Ja, wir müssen fachfremd unterrichten und nein, wir haben es uns nicht ausgesucht.
Doch, haben wir.
Mir war klar, dass ich in der GS nahezu alle Fächer unterrichten werde, auch wenn ich im Studium nur 3 belegen konnte. Mir ist die Entscheidung damals nicht leicht gefallen, was ich wähle und vor allem, was ich weglasse. Ich hätte gerne 2 weitere Fächer belegt.
Die Vielfalt war für mich ein Grund, den Schwerpunkt Grundschule zu wählen.
Natürlich ist das Studium richtig und wichtig und man erlernt das notwendige Wissen für dieses Fach.
Man lernt aber auch Pädagogik und Psychologie und ist am Ende Lehrkraft mit Schwerpunkten in bestimmten Fächern.
Das bedeutet nicht, dass man sich die Inhalte eines Studiums nicht aneigenen könnte.
Gut fände ich, wenn es in dieser Hinsicht noch mehr Fortbildungen und auch eine Entlastung/ Anerkennung dafür geben würde.
Aus einem BL hatte ich mal gehört, dass es Entlastungsstunden für die gibt, die eine FoBi für ein weiteres Fach belegen.
Auch Hinweise von Zauberwald und Caro07 , dass es in manchen BL ein breiter aufgestelltes Studium gibt, finde ich wichtig.
In anderen BL variieren die Vorgaben, ob D/Ma/Su/Eng verpflichtend ist oder nicht, ob es 2 doer 3 Fächer sind ...
Am Ende wird man in der GS als Klassenlehrkraft mindestens D/Ma unterrichten müssen.
Hat man dann nur ein weiteres Fach, sind vergleichsweise wenige Fachlehrkräfte oder Lehrkräfte mit diesem Schwerpunkt in den Schulen.
Hat man geringe Vorgaben und Lehrkräfte, die weder D noch Ma belegt haben (ja, ist in manchen BL möglich), müssen diese dennoch früher oder später in den Erstunterricht und dort Ma und D erteilen.
Ich habe da keine Lösung, man kann nicht 6-7 Fächer grundlegend studieren.
Zudem erwartet man auch, dass die Regelschullehrkräfte nahezu allein die Inklusion stemmen. Auch wenn sie keinen sonderpädagogischen Schwerpunkt belegt haben, müssen sie die Kinder unterrichten und fördern. Das haben sie sich tatsächlich nicht ausgesucht UND erhalten keine Fortbildungen oder Freistellungen.
Hinzu kommt, dass die Unterrichtsversorgung in den Schulen auffallend schlecht ist.
Es gibt Schulen, die mit 50% des Stammpersonals das SJ gestalten müssen. Da kommen zusätzliche Stunden durch Abordnungen u.a. hinzu, aber man ist zumeist froh, überhaupt weitere Stunden zu bekommen, Fächer sind da oft nachrangig.
Wenn man zudem im Rahmen der Pandemie-Eindämmung für Klassenlehrkraft-Unterricht plädiert, bedeutet es, dass Lehrkräfte verstärkt auch andere Fächer unterrichten.
Die Alternative dazu, dass Lehrkräfte sich einarbeiten und es möglichst gut unterrichten, wäre, den Unterricht ausfallen zu lassen.
Das hat es auch schon gegeben, dann erzählen einem Erwachsene, dass sie mehrere Jahre kein Religion oder Musik hatten.