und was soll das bringen? Fürs schlechte Gewissen? So wie im Ref plant doch keiner mehr, der mit beiden Beinen fest im Lehrersattel reitet und bis drei zählen kann...
Stunden fliegen einem bei uns - ich bin Sek. I - vor allem dann "um die Ohren", wenn man nicht gut drauf ist (Omnipräsenz mal nicht 100% klappt) und/oder die Lerngruppe einfach nicht gut drauf ist. Es gibt so viel gutes Material mittlerweile, das differenziert daher kommt und für alle Geschmäcker was bietet... da kommt man selber am Reißbrett auch nach Stunden nicht annähernd ran.
Den Tipp hat uns ein Dozent an der PH (mit jahrelanger Berufserfahrung an der RS) auch gegeben. Er meinte, das sollte einem jede Klasse und Lerngruppe wert sein, dass man entsprechenden Aufwand betreibt aktuelles Material zu finden, arbeitsaufwendigere Methoden vorzubereiten, eigene ABs zu entwerfen, die optimal auf Lernstoff, Unterrichtsziele und Lerngruppe zugeschnitten sind statt eben nur das Material zu verwenden, das wenig Zeit kostet, dafür aber selten so passgenau ist, sondern erst passgenau gemacht werden muss (womit wir wieder bei der "Planung wie im Ref" wären). Wenn ich von meinen Fächern ausgehe: In Französisch kann ich sehr gut mit dem vorgefertigten Material arbeiten und muss nur ergänzendes Material erstellen, in Politik und Wirtschaft sind die Schulbücher maximal die Basis, die immer von mir ergänzt und intensiv aufgearbeitet werden muss, um die Menge an Stoff einerseits sinnvoll zu reduzieren (was z.B. unser Wirtschaftsbuch kaum leistet- kann ich zwar auch problemlos im Rahmen eines L-S-Gesprächs sehr vorbereitungsarm leisten, sobald ich aber meinen SuS mehr Eigenverantwortung zugestehen möchte, muss ich eben auch mehr in Vorleistung gehen bei der Vorbereitung) und anderseits ansprechend aufzubereiten, um eben nicht nur funktionierenden Unterricht zu haben, sondern Stunden, die den SuS und mir auch Spaß machen. Differenzieren kann ich auch nur selten mit vorgefertigtem Material, da dieses oft nicht passgenau ist für meine Lerngruppen oder Unterrichtsziele. Ist vielleicht in anderen Fächern anders, das vermag ich nicht zu beurteilen.
In Vollzeit kann man diesen Aufwand natürlich nicht für jede Stunde leisten, aber eine Stunde pro Klasse und Monat schafft man und kann so ganz nebenbei immer mal wieder seinen Materialpool aktualisieren und ergänzen. Es geht nicht darum, dass einem Stunden "um die Ohren fliegen könnten", sondern um den Selbstanspruch bezüglich der eigenen Unterrichtsqualität, der hoffentlich nicht schlagartig mit bestandenem Ref endet. Vollprofis wie im Regelfall unsere Mentoren es sind bereiten auch solche "schönen" Stunden im Regelfall ratzfatz vor, weil sie eben entsprechende Übung haben. Mein Mentor war sich aber auch nie zu schade mir offen zu sagen, dass er meine Unterrichtsentwürfe und Materialien in seinen Klassen ebenfalls einsetzt, weil ihm eben die Zeit fehlt so viele Stunden so umfassend vorzubereiten.