Beiträge von Kapa

    Hallo Kapa,

    ich weiß, wann man etwas sagen muss und wann das nicht angemessen ist.
    Hätte ich prinzipielle Probleme damit, mich unterzuordnen und Hierarchien zu akzeptieren, hätte ich diesen Beruf gar nicht erst in Erwägung gezogen.

    Das Seminar mit dem Nazi-Regime zu vergleichen ist etwas arg daneben - so schlimm sind wir Lehrer doch nun auch wieder nicht. Klar ist unsere Ausbildung nicht berühmt und natürlich ist der Job auf der Hitliste nicht sehr weit oben. Aber deshalb gleich die Nazi-Keule auspacken? :pfeifen:

    der Buntflieger

    Ich sag dir: Die Keule kamm in dem Thread schon bei Banalerem wie “ich Kauf doch nicht das wofür der Schulträger zu sorgen hat”. :)

    Du sprichst davon, dass du nen starken eigenen Kopf hast. Ich sag “Nö, du bist nen Internetkrieger”. Da liegt auch das allgemeine Problem hinsichtlich Schulträger in die Pflicht nehmen... wenn ich immer den Kopf neige um alles abzunicken,egal wie mir das aus Berufs-ethischer Sicht widerstrebt, verlierst du dein Rückgrat. Und eins braucht unser Bildungssystem nicht: rückgratlose Lehrer die zu allem Ja und Amen sagen.

    Edit: Meine Internetverbindung geht mir gerade flöten.

    Alles abnicken = Kadavergehorsam = nicht gut

    Sich trauen Missstände anzusprechen = schwer und mitunter ärgerlich = aber richtig und hilfreich (und übrigens eigentlich das was man als preußische Tugend bezeichnet in den Kreisen in denen ich verkehre)

    Du bist ein 0815-Referendar: Du machst den Mund nicht auf wenn deiner Meinung nach im Seminar etc was schief läuft um den Seminarleitern zu gefallen. Ist für mich Duckmäusertum und nicht „starker eigener Kopf“. Aber Phrasen klopfen geht ja schon ganz gut ;) nichts für Ungut, find das nur zum Grinsen.

    Tante Edit sagt: wo wir dann wieder das Zitat von Susannae mit dem nazi-abwehren-nichts-sagen wären.

    Hallo Miss Jones,

    inhaltlich anregender Unterricht ist sowieso eine Grundvoraussetzung, aber wenn man obendrein für ein klar strukturiertes und reglementiertes Arbeitsumfeld sorgt, kommt dieser umso besser zur Geltung.

    Vielleicht kommt es auch einfach hauptsächlich darauf an, wo man als Lehrkraft unterrichtet. Sicher ist es an einem Gymnasium in einem Akademiker-Umfeld kein Kunststück, die SuS an für sie selbstverständliche Umgangsformen zu erinnern, wenn sie diese mal kurzzeitig aus dem Blick verlieren. Ganz anderes sieht das in einem eher bildungsfernen Milieu aus, wo ein Großteil der SuS zu Hause nicht mal ein Frühstück bekommen und die Eltern bei Elternabenden mehrheitlich durch Abwesenheit glänzen.

    Da kann man seinen Unterricht noch so ansprechend und voll eigener Begeisterung vortragen; wenn die Hälfte der Kinder mit ganz anderen Dingen beschäftigt sind und daher schlicht und ergreifend nicht zuhören können, bringt das leider nicht viel. Bei uns gibt es auch Klassen, bei denen es reicht, gut durchdachten Unterricht zu machen und Präsenz zu zeigen. Aber es gibt auch genügend Klassen, da kommst du ohne mühsam und langfristig eingeübte Regeln und Rituale einfach nicht voran, weil zu viel Zeit für Unterrichtsstörungen draufgeht.

