Beiträge von Catania

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    wenn das Elternhaus zudem noch zerrüttet wäre

    Da muss ich Dich enttäuschen, nach meinem bisherigen Eindruck liegt hier ein Bilderbuch-Elternhaus vor.



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    ich glaube, dass es in der Situation erst einmal das Beste wäre, das Kind aus der Schusslinie zu nehmen, sprich das Kind für ein paar Wochen vom Unterricht befreien und ihm die Möglichkeit geben, an einem neutralen Ort


    Also DAS wäre nun wirklich nicht mehr mein Bier.



    Zitat

    Das Mobbing ist Sache des Klassenlehrers - wenn du beide Kinder aus der Schusslinie nehmen willst, wäre dieser vielleciht ein guter Ansprechpartner für dich - das Mobbing sollte schnellstens unterbunden werden.


    Meines Wissens gibt es da bereits Gespräche mit den Klassenlehrern, auch mit dem Schulleiter. Was allerdings offensichtlich nichts ändert. Ich bin mir hier noch nicht ganz sicher, ob die Schule (oder einzelne Lehrer?) in dieser Hinsicht nicht genügend reagieren. Im aktuellen Fall ist die Klassenlehrerin wohl der Meinung, "das sollen die Schüler unter sich klären".
    Bei Vorfällen meinen eigenen Sohn betreffend wurde mir im Elterngespräch von unserer Klassenlehrerin (eine andere) mitgeteilt, man wüsste nichts davon, bzw. ich solle mich doch direkt an die Eltern des anderen Kindes wenden. Das macht auf mich nun keinen besonders konstruktiven Eindruck... In einem Fall von körperlicher Gewalt wurde dies von der Klassenlehrerin direkt an den Schulleiter weitergegeben (abgegeben?), dieser hatte sich dann allerdings SEHR engagiert, und zwar persönlich.


    Ich kann mir hierzu noch kein Gesamturteil bilden. Einige Lehrer, die ich bislang kennenlernte, haben gewisse Schwächen in der Kommunikation, auch im Umgang mit Eltern. Vielleicht sind wir als Eltern da aber auch überempfindlich, aufgrund des beruflichen Hintergrundes in unserer Familie legen wir da gern Dinge auf die Goldwaage :grimmig:



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    Ich würde höchstwahrscheinlich auf Abstand gehen, auch Freundschaften zu anderen Kindern fördern und die Schulfreundschaft der zwei Jungs zulassen - wichtig ist, dass dein Sohn sich wieder beruhigt und weiß, wo er steht.


    Jetzt gerade tendiere ich dazu, einfach erst mal abzuwarten und zu schauen, wie sich das in den nächsten Tagen entwickelt. Auch, was die Freundschaft zwischen den beiden betrifft. Ich würde mich nun nicht wundern, wenn sich diese jetzt etwas abkühlt. Das Wochenende ist nicht besonders toll verlaufen, wobei es natürlich etwas anderes ist, wenn man sich in den Schulpausen sieht und vielleicht mal zwei oder drei Stunden an einem Nachmittag (eher selten, aufgrund der Entfernung), oder eben 24 Stunden rund um die Uhr... Der Vertrauensbruch wird sicher auch seinen Teil beitragen :-/

    "Ich habe - als Mutter - schlechte Erfahrungen damit gemacht, mit den Eltern ins Gespräch zu kommen."


    Alle drei Fälle glaube ich Dir sofort aufs Wort (den letzten Fall finde ich aber krass; nicht das Verbot, sondern das mit schauen).


    Fassen wir uns doch mal an die eigene Nase, mal ganz ehrlich: Auch die eigenen Kinder haben so ihre Macken, der eine dies, der andere das. Manches ist vielleicht (zeitweilig) schwierig zu händeln. Als Eltern weiß man das und kennt diese Macken, zur Genüge. Vielleicht leidet man als Eltern selbst darunter.
    Es ist aber etwas ganz anderes, wenn einem das jemand ANDERES sagt. Niemand lässt sich gern sagen, dass das eigene Kind schwierig oder problematisch ist oder sonstwie negative Eigenschaften hat.


    "Zudem musst du dich fragen, ob du die Nähe der Jungen weiter unterstützen willst."


    Die Frage ist berechtigt! Ich hatte ja bereits geschrieben, dass ich unseren Sohn zu jung für diese Art von Verantwortung halte. Ich halte solch ein Wissen schon für Erwachsene schwierig, für ein Kind muss das ja kaum noch fassbar sein.


