Beiträge von tibo

    Bei mir ist es eine Selbstverständlichkeit, dass man auf Toilette gehen darf, wenn man auf Toilette gehen muss. In meiner Klasse haben wir die Gebärde für Toilette als Handzeichen eingeführt, das man leise machen kann, wenn man im Unterricht auf die Toilette muss. Ein Nicken reicht dann von mir, sodass der Unterricht so wenig wie möglich gestört wird. Den Raum ruhig zu verlassen und zu betreten sowie die Türe wieder zu schließen muss man am Anfang ein paar mal üben, aber das klappt in der Regel sehr schnell. Außerdem gibt es wie an vielen Schulen die Absprache, dass immer nur ein Kind auf die Toilette darf. Jede Regel hat aber natürlich ihre Ausnahme. Generell helfen dann aber oft schon Sätze wie "Kannst du noch zehn Minuten bis zur Pause aushalten?". In Einführungsphasen oder in Partnerarbeit sage ich auch oft "Gerade ist es schlecht, weil du sonst die Erklärung verpasst / weil dein Partnerkind sonst alleine ist . Schaffen wir noch zehn Minuten?". Auch die Visualisierung durch diese Toilettenampeln wären eine Maßnahme, wenn man eine Entwicklung in dem Bereich durch Visualisierung anstoßen möchte. Das klappt alles sehr gut und ich habe keine Probleme mit Kinderkarawanen, die auf die Toilette ziehen. Wie BlackandGold schrieb, gibt es Kinder, die häufiger auf die Toilette gehen, weil sie eine Pause brauchen. Das ist eben ein anderes Grundbedürfnis, das dann dahinter steht, das ich dann sehe und akzeptieren kann. Das betrifft aktuell nur ein Kind in meiner Klasse. Das alles ist also wirklich kein Problem in meiner Schulrealität und wenn es sich häufen würde, würde ich im ersten Schritt vor der Pause die Kinder daran erinnern, direkt am Anfang der Pause auf die Toilette zu gehen. Das wäre eine pädagogische 'Intervention'. Ich halte es für nicht in Ordnung, den Toilettengang generell zu verbieten. Mir wurde auch von meiner Chefin noch nie verboten, auf die Toilette zu gehen. Und auch von früheren Arbeitgeber*innen nicht.


    Hat jetzt aber auch nichts mehr mit dem Ausgansgsbeitrag zu tun, zu dem ich nur sagen kann, dass ich es vollkommen verstehen kann, dass man als Lehrkraft am Tag viele Entscheidungen meist akut treffen muss und dann nicht jede Entscheidung direkt richtig ist. Ist halt ein kleines Dilemma im ersten Moment eine solche Situation und im Nachhinein kann man sich dann reflektieren und beraten, um die Situation das nächste Mal besser zu handlen.

    Als ich mal krank war, ist durch den Vertretungsnterricht aufgeflogen, das ich anders als die Parallelkollegen gearbeitet habe. Danach hatte ich ein Gespräch mit der Schulleitung ...

    "Lieber Herr Lehrer, wir haben mitbekommen, dass Sie sich nicht an die Absprachen der Schulgemeinschaft gehalten haben."

    "Liebe Schulleitung, danke für die Einladung, ich habe jemanden aus dem Lehrer*innenrat zur Unterstützung mitgenommen. Falls es um den Umgang mit dem Wochenplan geht, bitte ich Sie um eine schriftliche Anweisung, dass alle Kinder klassenübergreifend zur gleichen Zeit, am gleichen Wochenplan ohne Differenzierung nach den Lernvoraussetzungen arbeiten und Hausaufgaben bearbeiten müssen. Ich werde dann meine schriftliche Remonstration auf Grundlage des Runderlasses vom 05.05.2015 einreichen, in dem steht:

    Zitat

    Hausaufgaben sollen die individuelle Förderung unterstützen. Sie können dazu dienen, das im Unterricht Erarbeitete einzuprägen, einzuüben und anzuwenden. Sie müssen aus dem Unterricht erwachsen und wieder zu ihm führen, in ihrem Schwierigkeitsgrad und Umfang die Leistungsfähigkeit, Belastbarkeit und Neigungen der Schülerinnen und Schüler berücksichtigen und von diesen selbstständig ohne fremde Hilfe in den in Nummer 4.4 genannten Zeiten erledigt werden können.

