Beiträge von Valerianus

    Meine Kfz-Versicherung wird sicherlich ebenfalls sehr erfreut sein zu hören, dass sie eigentlich staatlich ist, immerhin ist sie auch staatlich vorgeschrieben.

    Die Abgaben sind bei Sozialversicherungspflicht übrigens (bis auf wenige Ausnahmen oder Einkommen über Beitragsbemessungsgrenze) prozentual immer gleich.

    KV AN: 7,3%
    PV AN: 1,175%
    RV AN: 9,35%
    AV AN: 1,5%

    gesamt: 19,325%

    Mein Mitleid bei Gesamtsteuern und -abgaben von ~37% hält sich also gepflegt in Grenzen

    Die Frage basiert meiner Meinung nach auf der generellen Funktionsweise unseres Gehirns (möglichst zeitsparendes Rastern neuer Erfahrungen in bekannte Strukturen) sowie tatsächlichem Interesse. Allein in der Frage kann ich also keine Diskriminierung (Benachteiligung oder Herabwürdigung) sehen. Das Beispiel mit den USA ist übrigens ein ganz schlecht gewähltes. Natürlich, die Amerikaner haben ein breiteres Konzept zur Staatsangehörigkeit, weil sie dort schon seit Jahrhunderten qua Geburt vergeben wird, während in Deutschland noch bis 2000 ein sehr stark auf ius sanguinis basierendes Staatsangehörigkeitsrecht galt, das muss erst mal raus aus den Köpfen. Über die Gründe warum in den USA Schwarze häufiger von der Polizei erschossen werden als Weiße brauchen wir nicht reden, das machen die unabhängig von der Staatsangehörigkeit (selbst wenn man die höhere Kriminalitätsrate zwischen den Gruppen rausrechnet).

    Ich glaube das Hauptproblem ist, dass du es nicht umgehen kannst. Wenn ich zu Weiterbildungen (Übungsleiter) gehe und dabei Kampfsportbekleidung trage, werde ich oft darauf angesprochen, wenn mich das nerven würde, könnte ich es einfach lassen. Du hast da einfach keine Wahl.

    Wenn ich das richtig verstanden habe, hast du (sei es auch 100 Jahre her) irgendwo indische Wurzeln? Dann solltest du als Abgrenzung nicht arisch, sondern kaukasisch (im amerikanischen Sinne) benutzen, sonst ist deine Chance trotzdem mit drinzustecken echt zu hoch. :P

    meike: Vielleicht hab ich das bei der Vielzahl der Seiten überlesen, ich hab mir nur die erste und die letzte angeschaut, aber den Link zu den passenden (NRW) Rechtsvorschriften hab ich da nicht gefunden.
    Micky: Wenn du den Link für eine andere Bezirksregierung brauchst, schreib mich einfach per PN an, ich schick dir das dann zu. :)

    P.S.: Verdammt, mit dem Posting gibt's jetzt echt drei Seiten? xD

    DIe Wahrscheinlichkeit beträgt (gerechnet für eine Schule mit 50 Lehrern, was jetzt nicht wirklich eine große Schule ist) 0,0000000000000094428% (Excel), eine Wahrscheinlichkeit so winzig, dass sowohl Excel, als auch mein geliebter Taschenrechner sich nicht einig sind (unterschiedliche Nachkommaberechnung), die Hochrechnung auf die 25.000 Schulen in Deutschland verbieten um p zu berechnen um zu sagen, ob es ein statistischer Ausreißer sein könnte. Macht man im Grundschullehramt neuerdings Statistik? Das wäre eine sehr lobenswerte Entwicklung (in Bezug auf die Fähigkeit pädagogische Studien lesen zu können), an meiner Uni war es eher "Einführung in die Arithmetik" und "Einführung in die Geometrie".

