Beiträge von plattyplus

    Und was ist mit Jugendlichen, die keinen "Bock" auf Schule haben? Pech, auch für sie gilt die Schulpflicht.

    Die ganz extremen Fälle sitzen bei uns in einer AV-Klasse (Ausbildungs-Vorbereitung) ihre Schulpflicht mehr oder minder ab. Da hast echt eine Klasse, in der nie mehr als 5-6 Schüler anwesend sind. Glaub aber nicht, daß mittags die Gleichen da sind, die auch morgens da waren. Da sitzen dann wieder ganz andere Typen vor dir. Das ist da jeden Tag laufend ein Kommen und Gehen. Das sie überhaupt noch kommen und nicht nur dem Motto "Hartz4 und der Tag gehört Dir" frönen, liegt daran, daß ggf. das Kindergeld gekürzt wird, wenn sie bei uns nicht auflaufen.

    Hm. Hm. Hmmmmm... Berufskolleg schließt mit (Fach-)Abi ab, oder? Ich hab ja nur die Erfahrung aus der bayerischen FOS, aber dort brauchst Du definitiv ein bisschen mehr Mathe, um es bis zum Fachabi zu schaffen. Auch die teilweise angebotenen Vorkurse setzen mehr voraus.

    Am Berufskolleg wird alles unterrichtet für Schüler ab 16 Jahren bis "sehr viel älter". Bei uns gibt es Klassen, die nur noch ihre Schulpflicht absitzen, die Ausbildungsvorbereitung, die althergebrachte Lehre im Dualen System, sowohl als 2-jährige Kurzlehre als auch die Standard-Lehre über 3 bzw. 3,5 Jahre, die rein schulische Fachoberschule, die mit der Fachhochschulreife abschließt, die Asistenten mit FHR und AHR (also Abitur kannst bei uns auch machen) und letztlich noch die Abendschule, in der man bei uns den Staatlichen Techniker machen kann, der laut Bologna-Prozeß mit dem Bachelor-Abschluß gleich gestellt ist.

    Da hast du also das komplette Spektrum. Meine Aussage zur MAthematik bezog sich auf die klassischen Lehrlinge im Dualen System.

    Die letale Dosis Alkohol liegt nach Ansicht des ein oder anderen meiner SuS bei etwa 4 Liter Wodka auf ex. In einer Klasse von 18 SuS sind ein dreiviertel Jahr vor der Matur 17 SuS nicht in der Lage, spontan eine Gleichung mit einem Bruch nach einer Variablen aufzulösen.

    Und bei mir rechnen die Tischler aus, daß der Baumstamm 8m Durchmesser und 56cm Länge haben muß.

    Auf meine Frage, was das denn für ein Baumstamm wäre und wie man aus so einem Stamm im Sägewerk einen entsprechenden Dachbalken sägen soll, kam keine Antwort.

    Beispiel Mathe: Von Wahrscheinlichkeiten und Zufallsexperimenten habe ich (Grundschule 80 bis 84) am Gymnasium erstmals gehört, mittlerweile scheint das Stoff der 4. Klasse zu sein. In einem 2.-Klass-Mathebuch fand ich kürzlich den Begriff "Ungleichungen" als Kapitelüberschrift. Auch davon habe ich vor dem Gymnasium nichts gewusst (und danach zu wenig, aber das gehört hier nicht hin). Aber vielleicht liegt genau hier auch der Hund begraben - dass die Kinder mit Ungleichungen traktiert werden, bevor sie den Begriff halbwegs verstehen.

    Mich haben insg. drei Schulleiter von Sek 1 Schulen mal gefragt, was die Azubis bzw. Vollzeitschüler können müssen, wenn sie zu uns ans Berufskolleg kommen.

    Beim Punkt "Mathe", war meine Antwort nur noch:

    • 4 Grundrechenarten (inkl. Punkt vor Strich und Klammern)
    • Bruchrechnung
    • Dreisatz
    • Prozentrechnung
    • halbwegs logisches Verständnis, ob das Ergebnis überhaupt passen könnte. *Nein, ein Metallklotz in Größe einer Zigarettenschachtel wiegt bestimmt nicht 486.000 Tonnen.*

    Und die Dinge dann aber wirklich sicher. Die drei guckten nur ganz groß.

