Beiträge von symmetra

    In dieser Krise sind Lehrer abgesichert. Ich kenne aber auch junge Lehrer, die damals in der Finanzkrise 2008 vieles verloren haben und die auf einmal am Rande ihrer wirtschaftlichen Existenz standen.

    Das mag ja sein, aber davon spreche ich hier nicht.

    Da glaubst du falsch. Es soll tatsächlich Lehrer geben, die bereits vor ihrem Lehrerdasein ein Leben mit Höhen und Tiefen und Existenzängsten hatten. Ich zb war Alleinerziehende Mutter von 2 Kindern, bevor ich überhaupt mit dem Lehramtsstudium began.

    Darum geht es doch gar nicht. Wir reden hier über Ereignisse, die viele Menschen pauschal in ihrer Existenzsicherheit treffen und zwar systematisch. Ich möchte gar nicht in Abrede stellen, dass jeder mal private harte Schicksalsschläge erlitten hat (z.B. durch schwere Bedingungen oder meinetwegen die Finanzkrise) ,die sich im ihren Privatleben ergeben haben. Aber den Zusammenhang mit der jetzigen Krise sehe ich nicht. Bezogen auf die jetzige Situation sind Lehrer im Allgemeinen einfach abgesichert, Punkt, da gibt es für mich auch nichts zu relativieren. Ich glaube auch, dass Privilegierung in dieser Krise zu einem Mangel an Verständnis für die Bedürfnisse der schwer getroffenen Bevölkerungsgruppen führen kann. Ich sage nicht, dass das notwendig so ist, aber dass das naheliegt, lässt sich an der öffentlichen Diskussion doch gut sehen.

    Es gibt auch Lehrer, die aus armen Verhältnissen stammen.

    Ist das denn vergleichbar mit dem Gefühl, dass man plötzlich vor den Trümmern seiner Existenz steht und in eine völlige Perspektivlosigkeit fällt? Darum geht es doch gerade vor allem und ich finde hier kann der Großteil von uns Lehrern das allenfalls emphatisch nachempfinden, denn unabhängig von unserem privaten Hintergrund sind wir in dieser Krisefinanziell sorglos abgesichert.

    Hätte man von Anfang nicht auf diese Leute in der Öffentlichkeit gehört, die den Lockdown erst sabotieren und dann wie ein Kleinkind jammern, dass er zu lange dauert, wäre er längst vorbei, für die Allermeisten.

    Es ist unerträglich, dass die , die die Situation maßgeblich verschärfen, wenn auch nur in ihrem kleinsten persönlichen Maßstab, auch noch am lautesten Klagen und sämtliche Abwehrbemühungen untergraben. Hätten wir im Oktober gehandelt, wären wir nicht in dieser schlimmen Lage. Hätten wir im Oktober gehandelt, statt auf das Gejammer zu hören, gäbe es für niemanden einen Grund mehr zu jammern.

    Da liegt aber ein Fehlschluss, finde ich. Die Leute, die im Oktober gejammert haben sind nicht unbedingt die, die jetzt jammern. Im Gegensatz zum Oktober gibt es jetzt nämlich allen Grund zu jammern, wenn man sich diese sonderbare Politik momentan anschaut.

    Mich stört auch das Wort ,,jammern'', weil das gleich sämtliche Berechtigung von Skepsis oder Protest abspricht. Ganz ehrlich, wer nicht in der Lage von Selbstständigen, Gastronomen oder Menschen mit wenig Kurzarbeitgeld ist, die von den Hilfen kaum was haben, dann lässt sich das sehr leicht als ,,jammern'' betiteln. Und gerade diese Leute haben es bitter nötig, dass ihnen eine Perspektive gegeben wird statt psychologisch ungünstiger endlos-Verlängerungen, Starren auf Inzidenzen und Verschiebungen ihrer Grenzen.