    Darüber hinaus werde ich auf die relevanten Stellen zur individuellen Förderung im Schulgesetz hinweisen, die QUA-LiS NRW praktischerweise bereits zusammengefasst hat: https://www.qua-lis.nrw.de/schulentwicklu…rung/rechtliche."

    Ich habe noch keine Sozialpädagogin kennengelernt, die in standardisierter Sprachdiagnostik ausgebildet gewesen wäre. Auch die Feststellung von Schulfähigkeit gehört meines Wissens nicht zu den Kernkompetenzen dieser Profession.

    Bei uns wird z.B. die Sprachstandsfeststellung Delfin 4 von ihr durchgeführt und ausgewertet. Eine kurze Suche bei Google ergibt, dass wir damit keine Ausnahme sind, sondern auch das Ministerium in NRW dort eine Kompetenz dieser Profession erwartet.

    Und wie würdest du das machen? Das Problem ist m.E. eher, dass man eben keine Hierarchie hat. Wir sind nicht weisungsbefugt, müssen demnach hinnehmen, wenn Dinge nicht gut laufen. Dass Absprachen zwischen zwei Personen funktionieren ist ja nun keinesfalls automatisch gegeben. "Bitte arbeite nicht in dem Fach weiter, für das ich verantwortlich bin und Noten geben muss" "Doch, ich arbeite da weiter, wo ich es für richtig halte." Hm. Und nun?

    So eine Situation hatte ich noch nicht. Ich glaube schon, dass man in den meisten Fällen mit Kommunikation weiterkommt. Falls nicht, würde ich mich mit meinen Stufenkolleg*innen beraten, wie ich weiter vorgehen könnte, und evtl. auch bei der SL um Rat fragen. Aber am Ende ist der Einsatz des Personals Verantwortung der SL. Ich kenne auch Fälle, in denen die KL nicht zufrieden ist mit der Arbeit des eingesetzten Personals in der eigenen Klasse (ich halte es absichtlich sehr offen das Beispiel), das ist aber dann einfach nicht mehr Verantwortungsbereich der KL. Ich mache, was meine Aufgabe ist und bewerte, was ich bewerten kann. Die Verantwortung für den Vertretungsunterricht trägt das von der SL eingesetzte Personal (was bei uns wie gesagt nicht die SEP wäre).

    Bei den Schulsozialarbeiter/innen und SEP Kräften ist es schon immer so, dass deren Kompetenzen sehr unterschiedlich sind.

    Das stimmt vermutlich, da muss ich sagen, haben wir sehr viel Glück mit unserer SEP.

    Also habt ihr 5 bis 6 Schulstunden Deutschunterricht und dann zusätzlich die drei Schulstunden Lernzeit für den Wochenplan?

    Nein, wir haben 11 Stunden KL-Unterricht die wir auf Mathe, Deutsch und Sachunterricht aufteilen können sowie die drei Stunden Lernzeit.

    Also wir arbeiten mit dem ABC der Tiere und alle Kinder in allen Klassen bekommen den gleichen Wochenplan. Auch die Hausaufgabe (Seite aus dem Heft oder Arbeitsblatt) muss für alle Kinder aller Klassen gleich sein

    Wer gibt solch einen Quatsch denn auf welcher Grundlage vor? Schulleitung? Lehrer*innenkonferenz? Fachkonferenzen? Stufenteams?

    Hm, ich sehe als Ziel schon, dass Lehrkräfte untereinander und Lehrkräfte mit multiprofesionellen Kräften wie SEPs auf Augenhöhe miteinander arbeiten und nicht getrennt voneinander. Einfacher ist das nur in der Hinsicht, als dass das die gewohnte wie kritisierte Arbeitsweise der letzten Jahrzehnte ist. Es sollen nicht alle alles machen und es muss definierte Aufgabenbereiche geben, auf jeden Fall. Es muss aber auch mehr Zusammenarbeit auf Augenhöhe geben Das zusammenzubrigen ist eine wichtige Entwicklungsaufgabe des ganzen Schulsystems, würde ich sagen.

    Ich sehe nur den Unterschied zu anderen Kolleg*innen nicht so recht. Klar kann es ärgerlich sein, wenn der Vertretungsunterricht meine Planung betrifft. Das hat aber ja nichts mit der Profession der Person zu tun, die meine Planung durcheinander bringt. Ob Lehrkraft oder SEP man muss dann an der gemeinsamen Absprache arbeiten. Das Reduzieren des Problems auf die Rolle als SEP deutet für mich sonst nämlich schon auf ein Hierarchie-Denken hin, das ich bei der Arbeit in multiprofessionellen Teams als Hindernis sehe.