    Um auf die Lesekompetenz bzw. das Fach Deutsch zurückzukommen, muß ich zugeben, daß da in den 1980ern zumindest in der Region, aus der ich stamme, irgendwie ganz andere Dinge gelehrt wurden als bei meinen aktuellen Kollegen.

    Bsp.: Als wir in der 3. oder 4. Klasse das erste Mal einen Brief schreiben sollten und es darum ging, daß man die Anrede im Brief immer groß schreibt, wurden auch die Briefeinleitungen unterrichtet. Damals habe ich gelernt: Wenn ein Mann den Brief verfaßt, heißt es "Sehr geehrte Damen und Herren", schreibt eine Frau den Brief, sollte da schon "Sehr geehrte Herren und Damen" stehen. Halt immer das andere Geschlecht zuerst.

    Erwähnt man sowas im Kollegium, auch gerade gegenüber den Deutsch-Kollegen, erntet man nur Unverständnis und beim Verweis auf solche Briefe (-->https://edelgard-bulmahn.de/imperia/md/con…echt_reform.pdf) nur das blanke Entsetzen und das man die Schüler doch bitte nicht auf solche Dinge hinweisen sollte, wenn man ihnen beibringen soll, wie man mit MS Word einen Brief gemäß DIN 5008 verfaßt. Denen ist die Regel komplett unbekannt. :staun:

    Toll, dass ihr euch da überwiegend einig seid! Das wünsche ich mir auch für meine Schule.
    Wie kam es dazu? Ist das bei Euch ein richtiges Thema, über das direkt gesprochen wurde, oder hat sich das einfach von selbst aus den Persönlichkeiten so ergeben?

    Es kam dazu, weil wir ein technisches Berufskolleg sind und man da manche Fehler eben nur einmal macht bevor man tot ist. Das selbstentdeckende Lernen funktioniert nicht. Die Gefahren für die Schüler wären viel zu hoch. So könnten sie sich beispielsweise in den Metallwerkstätten problemlos eine Hand an der Drehmaschine abreißen oder einen Stromschlag im Elektrolabor bekommen. Da muß man ganz klare Ansagen machen, wie der Laden zu laufen hat und dann klappt das auch.

    Ich war als junger Lehrer vom Seminar auch erst auf Handlungsorientierung getrimmt und darauf, daß die Schüler alles selber entdecken können. Das änderte sich schlagartig danach, weil die Schüler bei den engen Sicherheitsvorgaben den Frontalunterricht praktisch einforderten. Jedenfalls habe ich deren reihenweise Aufforderung: "Zeigen sie uns wie das geht!" so interpretiert. Seitdem läuft der Unterricht bei mir wesentlich besser. Man kann die Probleme aus der realen Welt einfach nicht soweit runterbrechen, daß die Schüler innerhalb weniger Minuten eine Lösung finden, für die Ingenieure mitunter ihr ganzes Leben eingesetzt haben.

    Außerdem haben wir einfach zieg Berufe, die keine Fehler verzeihen. Da hat sich bei uns ein gewisser Corpsgeist entwickelt: "Wir sind die letzte Barriere zwischen den Unzulänglichkeiten der allgemeinbildenden Schulen und dem Berufsleben. Wenn sie bei uns bestehen, auch wenn es nur mit Note 4 ist, dann dürfen sie! Dann sollten sie es aber auch können."

    Oder würdest Du in folgenden Feldern Handwerker akzeptieren, die ihre Arbeit nur zu 90% korrekt durchführen und nicht zu 99,9999999...%?

    • KFZ-Mechatroniker, die an der Bremse, der Lenkung und den Radbolzen deines PKWs Hand anlegen
    • Gas-/Wasser-Installateure, die in deinem Haus die Gasleitungen verlegen
    • Elektriker in deiner Wohnung (Gefahr von Stromschlag und/oder Feuer)
    • Stahlbauer, deren Hallendächer bei 5cm Schneelast einbrechen bzw. deren Brücken zusammenbrechen sobald man die Schalung entfernt
    • Bautischler, die den Dachstuhl deines Hauses auslegen und aufbauen, auf das er dir nicht auf den Kopf fällt

    Da ist unsere Meinung ganz klar: Wir müssen die Gesellschaft davor schützen, daß letztlich Gesellen in diesen Berufen tätig werden und damit eine Gefahr für die ganze Gesellschaft darstellen, die ihr Handwerk nicht beherrschen. Da gibt es keinen Platz für Mitleid und Nachgiebigkeit aufgrund schwieriger Kindheit, diverser Gebrechen usw. ... so hart das dann auch ist.

