Beiträge von CDL

    Schöner und sehr persönlicher Beitrag @Thamiel , der gerade sehr viel in mir anstößt. Danke.


    Zitat von SuperKomparativ

    Sofern ich regelmäßig Ausdauersport und Meditation betreibe, ist es kaum möglich mich zu stressen, wenn ich aber beispielsweise übermüdet bin und/oder eine Sportpause machen musste, merke ich schon, dass ich mich mehr anstrengen muss, um langsam zu reden. Das ist zugegebenermaßen nicht ganz unkritisch. Nach einer gewissen Zeit, setzt aber hier hoffentlich ein Gewohnheitseffekt ein

    Übermüdet und zu wenig Zeit für Sport- liest sich nach dem Dauerzustand eines Refs und Junglehrers. ;) Da ich auch sehr expresszugartig sprechen kann (essentiell, wenn man in manchen Teilen Frankreichs kommunikativ überleben will- aber das ist ein anderes Thema), weiß ich, dass man das neben der Arbeit an der inneren Gelassenheit vor allem dadurch ganz gut regeln und normalisieren kann, dass man bewusst für sein und mit seinem Gegenüber spricht: Wenn du etwas erklärst, mach dir klar, dass du verstanden werden willst und gib deinem Gegenüber den Raum mitdenken zu können. Bewusst innerlich einen Punkt setzen und dabei eine Atempause einbauen. Bewusst einen kurzen Denkstopp einbauen, damit z.B. Raum für Fragen entstehen kann. Das hat einerseits etwas mit einer gewissen Empathie und "Kundenorientierung" zu tun und andererseits etwas mit Didaktik. Viele Refs haben ihre Schwierigkeiten damit und wissen- anders als du- nicht, wie sie sich selbst helfen können innere Gelassenheit aufzubauen. Dieser Baustein ist dir bereits bekannt, den Rest kannst du vermutlich lernen, wenn du es willst und bereits bist dich entsprechend auf dein Gegenüber einzulassen und einzustellen.

    Der Vorschlag mit dem Praktikum klingt für mich sehr vernünftig, damit du für dich selbst klären kannst, ob der Beruf in realiter etwas für dich sein könnte. Man muss als Lehrer keine Rampensau sein, lediglich in der beruflichen Rolle ein ausreichendes Maß an Extraversion entwickeln und leben, damit man in seiner beruflichen Rolle bestehen, die (er)füllen und - im Idealfall- glücklich sein kann. Wie du dann in deinen diversen privaten Rollen bist als Mensch ist davon erstmal recht unabhängig.

    Grundlegend sollen ja auch nur diejenigen fasten, die ab dem Erreichen der Pubertät gesundheitlich dazu imstande sind. Wer vom Sportunterricht erschöpft ist, ist an dem Tag eben unter Umständen gesundheitlich nicht imstande zu fasten und müsste dann gemäß Koran diese Tage nachfasten nach dem Ramadan.

    Ich finde einen verständnisvollen Umgang mit fastenden SuS sehr wichtig, aber es ist eben nicht möglich den Unterricht während des Ramadans quasi ruhen zu lassen, weil Sportunterricht, Klassenarbeiten, Prüfungen und Co.zu belastend für fastende SuS sein könnten. Genau dafür gibt es entsprechende Regeln zum Nachfasten im Islam, die zu nutzen hoffentlich viele Eltern ihre Kinder ermutigen. (Ob diese es dann auch machen ist dann etwas anderes. In meinem Freundeskreis hatte vor drei Jahren ein Mädchen mündliches Abi direkt nach dem Ramadan, die Vorbereitung lief also während des Ramadans. Ihre Mutter meinte, sie solle weil es so heiß sei, tagsüber trinken während sie lerne und dann nach dem Abi nachfasten, wenn sie eh Zeit habe. Sie wollte nicht und zog das so auch durch, auch wenn ihr klar war, dass es im Hinblick aufs Abi vermutlich nicht das Weiseste ist.)

    Danke für eure Anworten. Muss ich erstmal sacken lassen, wie ich das einordne. Auf jeden Fall komplett anders organisiert, als hier in BaWü und dadurch sehr überraschend zu lesen.

