Eine Behauptung "50% falsche Empfehlungen" steht mit Sicherheit nicht in der Pisa-Studie, das wurde da schließlich überhaupt nicht untersucht. Wenn man dir das an der Uni erzählt hat, könnte das vielleicht daran liegen, dass die Pisa Studie von jedem gerne genutzt wird um sich Argumente für den didaktisch-pädagogischen Ansatz abzuleiten, den er die letzten 20 Jahre vorher auch schon vertreten hat. Siehe Diskussion pro / contra dreigliedriges Schulsystem, über das in der Pisa-Studia überhaupt keine Aussage getroffen wird.
Und das Beispiel "Kneten der 5" war nicht aus der Luft gegriffen sondern persönliche Erfahrung. Grade in Mathe gibt es an der Grundschule nämlich ein ganz großes Problem: viele Grundschullehrerinen sind dafür gar nicht ausgebildet, müssen es aber trotzdem unterrichten. Kein Wunder, dass die dann so gerne auf "differenzierende" Arbeitsformen zurückgreifen. Da schmeißt man die Schüler lieber an einer Lerntheke mit 36 Arbeitsblättern zu, weil sich die Kolleginnen einer fachlichen Klärung im Frontalunterricht gar nicht gewachsen fühlen (wofür man ihnen keinen Vorwurf machen kann).
Es gibt keinen grundsätzlichen Vorteil differenzierender Arbeitsformen gegenüber Frontalunterricht, die passende Mischung für jeden Inhalt ist entscheidend. Und wo die weiterführenden Schulen vielleicht oft zu frontal agieren schlagen viele Grundschulen inzwischen in's Gegenteil und machen Binnendifferenzierung als reinen Selbstzweck.
Wenn es um komplexere Inhalte geht, muss man zentrale Probleme auch mal "frontal" klären. Spätestens, wenn es in Mathe etwa an die Brüche geht würde ich dringend davon abraten, das einer Grundschullehrerin mit Deutsch und Sachkunde aufzudrücken. Das würde aber, zumindest in einem Teil der Klassen, passieren, wenn die 5 / 6 an die Grundschule gehen.
Grüße,
Moebius