    Zugegeben, mein Stand ist von vor ca. einem Jahr, aber da waren in NRW noch mehr als die Hälfte der Grundschulen mit der LdS-Methode unterwegs, zumindest in den ersten beiden Schuljahren. Im 3. Jahr kam dann der große Hammer, daß es auf einmal auf die Rechtschreibung ankam und da sind wohl viele Schüler ausgestiegen.

    LdS kann funktionieren, wenn die Schüler daheim viel üben, aber wer macht das schon? Wie lamaison2 schon sagte, ist den Eltern das Handy wichtiger.

    Der Vorschlag allerdings den Spieß umzudrehen würde nach hinten losgehen. "Mehr Besuche? Könnt ihr haben." So ähnlich wäre die Reaktion.
    Er macht auch nicht mehr als die vorgeschriebenen Besuche und seine Nachbesprechungen sind auch nicht unfair, wenngleich sie meist wenig gewinnbringend sind.

    Ich würde da anders herangehen, wenn es zu negativen Besuchen kommt. Meine Einstellung wäre dann: "So, jetzt haben sie mich in einer weniger guten Stunde gesehen. Ich unterrichte aber nicht nur die Klassen der Ausbildugnsvorbereitung sondern auch die Techniker in der Abendschule. Damit sie sich ein umfassendes Bild machen können, lade ich sie ein auch diesen Unterricht zu bewerten. Erwachsenenbildung ist ja nun wirklich ein ganz anderes Feld. Ich erwarte sie dann am Donnerstag in der Zeit von 17.30-21.00 Uhr."

    Wenn der SL es nicht nur aufs Machtgebahren absieht, kommt er. Wenn es jedoch nur um die Macht geht, dürfte ihm sowas zu anstrengend sein. ;)

    Mein Gedanke:

    Diese Unsitte des "Schreibens nach Gehör" kommt so langsam auch in der Fachoberschule an und das mangelnde Leseverstädnnis ist die Folge des verfehlten Ansatzes in der Grundschule. Es dauert ja grob 10 Jahre, bis die ersten Schüler, die so eben nicht das Schreiben und Lesen erlernt haben, bei uns ankommen.

    Was die Lese- und Schreibkompetenz angeht, ist es aber so, daß nicht nur wir einen Mangel feststellen sondern auch die Universitäten und Fachhochschulen. Sogar die Studienseminare (äh, heute heißen die bei uns ja "Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung") beschweren sich, daß die angehenden Lehrer nicht mehr richtig lesen und schreiben können.

    Fazit: Weg mit dem ganzen modernen Müll und zurück zu den traditionellen Mitteln. Jedenfalls ist bei uns an der Schule die überwiegende Anzahl der Kollegen der Meinung, daß wir auf den Stand von 1980 oder 1985 zurück sollten, was die Anforderungen, Methoden und Verordnungen angeht.

    Ach ja: Bei uns staunen die Schüler immer Bauklötze, wenn sie ihre ersten Noten bekommen. Ich habe gerade heute für die Zeugniskonferenz morgen die Noten einer Klasse eingegeben. 2/3 der Schüler stehen bei mir 5 oder 6, und nein, ich mache es mir nicht leicht solche Noten zu vergeben, aber sie wollen von mir die Fachhochschulreife haben und sind einfach bei weitem nicht gut genug dafür. Kuschelkurs wie in der Gesamtschule ist vorbei.

    Nimm es einfach so: Jedes Kind hat ein Recht darauf, die für ihn bestmögliche Bildung.

    Dann frage ich mich aber, warum die "normalen" Kinder in Klassen zu 30 Schülern unterrichtet werden und die Förderschüler in Klassen zu 6 Schülern? Hätten da nicht die normalen Schüler dann ebenfalls das Recht auf entsprechende Mini-Klassen?

