Beiträge von Conni

    Wir hatten viele Jahre ganz unterschiedliche 1. Klassen. Die von meiner Kollegin und mir waren immer verschrien. Wenn da jemand zur Vertretung rein musste, hieß es: "Herzliches Beileid!" (Schön, das als Klassenleiterin zu hören, wirklich super, wir haben irgendwann das Lehrerzimmer gemieden.) Freitags in der 5. Stunde mussten nur wir unterrichten. Waren wir krank, fiel die Stunde aus. O-Ton Schulleitung: "Da kann man freitags in der 5. keinen mehr reinschicken."
    Ich hatte jahrelang Selbstzweifel. Natürlich habe ich gelernt, wie ich die Kinder beeinflusse. Ich habe sogar überlegt, ob ich ungeeignet bin und eine Umschulung machen sollte.

    Bis.... ja, bis mehrere Kolleginnen das Team der 1. und 2. Klassen verließen und neue nachrückten. Zu diesem Zeitpunkt teilten wir die KiTa-Betreuung neu auf: Eine erfahrene Kollegin + eine neue waren für eine KiTa zuständig. Ich wechselte die KiTa - und meine nächste Klasse war zwar zurückhaltend und nicht besonders schlau, aber einfach lieb. Jeder liebte die Klasse, jeder ging gerne als Fachlehrer rein und ich wurde gelobt. Ich habe nichts anders gemacht als in den anderen Klassen - ich war sogar weniger pädagogisch-erzieherisch tätig und weniger konsequent, das war nämlich weniger nötig.

    Die folgende Klasse hatte einige Probleme im Verhalten mehr, war aber mit Konsequenz und sehr engen Grenzen gut händelbar.
    In diesem Jahr wurde mir sogar unterstellt, ich hätte die ganzen lieben Kinder selber genommen und der Parallelkollegin die verhaltensauffälligen zugeschleust. (Genau, nennt mich Hellseherin und Göttin.)

    Inzwischen werden die KiTa-Gruppen miteinander vermischt und aus jeder KiTa mit großen Schülerzugängen kommen Kinder in jede 1. Klasse. Ferner wird vorher genau geschaut. Seither sind die Klassen ausgewogener, aber ein paar Querschießer gibt es immer. Wenn sich davon mehrere treffen, entsteht auch eine etwas schwierigere Klasse.

    Was ich nebenbei noch anfügen möchte, ist der Zufall. Es gibt so viele verschiedene Charaktere - und in den meisten Klassen sind nur 25 bis 35 davon - da spielt der Zufall dann eben doch noch eine Rolle.

    Zumindest für NRW wundert mich das nicht - denn man vergleicht u.a. Äpfel mit Birnen :

    Bei uns in NRW wurde sukzessive das Einschulungsalter heruntergesetzt[...]

    Alle Kinder werden nun während der Schuleingangsphase, die bis zu 3 Jahren dauern kann, im normalen Unterricht auf Fähigkeiten vorbereitet, die sie für die Schule eigentlich schon entwickelt haben sollten. Vergessen wird, dass diese Kinder oft auch einfach Zeit zum Spiel und zusätzliche Bewegung an der Luft benötigen ...

    [...]

    All das , was nicht richtig grundgelegt wird, wirkt sich dann auf die dritten /vierten Schuljahre aus - so dass mich diese Ergebnisse nicht verwundern.

    Das kann ich voll und ganz unterschreiben. Wir haben diese Entwicklung in Berlin ja schon durch: Bei uns war der Stichtag seit 2005 der 31.12., in dem das Kind 6 wird. D.h. wir hatten Kinder mit 5 Jahren und 8 Monaten in der Schule. Zusätzlich gab es die Möglichkeit, Kinder 3 Monate früher einzuschulen. In meiner damaligen Klasse saß einer mit 5 Jahren und 5 Monaten, der keine Ahnung hatte, wie man auf einem Stuhl sitzt, einen Stift hält und der Zahlen ganzseitig ins Heft schrieb. Elternwunsch. Er hat dann eine spätere Klasse wiederholt.
    Rückstellungen gab es anfangs nahezu nicht. Gleichzeitig wurde die Vorschule abgeschafft - eine Vorbereitung auf den Schuleinstieg für Kinder mit Rückständen.
    Relativ schnell wurden die Rückstellungen wieder eingeführt, zuerst jedoch nur auf Antrag mit ärztlichen Attesten, später auf Antrag der Eltern. Nun wurde der Stichtag wieder vorverlagert - auf den 30.9. wie jetzt in HH. In den letzten Jahren wurde die Rückstellung immer leichter.

