibst, degradierst Du nämlich jeden Arzt zu einer Attest-Ausstell-Maschine. Und wenn der Arzt sich weigert das Attest auszustellen, ist er ein schlechter Arzt.

    Ein Arzt, der die vom Patienten geäußerten Beschwerden bagetellisiert ist ein schlechter Arzt, ja. Da stehe ich zu 100% hinter der Aussage.
    Wenn der Arzt die die ganz starke Vermutung hat, dass der Patient nicht wirklich körperlich oder psychisch krank ist, dann sollte eine Anemnese durchzuführen, was den Patienten dazu veranlasst. Er würde den Patienten dann vielleicht eher zum Psychologen weiterüberweisen, der vielleicht erarbeiten kann, wieso ein Mensch sich gezwungen sieht die Reißleine zu ziehen. Stichwort: Coping Strategien entwickeln.
    Jemanden aber mit "sie haben nichts, gehen sie arbeiten" nach hause zu schicken ist wie du so ironisch schreibst, ganz großes Tennis. Menschen, die so etwas gutheißen, tragen durchaus eine Teilschuld an Suiziden, Burnout Fällen usw. Diese "stell Dich mal nicht so an" Haltung ist etwas ganz Ekelhaftes, die vielen psychisch und physisch chronisch kranken Menschen enorm schadet. Und genau diese Einstellung ist es, die viele Erkrankungen und Probleme ächtet.
    Es gibt zum Beispiel auch hypersensible Menschen, die Schmerz und Streß in einem ganz anderen Ausmaß wahrnehmen, als es so Holzklötze tun.

    Die meisten Erkrankungen kann man halt nicht sehen. Selbst den Bandscheibenvorfall sieht man nur im bildgebenden Verfahren, könnte also sein, dass du nur simulierst und "au" schreist, um die Krankschreibung zu erzwingen. Gilt für psychischene Erkrankungen natürlich sowieso. Es nicht so lustig, wenn einem ein Arzt nicht glaubt.

    Unsere Dauerschwänzer gehen übrigens gar nicht zum Arzt, sie kommen einfach nicht. Und wenn ein Ausnahmekandidat das machen würde, um eine Klausur 3 Tage später zu schreiben- sein Problem.

    Ganz genau!

    Hab von ihm sogar schon aus dem Nebenzimmer gehört, er war etwas lauter, daß er einem Patienten ausreichende Gesundheit für die Arbeitsfähigkeit attestiert hat.
    Was ist eigentlich, wenn einer meiner Schüler jetzt zu dem Arzt geht von wegen "Attest für die Klassenarbeit", er ist während der Klassenarbeit in der Praxis und der Arzt sagt: "Sie sind gesund."

    Wenn man seinem Hausarzt sagt, dass man sich (körperlich, psychisch) nicht in der Lage fühlt zu arbeiten und der einem sagt, dass man sich doch bitte in die Arbeit schleppen soll, dann würde ich ganz stark darüber nachdenken, ob der mich überhaupt ernst nimmt.
    Und dem Schüler würde ich dringend raten den Arzt zu wechseln, das ist los!
    Selbst wenn der Schüler die Mühen auf sich nimmt zum Arzt zu gehen, weil er einfach nicht mehr klar kommt mit dem Druck der Klausuren, dann ist es erstmal sinnvoll, dass ein Arzt dem Ganzen auf den Grund geht.

    Das perverseste was ein Mediziner machen kann ist es, die Probleme seiner Patienten nicht ernst zu nehmen.
    Man stelle sich folgendes vor:
    Schülerin kommt zum Arzt und klagt über Kopfschmerzen, Kraftlosigkeit und sagt, dass sie psychisch fertig sei und zuhause bleiben wollte um Kraft zu tanken. Der Arzt sagt: Achso, eine Klassenarbeit? Die simuliert bestimmt nur, geh in die Schule.
    Drei Monate später liest er in der Zeitung, dass sich eine Schülerin aus Überforderung und psychischen Problemen das Leben genommen hat.
    Übertrieben? Überhaupt nicht. Natürlich spielen da viele Faktoren ein Rolle, aber AUCH beim Hausarzt hätte ein Ernstnehmen des Patientengesprächs der Anstoß zur Heilung sein können.

