Das will ich dir auch gar nicht nehmen. Wenn du für diese Bequemlichkeit bezahlen willst, ist das ganz deine Sache. In Deutschland wird allerdings jeder gezwungen dieses System mitzufinanzieren, egal ob man will oder nicht. Eingenverantwortung wird hier in sehr vielen Dingen sehr klein geschrieben. Immer wird gleich nach der Nanny "Staat" geschrien. Und wenn man so eine tolle Versicherung haben möchte, kann man das in anderen Ländern, wie der Schweiz, eben auch selber entscheiden. Du hast in D halt einfach nur nicht die freie Entscheidung.
Es ist sicherlich nicht "woanders alles besser", aber einige Aspekte sind definitv deutlich besser gehandhabt in anderen Staaten. Und wenn wir hier die höchsten Abgagen und Steuern zahlen, erwarte ich auch das Beste. Ansonsten wird es auch mit weniger Geld funktionieren können.
Das Beamtentum gehört definitiv reformiert. Zumindest bei einigen Berufsgruppen, wie der unseren. Es hat sich mir noch nie so ganz erschlossen, warum Lehrer Beamte sein müssen. Bei anderen Berufsgruppen, wie der Polizei, kann ich das verstehen. Die dürfen auf keinen Fall streiken und müssen loyal an den Staat gebunden sein, da sonst die Exekutive wegfällt und de facto Anarchie herrscht. Aber Lehrer? ... Naja, ich nehm halt die Verbeamtung, wenn sie mir so geboten wird, warum auch nicht? Aber aus staatlicher Perspektive ist das eigentlich nicht sinnvoll.
Das heißt nicht unbedingt, dass Lehrergehälter per se sinken müssen, aber sie könnten definitiv mehr an die Leistung gebunden sein (wie in der privaten Wirtschaft). Dann gibt es auch nicht mehr so viele, die sich auf ihrem Sold und ihrer späteren Pension ausruhen, nur weil sie wissen, dass man sie ja eh für mangelhafte Leistungen nicht rausschmeißen kann.
Und wie entscheidest du nach Leistung? Nach Noten der Schüler? Dann geht niemand mehr in Brennpunktbereiche. Baden-Württemberg hatte mal eine Leistungsprämie. Der SL durfte alle zwei Jahre jemand auswählen. Ich erhielt sie auch einmal. Die nächste Gehaltsstufe wurde vorgezogen (machte einige Tausender aus). War (oft) ungerecht verteilt, Chefs Lieblinge bekamen sie. Ich erhielt sie, nachdem ich angekündigt habe, zu wechseln (sicher nur zeitlicher Zufall). Sie wurde (leise) wieder abgeschafft.
Auch in der freien Wirtschaft erhält sie oft nicht der Beste, sondern wer am besten mit dem Chef kann, wer Leistung anderer als seine ausgibt usw. Sie erzeugt mindestens so oft Frust und dadurch verminderte Leistung wie sie anspornt. Und auch in großen Unternehmen hat man irgendwann weitgehend Kündigungsschutz (kenne z. B. Alkoholiker, die trotz Nichtleistung bis zur Rente mitgeschleppt werden, wo jeder hofft, dass kein zusätzlicher Schaden entsteht).
Ich war anfangs in NRW angestellt. Erst mit Wechsel nach Baden-Württemberg wurde ich verbeamtet. Mir wurde am Ende meiner Probezeit als angestellter Lehrer (beim Land nicht privat) gratuliert und gesagt, dass, wenn ich "keine silberne Löffel klaue", meinen Job auf Dauer sicher hätte.
Brutto weniger, netto mehr, dem Staat kostet es anfangs auch weniger. Hilfreich fand ich es, als Eltern mir drohen wollten, wenn ich ihrem Kind keine 2 (statt 4) im Zeugnis gebe. Es gab mir Sicherheit (ein Kollege, der ernsthaft erkrankt war, wurde zwangspensioniert, totale Sicherheit gibt es auch bei Beamten nicht).
Begründung ist übrigens die Zeugnisschreibung (Urkunde). Das könnte man anders lösen. Aber ob die Abschaffung Probleme löst, ich glaube nicht. Ich hätte sicher länger gegrübelt, ob ich nicht doch das Angebot zur Promotion annehmen soll. In der Chemie wurde damals mehr verdient, aber ich wollte Sicherheit.
Ich kenne nur wenige Kollegen, die zu wenig tun. Die meisten sind bei uns engagiert (am "faulsten" ist ein angestellter Lehrer, der ausgebrannt ist (wird auch nicht gekündigt) . Ich glaube also nicht, dass sich viel ändern würde. 1000 Euro mehr (statt Beamtentum) müsste man vielen MINTlern anbieten (sorgt bei anderen vermutlich auch Frust, ich habe es bei der Leistungsprämie und A14 erlebt).