    Ich habe mit unserem Sohn vorhin noch einmal gesprochen. Zwar kann er den Sachverhalt als solches irgendwie nachvollziehen, gefühlsmäßig macht ihm das aber große Sorgen und er kann es überhaupt nicht einordnen. Er versucht, auf seine Weise damit umzugehen. Wie ich heute Abend feststellen musste, läuft das aber gerade in völlig unberechenbare Bahnen. Er hat mir vorhin nämlich folgendes erzählt: Der Junge hatte sich ihm wie gesagt vor kurzem anvertraut und ihm erzählt, dass er die "Suizid-Idee" hat, und zwar vor allem wegen eines ganz bestimmten (dritten) Jungen "X", der ihn maßgeblich mobbt. Unser Sohn ist daraufhin direkt zu "X" gegangen und hat mit ihm darüber geredet. "Er solle ihn nicht immer so ärgern, da der Junge sich sonst umbringen will." So ungefähr. Nach Meinung unseres Sohnes hätte das schon ein wenig geholfen.
    Ich habe über diese "Neuigkeit" allerdings die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen. Unser Sohn meint es gut und will seinem Freund damit helfen. Ich befürchte aber, dass das nun erst recht von "X" (und auch den Mitschülern, es macht wohl bereits die Runde...) zum Anlass genommen wird, den Jungen zu hänseln, sich über ihn lustig zu machen, etc. Oder den Jungen erst recht als "seltsam" einzustufen und auszugrenzen. Die Folgen sind unabsehbar.


    Unser Sohn meinte es gut und wollte seinem Freund unbedingt sofort helfen. In seinem Alter kann er aber noch nicht die evtl. Möglichkeiten dazu richtig einschätzen, falls es diese überhaupt gibt. Ihm war überhaupt nicht klar, dass er damit seinem Freund unter Umständen sehr schaden könnte. Auch den Vertrauensbruch als Freund hatte er in seiner (vermeintlichen) Hilfsbereitschaft völlig übersehen.
    Das könnte natürlich auch mit erklären, warum der Junge während dem Wochenende unserem Sohn gegenüber so abweisend war. Ich habe das aber erst heute Abend erfahren.


    Jedenfalls nimmt diese ganze Sache gerade Dimensionen an, die man irgendwann nicht mehr "steuern" kann. Wir nicht, und unser Sohn natürlich auch nicht.


    :(

    Ja, sehe ich im Prinzip auch so.


    Aber noch einmal zur Klarstellung, bevor das hier falsch rüberkommt: Die Suizidgedanken hatte der Junge irgendwann mal geäußert (und meinem Sohn zwei Tage vor der Fahrt davon erzählt), NICHT auf der Wochenendfahrt.

    "Als Lehrer ist man verpflichtet, auf eine Suizidankündigung zu reagieren. Das ist ja auch eine Form der Kindeswohlgefährdung.
    Als Privatmensch bist Du es nicht."


    Da der Junge bereits in Therapie ist, gehe ich davon aus, dass die Eltern sehr wohl im Bilde sind. Die Frage ist, ob ich ihnen jetzt noch einmal extra etwas erzählen soll, was sie vermutlich wissen (oder wissen sollten). Bringt das etwas? Außer, dass die Eltern sich noch mehr Sorgen machen? Die haben sicherlich auch gehofft, dass der Junge ein nettes und schönes Wochenende hat. Nach meiner heutigen Information fand er das Wochenende schön und möchte wieder einmal mitkommen.


    Nun ja. Entweder gibt er das nur vor, um "Ruhe" zu haben, oder er empfindet das tatsächlich so. Ich hatte allerdings einen anderen Eindruck und immer das Gefühl, dass er sich nicht wohl fühlt. Aber vielleicht ist die Wahrnehmung bei ihm und bei mir/uns auch nur verschoben... ?


    "Es ist ja jetzt nicht so unüblich, dass beste Freunde der Kinder an Familienaktivitäten teilnehmen. Ob ich das trotzdem unterstützen würde, wenn ich wüsste, dass das Kind schwere psychische Probleme hätte"


    Bis kurz vor dem Wochenende wusste ich nur von Mobbing. Von den Suizidgedanken habe ich exakt 2 Tage vor der Fahrt erfahren, durch Hörensagen, NICHT durch die Eltern. Sollte ich ihn dann in diesem Augenblick ausladen? Und damit gleich 2 Kinder unglücklich machen? Nein. Ich habe mir allerdings so meine Gedanken gemacht...


