So, ich hatte ja versprochen ab und an mal etwas über Frau Arbeitshunds weitere Ausbildung zu schreiben, hier also ein kleiner Zwischenstand, nachdem wir die ersten zwei Monate miteinander geschafft haben (womit Frau Arbeitshund jetzt schon beinahe so lange bei mir ist, wie sie an ihrer ersten Einsatzstelle war). Wir sind inzwischen sehr spürbar zusammengewachsen, kennen uns besser, vertrauen uns mehr, verstehen uns immer besser, was uns beiden sehr viel Ruhe gebracht hat. Die Trauer um Frau Hund ist noch immer präsent, aber steht nicht mehr im Vordergrund und überwältigt mich nicht mehr ganz so sehr. Wenn sie dann kommt und ich weine, kann ich mich immer darauf verlassen, dass meine flauschige kleine Frau Arbeitshund sofort zu mir gelaufen kommt und versucht mich zu umarmen (sic!), mich per Handschlecken zu trösten sucht und an meiner Seite ist, bis es wieder geht. Frau Arbeitshund hat inzwischen einen ordentlichen Wachstumsschub (Länge und Höhe) hingelegt und ist eine ausgewachsene Hündin geworden, aber immer noch deutlich kleiner und zarter, als Frau Hund das war, ein flauschiges Baby halt. 
Sie ist inzwischen deutlich ruhiger geworden. Einerseits natürlich, weil sie angekommen ist und dadurch ruhiger werden konnte, aber auch weil sie nicht nur etwas älter geworden ist, sondern auch unser Training wirkt. An manchen Tagen muss ich mir selbt bewusst machen, dass wir tatsächlich ja mehrmals täglich trainieren, weil es sich gar nicht so anfühlt, als würden wir arbeiten, sondern alles sehr leicht ist und große Freude bereitet. Es ist eben die Konstanz im Alltag, die das hauptsächliche Training ausmacht, jeder Spaziergang, jede Spieleinheit, unser gesamter Umgang zuhause zählt und bringt in der Summe- neben dem weiteren Training- die schnellen Fortschritte.
Frau Arbeitshund weiß inzwischen, dass sie sich an Straßenüberquerungen abzusetzen und zu warten hat auf mein "OK", ehe sie eine Straße überqueren darf (jede Straße bei jedem Spaziergang angewendet, sehr gelobt und gestreichelt, wenn sie es gut gemacht hat, wortlos und ruhig mit ihr zurück gegangen und es erneut versucht, wenn sie ungeduldig einfach mit losgelaufen ist, jetzt sage ich nur noch "Straße" und sie weiß, was ich von ich erwarte), sie hat verstanden, dass ich nicht möchte, dass meine Balkonkästen umgegraben oder meine Zimmerpflanzen entblättert werden (ruhig "no" wenn sie ihre Nase im Kasten vergraben hat, Blätter die sie mir in die Hand gelegt hat- da war sie immer sehr gründlich- einfach kommentarlos abgenommen, wenn morgens Blätter herumlagen diese einfach weggeworfen, wenn ich sie erwischt habe an der Pflanze zu mir gerufen und vom Entblättern abgehalten- der "will to please" macht den Rest) und der bis zur Ankunft bei mir offenbar unbekannte Aufzug schreckt sie nicht mehr, so dass sie nicht direkt wieder herausläuft, sobald die Türen sich zu schließen beginnen. Stattdessen weiß sie jetzt, dass sie am und im Aufzug ruhig bleiben muss und absitzen soll auf mein Handzeichen hin, ebenso weiß sie, dass sie wenn sie das macht mit einer dicken Ladung Krauleinheiten belohnt wird solange wir im Aufzug unterwegs sind.
