Mir waren persönliche Gespräche immer wichtiger, außer es ging um
Kleinigkeiten, die man sachlich und reibungslos über Mail klären konnte. Denn
die Gefahr, bei emotionalen Themen schriftliche Ausführungen zu bekommen, die
sich im Ton vergreifen, ist groß. Oft interpretiert man das Geschriebene auch
falsch. Bei persönlichen Gesprächen kann man viel besser auf Emotionen reagieren und diese beim Gegenüber ablesen, denn beim persönlichen Gespräch wird auch über Mimik und Gestik kommuniziert.
Die Elterngespräche sollten nicht unter der Prämisse Machtkampf zwischen
Lehrkräften und Eltern stattfinden, sondern lösungsorientiert.
Quittengelee hat hier im Forum schon öfter gute Tipps gegeben, wie man schwierige Elterngespräche führen kann.
Wenn es nicht dringend ist, würde ich mir Zeit mit der Reaktion lassen bzw. nicht einen unmittelbaren Termin anbieten. Auf das Gespräch würde ich mich in so fern vorbereiten, dass ich mich vorher mit professionellen Gesprächstechniken befassen würde. Dafür gibt es Grundregeln wie z.B. widerspiegeln um Emotionen herauszunehmen, Lösungsvorschläge diskutieren und von den Eltern selbst vorschlagen lassen, ein Stück weit Verständnis zeigen.
Z.B. habe ich während eines Gesprächs immer versucht mich in die Lage der Eltern hineinzuversetzen und den Eltern signalisiert, dass ich bestimmte Dinge aus ihrer Sichtweise verstehen kann (falls ich es konnte), aber als Lehrkraft meine Position so oder so wäre.
Bei mir war die Gesprächsführung ein jahrelanger Lernprozess, aber es hat sich gelohnt, denn ich hatte in den letzten Jahren fast keine stressige Elterngespräche mehr.
Letztendlich gibt es Eltern, die dir in der Rolle als Lehrkraft von vorneherein erstmal mit Misstrauen begegnen und da gilt es eine Vertrauensbasis zu schaffen. Eltern treten als Anwälte ihrer Kinder - oft mit einem gewissen Tunnelblick - auf und deshalb ist es wichtig, dass sie in gewisser Weise vertrauen, dass du auch ihren Kindern helfen willst, in der Schule zurecht zu kommen. (Das sollte natürlich auch die eigene Einstellung sein.)
Wenn man als Lehrkraft alle Äußerungen als persönlicher Angriff sieht und mit emotionalen Verteidigungsmechanismen reagiert, wird es schwer.
Vielleicht noch eine Bemerkung: Wenn die Mutter eher von dem Typ ist, dass sie über Noten verhandeln will, dann kann man gerne zeigen, dass man nicht mit sich verhandeln lässt und die Notengebung eine Tatsache ist. Sollte das Kind Verhaltensprobleme haben, kann man ja die Probleme sachlich schildern und gemeinsam Lösungsmöglichkeiten suchen.
Wenn bei den ersten Gesprächen schon die Schulleitung dabei war, weiß ich natürlich nicht, welche Signalwirkung durch diese Situation an die Mutter gegangen ist. Wurde sie evtl. dadurch ermutigt, weiter nachzubohren? Gebremst hat es sie anscheinend nicht, Vertrauen wurde nicht geschaffen.