    Es kann selbstverständlich entsprechende Extremausschläge geben, aber die Wahrscheinlichkeit dafür ist exorbitant gering bei "nur 25.000" Ziehungen. An einer kleinen Grundschule (generell höhere Teilzeitquote bei gleichzeitig kleineren Kollegien) wäre das noch eher möglich, aber selbst für eine Grundschule mit nur 10 Kollegen beträgt die Wahrscheinlichkeit für einen zufälligen Ausschlag nur 0,03387% und wenn man dann noch dazu nimmt, dass du keineswegs alle Grundschulen der Republik besucht hast, sondern nur eine eingeschränkte Auswahl kennst, spricht vieles für einen nicht zufälligen Ausreißer (der allerdings nicht zwingend in schlechter Organisation der Schule begründet liegen muss, es kann auch einfach ein junges, vornehmlich weibliches Kollegium mit eigenen, jungen Kindern sein).

    Für die Threaderstellerin ist das aber beides irrelevant. Ich weiß nicht bei welcher Bezirksregierung du bist, aber es gibt in NRW von jeder ein solches Blatt hier:
    Beispiel Münster
    In jedem steht in etwa dasselbe, evtl. solltest du damit zu deinem Ansprechpartner bei Schulleitung/Personalrat und da für Entlastung sorgen...

    Konferenzen: Ist bei euch an der Schule evtl. eine Tandemlösung mit einem anderen Teilzeitkollegen möglich, so dass ihr abwechselnd die Konferenzen besucht?
    Klassenleitung geht auch in Teilzeit, aber hast du keinen Co-Klassenlehrer, bzw. ein Team das dich unterstützen kann?
    Vertretung am freien Tag geht gar nicht, da würde ich den Stundenplanmacher ansprechen und ggf. den Personalrat einschalten.

    Vertretung überhaupt: Beantrage für jede einzelne Stunde die du über deinem Deputat unterrichtest Bezahlung (das ist ein Sonderfall bei Teilzeitkräften, du kriegst alles bezahlt) und sei gespannt wie lange deine Schulleitung das durchzieht, bis sie von oben einen auf den Deckel bekommt, dass sie doch bitte die preiswerteren Vollzeitkräfte bevorzugt einsetzen soll.

    Schau mal bitte hier: http://www.tresselt.de/download/tz-info2010.pdf

    Meike: Verhalten das niemand schädigt, aber dennoch kontrolliert wird: Inzest, Sodomie, nächtliches Überfahren einer roten Ampel (es wird angehalten, alle Spuren auf freie Fahrt geprüft und dann weitergefahren),...
    Soll ich weitermachen? Und die Beschränkung von Homosexualität auf Sex entspringt wohl eher mangelnden Griechischkenntnissen als dem Wort selbst (gleiches Geschlecht ist nun wirklich eine passende Umschreibung, auch wenn es eine moderne Neuschöpfung ist...die "klassische" altgriechische Homosexualität hatte eher etwas von homosexueller Pädophilie, Homosexualität zwischen erwachsenen Männern galt nicht als erstrebenswert, wurde aber "toleriert"). Und dass du eine Argumentation damit beenden willst, dass du etwas für "unwürdig" halten möchtest...nun ja...das sagt doch mehr über dich und deine Argumentationsfähigkeit aus, als über die Qualität der Argumente.

    Schantalle stellt eigentlich die interessante Frage: Aktuell hat die Religionsfreiheit (inkl. kirchlicher Sonderrechte) Verfassungsrang, die Gleichstellung unterschiedlicher sexueller Spielarten nicht. Gäbe es dafür eine große gesellschaftliche Mehrheit (abgebildet in einer Zweidrittelmehrheit im Bundestag), könnte man das ändern. Gibt es zur allerdings anscheinend nicht. Das Argument mit den 97 Jahren zieht übrigens nicht Schantalle...unser Bürgerliches Gesetzbuch basiert in weitem Teilen auf dem Codex Iuris Civilis und ist knapp 1.500 Jahre alt. Nur weil etwas alt ist, heißt das nicht, dass es schlecht ist.

