Die Schulen, die ich kenne und auch unsere machen das meistens so: Am Anfang sprechen mich die Schüler alle mit "du" an. Das machen sie nicht nur mit mir, sondern sie reden sämtliche Erwachsenen (das merke ich immer auf Ausflügen, wenn wir irgendwelche Aktionen oder Führungen machen) mit "du" an. Das bedeutet, sie kennen schlichtweg den Unterschied nicht.
Wenn im 3. oder 4. Schuljahr die Anredepronomen durchgenommen werden (Thema Brief), dann erklären wir den Kids den Unterschied zwischen dem Duzen und Siezen. Den SuS ist das nämlich nicht klar (s.o.). Das kommt vielleicht daher, dass heute Grundschüler sämtliche Erwachsene im Bekanntenbereich duzen. Wenn ich dieses Thema anspreche, ist das für viele Neuland. Dann sage ich den Schülern, ihr könnt das jetzt üben (redet mich also jetzt gehäuft mit "Sie") an, dann könnt ihr es bis zur "großen" Schule.
Für die Schüler ist das letztendlich nur eine sprachliche Umstellung, keine Umstellung im Verhältnis zu mir. Das wird dadurch nicht distanzierter.
Das "Du" und das "Sie" hat in der Grundschule wenig mit Respekt zu tun. Die Schüler verhalten sich zu uns als Lehrer gleichbleibend, egal oder sie uns mit "du" oder "sie" anreden. Ein "du" in der Grundschule heißt nicht mangelnder Respekt. Für die Schüler ist ausschlaggebend, dass sie uns mit Nachnamen anreden: "Du, Frau XY". Es impliziert nicht eine lockerere Anrede. Allerdings drückt sie anfangs für die Schüler eher ein positives Vertrauensverhältnis aus, was die Grundschüler brauchen in der Schule.
Von diesem gesamten Hintergrund her sehe ich persönlich keine Relevanz zur Rechtschreibleistung.
Ich meine allerdings, dass die Schüler am Ende des 4. Schuljahrs den Unterschied der "Du" und "Sie"- Anrede kapiert haben müssen und diese in allen Bereichen richtig anwenden sollten, also nicht nur in der Schule. Das klappt auch größtenteils.