Dass hier seit 4 Monaten fast wortgleich dieselben Sätze geschrieben werden finde ich ein bisschen entmutigend. V.a. in Hinblick auf unseren Beruf... offenbar kann man sich 4 Monate mit einer Themeneinheit beschäftigen und nichts, aber auch gar nichts ändert sich in der Wahrnehmung, im Verständnis, in der Aufnahme und Interpretation der Daten.
Ich war im März gegen Schulschließung, dachte, genug Beatmungsgeräte reichen (inzwischen weiß man, auch in Deutschland starb jeder 2. trotz Beatmung), im April gegen Maske (Verkeimung, bringt nichts), ich habe mich weiter informiert und meine Meinung geändert. Virologen wie Drosten und Melanie Brinkmann haben in dieser Zeit ihre Meinung geändert, ich habe es mehrfach hier geschrieben.
Ich habe kein Verständnis für Verschwörungstheorien, ich sehe die Zahlen steigen (die baden-württembergische Kurve steigt wieder exponentiell, wenn auch weniger steil als im März). Es war mir klar, es ist ein Marathonlauf und kein Sprint. Ich hatte im April Sorge, dass wir als Gesellschaft es nicht schaffen. Manche Menschen wollen sich mit nichts länger beschäftigen.
Ich "kämpfe" seit 30 Jahren gegen die Klimakrise (auch ein Langzeitthema), seit FFF hören mir Schüler interessiert zu. Anfangs vor 25Jahren wurde alles bezweifelt. Auch bei der Klimakrise sind seit vielen Jahren (fast) alle Experten gleicher Meinung, es kommt erst jetzt in der Bevölkerung an. (Eine Anekdote, die ich in diesem Zusammenhang erzähle, ist von der Kampagne "auch Ärzte rauchen " in den 60er Jahren - es hat gedauert bis dem letzten klar wurde, das Rauchen der Gesundheit schadet.)
Ich versuche meinen Schülern Fakten und Aspekte (ob sie eindeutig sind oder umstritten, wie sie zustande kommen) zu nennen, versuche immer Mut zu machen (wir können etwas tun), aber die Wahrheit liegt nicht immer in der Mitte. Manches ist eindeutig. (Bevor es falsch verstanden wird, ich weiß nicht, wie sehr die Maske hilft, aber etwas zu helfen kann sie anscheinend schon, sie könnte vielleicht viel mehr, wenn alle sie richtig tragen würden.) Einfach alles laufen zu lassen, erscheint mir sehr riskant, wir kennen nicht die Langzeitschäden (wie z. B. die nach mehreren Jahren tödlich verlaufenden Gehirnentzündung bei Masern bei Säuglingen immerhin 1 von 600 bei Babys, kann sich dieser Virus auch im Körper verstecken, ich weiß es nicht).
Ich bin eher ein nachdenklicher und vorsichtiger Mensch, andere sind anders. Das ändert sich nicht in 4 Monaten.