    (Disclaimer, da lesen offenbar schwer fällt: Das ist explizit nicht auf Homosexualität bezogen) Ob etwas eine Krankheit ist oder nicht, ist genauso Entscheidungssache. Ich weiß nicht ob du von den Diskussionen um den DSM-5 etwas mitbekommen hast (Klassifikation psychischer Störungen), aber da gab es ganz erbitterte Kämpfe darum welches Verhalten nun eine Krankheit sei oder nicht. Das mein Vergleich überzogen war, war Absicht, es ging nur darum klarzustellen, dass "eingeschränkte Wahlmöglichkeiten" kein Kriterium für die Bewertung eines Verhaltens sind.

    Selbstverständlich könnte eine Gesellschaft Heterosexualität verdammen, durch die Fortschritte in der Reproduktionsmedizin wäre das wohl sogar möglich ohne binnen einer Generation auszusterben. Und eine Gesellschaft kann für akzeptabel halten was immer sie möchte, ich halte es nur für grenzwertig anmaßend deine Meinung als Meinung der Gesellschaft zu verkaufen. Durch so einen Unsinn (Marginalisierung und "Ächtung" [via political correctness] teilweise mehrheitsfähiger Meinungen) haben wir weltweit Idioten wie Donald Trump, den Front National oder ganz heimatverbunden die Politprofis von der AfD. Wir haben knapp unter 60% Christen und ca. 5% Muslime in Deutschland , deren offizielle Lehrmeinung zu Homosexualität teilweise dem Toleranzverständnis von claudius sehr nahe kommt. Und auch wenn bei den Christen sicherlich einige Karteileichen dabei sind, scheint deine Behauptung doch etwas vermessen.

    Wenn du das mit den Religionen jetzt nicht so gern hast, kannst du auch aktuelle Meinungsumfragen zu kommenden Bundestagswahlen anschauen, dabei kämen Union und AfD (ich will die Wähler der beiden Parteien auf keinen Fall zusammenwerfen, aber in der Frage dürfte die Meinung ähnlich aussehen) auf ca. 45%, SPD/Grüne/Linke etwas darunter, die FDP scheint bei der Frage wie so oft unentschlossen. Egal wie man zur CDU/CSU steht, aber "rechts von der CSU darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben" war schon keine so blöde Idee...

    Weshalb sexuelle Vielfalt akzeptiert werden soll? Weil unveränderliche Eigenschaften, wie Größe, Haarfarbe usw. und eben z. B. auch Homosexualität kein Verhalten ist (da haben bereits andere dazu geschrieben). Das wird von dir jedoch ohne sachliche Begründung ignoriert. Du redest unentwegt von Verhalten und Lebensweise ohne auf weitere Argumente von anderen einzugehen. Vielleicht bin ich auch zu medizinisch geprägt, aber eine Lebensweise fußt auf Verhalten - weit weniger bis kaum auf unveränderlichen Eigenschaften.

    Das Argument ist schwach. Es gibt auch Gene die eine Prädisposition zum Soziopathen mit sich bringen. Gene sind recht unveränderliche Eigenschaften, dennoch sind wir uns als Gesellschaft recht einig darüber, dass Soziopathie abzulehnen ist.

    Welche Menschen geächtet oder geschützt werden und welche Moral erzogen wird, entscheidet der Staat.

    Das ist korrekt. Derselbe Staat der entschieden hat, dass kirchliche Arbeitgeber berechtigt sind offen homosexuell lebende Menschen wegen schwerer Verstöße gegen die kirchliche Moral- und Sittenlehre aus dem Dienstverhältnis zu entfernen, begründet aus Artikel 137 Weimarer Reichsverfassung mit Rechtskraft gemäß Artikel 140 Grundegesetz. Das hat Verfassungsrang. Sexuelle Identität nicht, egal wie oft es hier auch behauptet wird. ;)

    P.S.: Ich bin für gleiche Rechte und Pflichten für homosexuelle Paare (Ehegattensplitting, etc.), es geht hierbei nur darum herauszustellen, dass die beiden Argumente die jeweilige These nicht stützen...

