Ich unterbinde es in Klasse 3 mit vielen Erklärungen und möglichst strikt:
Man darf sich freuen, aber nicht herumschreien.
Es gibt auch Kinder, die traurig oder enttäuscht sind, das ist ihr Recht.
Jeder entscheidet selbst, wem und wann er anderen etwas zur eigenen Note sagen möchte.
Es wird nicht herumgefragt, bis man alle Noten weiß.
Neben der eigenen Emotionalität finde ich ziemlich schrecklich, dass die SuS sich nicht mit ihrer Arbeit auseinandersetzen, sondern lieber später erzählen wollen, was Hans, Franz und Fritz haben.
Vor der Klasse 3 wollen alle unbedingt Noten haben, offenbar wird von außen genau das aufgebaut mit so Sätzen wie: Dann bekommt ihr auch endlich Noten.
Vermutlich fallen auch Sätze, dass es erst dann richtig anfängt, ihr wisst schon, der Ernst des Lebens wird häufiger heranzitiert, zum Kindergarten, zur Einschulung, zu den ersten Noten, zum Übergang, zur Oberstufe...
Wenn es dann die ersten Noten gibt, sind die Kinder aufgekratzt, ohne dass sie wüssten, worum es geht. In diesem Jahr fragte ein Kind nach der Durchsicht des ersten Arbeitsblattes, warum ich keine Note darunter geschrieben hätte.
Noten werden erteilt, die Bewertung und Rückmeldung wird immer transparenter, aber kaum jemand scheint darauf zu achten, was in der Rückmeldung steht und welche Konsequenz man daraus ziehen kann.
Den Kindern muss man es mühsam erklären, was Noten sind, wie Klassenarbeiten funktionieren, warum man zeitig fertig werden muss (... und dass man es nicht hinterher verbessern kann oder noch 7mal neu abgibt oder oder).
Das mache ich sonst an kleinen Tests in Klasse 2, was in diesem Jahr ausgefallen ist.
Wenn in Klasse 3 dann nicht alle eine 1 oder 2 haben, kommt sehr schnell die Enttäuschung und die Demotivation,
gerne sind es die Lehrer, die Mitschüler, die angebliche Lautstärke in der Klasse, jetzt Corona, das Distanzlernen, die Kälte in der Klasse...
Aber mit den Inhalten selbst beschäftigt man sich nicht.
Leider haben wir an der Schule auch eine Menge Eltern, die einem zum Elterngespräch etwas Vorlügen, dass sich die Balken biegen, weil sie natürlich täglich mit dem Kind lesen, die Hausaufgaben kontrollieren...
Schon immer ist es so, dass Eltern zwar nach Hinweisen zum Üben fragen, aber selbst dann doch lieber andere Übungen wählen, die 2-3 Klassenstufen später thematisiert werden oder die weit über den Horizont eines Kindes mit schwachen Leistungen gehen: Lesen in Silben? Das braucht mein Kind nicht... Addition bis 10 automatisieren... findet mein Kind langweilig, die Zahlen sind ja so klein...