Ich zähle jetzt wohl sicherlich nicht zu den "Blindvertrauern" (hübsche Wortkreation), aber ja, ich habe diverse Erfahrungen mit der Ausländerbehörde direkt und indirekt machen dürfen in meinem Leben. Meine Uroma hatte keinen deutschen Pass, "nur" ein unbefristetes Aufenthaltsrecht infolge ihrer Ehe mit meinem Uropa, viele Freunde von mir haben keinen oder noch nicht lange einen deutschen Pass, bei meiner früheren Arbeitsstelle gab es viele Familien ohne deutsche/europäische Staatsangehörigkeit, mein Exmann kam aus dem nichteuropäischen Ausland (sprach kein Wort Deutsch zum Zeitpunkt der Eheschließung, der Mensch auf der Ausländerbehörde im Gegenzug weder Englisch, noch Französisch oder Arabisch, hatte dafür aber direkt jede Menge Vorurteile über Scheinehen im Kopf mit entsprechenden Nachfragen). Mit dem habe ich dann nicht nur den Spaß durch mit Ausländerbehörde und Co. sondern natürlich auch mit dem ALG II-Antrag, den ich später, als ich in der Wiedereingliederung bei meiner früheren Arbeit zu wenig verdient habe, auch für mich selbst aufstockend gestellt habe.
Die Ausländerbehörde war im Vergleich zu dem, was zumindest ein Sachbearbeiter (die wechseln immer mal wieder) mit mir veranstaltet hat an entwertendem und demütigendem Umgang ein Spaziergang. Ab einem bestimmten Punkt bin ich prinzipiell nur noch mit Zeugen hin zum Jobcenter, weil dieser Sachbearbeiter so ein übles Arschloch war. Wenn ich mit meinen SuS über ALG II spreche und in Klassen bin, die meinen, den Menschen, die das beziehen scheine prinzipiell die Sonne aus dem A**** und die würden viel zu viel Geld haben, nur um faul auf der Haut zu liegen auf Kosten der Gemeinschaft, dann erzähle ich durchaus auch mal etwas von meinen persönlichen Erfahrungen mit dem Jobcenter (oder denen von Freunden/früheren Schützlingen), damit diejenigen, die plötzlich ganz leise werden, weil das ihre Familien selbst betrifft, sich nicht outen müssen und auch nicht ungerechtfertigt angeprangert sehen.
Ja, ich finde auch, dass es der Empathie sehr vieler Menschen (durchaus auch hier im Forum) erheblich auf die Sprünge helfen würde, wenn sie selbst einmal Ausländer erster oder zweiter Klasse (allein diese Formulierungen- widerwärtig!!! Wie war das noch mit der Würde des Menschen? Antastbar, sobald man eine deutsche Amtsstube betritt?!) in einem deutschen Amt sein müssten oder sich von einem machtgeilen gescheiterten Exanwärter der zum Sachbearbeiter beim Jobcenter umgeschult hat (weshalb eine schwerbehinderte Frau ja wohl komplett ungeeignet für den Beruf sein müsse und das Ref nicht bestehen könne, weil er-als MANN und ergo GENIE-das schon nicht geschafft habe) drangsalieren lassen müssten.