    Ich würde mir wünschen, dass die Diskutanten mit den entschiedenen Meinungen Carolin Emckes Rede anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels lesen:

    http://www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de/1244997/

    Ich würde mir wünschen, dass alle Lehrerinnen und Lehrer das Grundgesetz gelesen hätten, im Zweifelsfall reichen mir auch Artikel 1-19, auch wenn der Rest sicher auch nicht schaden würde. Man kann halt nicht alles haben. Und sie macht übrigens denselben Fehler den einige Leute hier machen, nämlich von den Menschenrechten auf andere Rechte (Eheschließung, Adoption, etc.) zu schließen (wobei der Ausschluss der Adoption bei anerkannten Lebenspartnern tatsächlich Blödsinn ist, da man theoretisch auch allein adoptieren könnte). Sie bringt in ihrer Rede übrigens die Worte Toleranz gegen Respekt in Stellung, Akzeptanz wird mit keinem Wort erwähnt. Und Respekt macht irgendwie auch keinen Sinn...warum sollte ich jemanden respektieren, weil er homosexuell ist? Ich respektiere ja auch niemanden, weil er heterosexuell ist. Wenn die beiden Personen eine tolle Leistung vollbringen, dann verdienen sie gleichermaßen Respekt, aber das Wort macht in dem Zusammenhang echt keinen Sinn, evtl. hat sie das amerikanische respect als Grundlage genommen, das würde mehr Sinn machen und zu ihrem Lebensweg passen (übrigens schreibt sie oft viel besser formulierte Artikel in der Zeit, wenn du die Rede so beeindruckend gefunden hast).

    Ist zwar nicht meine Aussage mit dem Zwang, aber: Wie würdet ihr vorgehen wenn ein Schüler Ziele eines Lehrplans nicht erreicht? Seien es fachliche Ziele oder solche im Rahmen der Werteerziehung wie es in NRW so schön heißt?

    Das ist in Ordnung, falls du doch eine gewisse Kränkung fühlen solltest, habe ich ja passende Lektüre für dich rausgesucht. ;)
    BTW: Wen willst du noch alles spezifisch vor Mobbing schützen? Nerds? Balletttänzer? Fussballerinnen? Schüler anderer Hautfarbe? Mädchen allgemein? Es gibt so viele Gruppen mit erhöhten Depressionsfallzahlen im Vergleich zur Norm, die wir an der Schule haben und schützen müssen. Halt warte...wie wär's...wir schützen einfach alle? :P

    Und das, Valerianus, liegt wiederum daran, dass die männlichen Schüler alle eine Art "Urangst" haben, selbst schwul zu sein oder als solches zu gelten. Diese Haltung beobachte ich schon seit Jahren unter den Jungen an meiner Schule. Alles, was nicht eindeutig nicht schwul ist, gerät sofort in den Verdacht, schwul zu sein. Das muss dann eben mit den bekannten schwulenfeindlichen Begriffen bezeichnet werden...

    Ich glaube es ist vielmehr so, das sie Angst haben als nicht männlich zu gelten und während in der Grundschule die größte Beleidigung noch "Mädchen" ist, wechselt das in der Sek I auf "Schwuchtel", auch wenn "zieh nen Rock an Melanie" immer noch zieht. Die Angst als weiblich zu gelten ist den meisten Männern über Kulturgrenzen hinweg gemein, die Angst vor der Homosexualität ist was kulturelles (wurde weiter oben ja schon von jemand genauer ausgeführt), allerdings werden bei uns vielen Homosexuellen ja auch eher "weibliche" Attribute zugesprochen. Aber wenn wir jetzt noch eine Genderdebatte aufmachen ist der Thread tot. :P

    Meike du hast es doch so schön formuliert und dann haust du es wieder kaputt " jeden Menschen, den wir unterrichten, in seinem so-Sein zu akzeptieren." Damit bist du fast bei Artikel 1 Grundgesetz. Keine Ausnahmen. Jeden.
    Da wir gerade bei lesenswerten Artikeln sind: Warnung! Dieser Artikel kann Gefühle der Kränkung auslösen

