Es ist gut, Tafelanschrieb aus Schüleräußerungen zu entwickeln, das heißt aber im Umkehrschluss nicht, dass alle Schüleräußerungen an die Tafel gehören. Günstig ist, wenn die Schüler in Schüler-Schüler Gespräch selbst einen Konsens zum von dir aufgeworfenen Problem entwickel (wobei du möglichst nur moderieren und dich sonst weitgehend zurückhalten solltest) und du dann die Sicherung durch eine Aufforderung wie "Ok, die wichtigen Dinge habt ihr alle gesagt, jetzt fasst das doch mal so zusammen, dass wir eine guten Merksatz haben" rauskitzelst. Wenn dann eine gute Zusammenfassung von den Schülern kommt, würde ich durchaus kleinere sprachliche Holprigkeiten in Kauf nehmen.
Für gute Vorbilder musst du einfach erst mal ein paar Kollegen "durchhospitieren", das ist ganz normal. Selbst wenn ein Kollege tollen Unterricht macht, heißt das noch nicht, dass du das so übernehmen kannst, es muss auch immer zu deiner Persönlichkeit passen. Bei deinem speziellen Problem würde ich aber einfach mal deinen Fachleiter fragen, ob du nicht mal eine Stunde von ihm besuchen kannst, dann siehst du zumindest auf welcher didaktisch-methodischen Linie er liegt.
Übrigens noch ein Tipp zu den Schülerrückmeldungen: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass - insbesondere bei jungen Schülern und wenn du ein gutes Verhältnis zur Klasse hast - bei sehr offenen Rückmeldungen oft viele Lobhudeleien kommen, die zwar ganz nett für's eigene Befinden sind, aber einen für die Unterrichtsplanung nicht wirklich weiterbringen. Man bekommt hilfreichere Antworten, wenn man das ganze entemotionalisiert, etwa mit der Aufforderung "Nenne eine Sache die dir gut gefallen hat und eine, die dir schlecht gefallen hat." Da hier explizit beides gefordert wird, fällt es den Schülern leichter auch schlechte Sachen zu nennen und davon lernt man am meisten.