Ich denke mir gefällt es auch, dass man relativ frei ist. Na klar hat man den Lehrplan und muss den Kindern die Inhalte vermitteln, aber trotzdem kann man auch mal z.B. eine Erzählrunde vom Wochenende machen oder ähnliches.
Hmmm... so frei empfinde ich das nicht. Alles läuft unter der Prämisse, dass das, was man macht, einen Sinn ergibt. Z.B. wenn man die Kinder vom Wochenende erzählen lässt, dann fördert das das freie Sprechen und das wird im Lehrplan gefordert. Man muss sich immer im Rahmen der Lehrplanabsichten bewegen und möglichst alle Ziele am Ende eines gewissen Zeitraums abdecken. Dieselben Kompetenzen kann man an unterschiedlichen Themen üben. Auf der anderen Seite muss man aber auch bestimmte Themen unbedingt zum Inhalt eines Unterrichts machen. Ich denke, auch in den weiterführenden Schulen hat man bestimmte Spielräume.
Zum Ganztag: Auch wenn du im Ganztag eingesetzt wirst, bleibt dein Deputat dennoch gleich. Du hast quasi nur andere Unterrichtszeiten. Unsere Ganztagslehrer hatten z.B. auch mal Vormittags frei und kamen erst am Nachmittag. D.h., sie machten dann ihre Unterrichtsvorbereitungen am Vormittag. Beim Einsatz im Nachmittagsunterricht muss man flexibel die unterrichtsfreien Zeiten nutzen. Früher gab es auch an Halbtags- Grundschulen Nachmittagunterricht. Das war wahrscheinlich vor der Zeit der "verlässlichen Grundschulen". Als ich anfing, hatte ich z.B. einmal in einer Grundschulklasse 2 Stunden Nachmittagsunterricht und meine jetztige Schule musste vor dem Turnhallenbau einige Sportstunden auf den Nachmittag legen. Auch war es immer mal wieder üblich, Religion und Ethik (und eben auch Sport wegen der Turnhallenknappheit) auf den Nachmittag zu legen. In Hauptschulen gibt es so oder so Nachmittagsunterricht.
Bevor ich mich zum Lehramtsstudium entschloss, hatte ich ab dem Alter von 15, Erfahrungen im Umgang mit Kinder- und Jugendlichen, da ich ehrenamtliche Jugendarbeit machte (Leitung von Gruppen) und ab 16 entsprechende Schulungen. In den Ferien und nach dem Abi habe ich Praktika in Sozialeinrichtungen gemacht, um meine Berufsrichtung herauszubekommen. Denn oft unterscheiden sich Wunsch, Idealismus und Wirklichkeit. Ich empfehle dir wirklich dringend, irgendwo mitzuarbeiten, wo du mit Kinder und Jugendlichen in guten Kontakt kommst, wenn es auch die Nachhilfe ist. Bei der Nachhilfe kannst du vielleicht erfahren, ob es dir liegt, jemandem etwas beizubringen und die nötige Geduld aufzubringen. Ansonsten würde ich versuchen irgendwo mitzuarbeiten, wo größere Gruppen von Kindern zusammen sind (z.B. Ferienbetreuung) um zu sehen, wie die soziale Interaktion ist.
Du musst im Lehrerberuf psychisch robust sein, sonst haut dich jeder kleinste Konflikt schon aus den Socken. Lockerheit, Resilienz, psychische Stabilität, Freude am Leben, gute private zwischenmenschliche Beziehungen - all das sind wichtige Faktoren, um ein guter Lehrer zu sein.
Alle die von dir aufgelisteten Eigenschaften wären natürlich ideal, aber ich hätte bei diesem Raster am Anfang meines Berufes bei einigen Kriterien schlecht abgeschnitten. Und dennoch glaube ich, dass ich im Laufe der Zeit eine insgesamt normal kompetente Lehrerin
geworden bin. Voraussetzung war, dass ich bereit war, ständig an mir zu arbeiten. Man merkt ja selbst, wenn etwas nicht passt und sucht dann die richtigen Lösungen.