Trotzdem ist niemandem geholfen, wenn ich Biologie, Chemie, Erdkunde, Latein, Französisch, Religion, Kunst oder Musik unterrichten soll. Genausowenig hätte jemand etwas davon, wenn ich DaZ oder Deutsch an der Grundschule unterrichten sollte.
Es zwingt dich ja bisher niemand, diese Fächer zu unterrichten, an Gym ohnehin weit weniger, und es hat auch niemand davon gesprochen, dass irgendwer ohne Ziel irgendwelche Fächer studiert, weil er es sich zu seinem Hobby macht.
Anders ist es vielleicht, wenn man sich über Jahre mit bestimmten Fächern auseinandersetzt. Auch habe ich die Vorstellung davon, dass man mit 40 anders studiert als mit 20.
Es hat einen Grund, dass Lehrer ihre Fächer studieren.
Ja, sehe ich grundsätzlich auch so und halte nichts davon, mit Abitur in die Schule zu gehen.
Aber ein Teil des Lehramtsstudiums bleiben die Erziehungswissenschaften, die man schon absolviert hat, und ein anderer Teil kann Didaktik sein, die sich sicherlich auch bei etlichen Fächern gegenseitig deckt oder ergänzt. Darauf kann man aufbauen.
Unterrichten ist etwas mehr, als aus dem Lehrbuch vorzulesen und erfordert auch etwas mehr Sachkenntnis, als mal eben drei Bücher zu lesen.
Ich hatte gar nicht vor, aus einem Lehrbuch vorzulesen, ich lege die Handreichungen eher bei Seite und bin gewohnt, auch ohne Buch gut klarzukommen, zumal es bei uns nicht für alle Fächer eingeführte Bücher gibt. Meiner Meinung nach bedeutet Unterricht nicht, dass am Ende des Jahres das Arbeitshefte ausgefüllt ist. Aber das scheint ein Kampf gegen Windmühlen zu sein.
Auch die Differenzierung bilden die Bücher gar nicht ab, wie auch, wenn alle möglichen Schüler:innen in den Klassen sitzen. Die meisten Bücher, auf denen außen „Inklusion“ oder „Förderung“ steht, halte ich für ungeeignet, einige zumindest für hilfreich als Zusatzmaterial.
Kann ich für ein Fach gerne machen, dann aber mit (teilweiser) Freistellung und bei voller Bezahlung. Das dauert dann nur nebenberuflich mindestens ein Jahr.
Ich hatte schon geschrieben:
Die Möglichkeiten, sich über Jahrzehnte hinsichtlich der Fächer, aber auch der Schulformen oder anderer Neuerungen weiterzuentwickeln, sind sehr unterschiedlich ... und von den Fortbildungen und Freistellungen her nicht gut im System angelegt.
Je länger ich dabei bin, desto mehr fällt es mir auf. Und damit sind keine Punkte-Systeme oder Schein-FoBi gemeint und auch keine Verlesungen neuer Erlasse oder Curricula, sondern die Möglichkeiten der Weiterbildung einzelner Lehrkräfte zur Schärfung ihres Profils ebenso wie fundierte FoBi für aktuell wichtige Aufgaben, die im Schulalltag hinzu gekommen sind.
Gleichzeitig regt es mich auf, dass nur die Präsenz-FoBi zählt, das Selbststudium der Lehrkraft aber nicht. Der Arbeitgeber traut seinen qualifizierten Mitarbeiter:innen das Studium offenbar nicht zu, bietet aber auch keine Alternativen, wohl aber viele Aufgaben, in die man sich einarbeiten muss.