Zunächst würde mich aber ehrlich interessieren, was ihr davon haltet. Kennt ihr das, ist das so, ist das "schlimm" oder "geht noch"?
Meine Gedanken:
Die Heterogenität scheint schon enorm zu sein. Gezeigt wird im Film hauptsächlich die ausdifferenzierte, individuelle Förderung. Das ist eine andere Art von Unterricht. Es ist die Frage, wie viel Zeit während des Unterrichtsbesuches der Kinder diese Art in Anspruch nimmt. Werden Deutsch und Mathematik nur so an das Kinder gebracht? Man hat Kinder gesehen, die gewartet haben, bis jemand zu ihnen kam. Diese Art von Unterricht braucht sehr viel Personal, die Schweiz scheint da besser aufgestellt zu sein. Logopädie, psychomotorisches Training während der Schulzeit - toll, hier ist da nicht daran zu denken. Ist das denn eine Ganztagsschule?
Viel gemeinschaftliche Aktionen der Klasse (bis auf diese Woche und die Meditation) hat man nicht gesehen. Ich selbst finde schon, dass man in der Grundschule in den verschiedenen Fächern immer wieder Elemente haben muss, die das gemeinschaftliche Erlebnis fördern. Das verringert Konflikte und man lernt miteinander auszukommen. Dieser Einblick fehlt im Film.
In solchen Klassen muss man wohl anders und viel indiviudeller unterrichten. Ich hatte jahrelang Kooperationsklassen, also mehrere Kinder mit diagnostiziertem sonderpädagogischem Förderbedarf in der Klasse (z.B. Hörminderung, Förderbedarf lernen, ADS, ADHS, LRS, Dyskalkulie), aber so extrem musste ich nicht differenzieren und ich konnte doch noch gemeinsam an einem Thema arbeiten unter dem Einsatz von verschiedenen kooperativen Unterrichtsformen und über einige offene Unterrichtsphasen individueller differenzieren.
Wie die einzelnen Kinder sich gezeigt haben, ist mir nicht unbekannt. Diese extreme Tafelschmiererei kenne ich in der Grundschule nicht - man weiß nicht, ob das in der gezeigten Schule öfter vorkommt. Wenn ja, würde ich erwarten, dass man versucht in der Grundschule aufklärerisch bzw. erzieherisch tätig zu werden, sodass es nachhaltig ist. Ein bisschen hat man davon gesehen. Renitente Grundschüler hat man auch nicht gesehen, an meiner Schule kommt so etwas schon einmal vor - die Pausenaufsicht ist entsprechend anstrengend.
Meine Bewunderung gilt den gezeigten Lehrkräften - man hat hier den Idealismus gemerkt, wie sie versucht haben, die Kinder so zu sehen wie sie sind und dort abzuholen, wo sie stehen. Die Bereitschaft war groß, sich immer wieder über die Kinder Gedanken zu machen und auch durch Aktionen (wie die Begrüßung und Verabschiedung) gute Beziehungen zu den Schülern herzustellen.