Ich habe die Sendung gestern auch teilweise verfolgt und stellenweise Schnappatmung bekommen.
Als ich vor 20 Jahren Abitur gemacht habe, gab es ebenfalls Leistungsdruck. Dieser wurde aber eben als normal wahrgenommen und zur Schullaufbahn bzw. zum Leben dazugehörig. Das Leben ist kein Ponyhof und wird es nie sein, sofern man sich hier etwas aufbauen möchte. Während meiner Oberstufenphase gab es Todesfälle, finanzielle Schwierigkeiten, Liebeskummer, Scheidung der Eltern etc.; dennoch wurde ich deswegen nicht in Watte gepackt und vor allem hätte ich das auch nicht erwartet.
Diese Erwartungshaltung ist etwas, das mich in meinem beruflichen Alltag extrem nervt. "Für die Klausur konnte ich nicht lernen, ich mache gerade meinen Führerschein"oder gar "Ich kann nicht zur 8/9 Stunde kommen, da habe ich eine Fahrstunde" (nicht Prüfung!).
Parallel dazu habe ich gerade Klausuren liegen, bei denen der Fehlerindex über 12 liegt und sich die Schüler dann noch beschwerden, dass sie dafür (max. 2 in Hessen) Punkte abgezogen bekommen (Bis vor ein paar Jahren waren es 4 P ab einem FI über 8). Aufgaben mit Anforderungsbereich 2 bezeichnen sie bereits als "voll fies" und nahezu unlösbar. Klausuren, die ich vor 5 Jahren habe schreiben lassen, kann ich ohne sie wiederholen zu müssen, weil über die Hälfte negativ wäre, nicht mehr verwenden. Die Schnitte meiner Klausuren liegen mittlerweile um die 6 Punkte.
In der FOS empfinde ich die Situation als noch gravierender. Ich kann keine Schulbücher verwenden, da der Inhalt der Texte von der Mehrheit der Schüler nicht mehr verstanden wird. Meiner persönlichen Einschätzung nach sind dieses Jahr in meinen FOS-Klassen max. 1/4 studierfähig.