Ja, ich vergebe Noten, bin aber auch von mitarbeitenden Schülern abhängig. Schüler können Lehrer in den Wahnsinn treiben. Wir haben es als Achtklässler geschafft, dass eine junge unerfahrene angestellte Kollegin die Schule verlassen musste (ich gehörte zu den Zuschauern, ich schäme mich heute noch dafür, es wurden Wetten abgeschlossen, wie lange es dauert bis sie weint). Vor ein paar Jahren habe ich erlebt, dass Schüler es geschafft haben, dass ein verbeamteter Kollege in die Nachbarstadt versetzt wurde (er hat auch nachgegeben und den Schülern ihre Wünsche erfüllt, wenn sie keine Lust hatten, statt Anerkennung erhielt er Spott) . Dort waren Schüler, Eltern und Kollegen so wenig begeistert, dass er von Anfang an keine Chance bekam (sein Ruf war ihm voraus geeilt, ein Bruder dort an der Schule hat gereicht). Er hat schließlich aufgegeben und ist nicht mehr Lehrer.
Ja, es gibt Machtverhältnisse, es gibt überall Chefs und einfache Mitarbeiter. Aber Arbeitsverweigerung ist auch in der freien Wirtschaft nichts, was Respekt verdient, was mit Spielen (Beförderung, Lohnzuschlag etc.) belohnt wird. Wie wollt ihr in Zukunft Grammatikübungen oder andere nicht so spannende Sachen durchsetzen?
Ich sehe Macht daher nicht so einseitig verteilt, ja, es ist sicher keine Gleichberechtigung, aber auch ich muss Befehle von oben ausfüllen (und auch meine SL weiß, dass die Erfolge größer sind, wenn wir gemeinsam arbeiten, wenn sie nicht gegen mich arbeitet).
Für mich ist das oben beschriebene Verhalten eine kurzfristig überlegte Handlung der Schüler, deshalb würde ich es bei einmal ansprechen belassen. Sie hatten, so klang es, in Sport keine Lust auf Deutsch und ein Wort ergab das andere. Wenn es zu stark thematisiert wird, verliert man evtl. die Wohlgesonnenen (und die benötigt man). Anders würde ich reagieren, wenn ich das Gefühl hätte, es wäre nach langer Überlegung entstanden. Aber einen Machtkampf kann auch ein Lehrer nur verlieren. Wir leben nicht mehr in den 50er Jahren.