Alles anzeigenIch habe es am Ende gelöscht, weil ich hastig und spontan noch schnell geantwortet habe, auch ohne deine Links zu lesen. Wir hatten heute Nachmittag etwas vor und ich war vorher immer nur ganz kurz hier. Hab kurz geantwortet, dann während des Wohnung-Aufräumens überlegt, dann bin ich nochmal kurz ins Forum um zu löschen. Das war alles nicht so geschickt.
Siehst du aber, du meinst auch, aktuell bestünde das Lissabon-Problem nicht. Sehe ich aktuell genauso. Daher mein "Quatsch".
Ich bin ehrlich gesagt schon zwiegespalten, was unsere Waffenlieferungen angeht.
Einerseits muss man etwas tun, andererseits muss man verhindern, dass sich der Krieg ausweitet. Nun sagen einige, Waffenlieferungen täten genau das, nämlich eine Ausweitung verhindern; andere sagen, Putin sieht uns dann evtl. als Kriegspartei. Da ist die Regierung ja ähnlich gespalten, es ist einfach extrem schwierig.
Und bezüglich der Antwort auf den offenen Brief, ich möchte es jetzt bitte nicht auf einen Atomkrieg ankommen lassen und ich finde, dass alles getan werden muss, dass es dazu nicht kommt. Ähnlich sprechen ja um Glück auch Biden und Scholz.
Ich finde, es sollte auf jeden Fall neben Waffenlieferungen weiterhin viel Wert auf Verhandlungen gelegt werden, immer und immer wieder, denn anders wird es wohl keinen Frieden geben.
Ich zitiere nochmals Wolfgang Müller, weil er so viel besser als ich ausdrückt, was ich auch meine. https://wolfgangmueller.info/2022/04/30/ukr…sche-frage-ist/
"Der wohl perfideste Satz in diesem Brief ist die Warnung vor dem “Irrtum, dass die Verantwortung für die Gefahr einer Eskalation zum atomaren Konflikt allein den ursprünglichen Aggressor angehe und nicht auch diejenigen, die ihm sehenden Auges ein Motiv zu einem gegebenenfalls verbrecherischen Handeln liefern.” Das ist Täter-Opfer-Umkehr in Reinkultur.
Dazu kommt: Die Idee, dass durch angstvolles Agieren diese Bedrohung abgewendet werden könnte, ist völlig absurd. In russischen Medien, und auch von russischen Offiziellen wird schon seit einiger Zeit Deutschland als Nazi-regiert dargestellt, angefangen von angeblichen Biowaffen Laboren vom Bernhard-Nocht-Institut in der Ukraine bis hin zu der Behauptung, der 2. Weltkrieg hätte nie aufgehört und Deutschland wäre nach wie vor ein faschistisches Land. Es liegt also offen auf der Hand, dass wir als legitimes Angriffsziel markiert werden, völlig unabhängig davon, wie wir uns verhalten oder nicht. Und zwar einzig und alleine aus dem Grund, weil wir als demokratisches und wirtschaftlich mächtigstes Land der EU das größte Hindernis für eine russische Dominanz auf dem eurasischen Kontinent darstellen. Wir könnten uns gar nicht so sehr verzwergen, um nicht aus dem Weg geräumt werden zu müssen für russische Großmachtsfantasien. Von Anfang an war der Krieg in der Ukraine von Russland in mehreren Aussagen der russischen Führung als Auftakt zu einem Krieg gegen den Westen definiert. Dieses Ziel wird nicht verschwinden, wenn wir hundert Mal erklären, dass wir wirklich keine Bedrohung sein wollen und auf gar keinen Fall einen Atomkrieg möchten. Und ganz sicher nicht, wenn wir uns auf den Boden legen, unseren Bauch zeigen und klar signalisieren, dass wir uns nicht wehren werden, egal was passiert. Die brennende Angst, dass man selber Opfer werden könnte, muss umgewandelt werden in die klare, aber ruhige Erkenntnis, dass man längst ein markiertes Ziel ist und diese Markierung auch durch noch so viel Appeasement nicht abwaschen kann. ...
