Ich habe übrigens den Eindruck, dass die Kollegen um so lieber möglichst "genau rechnen", je weniger Affinität sie zu Mathematik besitzen. Da scheint mir ein fast schon mystisches Vertrauen in die Arithmetik vorzuliegen.
Ich habe diesen Eindruck auch. Man kann sich hinter der der dritten Nachkommastelle allerdings auch gut verstecken: "Excel, sagt, dass Du eine 5 hast. Da kann ich nichts machen..."
Zum Glück ist in unserer NVO folgender Passus drin:
"Die Bildung der Note in einem Unterrichtsfach ist eine pädagogisch-fachliche Gesamtwertung der vom Schüler im Beurteilungszeitraum erbrachten Leistungen."
Auch der Abschnitt:
"Der Fachlehrer hat zum Beginn seines Unterrichts bekanntzugeben, wie er in der Regel die verschiedenen Leistungen bei der Notenbildung gewichten wird." erlaubt eine Abweichung von der am Schuljahresbeginn verkündeten Gewichtung von Schriftlicher Leistung zu Sonstiger Leistung.
Von daher: Am Ende steht im Zeugnis die Note, die ich als Fachlehrer (nach meinen Kriterien) für richtig erachte, begründen können muss. Diese deckt sich in 99% der Fälle eh mit dem arithmetischen Mittel*. Und in den anderen Fällen muss ich halt eine pädagogisch-fachliche Würdigung vornehmen. Tatsächliche Entscheidungen trifft ja sowieso die Klassenkonferenz.
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*Wobei ich allerdings davon ausgehe, dass ich bei den subjektiven Einschätzungen eh Beobachter- und Beurteilerfehler begehe, so dass sich aus Eindrücken Noten herauskristallisieren und weniger "Rundungsproblematiken" ergeben.