Gerade deswegen kann ich diese Ablehnungshaltung nicht verstehen - weil in der Praxisphase hatte ich das Feedback von Mentorinnen, den Dozent*innen und den Lehrkräften im Vorbereitungsdienst und es war wirklich hilfreich und praxisnah. Hilfreich übrigens auch für die Mentorinnen sprich Lehrerinnen, die dabei waren, die durchaus interessiert an den und offen für die Tipps in der Nachbesprechung waren. Die Schule arbeitet auch nicht umsonst in manchen Bereichen eng mit der Uni zusammen und Kommiliton*innen berichten nicht umsonst stolz davon, wenn manchmal die eigenen Ideen und die Ideen aus der Uni von den Lehrkräften selber übernommen wurden.Was machbar ist, habe ich ja nun in Ausschnitten erfahren dürfen. Und so schwer ist es nicht, Aufgaben in leichter Sprache zu formulieren; wirklich kooperative Lernformen umzusetzen; Selbstkontrollbögen einzusetzen, wenn es sich anbietet, statt eine Schlange von Schüler*innen vor dem Pult auf die Korrektur der Lehrkraft wartend stehen zu haben; sich richtige Unterrichtsthemen nach den Kriterien, die man in der Uni lernt, auszudenken; generell den Schüler*innen ein Ziel und einen Ablauf für die Stunde transparent zu machen etc. pp. Auch mal Kollegen oder Kolleginnen in den eigenen Unterricht zu lassen, Schüler*innen nach Feedback fragen, einfach offen für Anregungen sein und nicht alles als Angriff auf die eigene Person zu sehen, sondern als konstruktive Kritik, das werde ich wohl hoffentlich hinkriegen und das bekommen auch ganz, ganz viele Lehrkräfte jetzt schon hin.
Ja, du hast Recht: Man bekommt tolle Anregungen und es ist nicht "so schwer".
Ich habe eher das Problem: Ich habe so viele interressante (oder von der Schulleitung eingeforderte) Anregungen, wenn ich die umsetzen möchte/muss, dann würde ich statt 7 Deutschstunden 14 und 12 Mathestunden statt 5 benötigen, um den Rahmenlehrplan halbwegs umzusetzen. (Und dabei sind sich Schulleitung und Universität einig: Der Rahmenlehrplan muss umgesetzt werden.) Man kann einzelne kleine Anregungen umsetzen - aber man muss immer auf die Uhr schauen. Und nein, "ein bisschen was weglassen" tue ich sowieso schon, denn wir sind hier der Brennpunkt, wir schaffen eh nicht alles und "huschen" über vieles nur drüber, damit einige Dinge so viel geübt werden können, dass sie beherrscht werden.
Ausdenken und Freiarbeitsmaterialien erstellen: Ja, geht. Wenn man Zeit hat, wenn der Kopf frei ist etc. Wir sind aber so mit der "Schulentwicklung" beschäftigt und dazu mit Klassenleitung, LRS, Rechenschwäche, sonderpädagogischem Förderbedarf, Gesprächsrunden mit X Lerntherapeuten, Familienhelfern etc. - Ich kann nicht mehr denken, meine Kreativität kommt nur noch an verlängerten Wochenenden und in den Ferien wieder zum Vorschein - und dann bin ich so kaputt von der Schulzeit, dass ich diese Zeit zum Erholen und Abarbeiten des vorher Nichtgeschafften brauche, dass ich einfach kaum noch dazu komme, Neues zu erstellen, schon gar nicht Basteleien. Die mir zur Verfügung stehende Zeit, um außerhalb der Arbeitsgruppen, Konferenzen, Projektgruppen, Jahrgangssitzungen, Betüddelung von Neueinsteigern etc. noch Unterricht vorzubereiten, reicht für 2/3 der Stunden für schnöden Frontalunterricht-Einzelarbeit-einfache Partner- oder Kleingruppenarbeit. Wenn ich also etwas Umfangreicheres vorbereite, dann nehme ich die Hälfte der benötigten Zeit (bestenfalls) von der Erholungszeit (oder Schlaf oder Essenkochen) und den Rest von der Vorbereitungszeit des übrigens Unterrichts. Und ich weiß, dass es bei anderen Kolleginnen, besonders denen mit Kindern, noch schlimmer aussieht. Da bekommen die LRS-Kinder dann eben keine extra für sie vorbereiteten Aufgaben.
PS: Ich höre jetzt auf, hier OT weiterzumachen und widme mich weiter den Ferien. Ich merke, wie mich die Beschäftigung mit Schule und diesem ständigen, schulimmanenten Druck zwischen Wollen, Müssen, Sollen und Nicht-Können aufregt.