    Ich sehe es halt so, daß es für die Gemeinschaft letztlich billiger kommt, wenn man an den Förderschulen die Schüler für das spätere Leben so selbstständig wie nur möglich bekommt. Müßte man einen Menschen später wirklich rund um die Uhr beaufsichtigen, wie ein Kleinkind, das gerade Laufen lernt, käme das die Gesellschaft noch viel teurer als die paar Jahre im Förderschulsystem.

    So stopft man nicht nur ein Loch mit der Sorte von Lehrern, von der es ein größeres Angebot gibt, sondern spart auch noch gehörig Lohnkosten.

    Die größte Lohnkostenersparnis fußt doch in der Inklusion. Was meinst du, warum die Politiker alle so heiß darauf sind/waren alle Kinder in Regelschulen zu inkludieren? Genau, ein Platz an einer Förderschule kostet ca. das 3-4 fache von einem Regelschulplatz, einfach weil die Lehrkräfte billiger sind und vor allem die Klassenstärken sehr viel größer.

    Komisch nur, daß manche Kollegen das alles auch noch toll finden.

    Gleicher Lohn für gleiche Arbeit - wie rechtfertigt sich das?

    Das erinnert mich an einen Polizei-Beamten aus München. Er hatte vor gut 10 Jahren auf eine höhere Besoldung geklagt. Begründung: Da er ja in München bzw. im Umland leben und insb. wohnen muß, benötigt er eine höhere Besoldung als sein Kollege aus Unterfranken, da in München die Lebenshaltungskosten wesentlich höher sind. Er stellte also nicht auf den gleiche Besoldungshöhe (gemessen in Euro) sondern auf die identische Kaufkraft ab.

    Ich bin auch kein Fan für das Streikrecht der Beamten, weil man dann das komplette Beamtentum auch gleich ganz abschafen kann. Aber sollte das Streikrecht kommen, würde ich der GEW empfehlen regelmäßig zwischen den Prüfungsterminen der Abiturienten und dem 15.07. des entsprechenden Jahres zu streiken. Ergebnis davon ist, daß kein Schüler rechtzeitig das Abitur bekommt, um zum anstehenden Wintersemester anfangen zu können. Mal gucken, wie schnell auch dem letzten Wähler dann klar wird, daß die Selektionsfunktion an der Schule eben doch eine hoheitliche Aufgabe ist und das mit den Streiks in dem Bereich dann doch nicht so egal ist. ;)

    Das was du da andeutest ist illegal und ich kann mir kaum vorstellen, dass sowas, falls wirklich irgendwo passiert, mit System betrieben wird. Wie schon weiter oben von jemand anderem erwähnt: Bitte nutze keine (traurigen) Einzelfälle zur Begründung deiner Thesen.

    Ich nutze zur Begründung keine traurigen Einzelfälle (von irgend jemandem), ich nutze nur die Dienstpläne, die ich selber aus dem Ref. noch auf dem Rechner habe von damals und die mit "offiziell" und "intern" im Dateinamen benannt sind. 17-18 Stunden in der Schule waren da normal über mehrere Halbjahre. Wie schon an anderer Stelle angedeutet, bin ich froh aus der Schule weg zu sein, auch wenn das dann 1,5 Jahre Hartz 4 bedeutete.
    In der Ausbildung habe ich zusammenfassend gelernt, daß es im Ref. anscheinend nur darum geht die Kandidaten zu brechen, wie es ein Mitreffi mal auf den Punkt brachte.

    Nein, das bei mir ist eine Vorgabe des Seminars.

    Natürlich hängt die Anzahl der Unterrichtsbesuche von der Schulleitung ab, die darf schließlich so oft kommen wie sie will und entsprechende Zusatztermine machen. Und wenn sie im Extremfall alle 2 Wochen kommen will, dann kommt sie alle 2 Wochen. Macht dann über 2 Jahre 40 Termine zusätzlich. ;)

    Diese starke Mehrbelastung eines OBASlers durch so einen lappidaren Halbsatz abzutun finde ich wirklich nicht in Ordnung. Die machen 6 Stunden mehr Unterricht die Woche, das ist allein schon ein ganzer Tag mehr an der Schule.

