Als Lehrkraft kannst du dich stärker fokussieren und spezialisieren, das kann den Aufwand verringern und das kann auch für das Team günstig sein, wenn die Talente passend verteilt sind.
Ich finde, NDS hat in den letzten Jahren sehr stark auf Fachunterricht gesetzt, die Fachlichkeit führt aber auch dazu, dass anderes vernachlässigt wird, z.B. das Fächerübergreifende oder Arbeiten in Projekten. Das abzusprechen würde einen extremen zusätzlichen Aufwand bedeuten.
Unterricht, wie Wolfgang Autenrieth ihn beschreibt, ist dadurch sehr zurückgegangen, in meiner Beobachtung ist alles sehr viel nüchterner oder technokratischer geworden, das kommt nicht allen Kindern entgegen - und auch nicht allen Lehrkräften. Durch den Wechsel nach jedem Fach verlieren sich Zugänge und Möglichkeiten, man ist viel stärker an den Minuten-Takt gebunden.
Außerdem sieht man als Klassenlehrkraft die Kinder viel eher in unterschiedlichen Kontexten, erkennt dadurch, wo ein Kind Stärken hat, wenn man viele Fächer selbst abdeckt. Andererseits bekommt man von Fachlehrkräften andere Sichtweisen und Einschätzungen, kann sich mit anderen beraten, die das Kind und die Klasse auch kennen, und kann Elterngespräche oder anderes gemeinsam machen, wenn es notwendig ist.
Meiner Meinung nach sind Klassen weniger unruhig, wenn die Lehrkräfte nicht ständig wechseln, da ist es besser, wenn die Fachlehrkraft auch mehrere Fächer abdeckt.
Das bringt auch für die Lehrkraft mehr Ruhe in den Plan, da man nicht jede Stunde wechselt, sondern viel Zeit in bestimmten Klassen eingesetzt ist und für sich dann wiederum Doppelstunden oder Tage mit mehreren Stunden passend bei der Planung berücksichtigen kann. Das wäre also eher ein Lehrkräfte-Team, das sich den Unterricht in einer Klasse. Oder als Lehrkraft in der eigenen Klasse als Klassenleitung mit jemandem anderen unterm, und selbst die Team-Partnerin für eine andere Klassenleitung.
Hinsichtlich der Umsetzung der Inklusion finde ich es angenehmer, in weniger Klassen eingesetzt zu sein, da man ja für jede Klasse die I-Kinder mit bedenken muss und um Ausprägung, Hintergründe etc. wissen sollte. Da habe ich als Klassenlehrkraft schon einen anderen Blick. Auch hat man als Lehrkraft mit vielen Stunden mehr Möglichkeiten, individuelle Förderung unterzubringen, da kann man auch mal Zeit zum Erklären nutzen, während die anderen in einem ganz anderen Fach selbstständig arbeiten.
Im Hinblick auf den Schulwechsel ist es dagegen schon sinnvoll, wenn die Kinder auf Lehrkräftewechsel und Fachwechsel vorbereitet werden.
Hat man aber ohnehin ständigen Wechsel durch Vertretungssituationen/ Abordnungen/anderes, ist es auch gut, mehr Ruhe in die Situation zu bringen, statt unbedingt am Fachprinzip zu hängen.