    Und wo steht da was von sexueller Orientierung? Das ist doch genau das was ich gesagt habe, man muss indirekt über die Menschenwürde aus Artikel 1 argumentieren. Es gibt in der UN-Charta aus einem ganz einfachen Grund keine sexuelle Orientierung. Änderungen müssten mit der Mehrheit der UN-Vollversammlung beschlossen werden, d.h. vor allem mit den Stimmen aus Südamerika, Afrika und Asien (pro Staat eine Stimme, keine Unterschiede nach Bevölkerungsgröße)...und wir wollen nicht unrealistisch sein. Das wird nicht passieren. Die Fassung von 1948 war schon ein Balanceakt.

    Und jeder Beitrag ist gleich viel wert, unabhängig davon wer ihn verfasst, es geht um Inhalte. Das was du schreibst ist nur ab und an nachweislich nicht korrekt und da du in dem Homöopathiethread einen Glaubenskrieg führen wolltest, ist mir das da vielleicht einfach nur besonders aufgefallen und in Erinnerung geblieben.

    @Schantalle: Gegen Goether setze ich Lessing, aber nicht aus dem Kontext gerissen, du musst Nathan der Weise schon komplett lesen um den Toleranzbegriff nicht mehr so negativ zu sehen. :)
    Und im Ernst, was für Fächer? 8|
    Sexuelle Orientierung wird weder in der Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen, noch im Grundgesetz erwähnt. (Wie weiter oben schon erwähnt: Grundrechtecharta der Europäischen Union, da ist es in Artikel 21 als Diskriminierungsverbot aufgeführt) Nicht alles was Menschen für Menschenrechte halten, sind auch Menschenrechte. In der UN-Charta und im Grundgesetz musst du beides mal indirekt über Artikel 1 und die Menschenwürde argumentieren.

    SteffdA: Und dass ein Parteipolitiker, dessen Partei gerade ein Gesetz verabschiedet hat sich hinstellt und sagt: "Wir wissen dass das juristisch problematisch wird, aber damit sollen sich mal die Gerichte befassen, das ist uns im Grunde egal." ist wie realistisch? :P

    Zitat

    Ich empfinde den Begriff der Toleranz in diesem Zusammenhang nicht nur als rückständig, sondern auch als arrogant. Er lässt den Interpretationsspielraum offen, dass schwule oder transsexuelle Jugendliche einem selbst gewählten, veränderbaren, moralisch verwerflichen Lebensstil anhängen, den wir gerade noch so ertragen müssen.

    Der Satz ist dank des ersten markierten Wortes völliges blabla, der zweite Teil die völlige Keule und gemeinsam lassen sie den Interpretationsspielraum offen, dass du ein Kommunist bist, da du dich nicht von Stalins Verbrechen gegen die eigene Bevölkerung distanziert hast. Dafuq did I just read?
    Mal im Ernst: Natürlich muss man depressiven Menschen helfen (die höchste Selbstmordrate haben übrigens Menschen die gerade frisch auf Antidepressiva sind, dummerweise steigern die nämlich die Motivation noch vor der Stimmung, aber einen nachgewiesenen Zusammenhang zwischen sexueller Präferenz und erfolgreichem Suizid gibt es nicht. Es gibt einen zwischen sexueller Präferenz und Depressionen, aber es gibt auch einen zwischen Geschlecht und Depressionen, Alter und Depressionen sowie chronischen Erkrankungen und Depressionen. Bei der sexuellen Präferenz verschwindet dieser Zusammenhang, wenn die Person andere Menschen hat, die mir ihr zusammen bestimmte Probleme in Zusammenhang mit der eigenen Sexualität durchzustehen. Hier muss Schule definitiv ran, denn dass Schwuchtel eine beliebte Beleidigung unter Schülern ist und offene Homosexualität leicht in Mobbing durch Mitschüler umschlagen kann, ist wohl kein Geheimnis. Dazu braucht es aber keinen besonderen Unterricht, sondern wenn überhaupt spezielle Veranstaltungen zur Prävention und Intervention und ggf. Lehrer und Schulleiter mit genug cojones um den entsprechenden Mitschülern den A... aufzureißen. So was ist nämlich nicht nur ein Verstoß gegen die Grundrechte, sondern auch strafbar...