    "Was tue ich, wenn mein Kind mit einem psychisch kranken Kind befreundet ist?"


    Dieser Gedanke spielt tatsächlich keine ganz unwesentliche Rolle. Mein gerade mal 11-jähriger Sohn ist schließlich derjenige, dem (neben Eltern, Therapeuten) die Suizitgedanken anvertraut werden. DAVON bin ich ehrlich gesagt alles andere als begeistert. Ich finde, dass mein Sohn zu jung ist, um sich mit einem solchen Problem bzw. solch eine Verantwortung!!! zu tragen. Was allein beim Umgang mit dem Jungen herauskommen kann, haben wir am Wochenende gesehen. Offenbar war nichts konkretes vorgefallen, aber die Stimmung zwischen beiden muss derart unangenehm gewesen sein, dass UNSER Sohn (nicht der suizitgefärdete Junge) fix und fertig war, nicht darüber reden wollte und sich weit vor der Schlafenszeit im Zelt in den Schlaf geweint hat...


    Um auf die Eltern zurück zu kommen: Soll ich denen das erzählen und ihnen / dem Jungen direkt oder auch indirekt noch Vorwürfe machen? Bringt das irgend jemanden aus der Familie weiter? Am ehesten wäre das wohl noch für den Therapeuten von Interesse, oder nicht?

    Zitat

    Ich war zugegebenermaßen etwas schockiert, ein solches Verhalten von einem 5.-klässler zu hören, das hätte ich noch eher in einen pubertären oder postpubertären Kontext eingeordnet, Woher kennt sich ein 10-jähriger derart versiert mit Fachbegriffen aus dem Suizitbereich aus? Ältere Geschwister? Fachliteratur/Internet? Falscher Freundeskreis (außerhalb deines Sohnes)? Liegt darüber hinaus auch noch eine Art Autismus vor?

    Ich nehme an, den Begriff "Suizid" hat er aus der Therapie? Von meinem Sohn jedenfalls nicht, dem musste ich das erst erklären... Ältere Geschwister gibt es nicht, nur jüngere. Er kann das Wort natürlich auch aus der Literatur haben, was ich ihm zutrauen würde, wenn ich an seine "Vorträge" denke. An eine Ausprägung von Autismus habe ich auch schon gedacht. Ich habe aber das Gefühl, das dies in diesem Fall zumindest nicht vorrangig die Ursache für sein Verhalten ist.


    Ich denke, die Eltern kennen ihren Sohn. Allerdings ist man als Eltern ja auch sehr subjektiv. Ich könnte mir vorstellen, dass hier seitens der Eltern z.B. die Therapie vollkommen unterstützt wird, gleichzeitig aber auch ein gewisses negatives Alltagsverhalten des Sohnes verdrängt wird. Was verständlich ist, denn man kann sich als Eltern nicht laufend gedanklich damit auseinandersetzen, dass das Kind in seinem Wesen nicht zurecht kommt. Diese Energie hat niemand. Und was auf UNS seltsam wirkt, kann für die ELTERN völlig normal sein, da sie ihren Sohn gar nicht anders kennen!! Da wird es einen gewissen Gewöhnungseffekt geben.
    Ich denke aber auch, dass seitens der Eltern dem Jungen zu viel abgenommen wird. Auf der Reise war er in praktischen Dingen sehr unselbständig, und das ständige von-der-Schule-abholen durch die Eltern - nun ja, muss das wirklich immer jedes Mal sein? Vor dem geg. Hintergrund evtl. JA (das fänd ich dann aber schon alarmierend), ansonsten würde ich sagen, NEIN. Man kann seinem Kind auch durchaus mal sagen "Die letzte Stunde schaffst Du jetzt auch, sooo schlimm sind deine Bauchschmerzen nicht. Das kann man auch mal aushalten". Man kennt ja sein Kind, und ich als Mutter habe das durchaus schon zu meinen Kindern gesagt. Ich höre schon am Telefon, ob es wirklich was ernsthaftes ist oder eher so ein "ich fühle mich jetzt grad nicht wohl, alles ist doof, ich will lieber nach Hause".


