Beiträge von HerrLaempel

    Aber angenommen, mein Kind geht in die sächsische Förderschule und ich möchte, dass es den Religionsunterricht besucht. Dann kann ich diese Entscheidung doch aufgrund besagten Artikels zur Not rechtlich durchsetzen, oder? In meinem Bundesland kann man Religion auch als Unterrichtsfach für die Förderschule studieren, weswegen sich zumindest hier die Problematik nicht stellen dürfte.Ich

    Ich kann jetzt nichts rechtlich Belastbares liefern, wie z.B. Urteile, o.ä. Aber an unsere Schule (IGS in RLP) wird in Klasse 5 und 6 nach Konfession unterrichtet oder eben Ethik. Von Klasse 7 bis 10 gibt es aber keinen Religionsunterricht mehr, sondern nur noch Ethikunterricht. Das ist hier im Bundesland nicht üblich, aber uns fehlen die Religionslehrer, um "flächendeckend" Religionsunterricht anbieten zu können.
    Die Arbeitspläne für den Ethikunterricht ab Klasse 7 wurden aber von Religions- und Ethiklehrern erarbeitet und von Vertretern der Kirchen abgenkickt.
    Bisher kamen keine Beschwerden.

    Hmm... diese Diskussion hatte ich noch nicht. Irgendwie haben die Schüler immer verstanden, dass der Junge im Rollstuhl anders zu werten ist, als der Schüler der nur keine Lust hatte. :autsch:

    Ich unterrichte an einer IGS, d.h., wir bieten alle drei Bildungsgänge an und die Schüler, die diese Bildungsgänge anstreben, werden gemeinsam unterrichtet. Dazu kommen noch die Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf (bei uns I-Kinder genannt). Ohne jetzt auf die Schwierigkeiten und die Mehrarbeit, die das alles mit sich bringt, einzugehen, möchte ich lediglich diesen Punkt unterstreichen.
    Diese I-Kinder werden bei uns anders bewertet, bekommen leichtere Arbeiten, usw. Sie müssen auch weniger Arbeitsaufträge im Unterricht erledigen, weil sie einfach langsamer sind. Es hat sich noch nie ein Kind darüber beschwert. Die SuS wachsen in der Grundschule damit auf und für sie ist das das normalste auf de Welt. Die sehen auch vollkommen ein, dass die I-Kinder wegen ihrer "Bevorzugung" nicht zu beneiden sind oder so.


    Natürlich ist den Schülern auch bewusst, dass ein I-Kind mit diesem Status nie denselben Abschluss wie sie erreichen kann, sondern lediglich eine besondere Form der Berufsreife.




    Zur Inklusion an Gymnasien hat der Philologenverband übrigens kürzlich Stellung bezogen:


    http://www.philologenverband.d…de3bea270a239b37019b59660

    [...] Die UPP steht noch absolut null und die meisten Ideen zur Stunde stammen von mir. Er ist aber derart unselbstständig, dass er es nicht auf die Reihe bekommt, selber "fine-tuning" vorzunehmen und die Stunde rund zu machen. Ich zweifele daran, dass es meine Aufgabe ist, ihn darin weiter zu unterstützen [.]

    Ich finde übrigens auch nicht, dass das deine Aufgabe ist. Wenn ich an meine eigene Ref-Zeit denke bzw. an die Referendare, die bisher bei mir hospitiert haben und dann ggf. angeleitet unterrichteten und hier Unterrichtsbesuche und Lehrproben absolvierten, dann seh ich nicht, wie sich ein solcher Arbeitsaufwand für dich rechtfertigen lässt. Also dein Schützling ist ja ein erwachsener Mann. Und natürlich sollst du ihn unterstützen, usw., aber ich denke nicht, dass deine Verantwortung soweit geht, Stunden für ihn zu planen. Du kannst ihm Tipps geben, wenn er dir rechtzeitig(!!!) Entwürfe schickt, aber dein Job besteht ja nicht darin, seine Stunden auszuarbeiten. Ganz im Gegenteil: Vielleicht (ich habe das bewusst so schwach formuliert) zeigt sich hier ja auch, dass er den Anforderungen des Berufs letztlich nicht gewachsen ist.


    Was das Abgrenzen angeht: Meine Mentoren haben mit mir immer Termine ausgemacht. Gerade vor der Lehrprobe habe ich dann nachgesehen, wann wir z.B. eine gemeinsame Freistunde haben und sie dann im Vorfeld gefragt, ob sie sich dann mit mir zusammensetzen wollen.
    Es kam lediglich einmal vor, dass ich mit dem Lehrer, in dessen Kurs ich unterrichtete, telefoniert. Und das war nur deswegen der Fall, weil er in der Woche davor auf Klassenfahrt war und er mir das Telefonat von sich aus angeboten hat.