    Angewidert sein und Meinungen intolerabel finden sind beides keine guten Voraussetzungen für eine sinnvolle Diskussion, aber die Ironie im Internet ist oft ein schwer zu erkennendes Ding, als ironische Überspitzung ist es sogar recht gut. :P

    Und um das was Morse sagt geht es doch im Grunde: Jedes Bundesland darf alles fordern was durch das Grundgesetz und die damit verbundenen Werte und Normen abgedeckt ist, aber darüber hinausgehen ist aus dem staatlichen Neutralitätsgebot heraus schwierig (egal ob man es aus "guten" Gründen tut oder ob die AfD, Gott bewahre, irgendwann, irgendwo in die Regierung kommt und dann aus ihren "guten" Gründen handelt).

    Homosexualität ist augenscheinlich etwas Normales (kommt ja nicht singulär bei Menschen vor in der Natur) und in der Europäischen Union (Grundrechtecharta), deren Teil die Bundesrepublik ist, gesetzlich legitimiert. Daraus ergibt sich logischerweise ein staatliches Gleichbehandlungsgebot auch im Schulwesen. Mit dem Grundgesetz zu argumentieren wird hier schwierig, da dort nichts explizit zur sexuellen Orientierung steht, man kann sicher über die Menschenwürde argumentieren, aber das hat in den 50er Jahren mit demselben Artikel im Grundgesetz auch nicht geklappt, also besser gleichzeitig über Rechtsfortbildung und gesellschaftliche Veränderung. Wie gesagt, ich bin gespannt auf eine mögliche Klage, denn:
    Was Akzeptanz oder Toleranz für euch persönlich bedeutet ist in dem Kontext einfach mal völlig egal. Es ist ein juristischer Kontext und in dem ist einzig und allein wichtig, was die Worte im juristischen Kontext bedeuten. Aus dem Grund wäre Toleranz der sinnvollere, weil völlig unangreifbare Begriff gewesen. Was meint ihr passiert wohl, wenn Akzeptanz juristisch durchfällt?

    "Ich bin ja kein Nazi" oder "Man wird doch noch mal sagen dürfen" ist die andere Seite derselben mimimi-Medaille. In beiden Fällen hat man den Diskurs im Grunde schon eingestellt und ist beim amerikanischen "I'm offended by ..." angelangt. Nur gibt es halt kein Grundrecht darauf sich nicht angegriffen zu fühlen, genauso wenig wie ein Grundrecht darauf andere Meinungen nicht hören zu müssen. Man muss sie hören, man muss sie ertragen, man darf sie für völligen Schwachsinn halten, man soll dagegen sprechen, wenn es nötig ist und man muss dagegen handeln, wenn es gesetzlich geboten ist. Aber jeder hat das Recht euch mit seiner Meinung aufzuregen.

    Claudius Definition von Toleranz ist arg ins Negative gefasst, mir fällt gerade gar kein Wort ein, das das sinnvoll ausdrückt.

    Machen wir es doch einfacher, über den Begriff der Menschenwürde (die im Grundgesetz besonders geschützt ist und selbstverständlich eindeutig definiert ist, mal im Ernst...Naturwissenschaften und Mathe sind raus und jetzt verabschieden sich auch die Gesellschaftswissenschaften :P): Jedem Menschen kommt Kraft seines Menschseins ein Wert- und Achtungsanspruch seitens des Staates und (eingeschränkt) seiner Mitmenschen zu, ungeachtet anderer Eigenschaften. Die meisten Grundrechte sind nämlich Schutzrechte dem Staat gegenüber und nicht gegenüber deinen Mitmenschen oder Moderatoren in einem Internetforum. Du hast kein Recht auf Akzeptanz deiner Lebensform, aus welchem Grundrecht sollte das erwachsen? Jeder hat aber ein Recht auf Achtung seiner Würde als Mensch. Ich muss nicht gut finden was du machst, ich muss es dich noch nicht einmal in meiner Rechtssphäre machen lassen (selbstverständlich darf z.B. ein Café stillende Mütter rausschmeißen oder ein Schwimmbad knutschende Pärchen (ungeachtet des Geschlechts)), aber es geht mich einen Dreck an was du zuhause oder in der Rechtssphäre eines Anderen (z.B. in der Öffentlichkeit) machst. Und natürlich darf ich das (im Rahmen der Gesetze) auch kundtun, wenn ich unbedingt möchte, dass jeder weiß wo er mich politisch verorten darf. ;)