Wenn also, wie schon bei der Ukraine, Kriegsgründe beliebig erfunden werden können, und jüdische Präsidenten als Nazis und demokratische Länder als faschistisch bezeichnet werden, wenn also die Bedrohung völlig unabhängig vom eigenen Verhalten und objektiven Realitäten existiert und weiter existieren wird, erübrigt sich die Frage, was man tun kann, um den Konflikt, der ja keiner ist sondern eine einseitige Aggression, zu entschärfen, bzw. nicht eskalieren zu lassen. Denn die Antwort lautet: Nichts. Wer die Lieferung schwerer Waffen zur reinen Landesverteidigung für Leib und Leben gegen einen übermächtigen Aggressor als Eskalation brandmarkt, hat jeden moralischen Kompass verloren. Man darf sagen, dass man eine Heidenangst vor der eigenen Courage hat, ja. Man darf auch sagen, dass man lieber feige und lebendig als mutig und tot wäre, auch das ist nachvollziehbar und menschlich. Man sollte es aber nicht als friedliebenden Pazifismus verkaufen, denn de facto wäre das in diesem Fall ein Kotau vor dem Recht des Stärkeren, oder wie Desmond Tutu sagte: “Wenn du in Situationen der Ungerechtigkeit neutral bist, hast du die Seite des Unterdrückers gewählt.” Das kann realpolitisch manchmal notwendig sein, aber sollte ganz sicher nicht zur Handlungsmaxime erhoben werden."
(Zitatende)
Zu Bernhard-Nocht-Institut und Biowaffenlaboren habe ich ergoogelt.
https://www.rnd.de/politik/biowaf…JQTZYRE6HY.html
Uns wird vom Kreml bereits Biowaffenherstellung für die Ukraine vorgeworfen
Zitat
"Da das FLI an Tierseuchen forscht und diese eine internationale Herausforderung sind, arbeitet es mit vielen Instituten aus anderen Ländern zusammen. Bei dem angeführten Projekt geht es um die Erforschung von Fledermausparasiten.
Darin sieht Moskau den Beweis, dass das FLI für einen geheimen, vom Westen finanzierten Plan zur Entwicklung von Biowaffen arbeite. Das Institut wies die Vorwürfe als „völlig aus der Luft gegriffen“ zurück. Warum gerade diese Einrichtung in das Visier Russlands geraten ist, kann man sich dort nicht erklären.
Neben dem FLI wird laut „Ostseezeitung“ auch das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg von Russland verdächtigt.
Russland wirft der Ukraine immer wieder vor, geheime Biowaffenlabore mit Unterstützung der USA zu betreiben, und hatte das im UN-Sicherheitsrat thematisiert.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. Dass eine solche Anschuldigung aus Moskau komme, bereite ihm Sorgen, sagte er. „Denn wir sind oft davon überzeugt worden, dass, wenn man Russlands Pläne kennen will, es die sind, die Russland anderen vorwirft.“
(Zitatende)
Normalerweise bin ich auch für Gespräche zwischen Täter und Opfer. Aber es müssen beide bereit sein und Russland greift auch uns bereits verbal an (Diskriminierung von Russen bereits seit Jahren, Biowaffenherstellung gegen Russland), wer alles zusammen lügt, benötigt als Grund keine Waffenlieferungen. Und wenn es in 3 oder 10 oder 20 Jahren nach Polen auch gegen Deutschland geht, wer soll uns dann helfen? Putin und Medwedew sprachen von Lissabon, ich habe es als Frage in einem Nebensatz wiederholt, es geht nicht um heute oder morgen, aber Quatsch ist falsch. (Auch Hitler hat nicht alles gesagte erreicht, aber sehr vielen Ländern viel Leid gebracht. Es ist höchste Eisenbahn. )