War wohl etwas plakativ dargestellt. Deine Argumentation bekräftigt mich aber in meiner Annahme, dass es am besten ist, sich bzgl. Drogen im Schuldienst völlig dumm zu stellen. Wenn ein SuS einfach nur bekifft ist und keine direkte Gefahr für sich oder andere darstellt --> "Ich bemerke nicht, dass ein SuS unter Drogen steht, weil ich das einfach nicht kenne und kann deswegen auch nicht belangt werden, weil ich nichts unternommen habe..." Ist dann wohl die beste Strategie. Verstehe nun auch, warum die meisten Kollegen dem Thema eher ausweichen...
Wenn das was ich geschrieben habe in dir diese Reaktion auslöst, hast du nicht nur meinen Beitrag nicht verstanden, der nicht einmal annähernd auf Ignoranz abzielte, sondern ganz im Gegenteil auf eine verantwortungsvolle, professionelle Reaktion als erwachsener Mensch, sondern auch, wie von dir selbst eingangs vermutet, einen erheblichen Rollenkonflikt. Mach dir erstmal klar, was dein Job als Lehrer ist und füll´diesen Job aus. Dazu gehört es nicht wegzusehen, wenn SuS offenkundig unter Drogeneinfluss stehend in der Schule sind, sondern als Lehrer damit umzugehen, aber eben auch notwendige Gespräche nicht mit der Haltung "ich erkläre dir safer use, weil ich weiß, dass das funktionieren kann" zu führen, sondern der notwendigen Distanz, um tatsächlich wahrnehmen zu können, was deine SuS an Hilfe benötigen. Wenn irgendein SuS eine Frage zu "safer use" hat und du die Vertrauenspersn der Wahl wärst: Schütz dich selbst und bitte wie von Meike geschildert darum einen Experten hinzuziehen zu dürfen bzw. zumindest den entsprechenden Beratungslehrer an der Schule. Damit sicherst du dich selbst einerseits rechtlich ab, andererseits schützt das aber auch deine SuS vor ungesunden, halbgaren Ratschlägen, die du lediglich aus deiner Perspektive als ehemaliger User durchdacht hast. Wenn du diese Art Beratung ernsthaft anbieten können möchtest an der Schule: Bedarf an kompetenten Suchtbeauftragten hat wohl jede Schule. Der Status als ehemaliger User macht dich aber eben längst nicht zu einer kompetenten Beratungsperson, dafür braucht es einfach mehr. Wenn dich das interessiert: Bilde dich entsprechend fort, nutz´die Zeit bis zu einer entsprechenden Fortbildung, um deinen Rollenkonflikt zu lösen und klar in die Rolle als Lehrer zu finden. Das ist die Ausgangshaltung, aus der heraus du innerhalb der Schule berätst, schließlich braucht man gerade bei solch sensiblen Aufgaben Profis, die tatsächlich wissen, was sie tun und welche Konsequenzen ihr Handeln haben kann.
Bring dich doch erstmal an deiner Schule ein, damit ihr schulintern eurer Präventionskonzept überarbeitet. Holt euch vielleicht mal im Rahmen eines päd.Tags Experten von außen, die euch multiperspektivisch beraten, damit ihr als Kollegium einen klareren Handlungsumgang finden könnt mit SuS die unter Drogeneinfluss stehen. Selbst wenn eure SL das nicht so relevant finden sollte, könntet ihr das als Kollegium im Rahmen einer GLK zur Sprache bringen und auch gegen die SL beschließen am Präventionskonzept arbeiten zu wollen. Die Stimme der SL zählt in der GLK schließlich auch nur als Kollegenstimme.
Wenn du tatsächlich etwas ändern willst und nicht nur den heldenhaften Junglehrer geben möchtest, der der Einzige ist, der seine Drogen konsumierenden SuS zu erreichen vermag (ich sehe schon den flashigen Heldenanzug mit aufgedrucktem "Superteacher" im (Gegen-)Wind wehen..), dann such´ das Gespräch mit deinen KuK, um gemeinsam mit diesen bestehende Probleme anzugehen. Nichts gegen heldenhafte Einzelkämpfer, aber als Lehrer sollte man sich zuallererst als Team-Player verstehen und entsprechend mit seinen KuK zusammenarbeiten und gemeinsame Lösungen finden.