Beiträge von Valerianus

    Eine Mathenote objektiv im Sinne von "unabhängig von der bewertenden Person" zu machen ist aber nicht so unglaublich schwer, indem man eben für Fehlertoleranz klare Vorgaben macht...das ist in Geschichte (im Zentralabitur) schon...etwas weiter gefasst...

    Ich bin ja am Gymnasium, aber gerade schwächere Lerner sind mit mehreren Verfahren zur Auswahl (quad. Ergänzung oder pq-Formel, Abstand bei Vektoren über Hilfsebenen, Orthogonalität oder Extremwertaufgaben) häufig überfordert. Die guten Schüler wechseln je nach Vor- und Nachteilen zwischen den Verfahren hin und her, die nicht so guten Schüler mischen oft und kommen dann zu gar nichts...

    Was ist denn in Mathematik in den letzten zwei Jahrzehnten dazugekommen, dass dafür keine Zeit mehr ist? Ich habe noch alle meine Mathematik-, Geschichts- (und Sachkunde-) Hefte und hab gerade mal nachgeschaut (nur den arithmetischen Teil):

    Klasse 2 schriftliche Addition und Subtraktion (nur zwei Summanden), kleines 1x1 auswendig
    Klasse 3 schriftliche Addition und Subtraktion (mehrere Summanden), schriftliche Multiplikation und Division im Zahlenraum bis 1.000, großes 1x1 auswendig
    Klasse 4 schriftliche Multiplikation und Division im Zahlenraum bis 1.000.000, Division mit bis zu dreistelligem Dividenden und Grundlagen der Bruchrechnung (nur anschaulich)

    P.S.: Jeweils nur ein Rechenweg, keine verschiedenen. :P

    Vierstufige Likert-Skala heißt, dass den Kindern Fragen gestellt wurden und als Antwortmöglichkeit (beispielsweise) immer vier Stufen zur Verfügung standen

    stimmt vollkommen
    stimmt eher
    stimmt eher nicht
    stimmt überhaupt nicht

    Vorteil einer geraden Anzahl von Stufen ist, dass sich die Probanden nicht auf die Mitte zurückziehen können, sondern zumindest eine Tendenz offenbaren müssen. Hier findest du ein paar Beispiele (weiter unten sind auch ein paar Fragen zur Motivation).

    P.S.: Hauptgrund für so hohem Dropout ist meiner Erfahrung nach häufig zu hohe Anforderungen an Eltern und Schule was Fragebogenqualität oder Anzahl der Untersuchungen angeht. Viele Schulen sagen erst mal "ja" und dann "wtf" nachdem man einmal da war. Das kann man aber durch gute Stichprobenpflege und Vorabinformationen eigentlich vermeiden... ;)

    @Krabappel: Ist auch um einiges bequemer zu sagen: "Dies und jenes hat multikausale Ursachen" als sich einfach mal den eigenen Anteil einzugestehen. :)
    P.S.: An der hohen Arbeitszeit kann sie nur selbst Schuld haben (Remonstration?), den Zusammenhang bei den Naziaufmärschen verstehe ich nicht, vor allem weil "Schuld" in einer Gesellschaft mit Meinungsfreiheit da der völlig falsche Begriff ist...auch ein Idiot hat das Recht auf seine idiotische Meinung...und für das 1x1...wer soll dafür denn sonst verantwortlich sein? Man könnte noch die Eltern mit ins Boot holen, aber dafür kann nun ausnahmsweise das Ministerium nur ein wenig, weil das halt immer noch im Lehrplan steht. ;)

    Was ich mich halt ernsthaft frage ist das Folgende: Die Kinder sind (bis vor ca. 10 Jahren, seitdem stagniert der Quatsch) immer klüger geworden (Flynn-Effekt). Ich sehe aber gleichzeitig (und das betrifft schon meine Schulzeit gegenüber der meiner Eltern) eine massive Abnahme von Kopfrechenfähigkeiten (Überschlag, Rechnen im Zahlenraum bis 1000, kleines und großes 1x1), Rechtschreibung und Lesefähigkeit. Wie kann es sein, dass die Schule in den 50/60er Jahren all diese Fähigkeiten vermitteln konnte (und ich bin mir ziemlich sicher, dass wir nach dem 2. Weltkrieg eine größere Anzahl von Kindern aus traumatisierten Familienverhältnissen in der Schule sitzen hatten als heute) und das heute nicht mehr passiert?

    Meine erste Antwort waren ministeriale Vorgaben und man kann sicher auch die fehlende Unterstützung mancher Elternhäuser anprangern. Nur bin ich jetzt an einer Schule mit einem 1a Einzugsbereich und zumindest Punkt 2 fällt bei uns definitiv weg, zudem nehmen wir auch noch nur die Kinder, die nach der Grundschule als uneingeschränkt gymnasialtauglich eingestuft werden (hohe Anmeldezahlen und Ersatzschule). Ich will mir gar nicht vorstellen, wie das an den anderen weiterführenden Schulformen teilweise aussehen muss, wenn unsere Schüler schon nicht ansatzweise das erfüllen, was in den Vorgaben für Ende Klasse 4 für alle Schüler steht.