    Unsere SEP ist vollwertiges Mitglied des Kollegiums und der Lehrer*innenkonferenz und z.B. auch der Steuergruppe. Sie arbeitet in Einzel- und Gruppenförderung eigenverantwortlich und unterstützt im Unterricht. Federführend führt sie außerdem unser Programm zum emotional-sozialen Lernen in der Schuleingangsphase durch. Sie arbeitet bei AO-SFs mit und führt nicht nur in dem Rahmen mit uns zusammen Elternberatungen durch. Ihre Meinung und Expertise im Bereich sprachliche Bildung und der Schuleingangsdiagnostik haben hohes Gewicht bei uns. Ihre Arbeitszeit ist wie bei den Lehrkräften am Unterrichtsdeputat orientiert und entsprechend führt sie auch Aufsichten durch. Siehe auch S. 5, letzter Bulletpoint des von kleiner grüner Frosch bereits verlinkten Dokuments. Entsprechend dem Selbstverständnis und der Rahmenbedingungen, zusammengefasst von der GEW, führt sie keinen Vertretungsunterricht durch - nicht weil sie es nicht könnte, sonder, weil es schlicht nicht zu ihren Aufgaben gehört. Im absoluten Notfall fängt sie unbesetzte Klassen auf.

    Man muss auf jeden Fall seinen eigenen Weg unter den individuellen Bedingungen der Schule und Schülerschaft finden. Wir haben wenige Vorgaben bezüglich Themen und schulinternen Curricula, wir haben ein Lernzeitenkonzept und unsere Klassen sind sehr heterogen. Ich führe Neues im Deutsch- oder Mathematikunterricht immer im Kinositz an der digitalen Tafel ein (direkte Instruktion). Dort gibt es eine Erklärung und dann die Bearbeitung einiger Beispiele durch die Kinder auch mit dem Fokus auf Fachsprache und sprachlichen Mustern. Am liebsten folgt darauf eine kooperative Aufgabe in Partnerarbeit, die im ersten Schritt für alle nach der gemeinsamen Einführung lösbar sein soll und im zweiten Schritt ein höheres Niveau fordert. Digitale Aufgaben haben da oft den Vorteil, dass die Kinder direkt ein Feedback zur Richtigkeit erhalten. Das finde ich in meinem Unterricht wichtig, weil die Sicherungsphase aus zeitlichen Gründen oft hintenrüberfällt. Ich priorisiere da aber auch deutlich die Unterstützung und Förderung in der Stunde gegenüber der Kontrolle. Ich möchte demnächst neben dem peer-Feedback und bei digitalen Aufgaben dem digitalen Feedback auch Selbstkontrollen verstärkt testen. In der Lernzeit, die drei eigene Unterrichtsstunden pro Woche umfasst, arbeiten die Kinder dann an einem differenzierten Wochenplan, wobei für meine eigene Stuktur der Wochenplan bei mir auch die Aufgaben umfasst, die wir im Deutsch- und Mathematikunterricht bearbeiten. In der Lernzeit arbeiten die Kinder meist in Einzelarbeit. In Mathematik kann ich da gut die Förder- und Forderhefte des Lehrwerks nutzen, um zu differenzieren. Die größte Differenzierung stellt dabei schon fast der Unterschied zwischen ins Heft schreiben und an einem Arbeitsblatt arbeiten dar, da ich das Gefühl habe, viele Kinder sind kognitiv durch die Aufgabe selbst bereits ausgelastet und das Abschreiben (ganz zu schweigen vom ordentlichen Abschreiben) erhöht die kognitive Belastung, sodass der Inhalt selbst weniger effektiv gelernt wird. Wochenpläne und Lernzeiten bieten auf jeden Fall die Möglichkeiten für freieres Arbeiten, das erfordert aber trotzdem eine gute Struktur für die Kinder und gewisse Regulationskompetenzen der Kinder, die erstmal gemeinsam aufgebaut werden müssen. Habe auf jeden Fall den Mut, dich vom Lehrwerk und irgendwelchen genauen Zeitangaben zur Bearbeitung bestimmter Aufgaben zu lösen. Kinder und Klassen lernen unterschiedlich (schnell) und Lehrkräfte lehren unterschiedlich. Das Lehrwerk ist eine praktische Orientierung für mich, aber keine starre Vorgabe.