    Uns wurde damals gesagt: Die Schulen müssen die Voraussetzungen schaffen: Bewegungsräume, Spiele, Ruheräume etc. Gleichzeitig wurde vergessen, den Lehrplan "nach unten" anzupassen, die räumlichen, sächlichen und personellen Mittel zur Verfügung zu stellen. Wo sollen die bitte ausruhen? Unter dem Tisch zwischen 54 Füßen? Wo sollen sie spielen? auf 30 mal 40 cm vor dem Regal zwischen Schulranzen? Wo sollen sie andere Aufgaben mit persönlicher Betreuung lösen, wenn denn mal ein Erzieher da ist? Auf dem Flur, im Winter bei 16 Grad mit Zug durch die Fenster und ständigem Lärm durch aufs WC laufende Kinder?

    Wir hatten irgendwann Klassen, bei denen sollte die Hälfte der Kinder individuell sprachlich gefördert werden und ein Viertel motorisch. Von uns alleine. In einer jahrgangsgemischten Klasse mit 25 bis 28 Schülern und 4 Teilungsstunden (ohne Teilungsräume) die Woche. Wir hatten irgendwann so viele "Verweiler" (Kinder, die das 3. Jahr benötigten), dass das ganze Konzept fiel, daraufhin haben wir die Jahrgangsmischung rigoros abgeschafft. Man hat ja so auch genug Heterogenität und die Älteren haben mitnichten den Jüngeren geholfen.

    Mathematik: 7 Jahre, das habe ich entweder nicht gelernt oder vergessen, kann es aber auch sofort bestätigen. In Mathematik wirken sich "ein paar Monate früher einschulen" extrem aus.

    Es ist ein ganzer unsäglicher pädagogischer Saustall, der auf dem Rücken der Kinder (und Lehrer, aber den Kindern versaut es einfach viel mehr) durch die Schulen getrieben wird.

    Was haben Schüler in der vierten Klasse zu suchen, wenn sie auf dem Stand der zweiten Klasse sind?

    Das wird als "individuelles Lernen" bezeichnet. Jedes Kind wird dort abgeholt, wo es steht.
    Sitzenbleiben gibt es nicht mehr, wobei bei mir über die Hälfte der Klasse "verweilt" ist. D.h. ihnen wurde - politisch korrekt formuliert - ein Jahr mehr zur Bewältigung der Inhalte der ersten 2 Schuljahre gegeben - in der Annahme, dass sie einfach zu jung eingeschult wurden. Antrag auf "Lernen" und "emotional-soziale Entwicklung" durfte erst im Verweiljahr gestellt werden. Als Ausgleich für den offiziell nicht vorhandenen Förderbedarf in diesen Bereichen bekommen die 1. und 2. Klassen je 4 zusätzliche Stunden, die dann mal eben alles abdecken. Unter meinen Schülern ist einer, der tatsächlich zu jung eingeschult wurde und der nach dem Verweiljahr auf Rahmenlehrplanniveau lernen konnte. Der Rest ist ein Sammelsurium aus den verschiedensten Einschränkungen im Hören, Sprechen, Bewegen, Wahrnehmen, Dekodieren von Sprache, Lesen, Schreiben, Rechnen, Gleichgewichtssinn... Meine Bandbreite ist ähnlich der von Anja - sie beginnt aber in Deutsch etwa im 1. Halbjahr 1. Schuljahres, in Mathe Mitte des 1. Schuljahres, emotional-sozial etwa zwischen 3 und 10 Jahren. Bis gestern hätte ich die schwächsten noch fitter eingeschätzt.

    Ich stimme mal soweit zu, dass ESE / EUSE / wie auch immer das heißt die meisten Schwierigkeiten beim Inkludieren macht.