    Ich beurteile das nicht mal aus meiner Perspektive und sitze hier komfortabel auf meinem Lehrer-Job mit dicker Wohnung. Also, mal so nebenbei, bevor mir vorgeworfen wird, dass ich nur jammere, weil ich nicht ins Restaurant kann, ich kann das noch ziemlich lange durchhalten. Bei allem Verständnis für den Gesundheitsschutz, aber dass die Regierung gerade monatelang sinnvolle Konzepte schuldig bleibt, ist nicht schwer zu sehen.

    Ich habe nach 1,5 Jahren Probezeit einen Länderwechsel gehabt. Allerdings nicht über das unzuverlässige Ländertauschverfahren, sondern mittels einer Freigabe des Lands und einer normalen Bewerbung auf die Stelle im neuen BL. Hat geklappt und mir wurde die alte Zeit ohne Probleme auf die Probezeit im neuen BL angerechnet, es gab keine Nachteile.

    Verstehe ich aktuell.

    Aber vor fünf Monaten hatten wir doch niedrige Neuinfektionszahlen.

    Damit das so bleibt, hatten wir das schon damals eingeschränkt.

    Ich fand es immer widersprüchlich bei niedrigen Infektionszahlen alles Mögliche an Angeboten wieder wahrzunehmen. Natürlich steigen die Infektionen dann irgendwann, wenn es wieder mehr Möglichkeiten für Übertragungen mit vielen Menschen gibt.

    Das wird doch auch bei neuen Lockerungen wieder so sein. Mir ist die Strategie gerade überhaupt nicht klar. Lockerungen - und dann? Wieder Anstieg und endlos-lockdown?

    Warum das? :_o_(

    Aus Verantwortung oder gründen der Distanz (wohnen im anderen Bundesland). Wir haben alle Jobs, in denen wir Kontakt mit vielen Leuten haben und das Virus da ggf. reinzuschleppen geht wirklich gar nicht.

    Bei mir persönlich ist viel Unsicherheit vorhanden. Deswegen tangieren mich diese Verschärfungen nicht, da ich das schon von mir aus alles längst umsetze. Körperlich und psychisch ging’s mir aber auch schon mal besser und die hohen Zahlen mitsamt nervigen uneinsichtigen Leuten frustrieren mich nur noch.

    Also ich muss sagen, dass mich dieser Lockdown ganz schön runterzieht. Im Endeffekt gucke ich den ganzen Tag auf einen Bildschirm für eine Büro-Tätigkeit („Unterricht“), gehe laufen, gammle rum, gehe schlafen, wieder von vorne. Meine Freunde habe ich seit 5 Monaten nicht mehr richtig gesehen.

    Zum Glück bin ich verheiratet. Mir tun alle leid, die gerade niemanden haben, denn ich kenne das noch sehr gut aus meiner Depression damals.

    Wie geht es euch mit der Situation?

    symmetra: so läuft es ja im Präsenzunterricht auch. Und genauso handhabe ich das auch im Distanzunterricht. Außer natürlich bei Leistungskontrollen, da wird natürlich alles korrigiert. Wie halt live auch ;)

    Ja, so halte ich es auch. Aber die Antworten hier wirken für mich immer so ambitioniert, wenn ich was von ,,9 Stunden gearbeitet'' lese. Das finde ich wirklich heftig.

    Ich persönlich kämpfe auch wirklich mit der Motivation, da ich so nicht arbeiten will, es mir überhaupt keinen Spaß macht und ich weiß, dass selbst top vorbereitetes Material nicht die perfekten Ergebnisse erzielen könnte. Gleichzeitig will ich aber für die SuS auch das beste. Mich zerreißt das ganze innerlich sehr und ich habe es absolut nicht vermisst.