    Was das Gesetz in Hessen angeht ist das übrigens eine recht spannende verfassungsrechtliche Frage, wie ja auch das Urteil des BVerfG zum Sexualkundeunterricht von 1977 zeigt. Hier könnten die Eltern evtl. noch Artikel IV in besonderer Weise ins Feld führen (Sexualkundeunterricht wird in keiner Religion explizit verboten, was Homosexualität angeht sind sich zumindest die monotheistischen Religionen relativ einig). Die Schule darf auf jeden Fall Gleichbehandlung als Erziehungsziel haben (das steht so im Grundgesetz und war schon vor dem hessischen blabla Erziehungsaufgabe der Schule), ob sie darüber hinaus mehr fordern darf, muss noch entschieden werden. Ich könnte jetzt für alias ein paar Beispiele von Gesetzen bringen, die es nicht mal bis vor's Bundesverfassungsgericht geschafft haben, weil sie so eindeutig schlecht gemacht waren, aber das würde den Rahmen sprengen. Gab's nicht erst diese Woche einen ARD Film zum Luftsicherheitsgesetz?

    Ich nehme mir meine Freiheit - und ich gestehe Dir Deine Freiheit zu. Nimm Du Dir Deine Freiheit, und gestehe mir auch meine Freiheit zu - und mögen sie noch so verschieden sein.
    Das kann doch nicht so schwer zu verstehen sein, oder?

    Das ist es doch, was der Lehrplan als Erziehungsziel vorsieht.

    Du formulierst das sehr breit, was im Grunde ja auf eine amerikanische Sichtweise von Meinungsfreiheit hinausläuft, was ich persönlich sehr positiv finde.

    SteffdA: Wenn der Staat es für ein sinnvolles Anliegen hielte, dass ab sofort alle Menschen kein Fleisch mehr essen sollten und das in den Schulen über Erziehung durchzusetzen versuchte, wäre das für dich in Ordnung? Das Problem ist doch einfach, dass man als Ideal einen weltanschaulich völlig neutralen Staat haben möchte (was wir in Deutschland nicht haben - Präambel des Grundgesetzes beachten). Dieser Staat müsste dafür Sorge tragen, dass niemand in der Schule benachteiligt wird, weil er homosexuell ist, er sollte dafür Sorge tragen, dass in Schulbüchern gleichgeschlechtliche Paare im selben Ausmaß vorkommen wie es sie in der Gesellschaft tatsächlich gibt (also ca. 5% ich will mich aber nicht über Zahlen streiten) und dass das Ganze moralisch wertfrei selbstverständlich auch im Unterricht thematisiert wird (z.B. im Biologieunterricht, wo es sich beim Thema Aufklärung ja irgendwie anbietet). Aber ein weltanschaulich neutraler Staat kann seinen Bürgern nicht mehr abverlangen, als Toleranz, d.h. das Hinnehmen von Andersartigkeit. Wenn jemand Asiaten hasst, dann ist er aus meiner Sicht ein geistig begrenzter Vollidiot, aber so lange er keine Straftaten begeht, dazu aufruft oder anderweitig gegen Gesetze verstößt ist das sein Problem, nicht das des Staates.