    der Buntflieger

    Hm, ähnlich wie Miss Jones kenne ich genug Gymnasien, wo sich eher nicht die easy peasy schnösel Dösel und Akademikerkinder treffen. Da kann ich von Klassen berichten, die aufgrund des Elternhauses keinerlei Manieren/Benehmen/Sozialisiation vermuten lassen. Oder aber von Kindern, die da der Meinung sind, sie bräuchten eh nichts machen, denn "Abi kriegt ja jeder", übrigens auch ohne etwas dafür zu tun.
    Oder aber Klassen, in denen hinter dem Rücken von Kollegen schnell mal die E-Sisha angemacht wird oder das Fläschen mit dem Alkohol angesetzt wird. Oder aber Klassen, in denen es ganz normal ist, das Kind xy wieder mit dem Kopf auf dem Tisch liegt und laut schnarcht weil es mal wieder nicht vor 2 Uhr Morgens ins Bett gekommen ist. Oder aber von Kindern, die sich gegenseitig auf, bildungsfern lässt grüßen, einem Niveau beleidigen, dass selbst manche Förderschüler dusslig schauen wenn sie das mitbekommen.
    Gymnasium bzw. Abitur ist schon länger kein Garant mehr für die ruhige Kugel. Je nach Einzugsgebiet oder aber Ruf der Schule kommt da manchmal auch nur noch die sprichwörtliche "Resterampe" zum Einsatz.
    Und da sprech ich noch nicht von meiner Erfahrung an zwei Berliner Oberstufenzentren, wo ein Teil der Schüler nicht mal in der Lage war richtig lesen zu können (und wir reden hier nicht von "sinnverstehendem Lesen" sondern tatsächlich davon, LESEN zu können).

    Das zieht sich bis in die Uni hin mittlerweile.

    Ok bunter: mein Signal für die Schüler zur Einleitung der arbeitsphase ist lediglich das hinstellen an einem bestimmten Punkt im Raum bzw. eine Handbewegung die unmissverständlich ist. Ich arbeite viel mit nonverbalen Mitteln und das funktioniert seit gut 5 Jahren arbeitspraxis bisher ohne größere Probleme. Lediglich die Anfangsphase in neuen Klassen ist unruhiger als danach.

    Klangschale oder Glöckchen brauch ich immer noch nicht, schon allein weil ich es als Schüler schon sehr befremdlich fand wenn Erwachsene mit einem Glöckchen oder einer Klangschale auf irgend etwas aufmerksam machen wollen.
    Vorherige klare Einführung von regeln und die strikte Einhaltung hilft manchmal schon ;)

    Komischerweise komm ich auch ohne Klangschale aus und kam es bisher euch an jedem Schultyp (GS inbegriffen).

    Ein kurzes kräftiges Psst, ein kräftiges „Ruhe!“ (oder wie am Gymnasium in meinem Geschichts-LK gern verwendetem „Silencio!“) oder einfach nonverbales Positionieren und anschauen reicht doch bei den allermeisten Störungen.

    Ich glaub in einem der vielen Schulgesetze der Länder die ich schon mal in der Hand hatte stand: Jeder der mindestens 6h eigentändigen Unterricht gibt, darf sich Lehrer schimpfen.
    Also wenn das zuständige Schulamt sowas zulässt: Scheint wohl so....

    Smartboards sind schön und gut wenn sie denn folgende Dinge durch Schulträger realisiert haben:

    - sie werden regelmäßig gewartet
    - die notwendige Resttechnik (PCs die funktionieren) sind vorhanden
    - das Kollegium kriegt eine allgemeine und fachspezifische Schulungen dafür
    - es gibt einen Mitarbeiter an der Schule, der sich damit auskennt und bei Störungen da ist wenn man ihn braucht.

    Habe das bisher an keiner der Schulen erleben dürfen die Smartboards haben. Oftmals gabs da dann sogar die billigste alternative, die sich in einer Schulstunde ständig dekalibiriert hat.

    Meine Rede Morse!

