Was ich explizit meinte ist, dass es mich extrem abnervt und klein macht, wenn aus heiterem Himmel über meine Qualifikation in der 3. Person gesprochen wird und Sätze fallen wie "Wir können die Jungen mit unserer Ausbildung in die Tasche stecken, kriegen aber nicht mehr Geld dafür." Das wertet meine Arbeit ab und das ist dumm, da es einen Keil ins Kollegium treibt, für den ich ja nicht mal was kann.
Das kann ich gut verstehen, ich befürchte aber, dass es diese Tendenzen häufig gibt.
Mir wurde im Referendariat immer gesagt, ich würde ja gar nicht arbeiten, weil ich nur 3 Tage an der Schule war. Die Krönung war, dass mir gesagt wurde, ich möge an meinem freien Tag mal in die Schule kommen und vertreten und ich antwortete: "Ich habe Seminar, beantragen Sie bitte bei meiner Seminarleiterin eine Freistellung." Leider war das dann spätestens 20 Minuten später wieder vergessen. Wenn ich da erwähnt hätte, dass ich Geld dafür bekomme, wäre was los gewesen. Einen Tag nach dem Examen (1,7) nahm mich der Schulleiter beiseite und fragte, was ich denn nun beruflich machen wolle, als Lehrerin sei ich ja nicht geeignet. Anschließend bekam ich 2 Klassen gleichzeitig zum Vertreten. Nee, ist klar.
So, vom OT mal zurück: Ich kann verstehen, dass du genervt bist. Ich kann auch die Frustration der Kollegen nachvollziehen, ich kann mich erinnern, wie frustriert ich war, mitzubekommen, dass Studienräte 2 Gehaltsgruppen höher bezahlt werden, obwohl wir sie anlernen und z.T. ihre Unerfahrenheits-Patzer (Achtung: nicht "ihre schlechte Arbeit" sondern Fehler aus Unerfahrenheit und schlechten Schulleitungsentscheidungen, z.B. Einsatz in Kl. 1/2, Annahme angebotener Hilfe wurde von einigen StR verweigert) ausgleichen müssen/mussten. Gleichzeitig habe ich aber versucht, das für mich zu behalten, denn mir war bewusst, dass das eine politische Entscheidung ist und die Kollegen nichts für ihr höheres Gehalt können. Ich finde, man kann nachdenken und fair zu seinen Kollegen sein.
Letztlich sind diejenigen, die nicht bereit sind, sich für ihre Recht einzusetzen, selber daran beteiligt, dass sie diese nicht bekommen. (Das hatte susannea schon geschrieben.)
Und da ändert auch das "Wir dürfen nicht streiken." nichts dran: Ein Teil sind Angestellte, die dürfen, gehen aber oft nicht, weil "es nichts bringt", "die Gewerkschaft ja nichts macht". Und für die Verbeamteten ist es auch möglich: Es gibt Proteste nach Unterrichtsschluss, an denen kann man sich beteiligen. Man kann Überlastungsanzeigen oder als Schule geschlossen einen Brandbrief schreiben. Man kann! Aber viele wollen nicht. Ich sehe das als einen Rest dieser DDR-Mentalität: Oben wird uns schon sagen, was wir tun müssen, die Gewerkschaft kümmert sich um uns und man darf nicht aufmucken.
Letztlich gehöre ich auch zu denjenigen, für die nicht geklärt ist, was sie tun müssen, um mehr Geld zu erhalten und wann genau es so weit sein wird. (Ich weiß gerade auch noch nicht, ob es so günstig ist, denn man fällt aus der Versicherungspflicht raus. Wobei das eine gute Gelegenheit wäre, ein Sabbatjahr zu beantragen.)