    Ich kenne den Begriff von meinen deutsch-türksichen Freunden. Wenn die sich in den Augen ihrer Familie in der Türkei "besonders deutsch" verhalten sind sie dort die Almans, also "die Deutschen", so wie sie umgekehrt hier in Deutschland immer "die Türken" sind, obwohl alle einen deutschen Pass haben und in der 3.Generation hierzulande leben. Viele meiner Freunde bezeichnen sich der Einfachheit halber nicht mehr als Deutsche wenn man sie nach ihrer Herkunft fragt, weil sowieso immer weitergefragt wird, bis sie endlich sagen, dass der Opa und die Oma aus der Türkei als Gastarbeiter nach Deutschland kamen. Am Ende geht es eben nicht darum, wer sie sind, sondern in welche Schublade man sie stecken will. Wenn der Begriff "alman" ihnen hilft dieses Schubladendenken und auch bestimmte Arten von Deutschtümelei von sich zu weisen und sich ihr Recht zu nehmen für sich einzustehen und zu sagen, dass sie als Deutsche genauso hierher gehören wie jeder andere von uns, egal wo Oma und Opa mal herkamen, dann kann ich mit dem Begriff gut leben. "Alman" ist dann vielleicht das Ideal einer AfD und Konsorten, welches diese gerne überall gelebt sehen wollen würden, "alman" ist der Nachbar mit dem Listenhund den er ohne Maulkorb von der Leine lässt und auf die Nachbarskinder mit Migrationshintergrund hetzt, die seines Erachtens nicht hierher gehören (reales Beispiel aus meinem Wohnort), "alman" sind die Personaler die für einen Job mit Kundenkontakt die hochqualifizierte junge Muslima wegen ihres Kopftuchs nicht nehmen (auch wenn es so natürlich nicht begründet werden darf). "Alman" sind also diejenigen, die sich selbst eine Deutungshoheit dafür zusprechen wer oder was (noch) deutsch (genug) sein könnte und wer oder was nicht mehr ausreichend ist und ausgegrenzt werden darf, nein: MUSS (jedenfalls in den Augen dieser "Almans").

    Ich stimme kecks dahingehend zu, dass Sprache Realität schafft (ebenso wie allem, was sie über Alltagsrassisumus schreibt). Genau deshalb würde ich mich selbst aber noch nicht einmal selbstironisch unter dem Begriff "alman" einordnen, eh sei denn er dient ohne weitere Deutungen der Angabe meiner Nationalität oder Erstsprache. Ich bin kein solcher "alman", ich grenze Menschen nicht aus, die nicht "alman" genug sind oder maße mir an zu beurteilen, ob jemand "deutsch genug wäre". Dafür weiß ich aus der eigenen Familiengeschichte zu genau, was Ausgrenzung für Spuren in uns allen hinterlässt.

    Also entscheidet ihr in NRW in der Unter- und Mittelstufe allein auf der Basis mündlicher Noten in allen Nebenfächern über die Versetzung oder diese sind nicht versetzungsrelevant?

    EDIT: Nachdem der Ausgangsbeitrag wieder da ist, verpacke ich meinen Beitrag mal als Spoiler.

    Spoiler anzeigen

    Mit der GMS hatte die Studie faktisch gar nichts zu tun. Das war nur der Aufhänger denke ich, um eine bestimmte Klientel nach Haltungen, Vorwissen und Risikobewusstsein bzgl.des eigentlichen Themas befragen zu können. Aber da ich grad ziemlich unfit bin, könnte mich mein Eindruck heute nachmittag natürlich auch getäuscht haben.

    Vielleicht ist es faktisch ja gar nicht der Ausgleich für diese Tätigkeit, sondern einen der 1000 Extrajobs, die man als SL ständig noch zu erledigen hat und für die jeder "normale" Kollege Ermäßigungsstunden erhalten würde. Ein Familiemitglied von mir hat grad Matheabi korrigiert. Eigentlich würden ihm dafür zwei Korrekturtage zustehen. Als SL hat er nur derart viele Aufgaben, dass er gar nicht weiß, wann er diese Korrekturtage sinnvoll im Korrekturzeitraum nehmen könnte, also hat er jetzt halt drauf verzichtet. Geht halt nicht alles als SL. Vielleicht hatte dein SL nach Jahren in denen er - auch ohne Abikorrekturen, die es an der GS natürlich nicht gibt- ständig Extrajobs ohne Ermäßigungsstunden, nur aus reinem Pflichtbewusstsein gemacht hat jetzt mal das Bedürfnis auch für sich selbst zu sorgen.

