Ich kenne es aus meiner eigenen Schulzeit ja auch nicht, dass wir mal selbst irgendwas Praktisches in Biologie oder Chemie gemacht hätten. Ist zwar schade, aber da würde ich als Lehrer-Individuum bzw. eben als ganze Schule zuerst schneiden. Selbiges gilt für Demoexperimente im Unterricht. Es gibt heutzutage so viele sehr gut gemachte Clips bei youtube, die man sich alle zu Hause runterladen und dann im Unterricht zeigen kann.
Mal zusammengefasst: wenn Du zeitlich die Arbeit nicht mehr schaffst, ist es für dich wichtiger, dass Klassenfahrten stattfinden, und bist auch bereit dafür deine Unterrichtsvorbereitung auf das absolute Minimum zu reduzieren (denn mal eben einen Youtube-Clip zu zeigen, in dem jemand ein Experiment runterspult ist meilenweit davon entfernt ein entsprechendes Experiment mit Variationsmöglichkeiten, offener Diskussion und möglichem Eingehen auf Schülerideen im Unterricht zu zeigen und erst recht vom Schülerversuch).
Diese Haltung ist für mich bezeichnend, für dass was in den letzten 20 Jahren in der Schule schief gelaufen ist: das "Bonusangebot" mit möglichst großer Außenwirkung ist immer mehr aufgeblasen worden, hauptsache man kann genug Fahrten, Projekte und weiß der Geier was auf die Homepage schreiben und ist möglichst oft in der Zeitung. Ordentlicher Unterricht ist da völlig nebensächlich.
Das wir in Niedersachsen an den Gymnasien die Fahrten ausgesetzt haben, war die beste Entscheidung, die in meiner Personalratszeit getroffen wurde. Nicht weil ich keine Fahrten möchte, ich wünsche mir auch, dass möglichst schnell Änderungen an der Arbeitsbelastung eintreten und die Fahrten wieder stattfinden können. Sondern weil wir zum ersten mal ein Mittel gefunden haben, was offenbar tatsächlich eine Wirkung hat und für Nervösität in den verantwortlichen Kreisen sorgt, die ansonsten reichlich Übung darin haben das ewige Gejammer aus den Lehrerzimmern zu ignorieren.