    Was aber auch schwierig ist, sind die ganzen Kinder mit "ohne offiziellen sonderpädagogischen Förderbedarf".
    Zum Beispiel wurde bei uns im Bezirk - weil es zu viele Feststellungsverfahren gab und die Bevölkerung allgemein als etwas einfacher eingeschätzt wird - der für "Lernen" nötige IQ um 5 Punkte reduziert. Folge: Ich habe einen Schüler, momentan "ESE", den ich laut Diagnostikerin "mit sanftem Druck bis zur 5. Klasse an das normale Niveau des Rahmenlehrplans heranführen" soll. Der Junge war zum Zeitpunkt der Diagnostik in D 2 Jahre zurück, in Mathematik überwiegend 1,5 Jahre. (Wir sprechen von der Grundschule, nicht von einer 8. Klasse.) "Wenn Schule das nicht schafft, hat Schule versagt und das Kind lernbehindert gemacht." Klar, da bin ich Schuld. Gebe ich auch zu, da kann ich nur versagen, denn der Junge ist massiv mehrfach wahrnehmungsgestört, vermutlich AVWS (in einem Bereich, der eventuell sogar "Hören" bedeuten würde, es gibt aber laut Mutter keine Termine bei der einzigen Diagnostikstelle Berlins), hat massive psychisch-emotional-soziale Probleme, Tendenzen zur Schulabstinenz, ist motorisch massiv verlangsamt, denkt ganz langsam und allmählich um 78 Ecken, möchte, dass ständig alles sofort funktioniert und zwar wie er das will und arbeitet inzwischen fast nur noch mit Einzelbetreuung. Ich musste ihm im vergangenen Schuljahr wegen der durch die Diagnostikerin festgelegten zielgleichen Beschulung Hefte für seinen Jahrgang bestellen. Da ist doch klar, dass er den normalen Stoff nicht schafft und es natürlich auch nicht nebenbei schafft, die Lücken zu füllen. Im Gegenteil: Er ist so viel langsamer, sein IQ "eigentlich" im Bereich "Lernen" und er ist seltener im Unterricht als andere, dass die Schere immer weiter klafft. Das Niveau hat ihn völlig frustriert und er sieht ja täglich, was die anderen können. Die Schulabstinenz nahm zu.
    Letztlich haben wir als Schule jetzt "auf eigene Faust" Fördermaterial für ihn bestellt auf ganz niedrigem Niveau, welches er, wenn er gut drauf ist und Lust hat und sich vielleicht jemand um ihn kümmert, löst. Etwa 1 bis 3 Stunden am Tag sind effektiv.

    Dazu die Kinder mit Hörproblemen. Davon habe ich viele. So viele, dass nicht jeder einen Platz in der 1. Reihe bekommt und ich auch nicht jedem alles nochmal vorsprechen kann. Offiziell sind die Ohren alle gesund, es geht in Richtung AVWS, aber die Diagnostikstelle vergibt keine Termine oder die Eltern blocken ab, weil das Kind "zu Hause alles hört" oder der Ohrenarzt sagte, es sei alles prima. Auch das führt zu sozialen Problemen der Kinder, denn wenn eine "Huhn" zur vor ihr sitzenden Freundin sagt und der Nachbar "Hurensohn" versteht und zuschlägt, ist das nicht schön.
    Und die Kinder, die eigentlich ESE wären, aber - da es schon so viele gibt - als "minderschwere" Fälle durchgehen. Davon 5 in einer Klasse? Hallelujah! (In meiner zum Glück "nur" 3.)

    Ich sage es mal so: Ich tue alles, um meine 4 leistungsstarken Schüler zu integrieren in den Rest der Klasse, aber es gelingt mir nicht. (Meine Klasse ist eine der pflegeleichtesten der Schule.) Gerecht werden kann ich ihnen nicht. Ich kann sie auch nicht mit schwierigen Aufgaben (VERA ab Kompetenzniveau 4) alleine hinsetzen. Die müssen ihnen ebenfalls langsam und geduldig erklärt werden.

    Wo genau hat es Probleme? Der Ansatz wäre je nach Problem unterschiedlich.
    Kann es überhaupt Mengen erfassen? Hat es eine Vorstellung von Mengen oder sieht es die Zahlen lediglich als Ordinalzahlen an?
    Hat es die Operationen als Handlungen verstanden?
    Ist es wirklich nur ein Problem des Auswendiglernens?

    Bestimmen des Medians (so hieß der Zentralwert in unseren Vorlesungen) habe ich erlernt, wie dein Lehrbuch es vorgibt: Er teilt die Werte der Stichprobe in Hälften, die Werte links vom Median kleiner oder gleich dem Median, die rechts vom Median größer oder gleich.
    In deinem Beispiel mit ungerader Anzahl von Werten der Wert genau in der Mitte, bei gerader Anzahl das arithmetische Mittel aus den beiden mittig stehenden Werten der geordneten Liste.

    Gibt es ein Protokoll des Konferenzbeschlusses?
    Habt ihr einen Personalrat?
    Kannst du einen Zeugen zum Gespräch mit dem SL mitnehmen und ein Protokoll anfertigen? Der Schulleiter hat eine Fürsorgepflicht dir gegenüber.
    Gibt es einen Arzt, der dir bescheinigt, dass du die Termine regelmäßig brauchst?
    Den bisherigen Ausführungen schließe ich mich an. Euer Vertretungskonzept (falls je eins beschlossen wurde) ist mies.

    Klassisch und im Klassenzimmer: in Gruppen aus Material (Papier, Tesa, ggf. Luftballons/ Schnur) ein Konstrukt bauen, in dem ein rohes Ei nicht kaputt geht, wenn man es aus dem zweiten Stock fallen lässt.

