Ich stimme mal soweit zu, dass ESE / EUSE / wie auch immer das heißt die meisten Schwierigkeiten beim Inkludieren macht.
Was aber auch schwierig ist, sind die ganzen Kinder mit "ohne offiziellen sonderpädagogischen Förderbedarf".
Zum Beispiel wurde bei uns im Bezirk - weil es zu viele Feststellungsverfahren gab und die Bevölkerung allgemein als etwas einfacher eingeschätzt wird - der für "Lernen" nötige IQ um 5 Punkte reduziert. Folge: Ich habe einen Schüler, momentan "ESE", den ich laut Diagnostikerin "mit sanftem Druck bis zur 5. Klasse an das normale Niveau des Rahmenlehrplans heranführen" soll. Der Junge war zum Zeitpunkt der Diagnostik in D 2 Jahre zurück, in Mathematik überwiegend 1,5 Jahre. (Wir sprechen von der Grundschule, nicht von einer 8. Klasse.) "Wenn Schule das nicht schafft, hat Schule versagt und das Kind lernbehindert gemacht." Klar, da bin ich Schuld. Gebe ich auch zu, da kann ich nur versagen, denn der Junge ist massiv mehrfach wahrnehmungsgestört, vermutlich AVWS (in einem Bereich, der eventuell sogar "Hören" bedeuten würde, es gibt aber laut Mutter keine Termine bei der einzigen Diagnostikstelle Berlins), hat massive psychisch-emotional-soziale Probleme, Tendenzen zur Schulabstinenz, ist motorisch massiv verlangsamt, denkt ganz langsam und allmählich um 78 Ecken, möchte, dass ständig alles sofort funktioniert und zwar wie er das will und arbeitet inzwischen fast nur noch mit Einzelbetreuung. Ich musste ihm im vergangenen Schuljahr wegen der durch die Diagnostikerin festgelegten zielgleichen Beschulung Hefte für seinen Jahrgang bestellen. Da ist doch klar, dass er den normalen Stoff nicht schafft und es natürlich auch nicht nebenbei schafft, die Lücken zu füllen. Im Gegenteil: Er ist so viel langsamer, sein IQ "eigentlich" im Bereich "Lernen" und er ist seltener im Unterricht als andere, dass die Schere immer weiter klafft. Das Niveau hat ihn völlig frustriert und er sieht ja täglich, was die anderen können. Die Schulabstinenz nahm zu.
Letztlich haben wir als Schule jetzt "auf eigene Faust" Fördermaterial für ihn bestellt auf ganz niedrigem Niveau, welches er, wenn er gut drauf ist und Lust hat und sich vielleicht jemand um ihn kümmert, löst. Etwa 1 bis 3 Stunden am Tag sind effektiv.
Dazu die Kinder mit Hörproblemen. Davon habe ich viele. So viele, dass nicht jeder einen Platz in der 1. Reihe bekommt und ich auch nicht jedem alles nochmal vorsprechen kann. Offiziell sind die Ohren alle gesund, es geht in Richtung AVWS, aber die Diagnostikstelle vergibt keine Termine oder die Eltern blocken ab, weil das Kind "zu Hause alles hört" oder der Ohrenarzt sagte, es sei alles prima. Auch das führt zu sozialen Problemen der Kinder, denn wenn eine "Huhn" zur vor ihr sitzenden Freundin sagt und der Nachbar "Hurensohn" versteht und zuschlägt, ist das nicht schön.
Und die Kinder, die eigentlich ESE wären, aber - da es schon so viele gibt - als "minderschwere" Fälle durchgehen. Davon 5 in einer Klasse? Hallelujah! (In meiner zum Glück "nur" 3.)
Ich sage es mal so: Ich tue alles, um meine 4 leistungsstarken Schüler zu integrieren in den Rest der Klasse, aber es gelingt mir nicht. (Meine Klasse ist eine der pflegeleichtesten der Schule.) Gerecht werden kann ich ihnen nicht. Ich kann sie auch nicht mit schwierigen Aufgaben (VERA ab Kompetenzniveau 4) alleine hinsetzen. Die müssen ihnen ebenfalls langsam und geduldig erklärt werden.