Hallo Carla-Emilia,
ich wollte gestern ja noch weiterschreiben. Aber heute bin ich selbst wieder ein bisschen ratlos, weil sich meine 9er heute auch unmöglich benommen haben.
Die Schüler haben was von der Tafel abgeschrieben und es war total still, daraufhin hat eine Schülerin lautstark in die Klasse gerufen: "Ey Leute, es ist ja gerade viel zu still. Macht doch mal ein bisschen Krach." Die anderen haben angefangen mitzumachen, aber dann glücklicherweise aufgehört, als ich sie ermahnt habe. So ging es aber dummerweise die ganze Stunde. Ich war nach der Stunde total genervt und dachte, es kann ja wohl nicht wahr sein.
Ich hatte eine Grammatikregel mit ihnen ausführlichst besprochen, ganz ganz langsam, wie die Klasse es möchte, da viele Schüler extrem schwach in Englisch sind, diese auf Englisch an die Tafel geschrieben, sie noch mal übersetzt, weil es zu schwer für die Schüler war und sie noch mal auf Deutsch an die Tafel geschrieben, weil die Schüler das unbedingt wollten. Und währenddessen ist die Klasse dann ziemlich abgedreht. Einzelne Schüler haben die anderen zum Quatschmachen angestachelt und hielten es nicht mal für nötig, überhaupt was von der Tafel abzuschreiben. Ich habe mir vorgenommen, solche Dinge eben nicht 5 mal zu erklären, sondern eben nur noch 2 oder 3 mal. Aber das ist doch schade für die anderen Schüler, oder?
Hausaufgaben, Elternunterschriften und allem anderen läuft man ewig hinterher. Gespräche mit den Eltern sind z.T. sehr hilfreich, aber ich kann ja auch nicht alle Eltern ständig anrufen, sonst werde ich ja gar nicht mehr fertig. Einige Eltern waren auch beim Elternsprechtag. Sie sind z.T. alleinerziehend und sagen selbst, dass sie gar nicht mehr wissen, was sie mit ihren Kindern machen sollen.
Manche Stunden in der Klasse laufen ganz gut. An anderen Tagen geht das Gemotze los. Es gibt einfach Schüler, die unverschämt werden, wenn man sie in höflichem Ton darauf hinweist, dass sie in der Schule nicht mit den Füßen auf dem Stuhl (mit angezogenen Beinen vor dem Tisch und den Füßen auf dem eingenen Stuhl) sitzen sollen.
Ich habe mich mit einer anderen Lehrerin unterhalten, die in der Klasse unterrichtet. Sie hat die Klasse seit zwei Jahren, ist extrem streng und hatte am Anfang lange Zeit den gleichen Zirkus und hat lange "kämpfen" (bitte jetzt nicht falsch interpretieren) müssen.
Vielleicht ist es ein kleiner Trost: Es geht nicht nur dir so.
In der Klasse sind auch ein paar sehr sehr nette Schüler, die selbst sagen, dass sie es unglaublich finden, wie ihre Mitschüler sich verhalten.
Aber was macht denn ihr anderen Lehrer, die ihr längere Erfahrung habt? Habt ihr denn nicht solche Klassen?
Meine Kollegen, die vorher am Gymnasium unterrichtet haben, sagen alle, dass es solche Klassen an ihren Schulen nicht gegeben hätte. Eine meinte sogar, sie hätte früher nie gedacht, dass es einen Schüler oder eine Schülerin gäbe, die so unverschämt wäre. Sie hätte so etwas vorher nie erlebt, hätte aber dann an unsere Schule feststellen müssen, dass es nicht nur einzelne solcher Schüler gäbe.
Habt ihr nicht solche Klassen?
Wir haben ja auch wirklich viele ganz ganz nette Schüler, ich habe auch zwei wirklich nette Klassen, aber solch eine Klasse geht auf Dauer ganz schön an die Nerven. 
Wahrscheinlich war das jetzt nicht sehr hilfreich, aber vielleicht hilft es auch zu wissen, dass es nicht nur dir so geht.
Komischerweise läuft in den Klassen bis inklusive 7 immer alles ohne größere Probleme, aber ab 8 wird es meist wahnsinnig schwer. Gut klappt es in den höheren Klassen anscheinend vorwiegend bei Lehrern, die die Klassen schon ab der 5. oder 6. Klasse hatten und bei Lehrern, die extrem streng sind und für nicht gemacht Hausaufgaben o.ä. auch mal schnell eine 6 geben. Aber kann das die Lösung sein?
Ich stehe auch ständig in dem Konflikt, einerseits gerecht und freundlich zu den Schülern sein zu wollen, aber andererseits eben auch richtig durchgreifen zu müssen. Schade. 
Heute auch ratlose Grüße von
Referendarin 