    Ich habe nie behauptet, dass Alleinerziehend und Kind ein Grund für Sofa und Bürgergeld ist. Das ist deine Unterstellung, dass die alle faul sind und an ihrem Schicksal selbst Schuld sind. Ich gehe eher davon aus, dass die meisten von diesen Menschen wirklich Hilfebedürftig sind.

    Und deine Annahme wird durch die Tatsache gestützt, dass die meisten Alleinerziehenden, die Bürgergeld erhalten, durchaus einem Job nachgehen, in dem Rahmen, in dem sie es eben können, aber das Geld trotzdem nicht reicht. Das Bürgergeld stockt dann nur auf.

    Geht es um die Einkommenssteuer lohnt sich doch nochmal ein objektiver Blick auf die berechneten Auswirkungen der Wahlprogramme der verschiedenen Parteien. Aufgefächert nach dem jährlichen Einkommen sieht man, dass Grüne und SPD wahrlich nicht am Mittelstand sägen wollen: https://bsky.app/profile/jhillj…t/3lfxanqgwds2q

    Die CDU und erst Recht die FDP wollten Steuergeschenke für die Reichsten. Sie spielen das Spiel eben gut, ihren Wähler*innen zu suggerieren, die Reichsten gehörten doch zum Mittelstand dazu und linke Parteien wollten an ihr Geld. So fühlen sich in Umfragen mehr dem Mittelstand zugehörig, als den definierten Zahlen nach. Friedrich Merz wurde hier ja schon als ein Beispiel genannt.

    Der Mittelstand - weil das hier auch schon Thema war - schrumpft übrigens auch ähnlich in beide Richtungen, die Schere geht auch hier leider auseinander. Das gehört zur ganzen Wahrheit des Satzes "Der Mittelstand schrumpft" dazu.

    Spannend ist auch, dass die Kritik an dem Freibetrag hier u.a. von der "Leistungsfraktion" kommt. Da frage ich mich, inwiefern Erben eine Leistung ist. Und: Erben steht der Leistungsbereitschaft doch total im Weg. Die Erben haben dann ja gar keinen Anreiz mehr, zu arbeiten. Vielleicht sollten wir Erbschaften Bürgergeld nennen, wenn der Begriff wieder frei ist ^^

    Ich finde, diese Diskussion ist ein guter Hinweis darauf, wessen Wohlstand gesichert werden soll, wenn von der "Sicherung des Wohlstands" gesprochen wird: Menschen mit mindestens einem Vermögen des vierfachen des Medianvermögens.

    Wenn man eine Immobilie im Wert von 700.000 Euro erbt, erbt man damit ca. das siebenfache des Medianvermögens in Deutschland. Die Hälfte der Bevölkerung besitzt also nur ein Siebtel dieses Vermögens oder weniger. Damit ist man im Vergleich zur Gesamtbevölkerung sehr privilegiert. Dabei fallen dann ca. 35.000 Euro Erbschaftssteuer an. (Korrigiert mich gerne, wenn ich mit den Zahlen falsch liege, das ist wirklich nicht mein Steckenpferd.) Ich sehe nicht, dass das in einem Missverhältnis zu Ungunsten der reichen Erben liegt.

    Das ist immer das Einfachste, wenn man nichts entgegnen kann! 8)

    Stimmt, "Und nun?" ist natürlich inhaltlich richtig etwas entgegengesetzt 8)

    Also framen wir Leistungsorientierung und Interesse an der Sicherung des gesellschaftlichen Wohlstands jetzt auch rechts? Puh.

    Das Buch ist von 2001, nicht von jetzt. Diese Zusammenhänge sind also schon lange bekannt. Es erklärt, warum auch ohne reale Bedrohung Menschen trotzdem Angst vor sozialer und ökonomischer Zurücksetzung haben, was wir hier im Forum unter Beamt*innen sehen wie auch schon unter AfD-Wähler*innen, die ökonomisch mehr Angst haben, zu verlieren, als wirklich verloren zu haben. Es erklärt, weshalb Rechte diese Ängste schüren und für sich nutzen. Seit über 20 Jahren bekannt und benannt. Es geht nicht um Leistung, sondern um Rechte, die vor derm Hintergrund dieser Ängste anschlussfähige Erzählungen gefunden haben, andere Menschen abzuwerten, um sich aufzuwerten - Menschen mit Migrationsgeschichte, Menschen mit Behinderungen, Sozialhilfeempfänger*innen und alles auch im Kontext Schule hier diskutiert. Ich hatte ja mehrere Berichte verlinkt, in denen bewiesen wurde, dass die Angst vor der Ausnutzung unseres Sozialhifesystems größer ist als die tatsächliche Ausnutzung oder gar der wirtschaftliche Schaden. Da passt das Zitat einfach sehr gut.

