Die Realschüler kommen bei uns im beruflichen Gymnasium mit einem eher mittelprächtigen Allgemeinwissen an.
Die Realschulen sind aufs Auswendiglernen ausgelegt, damit und mit "Neatness" scheint man gute Noten erreichen zu können.
Das ist so, und das gehört so. Realschulen haben einen anderen Job als Gymnasien. Auch Gymnasiasten finden sich oft nicht sofort in der Oberstufe zurecht, weil sie erstmal ihre Mittelstufenstrategien weiternutzen. Bei uns sind die hineinwechselnden Realschüler auf lange Sicht fast immer erfolgreich, eben weil sie fleißig sind und Biss haben. Von der Gesamtschule haben wir nur selten Schüler, wenn, dann sind sie öfter nicht sehr strukturiert, kann aber auch Zufall sein.
Im Übrigen ist der Oberstufenunterricht meiner Beobachtung nach in den letzten 20 Jahren deutlich realschulartiger geworden (Arbeitsblätter zum Ausfüllen, bunte Tafelanschriebe, mehrfach den Stoff Durchkauen, mehr Übungsangebote, weniger Selbstständigkeit, weniger Methodenkritik, weniger philosophische Fragestellungen usw.), weil die Schülerschaft jünger ist, weil sie anders zusammengesetzt ist, weil insgesamt weniger Unterricht stattgefunden hat (der den Namen verdient). Natürlich zieht man die Kurse nach Kräften hoch. Aber mit der Bildungslandschaft verändert sich eben auch unser Job. Über die Studierfähigkeit der Einwechsler mache ich mir keine Sorgen. Wenn sie wirklich (noch) nicht gegeben ist, beraten wir eben in Richtung Berufsausbildung.
Eine Sekundarschule oder eine Gesamtschule kann eine sehr gute Wahl sein. Es gibt Kinder, die erstmal das Klassenlehrerprinzip brauchen, die die Sprachförderstunden brauchen, denen Identifikationsangebote wie Sportklassen gut tun, die erstmal das differenzierte Kurssystem und die verstärkte Binnendifferenzierung brauchen, die die gezielte Berufsvorbereitung brauchen, um mit mehr Zeit und Sicherheit über die Berufsschulen aufzusteigen und in vielen Fällen schließlich ebenfalls zu studieren.
In den Gymnasien herrscht bei uns je nach Einzugsgebiet ein ausgesprochen unterschiedlicher Geist. An den Gesamtschulen auch, da liegt es mehr an der jeweiligen Entstehungsgeschichte und der entsprechenden Lehrerschaft. Letztens hat sich eine Mutter aus meinem Bekanntenkreis gewundert, wieviel zügiger die Gesamtschule ihres Sohnes in der Orientierungsstufe vorangekommen ist als das zimperliche Helikopter-Gymnasium ihrer Tochter im Jahr davor. Man muss halt einfach genau hinschauen, auf das Kind, auf die Schule. Der Rest, also das Wichtigste, ist Glückssache (konkrete Lehrerbesetzung, tatsächliche Klassenkameraden) und kann auf jeder Schulform so oder so sein.