    Ich bewundere euch, dass ihr das scheinbar alles so konsequent und motiviert genug durchzieht. Ich gebe mir auch Mühe, zu schwierigen Themen Video-Tutorials zu machen, Checklisten zur Selbstkontrolle mitzugeben und detailliertes Feedback zu geben. Aber ich schaffe das ehrlich gesagt nicht durchgängig. Wenn ich z.B. bei einer Klasse viel Zeit in Videos und aufbereitetes Material investiert habe, dann wird es bei der nächsten Klasse aus Zeitgründen dann manchmal doch nur der Arbeitsauftrag/Das Arbeitsblatt mit angeleiteter Lösung (Was die Klassen auf meine Nachfragen aber scheinbar ok finden, ich signalisiere den Lerngruppen dann auch verstärkt meine Ansprechbarkeit im Messenger bei Fragen.). Dafür bekommen die dann die Woche drauf wieder Material mit mehr Aufwand, sodass sich das die Waage hält.

    Auch bei Korrekturen schaffe ich nur Stichproben und niemals alles. Wenn ich das wirklich alles zu 100% durchziehen würde, also immer top vorbereitetes Material, jede Aufgabe Rückmeldung, Videokonferenzen zur Unterstützung - so wie das hier bei vielen klingt - dann würde ich mir wirklich die Kugel geben und es ehrlich gesagt gar nicht zeitlich schaffen. Also Hut ab vor eurer Motivation.

    Oft lese ich hier, dass ihr für das Distanzlernen länger braucht. Wirklich aus Interesse: Wieso ergibt sich das bei euch so?

    Bei mir: Anfahrt zur Schule fällt weg, ebenso wie die Durchführung des Unterrichts, Besprechungen nach Unterrichtsschluss, in unserem Fall sogar Klassenarbeiten samt deren Korrektur. Klar dauert das digitale Aufbereiten seine Zeit und ich kenne die Funmelei sehr wohl. Die ABs müssen auch anders aufbereitet werden oder mit Erklärvideo verknüpft werden, etc. und das kostet alles mehr Zeit in der Vorbereitung und fühlt sich stressig an. Aber aufwändiger als das normale Alltagsgeschäft? Da bin ich weit von weg.

    Was macht ihr denn so viel mehr, dass ihr trotz gewisser Zeitersparnisse trotzdem länger arbeitet? Ich meine das auch nicht konfrontativ, mir fehlt da wirklich die Fantasie.

    Meine PKV hatte sich sogar um 3 Euro monatlich verringert. Ich bin jetzt genau ein Jahr drin. Liegt es auch genau daran, dass ich keine Erhöhung habe? Ich bin noch nicht lange in der PKV und kann einige Sachen noch nicht ganz nachvollziehen.

    Ich musste nämlich ehrlich gesagt etwas darüber schmunzeln, habe eigentlich mit einer deutlichen Erhöhung gerechnet.

    MrsPace: "macht die wichtigsten Beurteilungskriterien transparent" und "gezielte Rückmeldung" bedeutet schon, dass du eine schriftliche Rückmeldung geben musst. Die Kriterien sind auch vorgegeben (bezieht sich auf verschiedene Kompetenzbereiche).

    Könnte man nicht in den Stunden üben lassen und zu jedem der SuS zu einem bestimmten Punkt eine Rückmeldung geben? Texteschreiben wird doch am besten eh abschnittsweise geübt, da muss die Lehrkraft dann auch nicht so viel auf einmal überblicken. Oder ich gebe denen Kriterien als Checkliste aus und gucke bei jedem auf einen Aspekt, der schwergefallen ist und gebe dazu einen Verbesserungsvorschlag.

    Mir kommt das total teaching-to-the-test-mäßig vor. Wenn ich alles mit einer Pseudo-Klassenarbeit üben müsste, korrigiere ich mich ja zu Tode - und spare an der Unterrichtsvorbereitung. Fällt dann irgendwann auch auf, Stichwort Eltern.

    Als halbwegs stiller Mitleser finde ich diese dauernden Sticheleien gegen bestimmte User störend im Lesefluss und ehrlich gesagt auch menschlich total problematisch. Könnt ihr für euch nervige User nicht einfach blocken?