    "Der Zusammenhang zwischen Leistungs- und Rassismusdiskurs wird auch bei den rechtsextremen Jugendlichen sehr deutlich. Sie identifizieren sich, so die Ergebnisse einer Reihe von Studien (Held et al. 1991, 1996, Heitmeyer 1989 und Heitmeyer et al. 1992), forciert mit herrschenden Werten wie Z. B. mit den »deutschen Wirtschaftsinteressen«. Wir finden bei den rechten Jugendlichen ein instrumentelles Nutzendenken, nachdem jeder in erster Linie danach beurteilt wird, ob er einem nützt oder schadet. Das gilt für EinwanderInnen und Flüchtlinge, aber auch für Behinderte und Sozialhilfeempfänger. Dieter Hoffmeister und Oliver Sill (1993) nennen diesen Einstellungskomplex »Leistungsvergötterung« und »Kriegspfadmentalität«. Ständig werden Neid und Ausbeutungsängste thematisiert mit dem Dauerthema: Wo kann ich was kriegen, denn schließlich gibt uns ja auch keiner was. Auch in der zusammenfassenden Auswertung der Untersuchung zu ostdeutschen Jugendlichen (Friedrich und Förster 1997) zeigt sich ein sehr signifikanter Zusammenhang zwischen Leistung und Rechtsextremismus. Rechte Jugendliche sind in ihren Lebenszielen viel stärker materiell, egozentrisch und pragmatisch als diejenigen, die sich selbst als links einstufen. Diese Befunde stimmen auch mit internationalen Untersuchungen überein, in denen festgestellt wird, dass vor allem diejenigen zu rassistischen Einstellungen neigen, die eine »jungle weltanschauung« haben, wie John Duckitt es nennt, in der jeder sich durchschlagen muss, geprägvon Misstrauen, Zynismus und allgemeiner Negativität. Dabei spielt es keine Rolle, ob man sich selbst ökonomisch oder sozial in einer tatsächlich besonders bedrohlichen Situation befindet. Die wahrgenommene oder besser behauptete Bedrohung hat weniger mit der eigenen Lebenslage als mit der Interpretation der gesellschaftlichen Verhältnisse zu tun. Dabei steht nicht so sehr das ökonomische Eigeninteresse im Vordergrund, sondern ob man glaubt, dass die eigene Gruppe zurückgesetzt wird."

    Birgit Rommelspacher: „Anerkennung und Ausgrenzung. Deutschland als multikulturelle Gesellschaft“


    Da musste ich an so manche Diskussion hier denken.

    Vielleicht hilft eine andere Perspektive, das Verhalten der Kollegin nicht auf dich zu beziehen: Die Lehrerin hat eine Klasse, in der sie weniger Unterstützung bekommt als andere Klassen(lehrkräfte). Ihre Frustration bezieht sich nicht auf dich, sondern auf die allgemein geringere Hilfe rund um ihre Klasse. Nichtsdestotrotz sollte sie diesen Frust natürlich nicht an dir auslassen. Ich finde es auch richtig, bei den Klassen nach Bedarf zu priorisieren. Wenn du aber Kapazitäten hast, sprich vielleicht wirklich mal aus dieser Perspektive an, ob du sie in ihrer Klasse unterstützen kannst. Ich finde es nicht in Ordnung, jemandem ohne Absprache Aufgaben zu geben. Erst Recht nicht wortlos, indem man Hefte rüberschiebt. Das solltest du auf jeden Fall auch ansprechen, dass du da erwartest, dass Aufgaben abgesprochen und nicht einfach 'verdonnert' werden. Darüber hinaus helfen vielleicht auch klarere Einsatzpläne und Aufgabenverteilungen, die auch mit der Schulleitung abgesprochen sind. Das hört sich ja sehr spontan an, wie deine Unterstützung verteilt wird. Das hat Vor- und Nachteile, die man besprechen sollte, damit die Erwartungen übereinstimmen und es keine Missverständnisse gibt.