    Daran, dass irgendwer denen das Kind wegnehmen könnte, auf die Idee wäre ich bis eben gar nicht gekommen. Nach meinem Eindruck und Wissen gibt es in der Familie keine Probleme, die einen Suizidwunsch begründen könnten. Das Mobbing halte ich aber auch NICHT für ursächlich. Ich vermute eher, dass es hier eine irgendwie genetisch bedingte Veranlagung gibt. Aber es steht mir ja nun eigentlich überhaupt nicht zu, hier irgendeine Diagnose zu treffen.


    Ich muss auch ehrlich sagen, ich scheue mich vor einem Gespräch mit den Eltern. Wie fängt man da an? "Ach sagt mal, unser Sohn hat erzählt, euer Junge will sich umbringen?" :ohh:
    Du lieber Himmel.

    Hallo und Guten Abend!


    Ich mache mir gerade Gedanken über ein Thema, das mich (aktuell) nicht als Lehrer tangiert, sondern als Mutter. Aber evtl. ist dies ja auch aus Lehrerperspektive von Interesse:


    Mein Sohn hat seit einiger Zeit einen Freund in einer Parallelklasse, der wohl bereits in der Grundschule Probleme mit Mobbing hatte, jetzt an der weiterführenden Schule wohl wieder (beide sind in der 5. Klasse). Dies äußert sich u.a. darin, dass der Junge ständig aus der Schule - und ich meine hier Vormittags aus dem Unterricht - abgeholt werden muss. Nach meinem Eindruck wenigstens einmal pro Woche, teilweise wohl auch häufiger. Ich fand das in letzter Zeit schon sehr auffällig. Die Eltern erwähnten mir gegenüber einmal, dass der Junge wohl in einer Therapie wäre, um sein Selbstbewusstsein zu stärken.


    Nun über das Wochenende war in unserer Familie wieder einmal Camping geplant, und Sohnemann durfte seinen Freund dazu einladen. Die Idee bestand schon lange, war ewig geplant und beide Kinder haben sich sehr darauf gefreut. Ich muss dazu sagen, dass ich den Jungen bis dahin eigentlich kaum kannte, da die sich nur in der Schule sehen, und nur gelegentlich zu gemeinsamen Nachmittagen (wir wohnen auf dem Land und weiter voneinander entfernt).


    Zwei Tage vor der Fahrt erzählte mir dann plötzlich unser Sohn, dass der Junge ihm erzählt hätte, er hätte die "Idee" (geäußert), Selbstmord zu verüben. Ich möchte auf meine Gedanken zu dieser Mitteilung hier jetzt nicht weiter eingehen, das tut erst einmal nichts zur Sache. Jedenfalls ging ich dann davon aus, dass die erwähnte Therapie u.a. oder gerade wg. dieser Selbstmordgedanken durchgeführt wird.


    Die Fahrt ins Wochenende ging nun los, ich hatte das Auto voll mit Kindern. Bei der Fahrt durch die Landschaft gab es natürlich irgendwelche Tiere zu sehen, die Kinder unterhielten sich schließlich über Haustiere. Der Junge fing nun an, detailliert darüber zu berichten, welches seiner (sehr vielen) Haustiere namentlich wann, wie und warum gestorben waren. Ich fand das schon sehr düster, da er wirklich sehr ausdauernd darüber berichtete. Dabei verwendete er mehrfach Begriffe wie z.B. "elendig verreckt". Ich hatte den Eindruck, dass er an solchen Wörtern irgendwie Gefallen hatte, er betonte sie auch irgendwie "genüsslich". Nicht wie ein Sadist, sondern so, wie ein Schiller-Liebhaber den Titel "Ode an die Freude" aussprechen würde. Auch weiter sprach er gern über Themen, die irgendwie morbide Inhalte hatten (ich erinnere mich z.B. an das Thema Kriegswaffen). Solche Themen gingen dann auch am Zielort weiter, bis ich irgendwann spontan sagte, ich wolle jetzt hier am Tisch keine Geschichten über Tod u.ä. mehr hören. Beim Lagerfeuer am Abend ging es weiter. Es flog zufällig eine Fliege gegen die glühenden Kohlen, und von dem Jungen kam der Spruch "Das ist eine Suizid-Fliege". In dem Moment ist mir dann schon ziemlich anders geworden...


