Kann mir jemand erklären, warum sich diese Verdoppelung nicht im R-Wert zeigt? Dieser ist meist nur knapp über 1, gestern sogar darunter. 1 bedeutet doch, dass die Zahl der Infizierten gleich bleibt. Wo ist mein Denkfehler? Was übersehe ich?
Def R-Wert bezieht sich auf Infektionen in der Vergangenheit (ca. vor 7-10 Tagen und wird tatsächlich wegen Meldeverzug teilweise geschätzt). Wenn große Zahlen (z. B. Masseninfektion Gemüsehof, die ersten sind bereits wieder gesund oder vor kurzem Tönnies) herausfallen, kann er auch mal (kurzfristig) sinken. Es gibt deshalb 2 R-Werte (einen genaueren, der mehr schwankt und einen langfristigeren). Wen es interessiert, einfach mal nach Lagebericht RKI googeln (leider nicht verlinkbar), da wird es erklärt. Immer gegen Abend werden (viele) Daten vom Vortag für das Fachpublikum veröffentlicht und für den Laien inzwischen auch erklärt.
Die Zahl der lnfizierten sind alle aktuellen Fälle (also die in den letzten 14 Tagen positiv getestet wurden und wir hatten jetzt die meiste Zeit R-Werte über 1,1 und mehr (täglich), das führt auch zur Verdoppelung (Exponentialfunktion) bei etwas längeren Zeiträumen.
Das ist das Problem, was ich sehe. Wir wünschen uns alle die Normalzeit zurück, das Wetter ist schön, die Zahlen steigen langsam, man gewöhnt sich daran. Irgendjemand verglich es mit einem Tsunami, die Welle ist (anfangs) nicht hoch, oft nur 30 - 40 cm, aber sie ist lang (oft mehrere Kilometer) und es wird immer mehr Wasser.
Die meisten Menschen denken linear, exponentiel können sich viele nicht vorstellen. Das Problem ist nicht der einzelne Tag, sondern der Zeitraum.