    Langsam habe ich das Gefühl, dass einige dieses herablassende Verhalten nötig haben und genießen, weil man ja den Hofnarr gefunden zu haben scheint.

    symmetra

    Das macht man doch sowieso. Aber gerade, wenn es neben dem Erfassen der semantischen Bedeutung auch um das Erlernen der richtigen Schreibweise geht, finde ich Vokabeltests bisher unangefochen effektiv. In anderen Formaten liegt der Fokus (für mich) einfach zu wenig auf korrekter Rechtschreibung - insbesondere, weil die Kinder auch oft mit einem (latenten) mindset kommen, dass dieser Aspekt von Sprache nicht so wichtig it. Ist er aber.

    Ja, den Fokus finde ich auch wichtig, da widerspreche ich auch nicht und auch deine Strenge dabei würde ich so unterstreichen. Mein Punkt ist eher, dass ich die Fixierung auf Vokabeltests in Fremdsprachen kontraproduktiv finde. Es gibt ja weit mehr Methoden, um die Orthographie zu fördern.

    Davon abgesehen schneiden doch bei Tests die gut ab, die eh strukturiert sind und es können. Der Rest sieht die 5-6, denkt sich ‚fuck off‘ und lernt höchstens, dass er zu faul ist und mehr tun müsste.

    Iterum atque iterum, ad nauseam: Auch zwischen "echter Notfall" und "Bagatelle" gibt es großen Spielraum.

    Einen Kollegen, der einen gelegentlichen Anruf am Wochenende als übergriffig empfindet, würde ich wohl bald unter s (wie "strange") ablegen.

    Kommt eben auf den Standpunkt an. Vielleicht könnte man eben auch den einen Kollegen unter S ablegen, der es nicht schafft Kollegen am Wochenende mit ,,Arbeit’’ zu belästigen.

    Ich bin über solche Anrufe immer irritiert, denn meistens war es bisher Bullshit. Wenn Auszeit ist, ist Auszeit und da geht Arbeit eben nicht. Nicht einmal Anrufe. So eine Regel religiös zu befolgen finde ich für die Psychohygiene wichtig, völlig egal, wie schwerwiegend das Anliegen.

    Absolut. In SH gibt es für jeden Furz und Feuerstein ne Fortbildung...

    Ehrlich gesagt, finde ich es nicht superwichtig, ob man da den passenden Schein zu hat.

    Allerdings hatte ich eine andere Mentorin, die diese Fortbildung hatte und dadurch deutlich strukturierter war in ihrer Rückmeldung :D

    Ich habe diese Fortbildung absolviert und sie war sehr hilfreich und aufschlussreich.

    Das, was im Eingangspost geschildert wurde, hatten wir in der Fortbildung als absolute Negativbeispiele besprochen.

    Ich finde es erst einmal total toll zu lesen, wie beharrlich du dich gewehrt hast und auch weitere Schritte eingeleitet hast, um der Alten einen Riegel vorzuschieben.

    Anhand deiner Schilderung wird ja deutlich, dass sie nicht mit dir ein Problem hat, sondern wohl mit sich selbst. Das projiziert sie dann auf dich und macht sich in der Besprechung Luft. Vermutlich regt sie sich damit über sich selbst auf. Vielleicht ist sie auch einfach neidisch, dass du eine gute Beziehung zu den SuS hast, ohne dich völlig zu versklaven so wie sie. Oder sie findet, dass alle 150% geben zu müssen und wer das nicht tut, ist unzulänglich. Aber all das ist ja echt ihr Problem.

    Was würde ich in so einer Situation machen? Mitleid haben. Ist doch schade, dass sie dich als erwachsene Frau so rund macht, obwohl sie das Problem hat. Du wirst sie in dem Punkt wohl nicht ändern können, daher hilft entweder nur ein Mentorenwechsel. Oder du siehst sie distanziert, hörst dir geduldig ihr Geblubber an und denkst dir innerlich ‚schade, dass du mich nicht besser betreuen kannst, das tut mir leid für dich‘.

    Im Übrigen immer wieder ein Schock, was für Menschen in sozialen Berufen rumlaufen.

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