Ich denke da v.a. an solche »Ideale«, wie:
- versuchen, menschliche und fachlich möglichst allen SuS gerecht zu werden
Das wäre natürlich der Idealfall, aber es muss jedem und jeder vor Berufsergreifung klar sein, dass das utopisch ist und selbst dann wäre, wenn wir nicht mit Lerngruppen von teilweise über 30 SuS arbeiten würden, die wir unter Umständen aber nur eine Stunde pro Woche unterrichten. Wir geben als Lehrkräfte unser Bestes. Mehr geht nicht. Dazu gehört auch, die eigenen Grenzen anzuerkennen und sich nicht qua unrealistischem Ideal von vornherein dem Burnout in die Arme zu treiben.
- SuS fürs Fach zu begeistern (unpgragmatischer/lebendiger Unterricht)
Ich weiß nicht, was „unpragmatischer Unterricht“ sein soll. SuS für ein Fach zu begeistern ist natürlich eine schöne Kirsche auf dem Kuchen des alltäglichen Unterrichts. Dennoch geht es im Alltag einfach an vielen Stellen um ganz basale Dinge, wie Fachinhalte auch denen erfolgreich zu vermitteln, die weder begeistert, noch interessiert sind, während man parallel den Spagat schafft auch denen ein gutes Lernangebot zu machen, die sich tiefergreifend zumindest für das aktuelle Thema interessieren, ganz gleich, ob diese auf G- oder M- Niveau oder gar zieldifferent beschult werden.
Zitat
- die SuS zu lupenreinen Demokraten zu erziehen
Den Begriff „lupenrein“ finde ich vorsichtig formuliert etwas schwierig, interpretiere das jetzt aber einfach mal so, dass man die SuS dazu erziehen soll, mit beiden Beinen fest auf dem Boden des GG zu stehen. Daran arbeiten wir als Lehrkräfte und als Schulen natürlich tagtäglich. Allerdings sind wir nicht die einzigen, die die SuS erziehen, sondern nur einer der beiden Erziehungspartner. Die Eltern sind der andere Teil dieser Erziehungspartnerschaft und deren Erziehung hin zu bestimmten Haltungen und Einstellungen beginnt deutlich früher als unser Einsatz und steht nicht immer im Einklang mit dem, was wir in der Schule vermitteln.
Im besten Fall schaffen wir es, die jungen Menschen, die ja noch heranwachsen und sich noch weiter entwickeln auch nach dem Ende ihrer Schulzeit, dazu zu erziehen als mündige Bürger eigenständige, kritische, begründete Urteile zu fällen, sowie dazu, sich dafür erforderliche Informationen selbstständig einzuholen und angemessen zu prüfen und einzuordnen. Im besten Fall befähigt das die jungen Menschen dazu, sich auch über im Elternhaus erlernte, mit dem GG konfligierende Haltungen zu erheben und weiterzuentwickeln. Auch dafür geben wir unser Bestes. Täglich. Mehr geht nicht.
Schulen entwickeln sich kontinuierlich weiter und verändern sich, weil wir immer wieder aufs Neue versuchen nicht nur neuen Herausforderungen gerecht zu werden, sondern auch für altbekannte Themen, Fragen und Probleme bessere Lösungsansätze zu entwickeln. Ideale können ein wichtiger Ausgangspunkt sein für diesen Prozess, solange man die Realität nicht ignoriert. Teil dieser Realität ist es zu akzeptieren, dass man als Lehrkraft nicht die Welt retten kann und auch nicht die alleinige Verantwortung trägt für den Lern- und Entwicklungsprozess von Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen. Wir tragen Mitverantwortung, zusammen mit den Eltern, mit der Gesellschaft, die für bestimmte Rahmenbedingungen sorgt, aber eben auch mit den jungen Menschen die wir ausbilden und ein Stück weit auf ihrem Lebensweg begleiten selbst. Denn was diese aus dem machen werden künftig, was ihnen in der Schule vermittelt wurde entzieht sich am Ende unserer Verantwortung als Lehrende.