Unangekündigte Tests gerne, aber doch nicht aus Wut.
Stimmt, aber schreib das etwas sachlicher, geh freundlich-empathisch darauf ein, was die Kollegin gerade bewegt und an ihre Grenzen bringt (schließlich hat sie hier um Hilfe gebeten, um gerade konstruktive Lösungsansätze finden zu können) und sprich dann dann einfach an, dass du das zwar menschlich nachvollziehen kannst, aber persönlich für die falsche Motivation hältst, dann fällt es viel leichter, deinen Hinweis als echten Rat anzusehen und womöglich anzunehmen, statt diesen vor allem als Schlag zu betrachten. 
Ich bin zwar erst in meinem vierten Jahr im Schuldienst, habe inzwischen aber auch schon über 15 Jahre pädagogischer Arbeit auf dem Buckel, zusammen mit meinem ersten Arbeitsleben. Ich wage insofern zu behaupten, dass wir alle auch mal bei unserer Arbeit aus der Wut heraus agiert haben. Dass das dann nicht unbedingt die weisesten oder pädagogisch wertvollsten Momente waren ist denke ich allen klar.
Ich habe in diesem Schuljahr in einer Klasse auch mal kurz einen Test erwägt, dann aber fallen lasse, als ich mir bewusst gemacht habe, dass meine Hauptmotivation gerade Wut ist, weil eine Gruppe SuS sich derart daneben benommen hatte. Die habe ich mir dann stattdessen einzeln zur Brust genommen und zumindest mit einigen davon eine Verbesserung erzielen können. Das war deutlich effektiver, als ein Test es gewesen wäre, ohne meine Erfahrung wäre es mir aber vielleicht nicht direkt möglich gewesen meine Motivation zu reflektieren und noch am selben Vormittag einen konstruktiveren Lösungsansatz anzugehen. Darüber hinaus ist das Problem meiner Hasen eher selten komplette Antriebslosigkeit, die fallen in vielen Fällen vor allem durch zu viel Antrieb und zu wenig Impulskontrolle auf, ehe sie gen Klasse 9 dann langsam das Schulkoma als Idealzustand für sich entdecken, aus dem sie in Klasse 10 dann rüde geweckt werden (was aber gut möglich ist, wenn der Grundantrieb eigentlich vorhanden ist).
misspoodle : Wut ist eine schwierige Motivation, weil sie dir den Blick versperrt für deine SuS. Versuch einerseits herauszufinden, was deine Hasen motiviert, welches Ziel sie erreichen wollen und welche Rolle insofern dein Fach auf ihrem Weg spielt. Ich habe z.B. in Französisch immer wieder SuS, die das Fach bei genauerer Betrachtung nicht hätten wählen sollen. Die halte ich mir in 9/10 bei der Stange, indem ich ihnen klar mache, dass Französisch ihnen zumindest keine Tür verstellen darf, durch die sie im Weiteren gehen wollen, sprich nicht zum Nichtbestehen führen darf und im besten Fall auch den Durchschnitt nicht senkt. Ich sage ihnen deutlich, dass ich nicht erwarte ihr Lieblingsfach zu repräsentieren, aber gemeinsam mit ihnen für ein bestmögliches Ergebnis im Abschluss kämpfen werde und genau das auch von ihnen erwarte als Einsatz für sich selbst. Das nimmt nicht alle, aber einige mit. Ich gestalte meinen Unterricht insgesamt so, dass alle drankommen. Wer gerade sichtlich nicht mitdenkt wird aufgerufen, ggf. nach 1-2 Minuten zwar erlöst, wenn nichts kommt (dann dürfen sie jemand anderen aufrufen), dass dann aber mit dem Hinweis, dass er/sie bei der Aufgabe noch einmal drankomme und ab jetzt mitdenken müsse. Wer dann immer noch keine Antwort hat muss genau sagen können, was er/sie nicht verstanden hat (also das ominöse "ALLES" definieren), damit andere SuS das kurz noch einmal erklären können (was für die eine gute Wiederholung ist). Das führt bei den meisten SuS (nicht bei allen natürlich) dazu, dass sie spätestens nach dem ersten Aufrufen doch mitdenken und meinen Hinweis, dass wer sich viel melde und zeige, dass er/sie aktiv mitdenkt seltener aufgerufen werde, wenn er/sie sich nicht melde ernster nehmen und aktiver mitarbeiten im Unterricht. (Je kleiner die Klassen, desto schneller und besser wirkt das, weil die SuS generell häufiger drankommen können.)
Andererseits solltest du deinen SuS deutlich machen, dass wenn sie im Unterricht nicht aktiv mitdenken und mitarbeiten, du auf anderem Wege prüfen musst, ob der Unterrichtsstoff überhaupt verstanden wurde. Das können dann Kurztests sein (wobei ich erst einmal mit angekündigten Tests starten würde), können aber auch- denn du möchtest sie ja eigentlich im Unterricht mobilisieren- auch bewertete Gruppenarbeiten sein, bei denen Arbeitsphase, Präsentation und Arbeitsprodukt Teil einer Note sind. Wenn die Gruppe so mundfaul ist, könnte es wichtig sein, im Anschluss zu besprechen, was man verändern müsste, um in den jeweiligen Teilbereichen (vorher klare Kriterien definieren, damit du das mit den SuS durchgehen kannst) mehr Punkte erzielen zu können und dann zwei Wochen später direkt anwenden mit der nächsten benoteten Gruppenarbeit. Liebevoll zwingen zu ihrem Glück. 