Nur damit wir uns nicht missverstehen ... Wir haben auch einen "pädagogischen Ermessensspielraum" wenn ein Schüler zwischen zwei Noten steht. Er mag kleiner sein als Eurer, aber es gibt ihn. Die Note wird berechnet, dann HABE ich einen Ermessensspielraum. Wie groß der ist, steht meines Wissens nirgends, es ist aber üblich, zwischen ,45 und ,55 davon Gebrauch zu machen. Streng genommen legt nicht einmal der Lehrer die Zeugnisnote fest, sondern die Klassenkonferenz. Wenn es mir also gelingt, die anderen Lehrer der Klasse davon zu überzeugen, das XY mit 2,45 eine 3 bekommen soll, wird das wohl die Note 3 werden. Umgekehrt kann ich sie viellecicht auch davon überzeugen, dass 2,55 noch die 2 ist. Natürlich hat mein "Wort" großes Gewicht, schließlich kenne ich den Schüler in meinem Fach und habe evtl. weitere Gründe, warum ich genau diese Note geben will.
Im Seminar in Baden-Württemberg fiel bei mir vor gut 30 Jahren der Spruch " ,3 bis ,7 ist Lehrernote", sprich man kann gut begründet, sowohl die bessere als auch die schlechtere Note erteilen (,45 - ,55 finde ich daher viel zu gering und "klingt für mich nach Bayern", ist gerundet ja beides ,5). Ich rechne nie die 2. Nachkommastellen aus. Ich hatte vor 30 Jahren ein professionelles Notenprogramm, das nach Eingabe Baden-Württemberg nicht rundete, sondern die 2. Dezimale "abschnitt" (also 2,59 war 2,5 im Gegensatz zu einigen anderen Bundesländern).
Es wurde sogar gesagt, dass wir, wenn wir es entsprechend begründen könnten, sogar außerhalb von ,3-,7 zu anderen Noten greifen dürften. Ich erkläre es meinen Schülern mit entsprechenden Beispielen und bisher haben es alle verstanden.
Es wird nicht gerechnet. Die "sonstige Mitarbeit" (Beteiligung im Unterricht, Tests, etc.) und die Klausurnoten werden "in etwa" gleich gewichtet. Wenn der Schüler also zwischen 2 und 3 steht entscheide ich die Note, nicht der Taschenrechner.
Beteiligung im Unterricht (Häufigkeit des Meldens?) gehört bei uns zu Mitarbeit nicht zur Fachnote. Ich darf nur die Qualität der Antworten zählen. (Manche KollegINNen halten sich mit den seltsamsten Begründungen nicht dran, was mich ärgert.)
Bis jetzt konnte tatsächlich jeder Lehrer, jede Lehrerin in Baden-Württemberg jedes Jahr für jede Klasse neu den Prozentsatz entscheiden, er oder sie musste es nur anfangs des Schuljahres der Klasse mitteilen. Das soll ab kommenden Schuljahr (teilweise) die Fachschaft übernehmen. Ich hatte bisher je nach Fach und Klassenstufe zwischen 50 % und 75 % für schriftliche Noten ausgewählt (dazu zählt alles schriftliche auch Tests).
Da es bei uns in Arbeiten, Tests, mündliche Noten auch Viertelnoten gibt, finde ich es "genauer" als eure ganzen Noten (dann benötigte ich auch mehr Spielraum), wenn ein halber Punkt eine ganze Note schlechter bedeutet.
Manchmal wünsche ich mir auch ein bisschen euer System. Es vermeidet natürlich Diskussionen, die im NRW-System entstehen können. Wenn die Schüler wissen, dass es bei 2,6 dann auch eindeutig die 3 wird, ist da weniger Spielraum.
Befremdlich finde ich es mangels Gewohnheit.
Diskussionen habe ich tatsächlich selten. Auch wenn ich bei ,4 die schlechtere Note erteile (ich kann es dann ja gut begründen). Ich selbst habe vor über 40 Jahren einmal mit ,3 die schlechtere Note erhalten. Klar hat man sich geärgert, aber letztendlich habe ich es akzeptiert.