Beiträge von Valerianus

    Der pädagogische Hauptgrund ist, dass wir nach dem alten Prinzip Klassenkonferenzen machen, so dass immer die unterrichtenden Kollegen da sind, die den Schüler und die Hintergrundgeschichte auch kennen. Der Nebengrund ist, dass man bei der geringen Anzahl maximal alle zwei/drei Monate Mal bei einer Konferenz dabei ist.

    Ob es sinnvoller ist, im Sinne der Kollegen, darüber lässt sich streiten. Wir haben das Prinzip mit festen Kollegen Mal probiert, aber ich empfand es immer als schwierig über einen Schüler zu entscheiden (gerade in Bezug auf pädagogische Einwirkungen), den ich gar nicht kenne.

    Aus meiner Erfahrung sind die meisten Kollegen viel zu nett zu unkonstruktiven Eltern (denen es eben nicht um das Beste für ihr Kind geht) und erst recht um das Jugendamt einzuschalten oder das Kind zur Erziehungsberatungsstelle (die beraten für meine Zielgruppe auch Kinder/Jugendliche) zu schicken. Wenn es aussieht wie eine Ente, schwimmt wie eine Ente und quakt wie eine Ente, dann ist es eine Ente. Oder, wenn man es philosophischer möchte: Ockhams razor ;)

    Ich gehe bei verhaltenskreativem Kind und unkooperativen Eltern erstmal davon aus, dass die Eltern verkackt haben, ja...

    P.S.: Wenn das Kind verhaltenskreativ ist und die Eltern sich bemühen, dann habe ich als Klassenlehrer üblicherweise schon bevor das Schuljahr anfängt eine komplette Diagnostik und Infos was therapeutisch läuft. Dann kann man gut zusammenarbeiten. :)

    Sind da auch die Pflegeeltern Schuld, dass das Kind nicht wie gewünscht funktioniert? In der Schule bekommen wir ab und zu Kinder aus einer Wohngruppe. Sind da dann die Betreuer / der Träger Schuld, wenn die Kinder Probleme machen?

    Nein, die Eltern sind Schuld (Ausnahmen stehen weiter vorn). Das habe ich jetzt schon zweimal aufgeschrieben. Was in der Kleinkindzeit verbockt wird, kann danach niemand mehr vollständig richten, kein Heim, keine Wohngruppe, kein Psychologe, keine Pflegeeltern. Und eben auch keine Schule. Es gibt eine Menge psychologische (teilweise auch gerichtsmedizinische) Forschung (z.B. Catalano & Hawkins) zu dem Themengebiet antisoziales Verhalten, Aggression und Delinquenzraten im Jugendlichen- und Erwachsenenalter und die Hauptprädiktoren sind frühes antisoziales Verhalten (Kindergarden/Primary school), peer-group mit antisozialem Verhalten, früher Substanzmissbrauch und alle drei werden moderiert/mediiert durch... *trommelwirbel* ...das Elternhaus (inkonsistente oder harte Strafen, mangelnde Aufsicht, etc.).

    Natürlich betrifft das, wie jede psychologische Studie, nur die Mehrheit der Fälle und es gibt in Einzelfällen ganz sicher auch tolle Eltern von völlig durchgedrehten Kindern, aber das ist eben nicht der Standard.

    Vielleicht bin ich von meinem alten Nebenjob im Kinderheim zu geprägt, aber ich würde der Aussage "am Verhalten der Kinder sind (fast) immer die Eltern schuld" uneingeschränkt zustimmen. Das fast ist nur drin für Erkrankungen ab Geburt, sexueller Missbrauch außerhalb der Familie und Schicksalsschläge (Tod eines Elternteils, etc.). Je älter die Kinder waren die gekommen sind, desto weniger konnte man noch tun. Wenn ein Kind erst im Grundschulalter ins Kinderheim gekommen ist, war es oftmals einfach schon zu spät.

    In der Schule hatte ich auch keine Fälle außerhalb dieser Ausnahmen. Ansonsten waren Eltern von Schülern mit problematischem Verhalten ausnahmslos unfähig, unwillig oder beides. Das Jugendamt ist auch maximal überlastet, wenn es nicht um körperliche Gewalt oder sexuellen Missbrauch geht, führen die ein, zwei Gespräche und dann war es das oftmals.

    Denk kurz darüber nach, ob du mit dem Beruf und den Fachinhalten glücklich bist, wenn ja abhaken und wenn nein, für dich selbst überlegen, was das für Konsequenzen hat.

    Ich hab Mal "bereitet sich nicht auf den Unterricht vor" bekommen, von meinem LK der mit 2,0 aus dem Zentralabitur gekommen ist. Hab dann mit den Schülern gesprochen und es ist weil ich oft ohne Tasche und Buch zu ihnen in den Unterricht gekommen bin. Valid Point, aber gelernt haben sie trotzdem was. Hab ich jetzt in Mathe häufiger Buch und Tasche dabei? Nein, die Schüler haben alle Bücher dabei und die Tasche ist mainly gefüllt für Geschichte und Politik und die Noten verwalte ich eh auf dem Tablet (das hab ich dabei). So what?

