Grauzonen gibt es in der Arbeit mit Menschen meines Erachtens immer, weil eben nicht alles vorhersehbar ist und auch LehrerInnen nicht alles wissen, bzw. umsetzen können, was sie wissen und auch Lehrpläne und die Uni nicht alles abdecken können... Es gibt Dinge, die man in der Auseinandersetzung mit einer Situation lernen muss, sich aber dennoch stückweit vorbereiten kann, wenn man absehen kann, was die Knackpunkte sein könnten (das versuche ich gerade). Zudem sind Grenzen häufig fließend und wenn man auf einem Gebiet Neuland betritt, könnte es passieren, dass man z.B. die Grenzen der eigenen Zuständigkeit über- oder unterschreitet --> beispielsweise in Überforderungssituationen von LehrerInnen…
Ob du es glaubst oder nicht, aber das kann man erst in der Praxis lernen. Bei einer konkreten Frage wendet man sich dann an das Seminar, erfahrene Kollege, Sozialpädagogen, Leute im Forum oder andere Personen mit Fachwissen.
Was ist denn z.B., wenn ein traumatisiertes Kind immer wieder in Wutphasen gerät, in denen es z.B. Gegenstände zerstört und andere Kinder oder sich selbst gefährdet, obwohl es die Regeln kennt? Holt ihr euch da immer wieder die Sozialarbeiterin oder Kollegen zur Hilfe? Wie versucht ihr, abgesehen von interdisziplinären Maßnahmen, Regeln und Strukturen zu intervenieren? Und wie verändert ihr die Situation langfristig (insbesondere, wenn ergriffene Maßnahmen nicht fruchten)?
Ist es da nicht besonders schwer das Gleichgewicht zwischen Distanz und Empathie, zwischen Überforderung und Selbstschutz zu wahren? Und dem betroffenen Kind weiterhin so gegenüberzutreten, wie den anderen Kindern?
Was bringt es dir, wenn wir dir 100 verschiedene Fälle schildern, bei deinem Kind aber erst die 101. Maßnahme helfen würde.
Ja, es ist wichtig Grenzen zu ziehen aber auch die muss man persönlich setzen und kann dir (außerhalb der gesetzlichen Regelungen) keiner vorgeben.
Deshalb, beende dein Studium, geh ins Ref und schau dann konkret, welche Situationen auf dich zukommen.