    Wer sollte die Aufsichten konkret an deiner Schule vom jetzt vorhandenden Personal machen, wenn nicht du und deine KuK @Tofifee ? Bist du Ref oder Quereinsteiger, dass Pausenaufsichten eine derartig unerwartete Arbeitsaufgabe für dich darstellen, die zu den normalen Aufgaben von Lehrkärften gehören?

    Das ist gut zu wissen, dass das in Österreich immer eine Kombi ist, beantwortet aber noch nicht die Frage, für welche deutsche Schulform der TE sich interessiert. Da gibt es ja doch sehr viel mehr Varianten und damit entsprechend mehr Antwortmöglichkeiten. ;)

    Tatsächlich ist in BaWü sowohl für Sek.I, als auch für Sek.II der Auslandsaufenthalt in einem zielsprachigen Land Teil des Studiums. Entweder eine Studienaufenthalt oder eine Assistenztätigkeit werden vorausgesetzt für den Abschluss. Ob das am Ende auch als zentral angesehen würde für eine Studienanerkennung müsstest du für jedes BL und jede für dich interessante Schulart getrennt eroieren.
    In der Sek.I BaWü gilt Französisch - neben weiteren Fächern- aktuell als Mangelfach. Für Mangelfächer werden 10% der Planstellen vorgehalten, um sicherzugehen, dass Bewerber mit den entsprechenden Fächern im BL gehalten werden und der Mangel schnell gestillt werden kann.

    ^Darüber habe ich zuletzt auch schon mal nachgedacht. Bislang schaue ich halt nochmal in Arbeit X nach, wie ich dort entschieden habe, um ganz sicher zus ein, dass ich nicht am Ende mit zweierlei Maß messe. Wenn die Anzahl der zu prüfenden Fälle sich aber häuft wäre so eine Liste effizienter und auch bei der Besprechung nutzbar, um SuS bei Bedarf darzulegen, wie wie Grenzfälle entschieden wurden. Seitzt du die Liste dann auch bei Besprechungen ein @Friesin ?

    Und weshalb glaubst Du das?
    (...)

    Tja, ich nehme an, weil ich hoffen möchte, dass die von dir geschilderten Fälle Einzelfälle sind und keine systematischen Regelmäßigkeiten darstellen, die letztlich jedweder Form der Ungleichbehandlung (vgl.den Thread den DePaelzerBu) Tür und Tor öffnen. Ich kenne auch Kollegen bei denen z.B.bei mündlichen Noten die Vier die schlechtestmögliche Note ist (weil es Elterngespräche über Noten reduziert), ebenso wie ich bei mir selbst bei mündlichen Noten - nachdem mir da noch viel Erfahrung fehlt- immer sehr bewusst darauf achten muss, weder Verhalten/Mitarbeit in die Wertung einfließen zu lassen noch einfach nur eine Rangliste zu erstellen statt die Noten fachlich zu begründen (was natürlich mehr Arbeit macht). Ich nehme bei der Mehrheit meiner Kollegen, wie auch bei den vielen Familienmitgliedernim Schuldienst wahr, dass sie sich genau diese Abeit ebenfalls machen und sich selbst dabei konstant sehr kritisch hinterfragen. Das bestätigt zumindest im klitzekleinen Universum meiner Schule meine eingangs formulierte Hoffnung.

