Ich schätze, ich bin jünger als einige, die schon geschrieben haben, und doch nutze ich die gleichen Sätze und habe die gleichen Verhaltensweisen mitbekommen ... FreundInnen in meinem Alter auch: „Alles aufsparen“ ist so ein Thema und „sparsam sein“ (nein, ich bin kein Schwab).
Und da erstaunt es mich, wenn jetzt die jüngeren Lehrkräfte wie selbstverständlich aus dem Vollen schöpfen ... und Fridays for Future Sachen fordert, die ich schon als Kind selbstverständlich fand und die durch die 80er verstärkt wurden, weil sie auf sehr fruchtbaren Boden fielen.
Vor ein paar Jahren habe ich ein Buch gelesen, in dem jemand ausgehend von einem sehr kleinen regionalen Friedhof nahe eines kleinen KZ recherchiert hat, wo die Familien der dort Beerdigten leben. Sie waren über ganz Europa verstreut, was mich erstaunt hat, weil mir vorher nicht klar war, wie weiträumig die Verschleppungen waren ... ich hatte zuvor gedacht, dass es große Zentren und klare Routen gab.
Zudem wurde noch etwas sehr deutlich: Es ist die Generation der Enkel, die fragt und aufarbeitet, weil die Generationen vorher zu dicht dran waren.
Auch ich kenne Geschichten von Eltern und Großeltern aus Krieg und Nachkriegszeit, aber vieles wurde nicht vor uns erzählt.
Ich weiß von anderen, die nicht gefragt haben oder es zum Teil verschwiegen haben, weil der Vater oder Großvater besonders aktiver Nationalsozialist war.
In einer anderen Reportage wurde es „der Krieg im Altenheim“ genannt, dass viele die Erlebnisse nie verarbeitet haben, sondern verdrängt und verschwiegen und die Albträume doch immer wiederkehren.
Nicht umsonst gibt es jetzt die Zeitzeugenprojekte, weil die älteren jetzt noch aus ihrer Kindheit und Jugend erzählen können, die Täter aber bereits gestorben sind.
Auch da ist manches noch nicht aufgearbeitet und es gibt nicht überall einen offenen Umgang damit, sondern auch Menschen, die Seiten aus Chroniken verschwinden lassen oder schwärzen.
Auch ich denke, dass durchaus vieles weitergegeben wurde, bewusst und unbewusst.
Resilienz ist das nicht unbedingt, finde ich, weil eben auch vieles verschwiegen oder von den eigenen Kindern ferngehalten wurde, um sie nicht aktiv zu belasten, was auch mit den Erfahrungen aus der Kriegszeit zu tun hat.
Aber wenn man das, was man hat, eher als Luxus und nicht als Selbstverständlichkeit auffasst, fällt es einem derzeit womöglich leichter, auf etliches zu verzichten, das andere, die gewohnt sind, grenzenlos aus dem Vollen zu schöpfen, als Entbehrung empfinden, z.B. shoppen, reisen/Urlaub etc.