(...) Wenn man noch bedenkt, dass laut Aogo kaum eine nennenswerte Vorgeschichte zwischen den Beiden bestand, sie sich nur flüchtig kannten, kann man zumindest überlegen, ob die Öffentlichmachung der SMS das probateste Mittel von Aogo war.
Ob das Mittel geeignet war, hängt von der Zielsetzung ab. Wenn es Aogo- gleich was er nunmehr öffentlich kundtun mag- am Ende letztlich doch darum ging den gemeinsamen (ehemaligen) Arbeitgeber unter Zugzwang zu setzen war es sicherlich aus seiner Perspektive goldrichtig an die Öffentlichkeit zu gehen (angesichts seiner eigenen Äußerungen wäre es aber äußerst kurzsichtig das jetzt herauszustellen in der eigenen Argumentation). Wenn er eine derartige Reaktion des Arbeitgebers (inklusive Hertha BSC) tatsächlich nicht hätte herbeiführen wollen, wäre sein Verhalten für jemanden der in der Öffentlichkeit tätig ist und über eine große Medienerfahrung verfügen dürfte in einem Ausmaß naiv das an Dummheit grenzt. Wenn er eigentlich vor allem eine Debatte hätte anstoßen wollen über die Begriffsverwendung, war seine Vorgehensweise ebenfalls kurzsichtig und naiv, denn um die geht es höchstens noch am Rande in der ganzen Debatte, was nicht zuletzt auch daran liegt, dass Aogo selbst, wenn es um diskriminierende/menschenverachtende/dumme Aussagen über (Bezeichnungen von) Mitmenschen geht auch kein unbeschriebenes Blatt ist und- genau wie Lehmann- eine Vorgeschichte verbaler Entgleisungen hat, die er- ähnlich wie Lehmann- erst als problematisch erachtet, als diese ihn seinen Job kosten. Das sind insofern zwei ehemalige Profi-Fußballer, die zwar ständig in den Medien (im Zweifelsfall den unsozisalen) stattfinden, die aber bis heute noch nicht gelernt haben, dass es auch in ihrer Branche und auch wenn es nicht nur um Gruppen geht denen man selbst angehört eine Rolle spielt, welche Worte man in welchem Kontext wie verwendet, dass Sprache auch dann unsere Realität beeinflusst und zu verändern mag, wenn es sich um respektlose und abwertende Ausdrücke handelt, die einen selbst nicht direkt betreffen, dass wer von "Z*****" (Sinti/Roma) faselt oder übers "Vergasen von Menschen" Witze reißt genau das Klima schafft, in dem dann eben auch über "N*****" (PoC) oder "S**********" (LGBTQ) raisonniert (räsonniert?) wird. Aogo wusste vorher, welche Konsequenzen die Veröffentlichung beruflich haben dürfte für Lehmann und hat sie billigend in Kauf genommen, egal was er jetzt erzählen mag. Jetzt laut "Cancel Culture" zu schreien und selbige anprangern zu wollen, nachdem er sich genau die Mechanismen, die er anprangern möchte bereits erfolgreich zunutze gemacht hat ist sicherlich ein äußerst instragram-tauglicher Move. Das ist die einfache Lösung, sich einerseits öffentlich "reuig" zu geben ob der eigenen Wortwahl (konnte er natürlich bislang noch nie reflektieren, dass die problematisch wäre, der arme Bub) und anderseits schön undifferenziert und pauschal Schuldzuweisungen zu teilen, was "die" Anderen alles jetzt falsch machten und er natürlich niemals so gewollt hätte. Da ist mir persönlich Lehmanns Strategie, einfach mal die Schnauze zu halten, fast noch sympathischer (obgleich beide hier nicht zu Sympathieträgern taugen).
Um damit die Brücke zu Ausgangspost dieses Threads zu schlagen, der Frage nach der Reaktion und dem Umgang mit "unkonventionellen Äußerungen" und ob diese berufliche Konsequenzen haben dürften oder gar sollten: Wenn du
@Lindbergh eindeutig respektlose, übergriffige, verächtliche, diskriminierende, rassistische oder auch menschenverachtende Sprache als "unkonventionelle Äußerungen" betrachten möchtest, dann ist das solange dein Privatvergnügen, solange du das lediglich im stillen Kämmerlein betreibst. In dem Moment, in dem du dich in einem Kontext mit klarem Schulbezug entsprechend äußern solltest wird das entsprechende berufliche Konsequenzen haben für dich und das ist auch gut so. Niemand von uns sollte sich einer Wortwahl bedienen wie Lehmann oder auch Aogo das offensichtlich für angemessen halten. Wer nicht verstehen mag, dass er oder sie damit Grenzen überschreitet, die man auch verbal nicht überschreiten sollte sollte erfahren, dass diese Art von Sprachgebrauch nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt ist und eben auch berufliche Konsequenzen haben kann. Je nachdem, worum es am Ende genau geht und in welchem beruflichen Kontext das geäußert wurde, kann das dann eben beruflich bis hin zur fristlosen Kündigung gehen, weitere Engagements verhindern (wie offenbar bei Lehmann und Sky) oder zumindest ein Personalgespräch nach sich ziehen, welches ggf. gefolgt ist von einer Abmahnung. Sprüche/Ausdrücke/Bezeichnungen wie sowohl Lehmann, als auch Aogo sie verwenden sind eindeutig keine "unkonventionellen Äußerungen", sondern -leider- ganz gewöhnlicher diskriminierender und menschenverachtender Sprachgebrauch.