    Steile These finde ich eher, wenn Eltern von "Systemsprengen" glauben oder behaupten es läge an der Schule. Therapie ist natürlich die bessere Option, aber in den meisten Fällen dürfte das systemische Familientherapie sein, weil das gesprengte System seinen Kern im Kernsystem hat. Ich habe bisher nur zweimal verhaltensauffällige Schüler gehabt, bei denen die Eltern in vollem Maße einsichtig und kooperativ gewesen sind und bei beiden Kindern lagen dann aber auch seit der Grundschule gesicherte FX.xx Diagnosen vor, die auch vollumfänglich behandelt wurden...

    Wie schnell Ordnungsmaßnahmen "verfallen" hängt wesentlich von der Schwere des Vergehens (je schwerer, desto später) und dem Alter der Schüler (je älter, desto später) ab, weil man davon ausgeht, dass es für einen Grundschüler schon eine Leistung ist, dass er sich für ein paar Monate an die Regeln hält, während man bei erwachsenen Schülern durchaus eine länger andauernde Verhaltensänderung erwarten darf.

    Wenn es sich um ganz unterschiedliche Vergehen handelt, hat die vorangegangene Ordnungsmaßnahme keinen verschärfenden Charakter, wenn der Schüler darauf in dem Bereich sein Verhalten gebessert hat. Wenn es derselbe Bereich ist, kann es verschärfend wirken.


    Wie oben schon oft angeführt: Prüfung der Verhältnismäßigkeit (legitimer Zweck, geeignet, erforderlich, angemessen)

    Bei uns ist nach jedem Dreierblock mindestens 30' Zeit, in der Zeit werden die Begründungen geschrieben. Bei nicht zu erwartendem Widerspruch eher oberflächlich, bei erwartbarem Stress (Bestehensfragen/starke Abweichung zur Vornote) ausführlicher. Bei uns ist keine Kommission länger als 30' nach der letzten Prüfung im Haus, das klingt mehr nach einem Planungsfehler oder Angst vor erfolgreichen Widersprüchen (ich hatte noch nie einen erfolgreichen in meinen Kommissionen).

    Am Tag der meisten Prüfungen findet kein Unterricht statt. Die Kollegen, die wenig/keine Prüfungen haben werden bevorzugt als Aufsicht im Gang oder Vorbereitungsraum eingesetzt. Niemand schreibt mehr als sechs Protokolle (ich werde als Vorsitz bei 10+ Prüfungen schon bekloppt, als Protokollführer geht das noch schneller).

    Wer sich in einer Auseinandersetzung mit einem neunjährigen in körperlicher Gefahr befindet, sollte vielleicht zum Amtsarzt geschickt werden. Es geht um real existierende körperliche Gefahr für die konkrete Person. Wenn sich bei uns zwei Zehntklässler prügeln gehe ich dazwischen, wenn die auf Zuruf nicht aufhören (selten), die 1,60 Kollegin belässt es vielleicht bei verbaler Aufforderung das zu beenden und lässt dann Hilfe holen.

    Im Falle eines Amoklaufes schließt du dich mit der Klasse ein und bietest im Rahmen deiner Möglichkeiten psychischen Support an. Der Polizist rennt in die Schule und beendet den Amoklaufes, one way or another.

    Wenn ein Schüler in den Rhein fällt, dann springst du nicht hinterher, selbst der Polizist darf sich das ganz genau überlegen und im Zweifel doch lieber die Strömungsrettung verständigen, die haben auch nix davon zwei Leichen zu bergen.

    Es gibt einen deutlichen Unterschied zwischen Lehrern und Polizisten/Feuerwehrleuten/Soldaten auch in der Garantenstellung. Als Lehrer greifst du natürlich ein und ignorierst das nicht, du musst dich aber körperlich nicht in Gefahr begeben um den Konflikt zu beenden, wenn körperliche Verletzungen zu erwarten wären. Das erwartet von dir als Lehrer niemand. Als Polizist musst du in so einer Situation das staatliche Gewaltmonopol durchsetzen.

    Du hast eine pädagogische Fürsorgepflicht gegenüber deinen Schülern. Der Polizist hat das Recht und in diesem Fall auch die Pflicht unmittelbaren Zwang einzusetzen (Polizeigesetze der Länder), als Lehrer kannst du dich auf Nothilfe berufen, das ist deine Rechtsgrundlage für körperliche Gewalt.

    Ich finde auch gar nicht, dass das in der Presse thematisiert werden muss. Es geht mir mehr darum, dass man über Dinge die man gar nicht erhebt auch gar keine Aussagen treffen kann. Gibt es ein größeres Problem mit deutschen Jugendlichen mit einem bestimmten Migrationshintergrund oder ist das alles sozio-kulturell zu erklären? Dazu kann man auf Basis der erhobenen Daten im Moment halt gar nix sagen und das öffnet dann Tür und Tor für "Lügenpresse" "die da oben wollen das verheimlichen" und so einem Unsinn.

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