Frau Arbeitshund weiß bereits, dass ich ihr sicherer Hafen bin. Wenn sie sich erschreckt (wie heute früh wegen des nahenden Gewitters) kommt sie also zuverlässig zu mir gelaufen. Sollte sie gerade draußen ohne Leine sein rüpelt sie dann noch etwas, um mich ganz sicher davon zu überzeugen, dass so ein frecher Hund jetzt aber dringend angeleint werden müsse. Tatsächlich ist das einfach nur ein typischer Weg mit dem gerade junge Hunde versuchen einem Menschen ihre Überforderung mitzuteilen und um die Sicherheit der Leine (so diese als Welpe und Junghund positiv belegt wurde) zu bitten. Nachdem ich das weiß und auch sehr früh auf Zeichen der Unsicherheit reagiere und Frau Arbeitshund anleine oder gar nicht erst ableine hat sich dieses Rüpelverhalten bereits deutlich reduziert seit ihrer Ankunft und dürfte bis in zwei Monaten vollständig verschwunden sein. Vertrauen ist dennoch noch ein Thema, insofern als sie durch den Verlust ihres letzten Menschen unter starken Verlustängsten leidet. Zu Beginn ist sie mir auf Schritt und Tritt nachgerannt, ist im Zweifelsfall aus dem Schlaf hochgeschreckt wenn ich mich bewegt habe, hat sich, wenn ich im Flur unterwegs war, sicherheitshalber vor die Wohnungstür gelegt, damit ich nicht ohne sie verschwinden kann und mir entsetzlich nachgeweint (laut fiepend- das hat mir wirklich das Herz zerissen), wenn ich einkaufen gehen musste. Inzwischen läuft sie mir zwar noch in den Flur nach, bleibt aber meist am anderen Ende stehen und beobachtet mich ohne das Bedürfnis zu haben die Tür zu blockieren. Wenn ich mich bewege während sie schläft beobachtet sie mich im Liegen, läuft mir aber nicht mehr z.B. ins Bad nach und wenn sie beim Einkaufen im Auto warten muss (nehme ich aktuell oft, wenn ich weiß, dass sie warten wird müssen, weil sie sich darin sicherer fühlt ohne mich, als wenn sie alleine vor dem Laden warten muss) schafft sie das ohne Fiepen, auch wenn sie es erkennbar nicht schön findet getrennt zu sein von mir. Vor diesem Hintergrund habe ich jetzt angefangen mit dem gezielten Kenneltraining, da sie sich in diesem aufhalten wird müssen während der Unterrichtszeit, wenn sie mich ab Herbst in die Schule begleitet. Zu Beginn war es noch undenkbar den Reißverschluss oben und vorne zuzumachen, weil sie sofort begonnen hat zu "weinen", selbst wenn ich direkt davor saß, also habe ich die letzten Wochen den Kennel (den sie aus ihren ersten sechs Lebensmonaten noch kennt und immer mochte als sicheren Ort) immer nur offen genutzt und sehr positiv besetzt, indem es darin Kausnacks gab am Nachmittag (lecker Rinderohr mit Fell etc.
) oder Streicheleinheiten und Lob, wenn sie von sich aus reingegangen ist. Sie hat immer wieder auch einfach von sich aus ihren Mittagsschlaf darin gehalten. Jetzt haben wir begonnen ein halbe Stunde täglich im geschlossenen Kennel mit mir in Sichtweite sitzend und arbeitend zu etablieren. Das ist ok, aber noch entspannt sie sich dabei nicht. Wenn sie sich dabei zu entspannen schafft steigere ich auf 1h täglich usw., damit das für sie hoffentlich ab Herbst schon gut klappen kann. Letztlich werde ich aber einfach sehen müssen, wann sie soweit ist mit in die Schule zu kommen. Auch wenn ich sehr zuversichtlich bin, dass das schon ab September möglich sein wird, muss ich letztlich dem Hund die erforderliche Zeit für die weitere Ausbildung lassen. Sie ist schließlich noch nicht einmal ein Jahr alt.