    Schaut euch mal an was der ständige Druck für psychische Erkrankungen hervorbringt.
    Im Lehrerberuf gibt es ein Burnout Quote, die sich gewaschen hat.
    Toll, wenn der Hausarzt dann vorher gesagt hat:"Ach, das ist nur ein bisschen Schlaflosigkeit und Stress, natürlich sind sie arbeitsfähig".
    Auf jeden Lehrer, der einmal zu oft zum Arzt geht wegen Überforderung und psychischen und psychosomatischen (!) Problemen und eigentlich hätte arbeiten können, kommen fünf (wenn nicht zehn) Lehrer, die wegen solcher Beschwerden NICHT zum Arzt gehen und es hätten mal besser tun sollen.
    Ich behaupte die schlechten Arbeitsbedingungen der Lehrer (und vieler andere Berufe) kommen auch zu einen signifikanten Teil dadurch zustande, dass die Menschen unter Druck versuchen so lange zu funktionieren, bis es wirklich mal rumms macht. Würden die Menschen mehr auf ihren Körper hören (dürfen !!!), wäre das Arbeiten ganzheitlicher, nachhaltiger, erholsamer.

    Inklusion an den Schulen gibts, da nimmt man Rücksicht auf jedes noch so gestörte Verhalten, aber wenn Kollegen psychisch krank und überfordert sind, dann wird gehackt wie bei den Krähen.

    So kenne ich das auch. Im Prinzp ganz einfach: Wenn du Urlaubstage, die du durch Krankheit nicht wahrnehmen kannst, ausgeglichen haben willst, @Firelilly, musst du eben an deiner Schule durchsetzen, dass man seine 30 Urlaubstage für die Ferien konkret anmeldet. Passiert ja auch an einigen Schulen. Dann dürfte das kein Problem sein.
    Im Umkehrschluss würde das dann wohl bedeuten, dass der Schulleiter dich an Ferientagen, für die du keinen Urlaub angemeldet hast, zu Arbeiten heranziehen kann.

    Und was ist mit den ganzen Überstunden? Wie werden die dann ausgeglichen? Man hat doch explizit mehr als 30 Tage frei, damit man die während der Schulzeit anfallenden Überstunden kompensiert.
    Das kann doch nicht wahr sein. Da wird einem eine nach oben offene Arbeitszeit aufgedrückt (wie gerne würde ich, wie jeder andere Mensch, jede Überstunde aufschreiben!) und dann soll man nur 30 Urlaubstage haben?
    Das wäre der moment, wo ich sofort raus wäre.

    Hier in SH gibt es einfach nur einen schwachen HPR - die letzte Arbeitsbelastungserhebung in SH ist auch im Sande verlaufen ...
    Fürsorgepflicht geht anders.

    Ja, richtig. Aber ganz wichtig: "...nach zur Verfügung stehender Zeit". D.h. wenn vor den Ferien - dann nichts ... nach den Ferien sieht es besser aus ... in der Regel 0,5 bis zu 3 Tage. Hatte im letzten Jahr zur Folge, dass z.B. Mathe 3 Tage bekam, Englisch nur 0,5 Tage - auch hier: Gerecht sieht anders aus, nämlich:


    Folgendes Beispiel unserer Schule geht mir irgendwie nicht so ganz ein:

    Kollegin A, Vollzeit:

    Korrektur von Q2 Mathe Abitur, dieses wird nach den Osterferien geschrieben. Kollegin macht sich, zumindest was das schriftl. Abi angeht, schön erholsame Osterferien. Sie bekommt mehrere Korrekturtage nach den Ferien für die Korrektur. Ihr Q2 Kurs fällt teilweise weg, weil die Abiturienten nicht da sind. Sie bekommt Schutz vor Vertretung, weil sie ja Abi korrigieren muss.

    Kollegin B, Teilzeit:
    Korrektur von Q2 Profilkurs Abitur. Dieses wird vor den Osterferien geschrieben. Kollegin schlägt sich die Osterferien mit der Abikorrektur herum. Sie bekommt keine Korrekturtage, sondern muss nach den Ferien ganz normal unterrichten. Hinzu kommt: Weil ihr Q2 Kurs ja weg ist, kann sie in den weggefallenen Stunden ja vertreten. Und zwar Kollegin A, die ja Korrekturtage hat und sich schöne Osterferien gemacht hat. Und die außerdem Vollzeit ist.

    Was ist los ist Schleswig-Holstein?!