    Insgesamt verhielt sich dieser Junge auf dieser Fahrt seltsam und nicht altersentsprechend. Er distanzierte sich noch am ersten Abend von unserem Sohn, ignorierte ihn und zog häufig mit anderen Kindern los (wobei er auch die eher ignorierte oder von oben herab behandelte). Schon am zweiten Tag hatte ich das Gefühl, dass die beiden sich nichts mehr zu sagen hätten und sich regelrecht anöden. Der Junge sonderte sich häufig ab, andererseits hielt er gerne lange "Vorträge" über irgendwelche Themen. Dabei sprach er immer langsam, sehr überlegt, aber auch sehr monoton. Und obwohl die Themen inhaltlich sehr viel korrektes Fachwissen enthielten (über sein Alter hinaus), zeigte er dabei eigentlich überhaupt kein wirkliches Interesse daran. Ich habe ihn in vier Tagen nicht einmal lachen oder lächeln sehen. Keinerlei Emotionen. Weder positive, noch negative. Wenn ich ihn direkt angeschaut habe, drehte er sich immer gleich weg.
    An einem Abend kam unser Sohn allein, weinend und völlig aufgelöst zu uns, weil der Junge ihn ständig ignorierte. Er - der in der Schule selbst ständig gemobbt wird. Zur Erinnerung: mein Sohn hatte ihn als besten Freund zu der Fahrt eingeladen und sich natürlich ein ganz anderes Zusammensein erhofft. Das muss zwischen den beiden so stark spürbar gewesen sein, dass unser Sohn völlig fix und fertig war.


    Es gab während der paar Tage und auch auf der Rückfahrt noch weitere Merkwürdigkeiten in dem Verhalten des Jungen. Insgesamt war das Zusammensein mit ihm aus unserer Sicht sehr gezwungen und ja - ziemlich unangenehm.


    Nun ist der Junge ja in Behandlung, die Eltern - und wohl auch die Schule (ich weiß, dass es Gespräche mit dem Schulleiter gab) - sind wohl umfänglich im Bilde. Jedenfalls gehe ich davon aus. Aber ich frage mich, ob ich z.B. mit den Eltern über das Wochenende reden soll. Nach meiner Meinung hat der Junge große Probleme (von den Selbstmordäußerungen mal ganz abgesehen), und auch seine Unbeliebtheit kommt nicht von ungefähr. Ich nehme an, so unangenehm im Wesen, wie er auf uns wirkte, wird er wohl auch auf seine Klassenkameraden wirken. Andererseits - soll ich der Mutter das alles noch extra erzählen? Sie wird schon genug Sorgen wegen des Jungen haben, und ein weiteres Kind hat eine schwere Erkrankung (gibt es einen Zusammenhang?).


    Ich würde gern Eure Meinung dazu hören, auch zu dem Verhalten des Jungen.
    Wie geht man damit um, wie geht man als Lehrer damit um?


    *****************
    Ich habe ein Mädchen in einer meiner Klassen, die z.B. auch (auffallend) vollkommen emotionslos ist (Bestätigung aller Lehrer). Ebenfalls 5. Klasse, gleiches Alter. Ich sehe sie aber als Fachlehrer nur 1x pro Woche und weiß ansonsten nicht viel über sie.

    Ich beantworte mir die Frage nach der pädagogischen Einführung mal selbst:


    Laut dem Erlass dazu heißt es unter Punkt 1.1:
    "Mit Unterstützung der [...] nehmen Lehrkräfte ohne Befähigung zu einem Lehramt im Sinne des [...], die in ein Dauerbeschäftigungsverhältnis übernommen werden sollen, an der Pädagogischen Einführung durch [...] teil."


    Ich kann also nicht eine Pädagogische Einführung belegen, und DANN auf eine Dauerbeschäftigung hoffen oder bestehen. Es ist genau anders herum: Ich benötige zuerst die Zusage zu einer Dauerbeschäftigung (mit einem entsprechenden Arbeitsvertrag) und muss dann ggf. diese Pädagogische Einführung absolvieren.


    Und wie kommt man zu einer Zusage zu einer Dauerbeschäftigung??? GAR NICHT.


    (Grundständig ausgebildete Lehrer müssen vorgezogen werden. Man muss schon froh sein, überhaupt einen (befristeten) Vertrag zu bekommen. Von einem unbefristeten Vertrag einmal ganz zu schweigen.)