    Ich versteh das Dilemma auch gut. Mir geht nur nicht in den Schädel warum man denkt « Ich protestiere indem ich selbst das Problem finanziell beseitige. ».
    Erst wenn die Schulen flächendeckend melden müssen, dass Unterricht kaum noch möglich ist aufgrund fehlender Arbeitsmittel wird das dem Steuerzahler auch bewusst und er tut was dagegen. Vorher nicht. Vorher bleiben die Privatgeldgeber-Kollegen die (das ist nicht böse gemeint) Deppen der Nation (weil sie eben ohne jegliche Verpflichtung eigenständig die Aufgabe des Schulträgers in die Hand nehmen und damit demselbigen die Verantwortung abnehmen).

    Wieso nur im Zweifelsfall? Wieso mal? Wenn ein Kind regelmäßig ohne Essen/Trinken in die Schule kommt, hören die Eltern definitiv von mir...Ansonsten würde mich schon interessieren, was genau du in dem Moment tun würdest, wenn da ein 7jähriges Kind vor dir steht und über akuten Hunger klagt? Würdest du da allen Enstes sagen: "Tja, tut mir leid, dafür bin ich nicht zuständig, aber ich werde mal das Jugendamt verständigen." ???

    Ich habe für den Fall zwar auch keine Vorräte im Schrank (höchstens mal einen Rest Salzstangen von der letzten Faschingsparty oder so, die habe ich dann auch schon mal verteilt...), hatte so einen drastischen Fall aber auch noch nicht. Wenn mal ein Kind Hunger hatte, haben sich in der Regel genug Mitschüler gefunden, die freiwillig was abgegen haben. Ich habe aber auch schon mal vom Büro aus zu Hause anrufen lassen, mit der Aufforderung dem Kind bitte schnellstmöglich was zu essen vorbeizubringen. Was ich immer da habe sind Trinkbecher, damit sich Kinder ohne Getränke zumindest Leitungswasser holen können.

    Aber einem Kind in der Situation nicht irgendwie unmittelbar zu helfen (und sei es, indem man mal in die Klasse fragt, ob jemand zu viel Essen dabei hat) wäre für mich unterlassene Hilfeleistung.

    Was würde ich tun, wenn ein 7jähriges Kind vor mir steht und sagt "Hunger"? Tja, vielleicht nicht Pech gehabt sondern "Komm, wir rufen mal zu Hause an und machen Dampf das deine Eltern hier fix was rumbringen.".
    Und wenn die lieben Elterchen das nicht einsehen, tja...dann kommt die Info an die nächst höhere Stelle und die Frage an die Mitschüler. Einmal, vielleicht auch noch ein zweites Mal. Und dann gibts den unfreundlicheren Anruf bei den Eltern.

    Noch mal einfach erklärt:
    WIR sind nicht dafür verantwortlich und nicht zuständig, wenn Eltern grundlegend einfachen Dingen nicht nachkommen.
    In meiner Schulzeit hatte ich auch einen Mitschüler, wo die Eltern es darauf angelegt haben, dass er immer bei uns schnorren kann. Da haben wir dann irgendwann auch nicht mehr geteilt, weil unsere Eltern auch nicht die Wohlfahrt sind.
    Und wie hier auch schon mehrfach von verschiedenen Seiten aus benannt: WIR als Lehrer können immer wieder einspringen und alles schön aus der privaten Tasche zahlen um den lieben Kleinen Dinge zu besorgen, für deren Beschaffung die Eltern oder aber der Schulträger verantwortlich ist. Nur ist das in dem Falle kein Kampf gegen das System sondern die Unterstützung des Problems, denn ....wenn das Problem durch unseren persönlichen Finanzzuschuss abgeholfen wurde, wozu sollten dann noch Arbeitgeber oder Eltern sich in der Pflicht sehen?

    Verschönerung des Klassenraumes geht ohne eigene Gelder (siehe Schülerplakate etc.).
    Und ja, es schmerzt zu sehen, dass manche Eltern nicht die Notwendigkeit erkennen, ihr Kind vernünftig auszustatten (bei Arbeitsmaterial und Essen + Trinken). Und ja, mir tun solche Kinder leid. Ich änder aber nichts daran, wenn ich mein eigenes Geld da ständig reinbutter. Ich ändere erst was daran, wenn ich ohne zuschustern den dementsprechenden Stellen (Eltern, Schulträger, Jugendamt ...) auf die Füße trete.