    P.S.: Ich habe keine Lust mit den Schülern 1x1 Tabellen zu üben und ich muss es auch nicht (steht nicht in unserem Lehrplan), ich mach es aber trotzdem (und erfolgreich), weil damit die Geschwindigkeit beim schriftlichen Rechnen und bei der Bruchrechnung so sehr ansteigt, dass sie eine realistische Chance haben mit den Klassenarbeiten zeitlich hinzukommen. Wenn ein "uneingeschränkt gymnasialtauglicher" Schüler bei einer Aufgabe wie 7x6 die Finger rausholt und die Reihe als fortgesetzte Additionsaufgabe durchgeht...sorry, im Ernst... :)

    P.P.S.: Noch einmal, ich mache da den Lehrkräften keinen Vorwurf. Die Schüler, die wir mit Abitur abgeben sind auch nicht "allgemein hochschulreif" und das obwohl ich denke, dass wir im Vergleich auf verdammt hohem Niveau abgeben...

    Ich will wirklich keinen Streit anfangen Conni, aber ich kenne nicht einen Menschen über 50, der eine so hundsmiserable Rechtschreibung hat, wie es sich manche Abiturienten bei uns zur Zeit erlauben (und ich komme aus einer Arbeiterfamilie, d.h. ich hab genug Kontakt zu Personen die einen Volksschulabschluss + Lehre gemacht haben). Die Fähigkeiten im Bereich Rechnen, Lesen, Schreiben sind massiv eingebrochen und das ist das einzige was ich von der Grundschule erwarte. Ich kann problemlos 25 Kindern beibringen, wie sie einen Computer nutzen, aber ich hab echt keine Zeit und keine Lust dazu, im Matheunterricht
    a) 1x1 Reihen üben zu lassen (kleines und großes)
    b) das Lesen von Schreibschrift zu erläutern
    c) die schriftlichen Grundrechenarten von Grund auf beizubringen (Wiederholung ist sowieso Inhalt von Klasse 5, aber wie ein Kind eine uneingeschränkte Gymnasialempfehlung erhält, ohne schriftlich multiplizieren und dividieren zu können ist mir absolut schleierhaft)
    d) (in Sachkunde könnte man gewisse Dinge, die unter Allgemeinwissen fallen vielleicht auch mal auswendig lernen lassen. Die Schweiz, Liechtenstein und Luxemburg als deutsche Bundesländer, da gruselt es mich schon ein wenig)

    Ich weiß, dass das nicht an den Grundschulkollegen, sondern an den Vorgaben aus den Ministerien liegt...

    3.000 Schüler sind schon eine Menge für einen Doktoranden, mehr bekommst du im Grunde nur, wenn du dich an irgendein Large-Scale-Assessment dranhängst. Dropout bei Studien an Schulen entsteht normalerweise dadurch, dass Schüler wegziehen oder ganze Schulen nicht mehr teilnehmen wollen, weil ihnen klar wird, dass Langzeitstudien manchmal wirklich für lange Zeit Leute an die Schulen schicken.
    Aus dem Poster an sich würde ich erst einmal gar nichts schließen. Man bräuchte die Zahlen für die phonologische Bewusstheit und evtl. nur für die frühen Messzeitpunkte für Rechtschreibleistung (falls da noch deutlich mehr Schüler dabei waren). Zahlen zum sozio-ökonomischen Background der Kinder wären natürlich bombig, aber du bekommst kaum Schulen, wenn du denen sagst, dass du die Eltern nach so etwas fragst (und von den Eltern gibt es auch selten Rückmeldung).

    Man kann sich die Studiendaten (zusammengefasst) auf einem Poster von Juli ansehen. Die zwei Hauptprobleme die ich sehe sind
    a) die unglaubliche hohen Dropout-Zahlen (von 3084 bleiben 237 mit vollständigen Werten übrig - das ist hundsmiserable Stichprobenpflege)
    b) wahrscheinlich durch a bedingt: Die Studie lässt keineswegs offen, ob es schon zum Beginn unterschiedliche Voraussetzungen gab. Die Forscher haben die phonologische Bewusstheit gemessen (die als Voraussetzung für Lesen und Schreiben gilt) und nutzen sie als Kovariate, geben aber den Ausgangswert nicht an. Vielleicht waren die drei Gruppen am Anfang sogar gleich gut, aber bei den hohen Dropoutzahlen wäre es ein Wunder, wenn das so geblieben wäre...

    Wissen hat nichts mit Glaube zu tun, das ist jetzt keine besonders neue Feststellung. Aber wenn es dir daran geht, welche Ergebnisse ich für glaubwürdiger halte, dann sind es die, deren theoretische Basis, empirische Begründung und Schlussfolgerungen daraus am plausibelsten und einfachsten klingen. Um es kurz zu fassen: Ockhams Rasiermesser, aber das ist dir sicher schon zu wissenschaftlich. :)

    Da die Autoren der Studie Bildungswissenschaftler sind, müsstest du schon eine Menge Worte vergessen oder deren Bedeutung niemals richtig erfasst haben um aus der Nummer wieder raus zu kommen:

    Zitat

    Leider genießt insbesondere die Bildungs"wissenschaft" Narrenfreiheit. Da kann jeder universitäte Schulflüchter die abstrusesten Theorien völlig konsequenzenlos aufstellen und damit die Lebenschancen von Generationen von Schülern zerstören...

    Wie schon mehrfach in anderen Threads ausgeführt: Deine plumpe Anti-Wissenschaftlichkeit und Rosinenpickerei sind eines studierten Menschen absolut unwürdig. Muss aber ja jeder selbst wissen, ob er seine völlige Fehlkenntnis moderner Wissenschaft (und als Anleihe aus den anderen Thread: Forschungsmethoden ) so gerne vor sich hertragen möchte wie eine Monstranz. :)

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