    "I disapprove of what you say, but I will defend to the death your right to say it." Evelynn Beatrice Hall ;)

    @WillG: Das ist genau das Problem mit der aktuellen politischen Diskussionskultur in den meisten westlichen Staaten. Zuviel "blabla" und "i'm so offended", anstatt Streitkultur. Franz Josef Strauß war ein Idiot vor dem Herrn, aber er hatte eine Meinung und konnte sie vertreten und hat nicht mimimi gemacht, wenn Gegenwind kam (wer konservativ eingestellt ist, mag Strauß durch Wehner ersetzen). Wir brauchen mehr Diskurs und weniger mimimi...

    Ich bin immer erstaunt, wenn Geschichtslehrer nicht wissen was Toleranz ist. Friedrich der Große und Toleranzpolitik wäre da recht empfehlenswert zu lesen. Toleranz kann auch bedeuten Leute anderer Religion in seinem Reich leben zu lassen (und ihre Religion ausleben zu lassen), ohne dabei jedoch den Wahrheitsgedanken der eigenen Religion hintanzustellen. Toleranz fordert also eine neutrale Haltung gegenüber dem Anderen. Akzeptanz verlangt (unabhängig davon ob man sich soziologische, psychologische oder etymologische Definitionen anschaut) jedoch immer eine positive Haltung (ob man das jetzt Werturteil nennen will sei dahingestellt). Da ja der Bezug auf das Grundgesetz kam: Dort wird nirgendwo eine positive Einstellung gefordert (eben weil das juristisch nicht umsetzbar ist), sondern klare Rechte und Pflichten (sowie die Staatsorganisation) geklärt.

    Wir müssen nicht darüber reden, dass Schule auch einen Erziehungsauftrag hat und dass dabei bestimmte Werte und Normen auf Basis der freiheitlich-demokratischen Grundordnung gefördert werden sollen, dazu gehört dann z.B. das niemand aufgrund seiner Hautfarbe, seines Geschlechts oder seiner sexuellen Orientierung benachteiligt werden soll. Jeder darf doof finden was auch immer er möchte, aber in rechtsfähigen Eigenschaften darf er niemanden deswegen unbegründet schlechter stellen (z.B. darf ein Herrenfriseur durchaus Frauen als Kundinnen ablehnen, wenn eine Disco keine südländisch aussehenden Gäste einlässt ist das rechtswidrig (wobei die Disco ziemlich blöd sein müsste, das mit genau der Begründung zu tun)).

    P.S.: Und nein Schantalle, in keinem deiner beiden Beiträge gehst du auf den Unterschied zwischen Toleranz und Akzeptanz ein, also hast du Prof. Dr. jur. nicht widerlegt. Niemand hier in dem Thread hat das bisher gemacht, einer hat das Argument als argumentum ad verecundiam abgetan, aber genauso wie ein Argument nicht gut wird, weil es von einem Professor kommt, wird es auch nicht notwendigerweise schlecht. Man muss schon das Argument selbst zerlegen, wenn man das denn kann und möchte. ;)

    Ich würde mir wirklich wünschen, dass alle Menschen Menschen mit anderen Eigenschaften akzeptieren, die Frage ist nur a) ob ich das juristisch erreichen kann (ein Gesetz oder eine Verordnung die nicht umgesetzt werden kann, ist schlecht) und b) ob ich das juristisch erreichen wollen darf oder damit gegen das staatliche Neutralitätsgebot verstoße. Ich fände es zum Beispiel auch ganz großartig, wenn niemand mehr populistische Parteien wählte, allerdings kann ich es aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht staatlich verordnen (z.B. durch Parteienverbote).

    Komm Schantalle, jetzt sind wir doch auf einem gänzlich mathematisch unverdächtigen Gebiet. Kläre uns doch einmal bitte auf, was an der von Claudius zitierten Aussage deiner Meinung nach falsch ist. Übrigens sind wir hier dieses Mal auf derselben Seite, ich will nur sehen ob du auch argumentieren kannst oder einen Horizont mit Radius Null als Standpunkt bezeichnest. :pfeifen:

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