    Also, die fachlichen Probleme gehen schon sehr weit ...

    Es ist für uns ja nicht möglich, sein Fachwissen zu beurteilen. Aber wenn du schreibst, die Probleme gingen sehr weit, dann klingt das schon ernst. Das stützt meine oben geäußerte Vermutung, dass er vielleicht falsch im Job ist. Zum einen istdas Fachwissen m.E. einfach Teil des beruflichen Selbstverständnisses. Natürlich können und müssen Lücken aufgeholt werden. Kein Mensch weiß nach dem Studium alles, aber durch ein ernsthaftes Fachstudium hat man einen Überblick, der es einem erlaubt, sich zügig in jeden Teilbereich einzuarbeiten.
    Zum anderen ist es ja auch möglich, dass seine Unsicherheit daher kommt, dass er weiß, dass er fachliche Mängel hat. Mir half es im Ref ungemein, dass ich fachlich gut eingearbeitet war, insbesondere dann, wenn jemand zu Besuch kam ;) Das ermöglicht doch erst didaktische Flexibilität.


    Deinem Referendar wünsch ich aber natürlich trotzdem viel Erfolg ;) Ich hoffe, ich tu ihm mit meinen Vermutungen unrecht und nach der Lehrprobe hast du einen gänzlich veränderten Kollegen da sitzen.

    Doch natürlich ist das die Lösung. Ich bin gerade einigermassen erstaunt darüber, dass Du diese Lösung ernsthaft infrage stellst. Wie gesagt betrifft das ca. die Hälfte unserer Schüler und das sind immerhin sowas wie 450 Jugendliche, die im schlimmsten Fall morgens um 6:30 Uhr auf den Bus gehen um pünktlich an der Schule zu sein.

    So wie immer ist auch hier die Antwort: Kommt drauf an.


    Unsere Schule liegt im ländlichen Raum und hat ein großes Einzugsgebiet. Gut 70% der rund 800 Schülerinnen und Schüler kommen mit den verschiedenen Schulbussen, die die Dörfer abklappern.
    Der Unterricht beginnt um 07:30 Uhr. Die Busse kommen gegen 07:15 Uhr an der Schule an. Einer meiner Schüler (5. Klasse) fährt um 06:15 Uhr mit dem Bus aus seinem Dorf los.
    Wenn dieser Bus Verspätung hat oder "spontan" nicht fährt, was in der Regel ein- bis zweimal im Schuljahr vorkommt, kommt er zu spät oder gar nicht. Und ich kann von dem Jungen nicht erwarten, dass er einen Bus früher nimmt (05:24 Uhr!).


    Das gilt wohlgemerkt für Schüler, nicht für Studenten. Von einem Studenten würde ich dann wiederum schon erwarten, dass ernotfalls eine Stunde früher fährt, vor allen Dingen dann, wenn er die Erfahrung gemacht hat, dass er sich ansonsten verspätet.


    Was ich damit sagen will: Ob man von einem Schüler erwarten kann, dass er früher fährt, hängt auch davon ab, wie der öffentliche Nahverkehr ausgebaut ist und was "früher fahren" dementsprechend konkret bedeutet. Ich erwarte nicht von meinen Schülern, dass sie um 05:24 Uhr losfahren, wenn es einen eigens eingerichteten Schulbus gibt, der später fährt.
    Falls es aber mit dem Schulbussen zu kontinuierlichen Verspätungen kommt, wäre m.E. das Busunternehmen der richtige Ansprechpartner.

    Ich kenne das gar nicht, dass in nicht-Deutsch Klassenarbeiten die deutsche Sprache per se mitbewertet wird (abgesehen von extremen Fällen und natürlich wenn dadurch auch der Inhalt leidet).


    Ist das auch bei anderen hier im Forum üblich?

    Also in Rheinland-Pfalz gibt es eine Verwaltungsvorschrift, die besagt, dass sprachliche Fehler in jedem Fach von der Lehrkraft korrigiert werden müssen. Vollkommen unabhänging vom Fach. Aus diesem Grund würde ich auch auf keinen Fall das Argument "Ich bin kein Deutschlehrer" bringen. Alle Fächer sind verpflichtet beim Lernen der Sprache mitzuarbeiten. Wie gesagt: Verwaltungsvorschrift in Rheinland-Pfalz.


    Diese Vorschrift besagt weiterhin, dass es bei besonders schwachen Leistungen eine Note Abzug geben kann. Falsch geschriebene Fachbegriffe können Punktabzug geben.

    Gefällt mir.



    Gibt es bei euch an diesen Schulen getrennte Naturwissenschaften? Oder werden die auch gemeinsam unterrichtet? Wenn ja, gab es dafür auch eine Petition?

