Ich weiß nicht, wie das bei Euch läuft, aber bei uns war's so, dass in den Lehrproben-Besprechungen tatsächlich alles immer "schön" war von Seiten des Allgemeinseminars. Durch dieses dämliche "Man muss alles nett verpacken", kam nämlich immer nur "man könnte das und das anders machen" oder "das war schon ganz gut....", anstatt, dass die einem mal konkret gesagt hätten, was Sache ist, und was man ändern soll.
Die Abrechnung kam dann mit der Note, da hat sich dann rausgestellt, dass dieses ganze Geschwafel heuchlerich war. Ohne einen sehr resoluten Fachseminarleiter, der hinter mir stand, wäre das ein paar mal übel ausgegangen.
Mein (Haupt)mentor - heute einer der wenigen echten Freunde im Kollegium - war auch eher ein harter Hund und Freund der klaren Worte. Der hat, wen ihm was nicht gepasst hat, sehr deutlich gesagt "mach das so, sonst ist's scheiße". Damit konnt' ich besser umgehen.
Kurz vorm Examen musste dann aber auch er eingestehen, dass er keine Ahnung hat, wie er das Seminargeschwätz einschätzen soll. Mehr gelernt hab ich aber definitiv von ihm und meinem Fachseminarleiter als durch das Allgemeinseminargeschwätz.
EDIT: Und aus Mentorsicht: Bei meinem ersten eigenen Referendar war's dann auch nicht großartig anders. Ich hatte den Eindruck, das Seminar ist ein bisschen "weicher" geworden, weil es noch weniger Noten gibt als bei uns damals (eigentlich gar keine mehr außer dem Examen), und jetzt endgültig alles völlig beliebig geworden ist.
Wirklich was für den Alltag gelernt hat er - und ja, das klingt jetzt arrogant - ziemlich alles bei uns an der Schule. Hat dann einen Top-Abschluss gemacht und ist m.E. ein guter Junglehrer geworden.