    Zitat

    Übrigens

    Zitat

    : Erfolgt eine rückwirkende Krankschreibung im Urlaub, dürfen dem betroffenen Arbeitnehmer die jeweiligen Urlaubstage in der Regel nicht abgezogen werden. Lassen Sie sich rückwirkend krankschreiben, wird der Urlaub Ihnen normalerweise wieder gutgeschrieben und Sie können die Tage zu einem anderen Zeitpunkt freinehmen.


    https://www.arbeitsrechte.de/rueckwirkend-krankschreiben/

    Als Lehrer ist man halt wie immer in der Arsch gekniffen. Weihnachtsferien krank gewesen und zack, nichts mit "zu einem anderen Zeitpunkt freinehmen."


    Generell finde ich eine Sache extrem problematisch beim Lehrerberuf:

    Lasse ich eine Klausur schreiben und werde krank, kann ich die nicht korrigieren und sie liegt da. Das gilt für so viele andere Dinge (Tests, Elterngespräche, zu bewertende Hausaufgaben, Plakate, usw.) auch. Lediglich der Unterricht an sich muss nicht nachgeholt werden.

    Das bedeutet im Lehrerberuf, dass Krankheit in vielen Fällen dazu führt, dass nach Genesung Arbeit aus der Zeit des Krankseins (denn da hätte ich korrigiert usw.) nachgeholt werden muss.

    Bei Mathematik ist das nicht so. Wenn ich etwa an das Thema meines Mathe-Hauptseminars denke: Ich hätte nicht den Hauch einer Chance, jemandem zu erklären, worum das ging, der nicht mindestens ein Mathe Grundstudium erfolgreich abgeschlossen hat.

    Das sehe ich auch ganz extrem bei Chemie. Das ist irgendwann so kompliziert, dass man das niemandem ohne Grundstudium auch nur annähernd erklären könnte. Wenn man sich als guter Chemieschüler in ein Hauptseminar physikalische Chemie setzt, versteht man nichts. Eine Mitbewohnerin hatte die Kombination Englisch / Geo und ich war in beiden Fächern (einmal, bzw. bei Englisch mehrmals) mit in einer Vorlesung. Ich muss sagen ich konnte den Inhalten erstaunlich gut folgen, auch, wenn ich natürlich jetzt von Literatur keine Ahnung habe. Aber mir war schon klar, worum es da ging. Nun war betreffende Mitbewohnerin leider nicht bei mir mit, aber ich schätze, dass sie von Chemie gar nichts verstanden hätte. In Bio wäre es sehr auf das Seminar angekommen, in manchen wäre es ähnlich wie in Chemie, in anderen eher wie bei Englisch.

    Finde, ich gut, dass du das mit der Arbeitsintensität einmal so klar dargestellt hast. Auch das mit den jüngeren Lehrkräften, die noch in der Probezeit sind, oder das mit den A14-Aspiranten.

    Und ich kenne kaum einen, der dieses Tempo länger als die ersten 10 Jahre durchgehalten hat. Da bezahlen es einige sogar mit ernsten gesundheitlichen Problemen, die schon in Richtung Dienstunfähigkeit gehen...

    Das auch noch einmal als Warnung an alle, die mit einem "Helfersyndrom" in die Schule kommen, und nebenbei noch die Welt retten wollen...

    Ich finde es erschreckend, wie viel belastender die Arbeit in der Schule ist. Es muss die Pflichtstundenzahl gesenkt werden, dringend. Und zwar nicht um 1 oder 2, sondern vielleicht um 5 Stunden.
    Alles andere ist verheizen. Die große Teilzeitquote kommt nicht daher, weil wir so gut verdienen und es uns leisten können. Viele können schlicht und einfach nicht mehr und sagen: Gesundheit > Geld.

    Ich finde dein Werdegang zeigt, dass Du viel kämpfen musstest um die Abschlüsse zu bekommen. Ich sehe das als gar kein so schlechtes Beispiel für Schüler, allerdings sehe ich dich absolut nicht an einem Gymnasium.
    Da solltest Du fachlich einfach total fit sein auch, wenn der Schulstoff natürlich kein Uni-Niveau hat. Dennoch gehört ein fachlicher Überblick besonders am Gymnasium zur absoluten Voraussetzung.
    Was ich mir aber durchaus echt vorstellen könnte, wäre, dass Du an einer Hauptschule unterrichtest. Da ist es fachlich im Vergleich zum Gymnasium in Mathematik extrem stark reduziert und Du hast mit dieser Schulform durch deinen Wedegang schon Erfahrung. Ich glaube da könntest Du ein gutes Vorbild für die Schülerinnen und Schüler werden. Außerdem werden an Hauptschulen Lehrer sehr gesucht und da würdest Du auch mit nicht sonderlich guten Noten unterkommen!

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