    Zwischenfrage:


    Seiteneinstieg nach OBAS kommt wohl nicht in Frage, das hatte ich ja vor Jahren schon versucht und festgestellt, dass das bei mir inhaltlich nicht hinhaut.


    Den früheren "Quereinstieg" gibt es mit dem OBAS doch gar nicht mehr (der "Seiteneinstieg" hat den "Quereinstieg" ersetzt)?


    Was hat es mit der pädagogischen Einführung auf sich? Ich habe zwar den Erlass dazu gelesen, aber diese Info bringt mich nicht so recht weiter. Ist das etwas, da ich irgendwie in Angriff nehmen könnte? Klingt inhaltlich ja erst mal gut. Die formalen Voraussetzungen sind alle gegeben, von einer "Eignung" gehe ich jetzt mal aus, aufgrund meiner Vertretungslehrertätigkeit. Wie muss mein Vertrag dazu aussehen? Und was habe ich schließlich davon? Allein damit doch noch keine unbefristete Beschäftigung z.B., oder?

    Zitat

    Und mit diesem Hintergrund möchtest Du nicht an einer Berufsschule Mediengestalter unterrichten?

    Nein. Eigentlich nicht. Ich bin auch von der Schulform Berufsschule abgekommen. Früher wollte ich explizit an Berufsschulen, seit dem ich am Gymnasium unterrichte, nicht mehr. Was nicht heißt, dass das Unterrichten am Gymnasium immer eine Wohltat ist. Auch dort gibt es nicht nur intelligente, wohlerzogene Sprösslinge (aber das wissen wir ja alle). Es ist erstaunlich, wie viele Schüler es dort gibt, auf die eher das Gegenteil zutrifft...


    Zitat

    Macht es Dir denn Spaß, fachfremd zu unterrichten? Ich bin selber teilweise fachfremd unterwegs und muss sagen, dass ich mich 1. nie sattelfest fühle und 2. nie gelernt habe, wie man diesen Stoff didaktisch gut rüberbringt.

    Tja, gute Frage. Das ist ja gerade der Grund, warum ich in Erdkunde gern ein richtiges Seminar o.ä. besuchen würde. Ich fühle mich relativ oft nicht sattelfest. Ich würde sogar sagen, dass genau dieser Aspekt es ist, der in mir den meisten Druck erzeugt (nicht die Anzahl der Stunden, nicht die Unterrichtsvorbereitung, nicht die Schülerdisziplin, nicht die Organisation). Allerdings ist dieses Phänomen geringer, je niedriger die Klassenstufe ist. Außerdem fühle ich mich jetzt nach einem Jahr mit einer (fast) halben Stelle und einer gewissen Erfahrung fachlich zunehmend sicherer. So sollte es ja auch sein, wenn man sich mit einem Thema beschäftigt. Mit der Zeit hat man die Themen drauf, erkennt selbst die Zusammenhänge, u.s.w.


    Bei der didaktischen Aufbereitung helfen mir meine Vorkenntnisse, vor allem aus der technischen Redaktion. Ich kann sehr gut einschätzen, in welcher Reihenfolge bzw. in welchen Schritten ein Thema vermittelt werden kann ("Hineindenken in den Anwender", hier Schüler). Die mediale Aufbereitung mache ich mit "links". So erstelle ich mir z.B. die meisten Arbeitsblätter selbst (einschließlich der Aufgabenstellung und Gestaltung). Manchmal bitten mich sogar schon "echte" Lehrer nach meinem Material :)


    Bei meiner Frage nach der formalen Basis geht es mir einerseits um ein handfestes Fachwissen (Erdkunde + ggf. zweites Fach), sowie um eine sinnvolle Grundlage für die Arbeitsverträge. Z.Z. ist es noch so, dass mein Schulleiter mir gegenüber immer die grundständig ausgebildeten Lehrer vorziehen MUSS (was ich prinzipiell auch korrekt finde). Nur muss ich halt jedes halbe Jahr darum bangen, weiterbeschäftigt zu werden (und auf eine passende Schwangerschaft einer Kollegin hoffen...).

    Initiativbewerbungen, sofern nicht für ein klassisches Mangelfach, halte ich ehrlich gesagt für überflüssig. Wer im Schulamt schaut denn da rein??