Was ihre sonstigen Hilfestellungen für mich anbelangt: Die klappen weitestgehend hervorragend, lediglich bei der Asthmaunterstützung müssen wir noch ausbauen, da das einfach komplett neu für sie ist und sie nicht auf ihr bisheriges Repertoire dafür zurückgreifen kann.
Weiterhin zu tun haben wir mit dem "social distancing" (
) im Fall des Hundes also das ruhige Abwarten wenn sie jemanden sieht, den sie gerne begrüßen würde, bis sie dafür ein Freizeichen erhält, sowie das Ruhigbleiben während der Begrüßung ohne Anspringen, ohne mit den Pfoten zu tatzeln, ohne den Menschen zu bedrängen. Sie hat zwar schon große Fortschritte gemacht, vergisst aber immer noch manchmal, dass sie erst fragen muss, ehe sie Menschen begrüßen gehen darf und vergisst noch oft, dass sie während einer Begrüßung ebenfalls ruhig bleiben soll. Zumindest im Umgang mit Kindern hat sie jedoch bereits große Fortschritte auf beiden Feldern gemacht, was einem dreitägigen Kurzbesuch bei meiner Schwester und dem Umgang mit meinen kleinen Neffen zu verdanken ist, die unglaublich gut auf das gehört haben, was meine Schwester und ich ihnen an Hinweisen zum Umgang mit einem jungen Hund gegeben haben, so dass sogar der Dreijährige am Ende dem Hund klare Grenzen setzen konnte und Frau Arbeitshund verstehen konnte, dass z.B. Weglaufen keine Spieleinladung ist, sondern bedeutet, dass man bei Kindern ganz ruhig an Ort und Stelle bleiben muss, dann kommen diese auch irgendwann zurück und verschenken Streicheleinheiten zum Dank dafür nicht gejagt zu werden. Davon haben die Kinder ebenso profitiert (für die es sehr toll war zu merken, dass der Hund ihre Grenzen versteht und respektiert, wenn sie diese ausreichend eindeutig und in Hundesprache vermitteln), wie der Hund. Dieses spezielle Trainingssetting werde ich auf jeden Fall bald wieder buchen. 
Im Großen und Ganzen läuft es also hervorragend und Frau Arbeitshund ist im Mittel genau auf dem Stand, auf dem sie zu diesem Zeitpunkt und in diesem Alter als Assistenzhund sein sollte (in Teilbereichen ist sie schon etwas weiter, als Frau Hund das in ihrem Alter war, weil sie in den ersten 6 Monaten eine herausragende Grundausbildung erhalten hat, in Teilbereichen etwas hinter dem Stand von Frau Hund in dem Alter, weil sie halt 2,5 Monate lang ehe sie zu mir kam nicht mehr trainiert wurde und weil sie eben nicht von klein auf bestimmte Dinge die für mich wichtig sind mitgelernt hat).
Noch eine letzte Anmerkung, nachdem ich bereits einmal per PN darauf angesprochen wurde: "Frau Arbeitshund" heißt natürlich ebensowenig so, wie "Frau Hund" diesen Namen getragen hätte. Das sind einfach anonymisierte Bezeichnungen fürs Internet, die gar nichts über meine Beziehung zu den Hunden besagen. "Frau Arbeitshund" mag nüchtern klingen, ist aber kein Ausdruck eines Mangels an emotionaler Bindung und Zuwendung, sondern einfach nur das, was mir in Abgrenzung zu "Frau Hund" als erstes eingefallen ist als Hundepseudonym, um die beiden Tiere bei Bedarf unterscheiden zu können ohne die tatsächlichen Namen offenzulegen. Auch wenn ich mir zutiefst wünschen würde, meine Frau Hund hätte mich nicht so früh verlassen müssen, kann und will ich mir mein Leben gar nicht mehr vorstellen ohne meine Frau Arbeitshund, die manches anders macht als Frau Hund und mit ihren neuen Akzenten mein Leben ganz neu bereichert hat.