    Ich hatte ganz vegessen, darauf zu antworten. Entschuldigung. Die Naturwissenschaften werden in Klasse 5 und 6 gemeinsam unterrichtet (Nawi). Ab Klasse 7 gibt es dann Physik und Biologie, ab Klasse 8 kommt Chemie hinzu. Biologie wird durchgehend unterrichtet. Chemie und Physik ab Klasse 8 in der Regel epochal. Auf alle Fälle aber getrennt, um die Frage zu beantworten ;) Das gilt für die IGS ebenso wie für das Gymnasium.
    Das Fach GL hingegen gibt es nur an der IGS verpflichtend, an der Realschule plus optional und nicht am Gymnasium.
    Daher gibt es zu den Naturwissenschaften auch keine Petition. Auch diese Petition stammt übrigens nicht von mir, ich bin lediglich zufällig darauf gestoßen.

    Ich unterrichte GL und finde das Fach ganz wunderbar weil viele gesellschaftswissenschaftliche Inhalte interdisziplinär aufgegriffen werden können, anstatt sie einseitig zu beleuchten.
    Die SuS lernen trotzdem den Unterschied zwischen Geschichte, Erdkunde und Politik/Sozialkunde. Die Unterrichtsinhalte haben ja Schwerpunkte. Wenn ich in Jg. 5 z.B. das "alte Ägypten" unterrichte, habe ich einen historischen Schwerpunkt, diskutiere aber z.B. mit den SuS darüber, welche Vor- und Nachteile die uneingeschränkte Macht des Pharao hatte. Weiter überlegen wir, welche Auswirkungen es hätte, wenn heute bei uns nur eine Person so viel Macht hätte. Spätestens da hört ein reiner Geschichtsunterricht auf.


    Intellektuell sollte es für einen Lehrer kein Problem sein, die Inhalte der beiden "Fremdfächer" anzueignen und soweit aufzubereiten, dass man sie bis zur 10. Klasse unterrichten kann.

    Auf der einen Seite hast du natürlich völlig recht damit, dass es in allen drei Fächern Aspekte gibt, die interdisziplinär aufgegriffen werden können und auch sollten. Dies bietet sich in einem Fach wie GL dann auch an.
    Allerdings gibt es auf der anderen Seite eben auch, wie bereits in anderen Beiträgen geschrieben wurde, fachliche Aspekte, die sich eben nicht interdisziplinär erarbeiten lassen, da Ek, Sk und Ge eben nicht "Gesellschaftswissenschaften" sind, sondern, wie ebenfalls in einem Beitrag bereits ausgeführt, Sozialwissenschaft (Sk), Geisteswissenschaft (Ge) sowie Natur- und Sozialwissenschaft (Ek). Natürlich gibt es da auch Unterschiede, je nach Universität ist die Ausrichtung des Faches Politikwissenschaft näher oder weiter an den Geisteswissenschaften dran. Daher möchte ich die Überschneidungen auch gar nicht in Abrede stellen, die sich mit Sicherheit fruchtbar machen lassen. Aber es gibt eben auch Aspekte, die sich nicht überschneiden:
    Eines der ersten Themen in einem der Schulbücher: "Wir kartografieren unsere Umgebung." Keinerlei Bezug zur Sozialkunde oder zur Geschichte.
    Dass ich es mir intellektuell zutraue, mir die Inhalte anzueignen, steht außer Frage. Dies steht aber im Gegensatz zu meinem eigenen Selbstbild. Zu einem professionellen Lehrerhandeln gehört es m.E., mehr zu wissen als das Schulbuch. Durch das Fachstudium habe ich den Überblick innerhalb der Disziplin, um Zusammenhänge zu späteren Themen zu erkennen und so anzubahnen. Dieses Überblickswissen fehlt mir aber in den nicht-studierten Fächern. Daher erkenne ich auch ggf. Möglichkeiten interdiszplinären Arbeitens gar nicht, so wie beim Kartografieren (s.o.). Evtl. gibt es ja (sinnvolle) Bezüge zur Sozialkunde oder zur Geschichte: Aber ich kenne sie nicht.
    Das ist für mich sogar mit das größte Manko.


    Letztlich geht es doch tatsächlich darum, Kosten zu senken, indem jeder alles unterrichten kann. Dann sind wir aber fernab vom professionellen Lehrer, der an der Universität gerne als Idealbild postuliert wird.
    Und jetzt auch mal von Schülerseite gedacht: Die SuS, die an einer IGS sind und dort in die Oberstufe wechseln, wählen Fächer, die sie in der Form nie hatten. Das kann doch auch nicht Sinn und Zweck der Übung sein?

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