Aus meiner Sicht gehört es zur Aufgabe einer Schulleitung, darauf sensibilisiert zu sein, wie sie aufgrund ihrer Leitungsfunktion von den Lehrkräften wahrgenommen wird, und entsprechend zu kommunizieren.
Auch den gegebenen Fall hätte man deutlich kommunizieren können, ohne persönliche Daten im offenen Umfeld zu thematisieren. Bspw. hätte man von notwendiger Umverteilung von Unterricht sprechen können. So viel Vorüberlegung muss einer SL zuzumuten sein.
Ganz generell gibt es natürlich in einem Fall, in dem man ohne Angaben von Gründen zu einem Gespräch eingeladen wird, verschiedene Eskalationsstufen.
Die niedrigste Stufe ist der Vorschlag von chemikus08 - dafür muss man aber auch ein recht gutes Selbstbewusstsein haben und souverän in Konfliktsituationen reagieren können. Nächste Stufe ist sicherlich der Vorschlag von fossi74 - und man darf nicht unterschätzen, welche Wirkung es haben kann, wenn Vorwürfe und Anschuldigungen erstmal ins Leere laufen, weil der Betroffene sich nicht in die Defensive drängen lässt, sondern gar nichts sagt, aber sehr ausführliche Notizen macht. Das ist ein recht mächtiges Mittel, um manipulative Situationen umzudrehen. Auch hier braucht man ein gewisses Selbstvertrauen und muss es aushalten können, sich nicht gleich zu verteidigen. Nächste Eskalationsstufe wäre gar nicht nachzufragen und zu so einem Termin einfach in Begleitung der Personalvertretung zu erscheinen. Das ist dann schon sehr offensives Vorgehen. Und die höchste Stufe ist es natürlich, das Gespräch einfach abzulehen, wenn es keine formale Einladung unter Nennung von Gründen gibt. Das ist dann natürlich besonders konfliktträchtig und vielleicht nur in Extremsituationen mit langer Vorgeschichte sinnvoll.
Im gegebenen Fall hast du genau richtig reagiert und das Ergebis zeigt das ja auch. Über die Belehrung kann man sicher streiten, ich hab es nicht so gelesen wie kleiner gruener frosch, kann es aber auch nachvollziehen, dass es aus SL Sicht so aufgenommen werden kann. Kommunikation ist eben immer schwierig, darum ist es in normalen Situationen ja auch eigentlich angebracht, (kleinere) Kommunikationsprobleme gelassen zu sehen und sachlich nachzufragen.
Ein Hinweis auf das nicht "tadelnde" Gesprächsthema ist vielleicht auch die Situation: Wird jemand "vorgeladen" zu einem Disziplinargespräch, findet diese Vorladung nicht zwischen Tür und Angel statt. Sondern eben wahrscheinlicher per Mail, mit Angabe/Andeutung des Grundes. Oder "irgendwie" anders (ist hier nicht Thema, deshalb jetzt nicht ausführlicher).
Das möchte man annehmen, ist aber wohl leider nicht an allen Schulen der Standard. Entsprechend sind die Reaktionen auch unterschiedlich.
Es soll Themen geben, in denen eine Vorbereitung des Gegenübers gar nicht gewollt oder angezeigt ist, um den Sachverhalt nicht zu manipulieren.
Ich halte das für eine recht theoretische Ausnahmesituation. Ja, es mag Fälle geben, wo Sachverhalte vor dem Gespräch noch manipuliert werden können. Im Schulalltag halte ich das aber nicht für den Regelfall, schon gar nicht in dem Sinne, dass es darum geht, Beweise zu sichern. Als Beispiel stelle ich mir den Vorwurf vor, ein Kollege würde das Klassenbuch nicht ordentlich führen. Selbst wenn der Kollege dann die Gesprächseinladung nutzt, um schnell noch nachzutragen, ist immerhin dann die Dokumentation in Ordnung und die Ermahnung bzgl. des Fehlverhaltens sowie der Hinweis, dass SL ein Auge darauf hat, dürfte angekommen sein. Extremere Fälle, evtl. mit strafrechtliche Relevanz, sind dann sicher ein Sonderfall.
Andersherum wäre es vielleicht Aufgabe der Schulleitung in so einem (normalen) Fall, den Sachverhalt so zu dokumentieren, dass eine nachträgliche Manipulation nichts mehr bringt. Insgesamt wirkt es eher wie Manipulation von Seiten der Schulleitung, wobei es im vorliegenden Fall vielleicht einfach nur unüberlegtes Handeln und vielleicht auch ein wenig Überforderung in der konkreten Situation ist (Ausfall eines Kollegens, eine Lösung muss schnell gefunden und umgesetzt werden).