    Solche Rollenstereotype sind halt zuallererst eine Folge von Erziehung und Sozialisation. Persönliche Veranlagung und Interesse ergänzen das Bild lediglich und dann eben auch nur in dem Maß, welches ich mir als Folge von Erziehung und Sozialisatin selbst erlauben kann. Am Ende kann man dann Unterschiede feststellen, diese sind aber halt eher als Symptome zu verstehen, nicht als originär in dieser Einseitigkeit gegegeben. Gerade soziale Medien transportieren massiv solche Rollenstereotye durch entsprechende Videos und Blogs die Kindern und Jugendlichen vermitteln, wofür sie sich als Jungs oder Mädchen zu interessieren haben. Da gab es zuletzt erst eine Studie, die festgestellt hat, dass es infolge dieser medialen Einseitigkeiten zu einem Rückschritt gekommen ist gesellschaftlich wenn es darum geht derartige Stereotype aufzubrechen. (Ich versuch mal die wiederzufinden, war ein Beitrag auf SWR2 mit den Studienergebnissen und einer Diskussion dazu, während auf dem Heimweg war, da hab ich das nur teilweise abgespeichert obwohl ich mir den Namen der Studie merken wollte- daran wenigstens erinnere ich mich noch- um sie zuhause rauszusuchen.)


    EDIT: Hier wäre die Studie zu weiblicher Selbstdarstellung in sozialen Medien und den Folgen für Geschlechterstereotype: https://malisastiftung.org/en/female-self…ocial-networks/
    English summary

    Deutsche Zusammenfassung

    Nachdem es hier im Thread ja um Übergangsregelungen geht: Gibt es eigentlich noch BL, in denen es eine Schönschriftnote in Klasse 4 gibt und falls ja, hat diese einen Einfluss auf die Empfehlung?

    (Gab es in meiner GS-Zeit samt des freundlichen Hinweises der sympathischen Lehrkraft, dass sie mir mit einer vier in Schönschrift keinesfalls eine Gymnasialempfehlung- damals noch verpflichtend zu befolgen- ausstellen würde. Als Linkshänder keine ganz einfache Hürde..)

    Tatsächlich scheint es zwar sehr viele Studien zu geben, um das Phänomen der Bildungsungleichheit zur beschreiben, aber kaum Studien, die eine nähere Erklärung erlauben würden bzw.den Beitrag von Schule und Lehrkräften zur Reproduktion von Bildungsungleichheit befriedigend darstellen könnten. (vgl. Hartmut Ditton: Der Beitrag von Schule und Lehrern zur Reproduktion von Bildungsungleichheit; in: Rolf Becker, Wolfgang Lauerbach (Hrsg.): Bildung als Privileg, Erklärungen und Befunde zu den Ursachen der Bildungsungleichheit; Wiesbaden, 4.Auflage, 2010, S.247-276).

    Grundlegend scheinen mir in allen Fächern neben mündlichen Noten Verhaltens- und Mitarbeitsnoten besonders anfällig für Ungleichbehandlungen zu sein (da wir hier in hohem Maß geprägt sind von Erwartungshaltungen unserer eigenen sozialen/kulturellen Herkunft und dem damit einhergehenden Habitus). In Baden-Württemberg sind wir aber beispielsweise auch gehalten in allen Fächern die Rechtschreibung/Grammatik mit zu werten. Ich kann mir sofort vorstellen, dass, nachdem es keine Vorgaben gibt, wie ich das letztlich umsetze, es hierbei infolge persönlicher Überzeugungen zu kleinen, aber eben doch signifikanten Unterschieden kommt, die man im Rahmen qualitativer Interviews einordnen könnte. Da kann es dann auch im Matheunterricht unbewusst darum gehen, dass die drei SuS die mit Werkrealschulempfehlung in Klasse 5 am Gymnasium sitzen doch "sowieso nicht an der richtigen Schule sind", "an einer GMS/WRS/RS besser aufgehoben wären", "den Lernprozess von Mitschülern verlangsamen", "noch nichtmal einen graden Satz schreiben können". Selbst ein klarer Erwartungshorizont (10 Rechtschreibfehler in der KA = 1 Punkt Abzug o.ä.) ändert dann gar nichts daran, dass diese bestimmte Schülergruppe dieses bestimmte Kriterium von vornherein häufiger nicht erfüllen kann, als andere Schülergruppen. Damit kann ich dann wenn ich will meine persönliche Haltung rein sachlich begründen und werde vom System unterstützt (=institutionelle Diskiminierung).

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