    Edit:
    Ich habe mir ab der 2. Klasse mein Essen auch alleine gemacht (mit Bento-Box!) und als ich alleine Kochen konnte sogar was Gekochtes immer bei gehabt. Ab einem gewissen Alter sind Kinder auch alleine dazu fähig, für sich zu sorgen oder zumindest grundlegende Bedürfnisse zu stillen. Und wenn Muttern und Vattern dem im Wege stehen, indem sie nicht für ausreichend Material dafür sorgen: Kann und sollte ich als LEhrer schon nochmal mit dem Eltern darüber reden und die Eltern dazu anhalten, eine Besserung der Situation zu erarbeiten.

    Live (koreanisch), Elementary, Forever, Lucifer, limitless, Person of interest und noch ein paar mehr Serien die leider alle irgendwie abgesetzt wurden (komischerweise waren das die wo man mitdenken musste).

    Ich guck mir sehr gerne auch chinesische, koreanische und japanische Spielfilme im Originalton an.

    Guckst du Filme im Original mit Untertiteln?

    DAnke, da sieht man wieder die Grundschullehrer, die eben doch auch teilweise Ersatzmutter sind und dann die Sek II-Lehrer.

    Danke, da sieht man wieder mal die Überheblichkeit, die ich in unserer Berufsgruppe so mag. Ich arbeite derzeit an einer Förderschule wo eben solch eklatanten Mängel ebenfalls Standard sind. Unsere Schule wird dazu noch seit einigen Jahren von „Oben“ klammheimlich dicht gemacht und neue Anmeldungen abgewendet. Auf unseren Protest auch hinsichtlich der mangelhaften Ausstattung passiert: Nischt. Aber ganz offiziell werden wir noch nicht geschlossen, zumindest wenn wir als Lehrer oder die Schulleitung nachfragt.

    Dennoch spiel ich mich nicht als Ersatz Elternteil auf und stecke stetig eigenes Geld in Dinge die entweder die Eltern oder aber mein Arbeitgeber bezahlen sollten.
    Fehlendes Arbeitsmaterial ist bei den Kindern an der Tagesordnung. Wir sind soweit das wir werbekulis nutzen als Ersatz. Wer keine Blätter hat, hat dann eben Pech. Du kannst halt nicht Woche für Woche, Tag für Tag oder Unterrichtsstunde um Unterrichtsstunde Blöcke für 90 Schüler bereitstellen aus eigenem Bestand.
    Genauso kann und will ich auch nicht täglich 15 Kinder verköstigen weil die Eltern es nicht gebacken bekommen. Im Gegenteil: bei dem Klientel ist einer Kollegin die eben das macht von Eltern gesagt worden sie solle doch mehr Toastbrot bereitstellen.

    Und macht das Jugendamt was oder reagiert schnell? Nein. Aber ich bin dazu verpflichtet es zu melden also mach ich das auch.

    Du bist dazu verpflichtet die Info weiterzugeben. Im Zweifelsfall kann man als Klassenlehrer ja auch mal ne Info an die Eltern reichen.

    Was man definitiv nicht machen sollte:
    Das Kind ernähren. Das ist nämlich nicht unsere Aufgabe und wo ziehst du da die Grenze? Bei dem richtig hungrigen Kind? Bei dem Kind das nur ein bisschen hungrig ist? Oder aber aus Solidarität bei allen Kindern der Klasse denn alles andere wäre unfair.
    Aber auch hier hast du dann wieder die Situation: Der eigentlich Verantwortliche ist fein raus, weil du das ja privat übernimmst.

    Edit:
    Ich frag mich auch warum man Mutter Theresa spielen sollte und alle hungrigen Kinder der Klasse/Schule ernähren sollte? Dafür werden wir nicht bezahlt und das liegt einfach daran weil es die Aufgabe der Eltern ist. Du bist nicht jedermanns Mutti oder darf ich rum kommen zum Essen?

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