    Lass dich auf jeden Fall nicht kirre machen von den negativen Berichten in diesem Thread, die Zufriedenheit im Lehrberuf in Deutschland ist nicht so schlecht, wie man hier oft den Eindruck bekommt. Man muss sich auf die Kinder einlassen und darf nicht immer von der eigenen Lebenswelt ausgehen. Ist man den Kindern und auch ihren Problemen gegenüber offen, merkt man ganz schnell, dass die allermeisten sehr viel Herz haben. Geht man als Lehrkraft auf die individuellen Lernstände ein, sieht man auch den inhaltlichen Fortschritt, auch wenn der Stand mit dem die Kinder in die Schule kommen oder an die weiterführende Schule gehen aus verschiedenen Gründen ein anderer ist als vor 20 Jahren vielleicht und die Kinder entsprechend auch länger brauchen. So zumindest meine Erfahrung an einer Grundschule. Auch das Ansehen von Lehrkräften ist in Deutschland nicht gesunken, sondern sogar gestiegen.

    Ich nutze KI gerne zum Verfassen von Texten anhand von mir vorgegebenen Informationen wie z.B. bei Berichten für die Schulwebsite. Ich habe auch schon eine Art Fallberatung mit ChatGPT gemacht, die mir tatsächlich geholfen hat (ohne Klarnamen selbstverständlich). Elterngespräche habe ich schon vorbereitet, indem ich die KI in die Rolle des Elternteils gesteckt, Formulierungen ausprobiert und mir ein Feedback geben lassen habe. Midjourney nutze ich gerne für Illustrationen auch im Kontext Schule. Seitdem ChatGPT die Quellen angibt, nutze ich es auch zu Recherchezwecken, wobei es in der Hinsicht eher Google ersetzt und die Informationen und Quellen natürlich mindestens genau so geprüft werden müssen wie bei Google-Ergebnissen und generell Informationen im Internet.

    Ich mache mir keine Sorgen, dass die KI uns ersetzt und habe deswegen auch keine schlaflosen Nächte. Dafür finde ich, lebt der Beruf viel zu sehr von der Beziehungsarbeit mit den Schüler*innen, als dass die KI dies ersetzen könnte. Jetzt bin ich auch so privilegiert, dass ich als Beamter sowieso nicht entlassen werden kann, aber am Ende finde ich es auch in Ordnung, dass Berufe wegfallen, die durch Fortschritt ersetzt werden können. Das ist der Lauf der Zeit; wichtig ist aber natürlich, die Transformation arbeitnehmer*innenfreundlich zu gestalten und die Menschen in neue sinnvolle Berufe zu bringen. Ich glaube also schon, dass KI die Gesellschaft sehr verändern wird.

    KI ist auch Thema in meinem Unterricht. Von code.org gibt es das Modul AI for oceans, in dem die Kinder eine KI trainieren, Müll aus dem Ozean zu fischen. Dabei lernen sie, wie eine KI trainiert wird, den Unterschied zur Programmierung und den bias, der sich durch menschliche Trainingsdaten ergibt. Kann ich sehr empfehlen. Darüber hinaus haben wir letztens Midjourney benutzt, um die Bücher der Kinder zu illustrieren.

    Ich würde sagen, ich finde es nur professionell, wenn man sich mit KI und den Einsatzmöglichkeiten im eigenen Beruf reflektiert beschäftigt und diese reflektiert einsetzt. Gerade im Lehrer*innenberuf sollten wir gewissermaßen am Zahn der Zeit bleiben, sonst entfernen wir uns von der Lebenswelt der Schüler*innen und der Gesellschaft, auf die wir die Schüler*innen vorbereiten sollen.


    P.S.

    Elternbriefe sind in den allermeisten Fällen hoffentlich Sachinformationen und keine Liebesbriefe. Comic Sans ist eine beliebte Schriftart bei Legasthenie-Betroffenen. Wir schreiben die meisten Elterninformationen jedoch per Schul-App und ich achte oft auf mindestens Einfache Sprache, manchmal Leichte Sprache, was die KI bis jetzt noch nicht so gut umsetzen kann. An und für sich halten wir die Informationen aber auch kurz und es geht schneller, sie selbst zu formulieren, statt die KI damit zu beauftragen.

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