    Wie ich bereits ausgeführt habe, gibt es bei den Refis zwei unterschiedliche Einsatzpläne. Einen "offiziellen" fürs Seminar, der dann auch wirklich diese 6 Stunden weniger ausweist, und einen tatsächlichen, der dann durchaus etwas umfangreicher ausfällt. Warum die Refis das mitmachen? Ganz einfach, sie brauchen ein positives Schulleitergutachten und müssen sich später ja noch bewerben. Vergleicht man jetzt diesen tatsächlichen Plan mit dem eines OBASlers...

    Was die Anzahl Unterrichtsbesuche angeht, nun ja, das hängt wohl hauptsächlich von der Schulleitung ab. Meine damalige Chefin hatte immer das Bedürfnis nach Sonderterminen. Das Highlight waren zwei Unterrichtsbesuche an einem Tag, also morgens in der 2. Stunde kam das Seminar und am gleichen Tag in der 5. Stunde nochmal die Schulleitung. Aussuchen war nicht, man hatte einfach einen Zettel mit fester Terminvorgabe (eine Woche vorher) von der SL im Fach liegen.

    Das System BK bleibt nur mit OBASlern funktionsfähig. Wenn du ein Konzept hast, dass das Land umsetzen kann, solltest du es mal weiterleiten.

    Wenn ich Deine Ausführungen so lese, fällt mir nur eins ein: Die klassische Lehrerausbildung im BK-Bereich komplett abschaffen und OBAS zur Regel machen.


    Technisch interessierte Menschen, die in den Mangelfächern eingesetzt werden können, haben eine viel zu große Auswahl an Berufen in der freien Wirtschaft. Die wenigstens stellen sich ein Lehrerleben vor - da kannst du auch mit A13/5 keinen hinter dem Ofen hervorlocken.

    Und die originär ausgebildeten Lehrer kündigen sofort innerlich, wie die Kollegen in Brandenburg oder jetzt in NRWs Grundschulen, wenn sie schlechter gestellt werden als die Quereinsteiger bzw. Anfänger (in dem Grundschul-Beispiel).

    Ich würde gerne mal wissen wie die Gesamtsituation für Lehrkräfte am BKs aussieht. In den Artikel ließt man wahrscheinlich immer die negativsten Einzelfälle, aber gibt es auch Lehrer die gerne an BKs arbeiten? Ich hoffe doch!

    Vorteil der Berufsschule:

    • Das Theater mit den Eltern hast du praktisch gar nicht.
    • Wenn Du Abendschule machst, bist wirklich in der Erwachsenenbildung. Mein ältester "Schüler" ist 53.
    • Bei den Azubis hast Du eigentlich gar keine Probleme, da macht der Betrieb schon genug Druck, wenn es nicht läuft.
    • Wenn man Abendschule oder Samstags-Unterricht macht, hat man einen Tag unter der Woche morgens frei. Für Arzttermine, Behördengänge etc. ist das sehr gut.
    • Da unsere Schüler eigentlich alle über 16 sind, hat man nicht diese extremen Probleme mit der Aufsicht wie ein Sek I/II Lehrer am Gym.

    Nachteile im BK:

    • Es gibt wirklich Verwahrklassen, in denen die Schüler ihre Schulpflicht absitzen. Die können dann extrem anstrengend werden. Wir haben auch so eine Klasse, wo regelmäßig nur 4-6 Schüler (von 30) anwesend sind. Aber glaub nicht, daß mittags die gleichen 4 Schüler da sind, die morgens da waren. Das sind dann wieder andere. In manchen BKs wird vor Stundenplanerstellung wirklich mit einer Urne ausgelost, wer sich wie viele Stunden mit welcher dieser Klassen abquälen muß. Da sind wirklich SChüler drin, die die Hauptschule nach Klasse 6 verlassen haben, weil sie die 5. und/oder 6. Klasse so oft wiederholt haben, bis sie irgendwann 16 sind.
    • Durch die Abendschule muß man auch sein Privatleben um den Stundenplan drumherum bauen. Donnerstags zum Training des Sportvereins geht halt nicht, wenn man am gleichen Abend bis 21 Uhr Unterricht hat. Wird halt super nervig, wenn man den neuen Stundenplan zum Halbjahrswechsel oder so sehr kurzfristig bekommt und entsprechend eigentlich gar nichts planen kann, weil man nicht weiß, wann man arbeiten muß.