    Die Stellen für Vertretungslehrer in NRW gibt es in "Verena": https://www.schulministerium.nrw.de/BiPo/Verena/online
    Hier finden sich auch Stellen an Grundschulen. Regelmäßig reinschauen, ggf. bewerben, und zwar dann direkt bei der betreffenden Schule. Die Wochenstunden sind bei der Stelle i.d.R. angegeben (nicht immer). Die Stundenumfänge können von 4 Stunden bis zu einer nahezu vollen Stelle reichen. Meist gibt es aber nur ein paar Stunden zu besetzen. LEBEN kann man allein davon nicht, jedenfalls kaum bei z.B. 12 Stunden oder weniger pro Woche.
    Die Tarife finden sich nach kurzem googeln im Netz.


    Fahrkostenerstattung? Keine Ahnung, glaube ich eher nicht. Ich bin Vertretungslehrer, benötige aber keine Fahrkostenerstattung. Das wäre dann eher ein Fall für das Arbeitsamt. Arbeitslos gemeldet + eine geringe Tätigkeit (=Nebentätigkeit), da könnte es dann auch eine Fahrkostenerstattung geben. Im Rahmen des Arbeitslosengeldes ist das prinzipiell möglich.

    Naja, ich möchte nicht auf Teufel komm raus einen Seiteneinstieg machen (irgendwo, irgendwas). Vor allem möchte ich unbedingt bei dem Fach Erdkunde bleiben, auf irgendwelche Medienfächer bin ich nicht scharf. Ich war damals von diesem (bei uns sehr theoretisch angelegtem) Studium nie sonderlich begeistert, deshalb hatte ich nach dem Studium auch noch mal was anderes ("praktisches") studiert.


    Verbeamtet werden kann ich eh nicht mehr, da zu alt.


    Am liebsten würde ich meinem Erdkunde eine solide (formal anerkannte) Basis geben. Aber da sieht es wohl sehr schlecht aus. Natürlich gibt es Weiterbildungen. Aber das sind eben "nur" Weiterbildungen, es fehlen die formalen Voraussetzungen. Selbst ein Ergänzungsfach ist wohl nur für ausgebildete Lehrämter möglich.

    Hallo,
    ich unterrichte seit einem Jahr an einem Gymnasium in NRW als Vertretungslehrer in Erdkunde. Die Bewerbung damals war kurzentschlossen, die Zusage ein Zufall, dafür aber sofort. Ich bin zu dieser Tätigkeit gekommen, wie die Jungfrau zum Kind.
    Ich habe weder Lehramt studiert, noch im entsprechenden Fach, also fachfremd. Ich habe eine halbe Stelle und unterrichte in 5., 7. und 9. Klassen. In dieser Konstellation bin ich an unserer (großen) Schule ein noch nie dagewesener Einzelfall (lt. Aussage des Schulleiters). Nächste Woche beginnt dort mein dritter Vertrag in Folge, komme dann also auf 1 1/2 Jahre Unterrichtserfahrung mit allem, was im Laufe eines Schuljahres als Fachlehrer dazu gehört.


    Da ich im kommenden Halbjahr etwas weniger Stunden habe, wollte ich mich einmal erkundigen, ob ich mein Vertretungslehrerdasein nicht auf eine etwas handfestere formale Basis stellen kann?


    Ich habe ein abgeschlossenes Hochschulstudium (Diplom) und Berufserfahrung in der Wissenschaft wie auch in der Industrie. Dazu kommen noch einige aufwendige Weiterbildungen, die fachlich ebenfalls nicht das geringste mit meinem Fach zu tun haben, mir im Unterricht dafür aber trotzdem häufig sehr weiterhelfen. Vor Jahren hatte ich mich schon einmal intensiv mit dem Thema Seiteneinstieg beschäftigt und dafür auch alle Uni-Scheine etc. gesammelt. Letztendlich hatte sich damals heraus gestellt, dass ich für den Seiteneinstieg aufgrund meines interdisziplinären Erststudiums kein Hauptfach generieren kann (bezüglich der Creditpoints), dafür aber mehrere Nebenfächer. Was mir aber natürlich nichts nützt...


    Gibt es also eine Möglichkeit, meinen ungewöhnlichen Status formal etwas aufzubessern? Nach meinem jetzigen Kenntnisstand gibt es für meinen Fall eigentlich nichts, ich falle da durch jegliche Raster. Ich möchte wenn, dann auch unbedingt bei dem jetzigen Lehrfach Erdkunde bleiben (obwohl fachfremd). Als zweites Fach wäre z.B. Sozialkunde/Politik vorstellbar.

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