    OT: Das mussten wir mal bei einem Studientag als Kollegium machen. Ich weiß zwar nicht mehr, worum es beim Studientag ging, aber wir haben 1 Stunde (oder 1,5h?) eine Eihülle gebastelt. Anschließend mussten alle draußen in der Kälte antreten zum Sturzversuch mit Gruppenfoto, hat bestimmt auch nochmal eine dreiviertel Stunde gebraucht, vor allem das Foto war schwierig.

    Es gibt Smartboards, bei denen zumindest die Seitentafeln traditionelle Schultafeln sind, immerhin etwas mitgedacht.

    Ich habe jetzt übrigens im Raum einer Kollegin Matheunterricht. Die hat keinen Tafellappen und keinen Tafelschwamm. Deshalb hat sie Staubtücher (diese ganz dünnen, kleinen, weißen) gekauft, um die Tafel zu wischen. Ich möchte nicht wissen, wie das in 4 Wochen aussieht. Ich könnte jetzt schon die Krätze bekommen beim Anblick des Desasters.

    Ehrlich? Wenn es wirklich nur Anredepronomen sind, die eingesetzt wurden, würde ich:
    - in Kl. 3 jedes mit einem halben Punkt werten,
    - in Kl. 4 jedes mit 0 Punkten werten.
    Was sollen die sonst durch die Bewertung lernen? "Wenn ich alles klein schreibe und es richtig ist, habe ich volle Punktzahl, 1." - "Wenn es falsch ist, bekomme ich nur einen Fehler angerechnet, 2+. Super Sache!"
    Ich überspitze das, der Test wird andere Aufgaben beinhaltet haben.

    Ich würde dir Folgendes raten:
    In Zukunft würde ich die Regeln immer mal wiederholen, besonders dann, wenn ein krankes Kind wieder in die Schule kommt. (Wenn ich in meiner Klasse eine Regel nur einmal erklären würde, würden 80% meiner Schüler keine Peilung von irgendwas haben.) Das trägst du ins Klassenbuch ein, dann ist es amtlich vermerkt. Wiederholen und Festigung sind in der Grundschule wichtig. Das muss ja keine ganze Stunde sein, sondern eine Mini-Übung, in einem Text nochmal drauf aufmerksam machen etc.
    Korrekturen von Lehrern veranlassen (Grund-?)Schüler selten dazu, sich Gedanken zu machen, warum da Fehler gefunden wurden. Die stecken es weg, vorbei. Du musst es dem Kind sagen / drunter schreiben, dann hast du eine Chance.
    Vor dem nächsten Test könntest du einen Erwartungshorizont erstellen: Überlege dir, wofür genau du Punkte gibst und denke dir die unmöglichsten Situationen aus, spiele sie alle durch. Das schützt nicht vor bösen Überraschungen, aber es reduziert das Risiko.


    Idee für den konkreten Test: Kannst du die Sache mit den Anredepronomen rausstreichen und nicht werten? Wenn dann nicht gleich eine 1 aus der Zensur wird (weil sonst keine Fehler enthalten sind), würde ich das so machen mit dem Vermerk, dass es Aufgaben nachholen muss.

    Ja, das sehe ich ganz genau so. Ich würde sogar noch weiter gehen: Warum bekommen Schüler keine Besoldung für den Unterricht? ...Falls das finanziell nicht möglich ist, sollten Lehrer auf ihre Dienstbezüge verzichten und en den Unterricht kostenlos erteilen. Bei den Schülern fragt ja auch keiner nach, wie diese die Schulpflicht finanzieren.

    Ich finde, du gehst nicht weit genug!
    Wir haben uns unseren Beruf ausgesucht, freiwillig. Nun frag doch mal jemanden, der freiwillig in den Golfclub, ins Fitnessstudio oder zum Friseur gehen, was die zahlen! Ich finde, Lehrer sollten zahlen dafür, dass sie in unseren gut ausgestatteten, frisch sanierten Wohlfühl-Schulen mit hochtechnisiert ausgestatteten Lehrerarbeitsplätzen arbeiten dürfen! 8)

    Kleiner Hinweis: Ich kann die Seite zaubereinmaleins.de sehr empfehlen. Es gibt einige kostenfreie Materialien, für nur 25 € hat man dauerhaft Zugang auf sehr viele weitere Materialien, vor allem Für Kl. 1/2. Darunter war auch etwas zum Apfel, was man am Anfang der 1. machen kann und zum Igel auch, da bin ich nicht mehr sicher, ob das für die 1 oder die 2 ist.

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