    Neutral:

    • Bedingt durch die enorme Bandbreite von Verwahrklasse bis Technikerschule, muß man seinen Unterricht entsprechend anpassen. Vom Wiederholen der vier Grundrechenarten bis zu Inhalten aus dem Grundstudium in der Technikerschule ist da wirklich alles dabei.

    Du beschreibst das System als schlecht, weil du persönlich darunter gelitten hast. Das ist verständlich, aber sollte doch nicht zur Verallgemeinerung führen. Du bist doch auch an einem BK und hast vermutlich richtig viele Kollegen, die OBASler sind. Du weißt selbst, dass das System ohne OBASler nicht funktioniert. Und du kennst vermutlich OBAS-Kollegen, die besseren Unterricht machen als Lehrämtler (und genauso auch anders herum). Ich finde es schade, wenn man alles über einen Kamm schert. Sissy hats (wie üblich) schön zusammengefasst.

    Ich beschriebe das System als schlecht, weil es schlecht ist. Es ist nämlich einfach unfair. Das ist genauso wie bei der Diskussion über Grundschulgehälter an anderer Stelle hier im Forum, wo die neuen Grundschullehrer mit a13 gelockt und die alten Lehrer schön mit a12 abgespeist werden sollen.
    --> NRW: A13 nur für neu ausgebildetet Grundschullehrer?

    Die Refis bekommen als Anwärter 850,- € monatlich netto und die OBASler gut das Doppelte. Außerdem haben sie die Stelle sicher, wenn sie nur mit 4,0 bestehen.
    Jetzt könnte man zwar argumentieren, daß der OBASler ja auch mehr Stunden macht als ein Refi, aber der Refi muß sich ja nach Beendigung des Refs. noch auf eine Stelle bewerben und macht entsprechend viele Dinge zusätzlich, bloß um bei der Schulleitung in einem guten Licht zu stehen. Das Schulleitergutachten zählt ja auch. Das endete dann regelmäßig darin, daß es zwei verschiedene Einsatzpläne gab, einen fürs Seminar und die Akten und einen tatsächlichen. Das die tatsächliche Planung etwas umfangreicher war, kann man sich ja denken. Jedenfalls war das an meiner Ausbildungsschule bei allen Refis so usus.

    Und ja, ich kenne sehr viele OBASler und da ich keine Anstrengungen vom Land sehe die OBASler-Quote wieder zurückzudrängen, sollte man vielleicht mal darüber nachdenken die klassische Lehramtsausbildung komplett einzustampfen und OBAS als den Standard-Weg zu etablieren. Dann wären die Zugangsvoraussetzungen für alle jedenfalls gleich und damit fair.

    Außerdem wage ich zu bezweifeln, daß es wirklich immer der Fall ist, daß es keinen originären fertig ausbegildeten Lehrer für die Stelle gibt. So habe ich es selber in den paar Jahren jetzt schon zweimal miterlebt, daß wir unsere Schulleitung gebeten haben doch die Stellen wirklich mal auszuschreiben und nicht vorher gleich schon mit "wir finden eh keinen" abzuwinken. Und oh Wunder, beide Male haben wir einen fertigen originären Lehrer gefunden, selbst in Fächerkombinationen wie Maschinen- und Fertigungstechnik. Der kam nämlich an seinem BK auch nicht unter, weil sie parallel zu seinem Referendariat einen OBASler hatten. Der OBASler hatte die Stelle fest, er war arbeitslos. Scheint also gar nicht so selten zu sein meine Situation. :(

    Mir ging es zudem auf die Nerven, daß die letzten OBASler, die bei uns fertig wurden, gleich mal genölt haben, warum sie mit a13 in Erfahrungsstufe 5 eingestuft wurden, wie alle anderen Berufseinsteiger nach dem Ref. auch. Die meinten, daß man ihre Zeit im Betrieb doch als Erfahrung hätte anrechnen müssen, so daß sie gleich in Erfahrungsstufe 6 oder gar 7 gestartet wären.

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